07.08.2011 Horb am Neckar, Mini-Rock Festival
von Rüdi
Es war einmal vor ungefähr 7 Jahren, als eine Gruppe Jugendlicher, damals 15 Jahre alt, den kühnen Plan fasste, ein paar gute Bands in ihr kleines Städtchen zu holen. „Man müsste mal...“ - so wird die gute Sache am Anfang wohl geklungen haben, doch wo für die meisten eine gute Idee in diesem Gefühlszustand versickert wäre, begannen die Halbstarken tatsächlich, sich ans Telefon zu setzen und der Idee Taten folgen zu lassen. Man kann sich vorstellen, daß vielleicht nicht alle im Ort gleich Hurra gebrüllt haben, daß die Behörden muckten, daß alle möglichen auffindbaren Steine in den Weg gerollt wurden, daß die Bands sagten: „Hä, was fürn Festival?“ oder „Wie alt sind die?“ oder Versicherer ihre komplizierten Schreiben aufsetzten. Ich weiß es zwar nicht, aber alleine der Gedanke daran, würde bei einem wie mir dazu führen, die Sache lieber gleich anderen zu überlassen und damit der ewigen Ruhe zu übergeben.
Gut, daß nicht alle sind wie ich! Denn 7 Jahre später gibt es dieses Festival mit dem sympathischen Namen „Mini-Rock“ immer noch und wir Monsters haben die Gelegenheit, im Rahmen eines Mitternacht-Specials dieses im Süden der Republik sagenumhauchte Ding zu besuchen.
Die Fahrt dorthin haben wir genutzt, um eine ausführliche Bandbesprechung im Bus abzuhalten, während wir auf der Autobahn mit offener Hecktür fuhren, ohne es gleich zu merken. Das ist zwar sehr grob zusammengefasst, aber wir wollen das Augenmerk doch lieber auf die Geschehnisse beim „Mini-Rock“ richten, denn das lohnt sich.
Anfangen tut der Abend so, daß wir mit unserem Minibus auf das seit Tagen zugeregnete Gelände biegen, den Wagen wie ein Spielzeugauto zwischen den imposanten Nightlinern der anderen Bands parken, aussteigen und uns sofort wohl fühlen. Wen wir auch immer in den nächsten Stunden treffen werden, jeder wird uns mit seiner erstaunlichen guten Laune und Professionalität beeindrucken. Ob es die Veranstalter sind, die versuchen, den Regen einfach wegzulächeln, die Thekenleute, die beispielsweise für einen wie mich extra Wein holen gehen, die Security, die den ganzen Tag im Schlamm steht und immer noch höflich und hilfsbereit ist, die anderen Bands und deren Mercher und Techniker und nicht zuletzt ein der Vergnügungssucht verfallenes Publikum. Alles der Wahnsinn. Ich habe noch nie in meinem Leben so eingeschleimte Menschen gesehen. Die Leute stehen hier seit zwei Tagen knietief im Matsch und feiern. Einfach toll. Wir haben zwar schon mal in einem Schwimmbecken gespielt, aber noch nie in einem solchen Matschbecken.
Einziges Manko: Timmey hat neue Schuhe und der und Claudio sind die einzigen, die wir leider ins Geglitsche schicken müssen, denn der Merchverkauf und die Klangregelung lassen sich nicht von der Bühne aus bewältigen......
A propos: Auch hier Verneigung unsererseits. Jochen, der Stagesoundmixer ist einfach toll, der Sound bei allen Bands, die ich auf der Bühne mitkriege, eine Wucht, der kann wirklich was, der Mann und macht das alles sehr sehr gelassen. Coool!
Und dann sind wir dran, Jochen und Claudio machen uns einen feinen Soundcheck, den wir mit einer Reihe begossener Pudel abfeiern und um 0.30 Uhr folgt unser Programm – eine Stunde und 10 Minuten lang.
Der Regengott ist in Imponierlaune, es kommt vom Himmel wie aus Kübeln, aber das Horber Völkchen lässt sich von so was natürlich nicht abschrecken. Einige suchen zwar Schutz unter den paar Pilzschirmen, die rumstehen, aber die meisten bleiben einfach bei uns, was Fred goutiert, indem er sich am Bühnenrand gleich mit in die Grütze setzt. Ich kann nicht, denn ich bin grad dran mit spielen und unendlich dankbar für diese Ausrede. Nein, ich will trocken ins Hotel, ja, ich bin ein Weichei und baff von den Minirockern, wie die da jubelnd vor uns rummachen. Der Pogo hält sich heute zwar in Grenzen, aber habt ihr schon mal in Pudding gepogt? Oder auf Glatteis? Ich würde – weil, siehe oben – da noch nicht mal meine nassen Ärmel schaukeln, aber die hier........erraten, die machen alles! Die setzen sich sogar bei „Schönheitschirurgie“ noch mal richtig schön rein in den Dreck, um hinterher die dreckigsten Springflummis der Welt zu sein. Verrückt und in dieser Konsequenz auch neu für uns.
Hinter uns hat sich das halbe oder ganze Orga-Team versammelt und hoppst vergnügt durch die Gegend, die Security lächelt mit der ersten Reihe um die Wette und wir sind mal wieder im Glück.
Und darum möchte ich diesen Aufsatz ausnahmsweise mal nicht mit einem ernst gemeinten „Danke!“ beenden, sondern mache jetzt mal einen auf Tom Cruise in so einem Armyfilm, drehe mich zum Abschied noch mal zu euch und ziehe mein eingeweichtes Cappy.
„Chapeau!!!“
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