09.08.2009 Eschwege, Open Flair
von Monsters
Scusi, Scusi, habe mich verspätet – die gestrige Feier steckt mir doch sehr in den Knochen. Apathisch und kaputt sitze ich vor dem Fernseher und nicht mal zynische Rettungsköche können mich aus der Reserve locken. Das Open Flair war heuer aber auch zu unglaublich!
Zunächst standen die Anzeichen alle eher mau – Die gestrige Nacht war lang, der Hals beklagt die vielen Zigaretten und vor allem. Rüdi ist immer noch krank! Und das ausgerechnet dieses Wochenende, das schmerzt ziemlich. Aber nichts zu machen, ein Anruf bestätigt: wir müssen auch heute noch zu fünft klar kommen.
Immerhin scheint die Sonne hell, der Sommer zeigt sich von seiner besten Seite, als wir in Eschwege ankommen und von der netten Crew empfangen werden. Allerdings spielen wir dieses Mal im Kleinkunstzelt, das sich etwas außerhalb des Festivalgeländes befindet, und die Verbindung Zeltplane und Sonne ergibt eine Gleichung, deren Ergebnis auf den hübschen Namen „Backofentemperatur“ trägt. Selbstbewußt wie eh und je stehen wir im Zelt und skepsen ziemlich rum: wer soll denn bei dem Wetter extra eine Entschlackungsschwitzrunde im Zelt auf sich nehmen, zumal auch zeitgleich mit uns KIZ auf der Sounds for Nature-Bühne spielen, eine von uns sehr verehrte Kapelle, die wir am liebsten selber auch mitbekommen hätten. Aber läßt sich nicht ändern, terminlich war das dieses Jahr einfach nicht anders zu machen. Eine heiße Diskussion resultiert daraus, ob wir das Zelt nicht vorsichtigerweise vollbestuhlt lassen sollen, damit es später nicht so leer aussieht – aber nein, wir gehen das Risiko ein und lassen die Stühle abbauen – ich kann über derartigen Optimismus nur den Kopf schütteln und laufe mit Pensen, Burger und Börnski schon mal aufs Hauptgelände, essen und Atmo genießen.
Auf dem weg dahin kommen uns aber schon erste Monstershirtträger entgegen, das freut uns natürlich. Vor allem die Clique mit den selbstgemachten Songtitelshirts begeistern uns und lassen unsere Herzen höher schlagen.
Im Backstagebereich dann freudiges Treffen mit unseren Freunden von Nullbock/Muschikoffer, das schreit nach einem Begrüßungsbier!
Und am Bierstand wieder mal eine klassische Mr. Totte Superccoolsituation: Neben mir läßt sich gerade KIZ-Maxim ein Becks ausschenken, ich natürlich souverän wie stets: „Hüstel, ich bin ein großer Fan.“, und möchte gleich auf der Stelle vor Scham im Boden versinken, denn noch abgedroschener geht wohl schwer. Doch läßt sich glücklicherweise feststellen, daß der Herr – wie auch seine Kollegen – sehr freundlich und scheinbar komplett allürenfrei ist. Das ist schön.
Ich habe leider auch keine Zeit mehr, noch mehr Unsinn zu faseln, da wir wieder zurück zum Zelt müssen, um den Klang zu klären.
Das ist ja schon mal Wahnsinn: eine kleine Traube Menschen steht tatsächlich bereits vor dem Zelteingang und erwartet unseren Auftritt. Dabei ist es noch über eine Stunde Zeit bis dahin. Ich treffe auf die Meerbuscher Supercluique, diesmal schick mit selbstgemachten Monsterstetsons in orange behutet und leicht erkennbar, aber auch viele andere bekannte Gesichter sind schon anzutreffen.
Während wir den soundchecken, wächst die Traube immrer weiter an und führt kurzweilige Korrespondenz auf Chorgesangbasis mit uns, darunter so schöne Choräle wie das auf den noch versperrten Eingang bezogene „Die Mauer muß weg!“ Klasse!
- es werden immer mehr Menschen –
- es werden immer mehr Menschen-
- ES WERDEN IMMER MEHR MENSCHEN!
