16.04.2010 Gera, Haus der Pioniere *Ausverkauft*

von Totte

16te Monsterstour

Zimmerteilung mit Familienvätern: Tierisch!
Labörnski ist um acht Uhr wach und will Korrespondenz. Die kann ich ihm nicht gewähren, denn ich bin MÜDE! Börnski zuckt die Achseln und geht baden. Ich entschwinde in einer Traumwolke, die allerdings derart düster ist, daß ich auch lieber aufwache, Kaffee holen gehe und dem Tag aus kleinen Augen mutig entgegenblicke.
Im Bus stellt sich heraus, daß diverse Hälse leicht kratzen. Perfekt zum Tourstart. Rasch etwas Ingwer eingeholt, Kippen aber natürlich auch, Vernunft verpiß dich!
Die Fahrt ist ödse und langwierig, ein Stau stopft den nächsten, zumindest die Sonne scheint. Wir hören das Livealbum von Fettes Brot. Hm, große Band sowieso, kein Zweifel. Aber die Liveinterpretationen ihrer Hits werden im Monsterbus eher skeptisch aufgenommen. Etwas „eierfrei“, wie der Klischeerocker so sagen würde. But anyway, wahrscheinlich täuschen wir uns auch. Mein „Never McDonalds again“-Gelübde wird kurzfritsig interrupiert, denn der Hunger nervt. Prinzipien auch. Ein Veggieburger, Fischmac und zweierlei Soßen bitte!
Mampfend im Wagen, die Soßen kleckern den schönen Walter Moers Roman klebrig. Mir macht die Tatsache ein bißchen Sorgen, daß mir bereits am zweiten Tourtag überhaupt nichts spannendes für den Bericht mehr auffällt, dabei sollten Chronisten doch in der Lage sein, aus jedem Detail einen funkelnden literarischen Diamanten zu formen, damit man in dreißig Jahren den ganzen Klumpatsch durchlesen und sich in die Tasche lügen kann, was für einem aufregendem Livestyle man dereinst gefrönt hat.
Immerhin: Wir kommen an, pünktlich und unfallfrei. Es sind die kleinen Dinge, die viel zu selbstverständlich genommen werden.
Das Haus der Pioniere ist toll und die Crew um Stefan supernett. Wir tummeln uns im Backstageraum, genießen Kaffee und diverse Fritz-Limonaden, Börnski und Pensen simulieren für den airzappenden Fred Fernsehprogramme (laut ihrer Interpretation strahlen 1. Arte nur wild verlangsamt taumelnde Menschen und 2. Sat 1 ausschließlich cowboyeske Schießereien aus), Burger verschanzt sich hinter den Laptop und hat aber die glücklichste Mine im Raum, während Timmey, thebigbossofmerchandise, mit unserem Altfreund J.R. den Merchstand aufbaut.
Übrigens: Heute steht neben ihm ein von sehr netten Damen geführter Infostand, der sich mit der Rettung des Klimas beschäftigt. Tatsächlich ist es nämlich so, daß allen Witzen über das bessere Wetter zum Trotz, die zivilisatorisch entstandenen Schäden ziemlich frappant und die Folgen absolut nicht wünschenswert sind. Es gibt Alternativen und die Mithilfe ist auch nicht uneigennützig. Drum checkt bitte: klimaklicker.de.
Derweil Timmey baut und stapelt, sitzen wir mit Claudio beim Soundcheck, kein leichtes Unterfangen heute, irgendwie funktionieren diverse Kanäle der Anlage nicht, was Claudio schon vielerlei Streßscheißperlen auf die Stirne treibt. Zuletzt müssen wir uns leider dazu durchringen, Banjo und Minikeyboard erstmal undverkabelt zu lassen und bei Benötigung umzustöppseln. Ja, ja Technikscheiß, nicht wahr? Ich versteh davon ja auch nichts.
Soundcheck erledigt, Einlaß kann beginnen.
Der Vorverkauf im Vorfeld war schon atemberaubend, drum haben wir uns heute kurzerhand entschieden, doch auf ein paar Stuhlreihen zu verzichten, damit mehr Menschen Platz finden. Es ist dennoch zuwenig. Schon bald prangt ein „Ausverkauft“-Schild vor der Türe. Uns freut sowas natürlich, denn auch das ist eine Form der Bestätigung, und aufgrund der permanenten Suche nach Bestätigung machen wir Profilneurotiker das ja auch, schätze ich zumindest. Bin ja nicht Freud.
