23.09.2011 Bochum, Matrix

von Rüdi

 

Die Festivalsaison ist beendet, doch nach herrschender Philosophenmeinung liegt in jedem Ende ein Neubeginn. Für uns bedeutet das: Clubshows! Wir werden oft gefragt, was wir denn eigentlich lieber spielen und antworten dann immer wahrheitsgemäß, daß beide Varianten ihren eigenen Reiz haben. Ein ganz klarer Vorteil von Clubkonzerten ist natürlich, daß wir in der Regel nicht ganz so auf die Uhr schauen müssen und daß wir davon ausgehen dürfen, daß sich die Kartenkäufer auch für unsere Band interessieren. Ein kleiner Nachteil zum Beispiel: Das Rauchverbot.

Die Clubsaison beginnt heute im Matrix in Bochum und damit uns die Umstellung nicht allzu schwer fällt, findet das Konzert zu unserer Freude im Raucherbereich des Clubs statt. Aber das soll nur eine Randbemerkung sein, denn sooo wichtig ist diese Raucherei dann auch wieder nicht – in allerallererster Linie freuen wir uns darüber, daß wir mal wieder komplett und gesund und guter Dinge sind und heute Abend in voller Länge die Bühne abwohnen dürfen. Burger, der die letzten beiden Male nicht dabei sein konnte, verspürt wahrscheinlich sogar den größten Heißhunger von uns fast allen und so ist die Freude um unsere Vollständigkeit heute besonders groß. Fast allen? Nun ja, Teddypard – unser Maskottchen – wollte gestern den Papst essen, wie er erzählt, was einzig daran scheiterte, daß er nicht durch die Kontrolle kam. Da hat der Papst natürlich noch mal Glück gehabt!

Und wo ich schon die Vollständigkeit der Band erwähne: Im Moment fehlt Börnski noch, der grade in einem Zug sitzt und der Zug......ach, ich glaube, ich muss das nicht weiter ausführen.
Irgendwann während des Konzerts wird er wieder die Bühne entern, das kann auch die Bahn nicht wirklich verhindern!

Da wir heute einen strikten Curfew von 23 Uhr haben, beginnen wir pünktlich um acht – erst mal zu fünft. Der leer stehende Stuhl bietet uns die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Bäumchen-wechsel-dich-Spiel, so daß am Ende des ersten Liedes –Marzipan - wahrscheinlich jeder mal auf jedem Platz gesessen hat und die Perspektive der anderen Kollegen mal kennen lernen konnte. Zweites Lied: „Schlittschuh“. Kein Börnski da. Drittes Lied „Döner“, viertes Lied „Nordsee“ – jetzt sollte er vielleicht bald mal kommen, denn der nächste Song wäre eigentlich seiner. Und? Erraten! Unter lautem Gejubel klettert er über die Bühnenkante und da ist er ja!! Er erzählt noch rasch eine gerade erlebte Geschichte von einem defekten Krankenwagen, dessen ausgefallenes Martinshorn dadurch ersetzt wurde, daß die Insassen über Megaphon „Tatütata!!“ riefen, während sie durch die Innenstadt bretterten und dann singt er die Geschichte vom Punkermädchen. Beziehungsweise alle singen die Geschichte vom Punkermädchen. Denn – und das fällt heute besonders auf – die Bochumer, Dortmunder, Gelsenkirchener, Oberhausener, Dürener und wo sie alle herkommen sind textfest bis ins kleinste Detail und haben ganz offensichtlich große Lust, davon auch Gebrauch zu machen. Bei so einem Publikum braucht man sich, zumindest was Texthänger angeht, keine weiteren Sorgen zu machen, auch wenn uns die Hitze und zugegebenermaßen auch der Schnaps die Gehirnsynapsen durchbrutzeln. Ein feiner Abend nimmt seinen Faden auf, auf dem wir auch mal die ein oder andere selten gehörte Perle reihen. Fred erzählt vom Abschied von seiner heißgeliebten Couch, die auch in unseren Monstersherzen einen Platz für die Ewigkeit hat, aber nun leider in einer Presse gelandet ist und er gedenkt dieser traurigen Geschichte mit „Blauer alter Freund“. Danach erfülle ich mit „Rangsdorf“ einen Zuschauerwunsch und als beim Stichwort „Gelsenkirchen“ ein gellendes „Pfui!!!“ durch den Saal schallt, bekomme ich kurz einen ziemlichen Schreck, aber die Leute hier sind zum Glück durchaus intelligent genug, um eine augenzwinkernde Satire von einem plumpen Diss zu unterscheiden. Aber für einen kurzen Moment denke ich wirklich, ich hab mich unbeliebt gemacht.
Iwo, die Party geht ungerührt weiter. Heute ist Clubshow mit all ihren Vorzügen. Ein wunderschöner Auftakt zu all dem, was im Herbst und Winter auf uns zukommen mag. Wir freuen uns drauf, denn auf der Novembertour werden wir schon wieder in der Gegend sein und wir können alle wieder sehen, die wollen und deshalb müssen wir beim Schlusslied auch nicht die Taschentücher rausholen, sondern können sagen: „Bis bald!“

Natürlich nicht ohne ein Wort des Dankes an die Crew vom „Matrix“ zu richten. Danke für die technische Assistenz, Max, Danke fürs geschmackvolle Licht, Ben, Danke Alex fürs Veranstalten, Danke an den Koch, die Bar und den Toilettenreparateur und überhaupt!

Und Danke, liebes Publikum! Immer schön so bleiben, wie ihr seid!


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