Bleich, erstaunt und aufgekratzt blicken wir mit großen Augen auf die Schlange vor dem Zelt, auch unsere nette Zeltbetreuerin ist überrascht, denn das bekommt langsam heftige Ausmaße. Unser aller Besorgnis gilt der Zeltinnentemperatur, die – wenn so viele Leute da reingehen – ungefähr auf Vulkaninnenhitze ansteigen wird. Schnell ist der Entschluß gefaßt, soviel Zeltplane wie möglich auufzureißen, um wenigstens etwas Luft in den Laden zu lassen, zudem – und jetzt fühlen wir uns schon ziemlich rockstarmäßig, ordert die Security nervös Verstärkung vom Gelände, wie auch einen Krankenwagen zur Sicherheit, falls doch jemand umkippen sollte. Wow!
Fred filmt den Einlaß, beeindruckende Sache seit überhaupt. Schnell ist das Zelt voll, da passen längst nicht alle Menschen rein, es entsteht eine lautstarke „Hinsetzen“ – „aufstehen“-Diskussion des Publikums untereinander, aber heut geht sitzen leider wirklich nicht, wir brauchen soviel Platz wie möglich...
Aufgescheucht titsche ich im Backstagebereich rum, im Zelt scheint die Hölle los zu sein, nochmal soviele Menschen stehen vor dem Zelt und kommen nicht mehr rein, die ersten Countdowns werden gezählt und Monsterschöre erschallen.
Jetzt wollen wir aber auch echt loslegen. Wir widmen den Auftritt Rüdi und monstern uns ein. Ab auf die Bühne.
Jedes Jahr denkt man, daß dieser Auftritt nicht mehr überboten werden kann, aber jedes Jahr schaffen die Flairisten es problemlos, das letzt Konzert zu toppen. Un-Glaub-Lich!
Wir kommen auf die Bühne und werden mit einem derart unfaßbaren Applaus und derart knallenden „Headliner“-Chorgesöängen empfangen, daß wir erstmal stehen bleiben und die atmosdphäre aufsaugen müssen. Geht gar nicht anders! Da ist soviel Sympathie und Liebe im Spiel, daß es nicht nur mir die Kehle vor Rührung zuschnürt. Und das ändert sich auch im Verlaufe des Konzerts nicht!
Ich werde die richtigen Worte für unsere Begeisterung eh nicht finden, drum werde ich an dieser Stelle etwas Neues probieren:
Der gesamte folgende Teil des Berichts wird nur noch aus Blitzlichtern bestehen, die alle Monsterskollegen und natürlich auch Tonmonster Urs beisteuern. Diese Blitzlichter werden nach und nach dazukommen und der Bericht in nächster Zeit stets etwas anwachsen. Eine andere Möglichkeit, dem Flair diesmal gerecht zu werden, gibt es nicht. Ich unterteile da in Blitzlichter, die uinser Konzert betreffen und Momentaufnahmen von der gesamten Partynacht.
Unser Konzert:
- Lautstärkste Besserungswünsche an Rüdi von ALLEN! Das MUSS gewirkt haben!
- Stromausfall in der Mitte des Konzerts. Oje, denken wir, stellen uns rasch vor die Hocker und versuchen, völlig unplugged zu spielen. Und es funktioniert tatsächlich. Es ist prinizipiell völlig ausgeschlossen, einen derart vollgepackten Raum, der derart komplett in Mitmachlaune und randgegüllt mit Energie und Adrenalin ist, so ruhig zu kriegen, daß man unverstärkt zu hören ist. Aber es geht trotzdem! Weil wir das eben ein derart spitzenmäßiges Publikum haben, das in der Lage ist, Naturgesetze außer Kraft zu setzen. Algerien 2, Herzblatthubschrauber und Vier Meter, den meisten Text singen einfach alle, wowwowwow! Das liegt daran, daß hier alle
Miteinander feiern, Monsters und Publikum united, die Bühnenunterteilung ist da mehr zufällig. Wahnsinn!
- Sogar die Security schwenkt selig die Arme bei SuSuSu mit.
- Kein Streß, keine Aggressionen, wie sie bei großer Hitze, Enge und Euphrie leider oft auftreten können. Hier nicht, hier ist alles Sympathie! Bitte bleibt für immer so!
- Der Schweiß rinnt in Strömen, one of the Meerbuscher wirft mir seinen Hut zu, denn der hilft. Vielen Dank!
- Bei Schönheitschirugie geht schon bei der ersten Strophe eine Welle durch den Raum, ungläubig können wir beobachten, wie sich alle von alleine im Sinne der Songtradition hinknien, ein wahnsinniger Anblick!
- Danke! Einfach: Danke!
Alles weitere:
- Die Stimmung im Backstagebereich ist dieses Jahr extrem locker und irgendwie ein herrlich skurriles Durch- und Miteinander: Die Trommler von Peter Fox grooven sich – um einen Tisch sitzend und auf diesem coolste Rhythmen spielend – ein, es wird viel geprostet und geraucht, gelacht und noch mehr getrunken.