Jetzt ist es aber Zeit zu rocken. Da das Haus der Pioniere eine Sternwarte besitzt, ist der Weg übers Dach hinter die Bühne absolut wundervoll. Zum Intro müssen wir heute den Stecker für die Showlampe selbst betätigen, nervöls aufs rechte Timing hoffend knie ich vor der Steckdose. Die Musik läuft: Bababaaa...BABAAAAA ...dumdumdumdumdumdum ... ba baabaaa (jetztgleichjetztgleich,jetztjetztje) – klick – Musik ist aus. Urplötzlich gestoppt.
Häh?
Etwas ratlos stehen wir hinter der Bühne und kratzen unsere Köpfe, dann beginnt das Intro nochmal von vorn. Jetzt klappt fast alles, sieht man davon ab, daß ich plötzlich die Steckdose nicht mehr finde und die Lampe so ein wenig verspätet erstrahlt. Egal.
Showtime!
Man muß sagen, wir bieten heute nicht gerade unser stärkstes Konzert. Der erste Teil rockt noch hervorragend, daß Rüdis Hocker zerbricht ist ein Spaß für beide Seiten und überhaupt sehen wir viele sehr freundliche Gesichter, die herzlich lachen und gerne mitmachen.
Im zweiten Teil aber schlaffen wir aus unerfindlichen Gründen etwas ab. Das passiert manchmal (zum Glück selten), und zwar ohne daß man es vorausahnen oder erklären könnte. Wir sind alle bei Stimme, die Tour ist noch frisch und eigentlich alles allerbestens. Dennoch fehlt irgendein Funke, der alles anzündet. Etwas erschwert wird es auch durch das zeitraubende Instrumenteumstöppseln an Stellen, was ein paar diffuse Pausen im Set erzwingt, dann reiß auch ausgerechnet im Balladenteil eine Saite meiner Gitarre (immerhin kann ich so Saitenaufziehen on stage üben), hm.
Zum Glück ist das Publikum voll auf unserer Seite, auch wenn wir nicht alle Wünsche spielen konnten (sie sind vorgemerkt für das nächste Konzert in Eurer Region), alle machen mit und so kommt spätestens zum Zugabenteil dann doch wieder die richtige Power auf. Vielen Dank, liebes Geraer Publikum, Ihr habt hervorragend gerockt und das nächste Mal werden wir wieder doppelt und dreifach energiegeladen am Start sein.
Es ist aber auch so, daß man auf der Bühne selbst alles immer dramatischer fokussiert als vor der Bühne, das ist völlig normal, und den zahlreichen Unterhaltungen mit netten Menschen nach dem Konzert (besondere Grüße an unsere Dresdener Frühstücksgang und Lisa, die ihre Schulabschlußparty zu Gunsten der Monsters hat sausen lassen – Wow) ist zu entnehmen, daß unser Entertainmentfaktor nicht wirklich gelitten hat. Klar, onm stage ist wie im Leben: man beobachtet sich selbst viel kritischer als das andere tun. Sollte man ja auch.
Also doch alles ziemlich schön, überhaupt: der Club, die Menschen, die Atmosphäre: schon ganz schön toll. Und die Wunderkerzenaction bei Weltklassemelodie ist wieder atemberaubend gewesen.
Wir bleiben noch ein Weilchen, bevor wir den Bus einladen und zum Hotel abdüsen. Fred, Rüdi und Claudio sind noch los, womöglich ins hierorts vielgelobte „Pegasus“, denn da darf man rauchen und trinken. Ich teile mir wieder ein Zimmer mit Börnski, denn er ist eine Bereicherung. Ebenfalls bereichernd, daß im TV der tolle Film „Shaun of the dead“ läuft, ein moderner Klassiker des Zombiegenres, der jedem Kritiker den Wind aus den Segeln nehmen dürfte. Gera, vielen Dank für Euch und auf bitte bald wieder. Und abschließend mein Tipp an freudige Frühaufsteher auf Reisen: Teilt Eure Zimmer mit Familienvätern. It rules. Tierisch eben.


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