27.08.2011 Georgsmarienhütte, Hütte Rockt Festival
von Rüdi
„Hütte rockt“.
Wir erinnern uns. Letztes Jahr bedeutete das: Schlimmes ungemütliches Wetter, Schlammschlacht, Wind, klamme Klamotten und matschige Schuhe, von denen aus sich die Kälte durch den Körper nach oben zog. Also aus unserer Sicht. Also aus Sicht derer, die sich in ein Catering-Zelt verkriechen können, immer eine warme Mahlzeit bekommen und einen Container zur Verfügung gestellt kriegen, in dem man sich erholen und aufwärmen kann. Und aus dieser Perspektive erinnern wir uns dann an ein beinahe nicht nachvollziehbar hartnäckiges Partyvolk, dem Wind und Wetter schlichtweg egal zu sein schien und das uns vor der Bühne eine beeindruckende Show bot. Wir waren davon ziemlich angetan letztes Jahr.
Und heute also wieder: „Hütte rockt“.
Ich habe ein paar anstrengende, aber wunderschöne Tage mit der „Liedertour“ hinter mir, die ich mit Sven Panne und einigen anderen tollen Kollegen gespielt habe. Und gestern mussten wir uns in Lindow von diesem netten Zirkel verabschieden – ich werde noch nach Berlin gebracht und fahre dann über Hamburg, wo Fred in den Zug zusteigt, nach Osnabrück. Das Wetter ist super, wir sind guter Dinge, der HSV verliert leider gegen Köln und „Stromberg“ ist ein Arsch – so verbringen wir die Zeit, bis wir in Osnabrück aus dem Zug steigen. Pünktlich auf die Minute und exakt zeitgleich mit einer über uns ankommenden Regenwolke.
Und mit einem Schlag bricht das gleiche Sauwetter los wie letztes Jahr.
„Die armen Veranstalter!“ – denken wir und „Das kann doch nicht war sein!“ Der Taxifahrer erzählt uns dann aber, daß das schon gestern wahr war und sein Sohn völlig vermatscht vom Festival nach Hause gekommen ist.
Wir checken ein auf dem Gelände, finden die Monsters teils beim Essen und teils hinten im Partyzelt, wo „das Pack“ heute ein paar Sets spielt und wo wir erstaunlicherweise einigermaßen trockenen Fußes hin gelangen, der Rasen hat den gestrigen Tag offenbar ganz gut überstanden und alles ist nur halb so wild, wie wir es uns auf der Hinfahrt ausgemalt haben.
„Hallo Flozze! Hallo Pensen! Hallo Dragan! Claudio! Timmey!.....“
Leider nicht: „Hallo Burger!“
Burger kann heute aus privaten Gründen nicht dabei sein. Es kommt ja zum Glück selten vor, daß von uns einer fehlt, aber wenn es denn mal so ist, müssen wir eben das Beste daraus machen. Es wird nicht leicht werden heute Nacht – ohne unsere Rampensau im zentralen Mittelfeld, aber wir nehmen uns natürlich vor, den Verlust dadurch auszugleichen, daß eben jeder 20% mehr bringt – eine Milchmädchenrechnung für Notfälle, in keiner Weise geeignet, um unterm Strich mit was anderem als einem Minus raus zu kommen. Das ist natürlich völlig klar, aber trotzdem geht es manchmal eben nicht anders.
Um 19 Uhr sind wir zu einem Meet and Grill verabredet, eine Handvoll Personen hat bei einem Preisausschreiben ein Treffen mit uns und ein paar weiteren Würstchen gewonnen, die von einem Grillmeister liebevoll zubereitet und serviert werden. Wir sitzen nett beisammen, aber schon nach einer runden halben Stunde lösen wir das Date wieder auf, denn im Zelt spielt jetzt noch einmal „das Pack“ und da gehen wir natürlich alle zusammen hin. Nun ja, fast alle....
Ich bin gerade dabei, eine Grippe auszukurieren und seitdem ich das Gelände betreten habe, geht es mir stündlich schlechter. Also beschließe ich, mich im Container in den Schlafsack zu rollen und erst zu „H-Blockz“ wieder aufzustehen.
Das tu ich auch – allerdings erst, als sie bereits ihre Zugaben spielen. Schaaaade......
Ich kletter aus dem Mustopf und versuche zunächst mittels herumliegender Gummibärchen für den nötigen Energieschub zu sorgen. Klappt aber nur halb. Irgendwie ist es ätzend, direkt aus dem Schlafsack auf die Bühne zu wechseln. Ich kann mich nicht erinnern, das jemals erlebt zu haben, aber mit viel Wohlwollen könnte man das ja vielleicht unter „Vernünftig werden“ verbuchen. Immerhin geht’s mir ein bisschen besser als vorhin und ich muss ja – wie wir alle – heute diese 20% Plus bringen.
Soundcheck.
Das geht ja gut los. Irgendwie klappt überhaupt nichts – die Technik spielt verrückt, die Mikrophone gehen nicht an, Claudio bekommt einfach keine Signale von der Bühne, aber er bleibt so cool, daß wir uns in der Gewissheit wiegen, daß sicher bald alles gut wird. Aber es dauert sehr lange. Fred spielt mit dem Publikum Spielchen, das sich das gerne gefallen lässt und auch aus eigenem Antrieb das ein oder andere Lied anstimmt. Wir merken sehr bald: An denen wird es heute nicht scheitern. Die sind lustig drauf und nehmen uns die Verzögerung nicht übel – im Gegenteil: Es scheint sie selbst zu amüsieren. Und es wird immer voller, als wollte das Publikum sich das soeben stattfinde Chaos auf der Bühne nicht entgehen lassen. Immer wieder werden uns unsere Lieder vorgesungen und wir würden ja gerne mitmachen, wenn man uns denn hören könnte.
Irgendwann ist es dann aber doch geschafft, alle Kanäle laufen plötzlich und wir verschwinden kurz nach hinten, um uns einzumonstern. Das Publikum macht auch hier schon mal mit.
Und dann erleben wir es genau so, wie wir es vom letzten Jahr in Erinnerung hatten. Durchgefroren und seit Stunden in der Kälte stehend, gibt es zum Ende des Festivals noch einmal alles. Nach uns werden die Bühnen und die Zelte abgebaut werden und die Besucher werden irgendwie ihre müden Knochen nach Hause schleppen, aber jetzt ist noch einmal Party angesagt. Es ist rührend und beeindruckend. Pogo, Wall of death, Schunkeln, Singen, Sachen auf die Bühne werfen – alles wird noch einmal abgerufen und wir sehen und hören dankbar zu. Unsererseits versuchen wir, die verlorene Zeit dadurch aufzuholen, daß wir weitgehend auf Ansagen und Showelemente verzichten, um noch möglichst viele Lieder durchzubringen, bevor uns die rote Ampel gezeigt wird und als Fred am Ende das letzte Lied ankündigt, tut er das dermaßen glaubhaft, daß sogar Claudio drauf reinfällt und nach „Reine Poesie“ direkt das Schlusslied von den „Beatsteaks“ einspielt.
Wir dürfen aber trotzdem noch ein kurzes Zugabenset spielen, was wir auch gerne tun möchten und so geht die Musik wieder aus und wir nehmen noch zwei Lieder lang Abschied von diesem Festival und seinen großartigen Besuchern, denen wir von Herzen im nächsten Jahr mal schöneres Wetter wünschen würden.
Was dann wohl geht? Au weia!
Vielen Dank an alle Beteiligten – Ihr wart toll!
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