- Das Fox-Konzert selbst genieße ich feiernd mit den Meerbuschern und vielen weiteren Freunden im tobenden Mob, ich sehe nur freundliche Gesichter und schwenke bewegt die Arme!
- Michaela, die wir von ihrer mitarbeit bei KOKS kennen und die heute die große Bühne mitbetreut, sponsert uns eine Flasche Wodka, die uns die letzten Hirnzellen kostet und nach dem fulminanten Deichkindauftritt komplett in unserer Blutbahn wabert.
- Die kollegen von Dezentral sind auch vor ort und es gibt laufend große Hallos!
- Tilt!
- Freude! Extase!
Für die krude Art der Berichterstattung möchte ich um Verzeihung bitten, aber die passenden Worte fehlen mal wieder, die Empfindungen stehen der Stilistik einfach im Wege.
Es wird sehr, sehr, sehr spät, zoologisch und wild, vor allem aber enorm lustig! Fühlt Euch alle von uns innig umarmt: Allesamt! Wäre Rüdi dabei gewesen, wäre der Open Flair Geburtstag perfekt gewesen. Das ist aber auch der einzige Wermutstropfen. Ein rauschendes Fest: Happy Birthday! Again and again!
Pensen:
Es fällt schwer sich bei so vielen einzelnden Unfassbarkeiten zu entscheiden, welche man sich zum niederschreiben aussucht. Jetzt nach ein zwei Tagen Adrenalin-Pufferzone bleibt aber vor allem dies:
Normalerweise sind wir beim Flair als Late Night Special nach dem Headliner positioniert. Wer noch nicht ins Zelt fällt, zieht sich halt diese Akkustik-Vögel rein und hat nochmal ne hoffentlich unverhoffte Bonusfreude. So, dass hat auch bis jetzt immer wieder sehr gut funktioniert.
Dieses Jahr galten andere Bedingungen. Nicht nach der Hauptband am Samstag Abend auf dem Weg zum Campingplatz. Nein, um 18h (!) am Sonntag, und zwar nicht auf dem Festivalgelände, sondern im 10 min entfernten Kleinkunstzelt...
Oh haua haua ha. Wir waren uns, sagen wir mal, nicht sicher. Denn: Jeder Mensch, der uns heute sehen will oder wird, muss definitiv geziehlt vom Festivalgelände abmarschen, sich K.I.Z. entgehen lassen, und durchs Dorf zum Zelt latschen und das natürlich bei strahlendem Sonnenschein!
...aber wie jedes Jahr: unterschätze nicht das Open Flair und dessen Besucher!
Denn jetzt kommts:
Sie kamen geströmt, so das längst nicht alle liebenswürdigen Menschen überhaupt ins Zelt
reingepasst hätten. Und die Stimmung. Unbeschreiblich.
Was für ein Ehre. Ernsthaft. Damit hat wirklich keiner von uns gerechnet. Zumindest nicht ansatzweise in diesem Ausmaß.
Vielen Dank liebe Flairs, ihr seid unschlagbar.
Fred:
Hmmm, ja, fällt mir schwer, über´s Flair zu schreiben, ohne rührselig oder schwärmerisch zu werden, also versuche ich mal, sachlich und analytisch meine Gefühlsachterbahn vom Sonntag zu erfassen:
Pessimistisch...
...war ich, als es darum ging, zu entscheiden, ob die Stühle im Zelt abgebaut werden sollten oder nicht, denn ich war der Meinung, dass aufgrund der Umstände und des Konkurrenzprogramms nicht mehr als eine Handvoll Menschen zu unserem Konzert kommen würden.
Hocherfreut...
...war ich, als ich dann merkte, dass mein Pessimismus völlig unangebracht war und die Massen zum Zelt strömten.
Mulmig...
...wurde mir dann, als der Strom nicht mehr abriß und ich mich plötzlich sorgte, ob denn nun wegen der ziemlichen Enge und hohen Temperaturen den Zuhörern ein entspanntes Konzerterlebnis ermöglicht werden könnte.
Lampenfiebrig...
... ist mir eigentlich vor jedem Konzert zumute, aber besonders beim Flair, weil dort aufgrund der vergangenen Konzerte sowohl bei der Band als vermutlich auch beim Publikum eine besondere Erwartungshaltung besteht. Wir wollen ja nicht schlechter sein als im Vorjahr.
Fassungslos...
...war ich dann beim Empfangsapplaus, als wir die Bühne betraten. Da purzelten die Gefühle, da regnete es Zuneigung und man wußte gar nicht, was man machen soll.
Adrenalingeschwängert...
...spielte ich dann das Konzert, trotz der Hitze machte das Publikum sensationell mit und zeigte keinerlei Streßzuckungen, keiner kippte um, keiner meckerte, es war nur noch Rock´n´roll und Jubel, Monsters und Eschwege verschmolzen und es kochte.
Gestreßt...
...war ich vom plötzlichen Ausfall der Soundanlage. Im ersten Moment dachte ich, „Vergiß es, vor 1500 Leuten unverstärkt zu spielen, wird nix, so eine Menge Leute kriegt man nicht ruhig...“. Dass sie es doch waren, war für mich die eigentliche Sensation des gesamten Tages.
Nervös...
...wurde ich dann, als ich während des Unplugged-Vortrages fieberhaft darüber nachdachte, was wir tun würden, wenn der Strom nicht mehr wiederkommt. Noch eine halbe Stunde Programm spielen und die Leute weiterhin zwingen, mucksmäuschenstill zu sein? Konzert abbrechen? In düstersten Farben malte ich mir den Ausgang eines solchen Tages aus.
Erleichtert...
...nahm ich dann die Wiedergeburt der Soundanlage zur Kenntnis, plötzlich wurde aus dem größtmöglichen Fiasko (Konzertabbruch) durch die Unplugged Session ein tolles Konzert mit „Unvergessenheitsfaktor 10“, ganz großes Tennis und ein Zelt voller unfassbarer Menschen.
Himmelhochjauchzendzutodebetrübt...
...erlebte ich das Konzert, fühlte mich sauwohl, aber immer, wenn ich rechts neben Totte den Rüdi gesucht habe, wurde mir ein bißchen traurig, denn dass er diesen Tag, eigentlich das ganze Wochenende verpassen mußte, ist eine ganz harte Nuß und tut mir immer noch leid.
Hochbefriedigt...
...nach dem Konzert, draußen beim Merchandising, Bier in der Hand, Zigarette im Mund, Fotos gemacht, Autogramme geschrieben, Sachen zusammengepackt, Bus abgeschlossen und zum Festivalgelände gegangen.
Gedankenleer...
...saß ich, nachdem ich mich am Catering sattgegessen hatte, allein im ziemlich verwaisten Backstagebereich. Fast keiner ließ es sich nehmen, Peter Fox auf der Hauptbühne anzusehen. Ich hatte mich auch seit Wochen auf Deutschlands Superstar gefreut, sah mir anfangs auch ein paar Lieder an, doch ich war zu müde für die Stadtaffen und diese halbe Stunde mit mir war mir in diesem Moment einfach wichtiger, und so starrte ich sinnlos an die Wand, trank Red Bull und rauchte rote Gauloises.
Partygeil...
...und süchtig nach Menschen wurde ich dann aber spätestens wieder bei Deichkind.
Viele Grüße von Fred
Börnski:
Der absolute Knaller. Diesmal beim Open Flair war eines wieder sehr ausgeprägt.
Es mag ja abgedroschen klingen, aber unser eigentliches siebtes Monster –von Urs und Claudio einmal abgesehen- ist das Publikum. Von daher möchte ich mich herzlichst bei Dir bedanken, liebes Bandmitglied namens Publikum.
Du hast mir Tränen der Freude in die Augen und Schamesröte ins Gesicht getrieben .
Als Du beim betreten der Bühne immer wieder „Headliner“ brülltest, hattest Du mich richtig bei den Eiern.
Du hast es sogar geschafft Rüdis Fehlen zu kompensieren und es damit fast noch unerträglicher gemacht. Der Stromausfall war kein Problem für Dich, nicht der Hauch von Nervosität. Ohne Dich wäre das alles große Scheiße gewesen. Deshalb lass Dir gesagt sein:
Ich will immer bei Dir sein auf dem Open Flair. Egal zu welcher Zeit, egal auf welcher Bühne.
Doch dann trennten sich unsere Wege und jeder tat wie ihm beliebte.
Ich z.B. gab mir Peter Fox, ich erfreute mich an Deichkind und dann zog ich mich zurück.
Da ich bzw. wir Dich leider nicht in den Backstagebereich mitnehmen durften, will ich nur kurz andeuten das Du da echt was verpasst hast –eigentlich ungerecht-.
Gruß und Verneigung,
Dein Börnski
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