05.08.2011 Ingolstadt, Cafe Paradox
von Rüdi
„Wie war´s im Urlaub?“
Danke, schön war´s. Wir waren Motorrad fahren, an Seen zelten oder auf Inseln rumhängen, Malle, Langeneß, Reichenau und so. Wir waren an der Ostsee oder am Niederrhein oder auf Solotour oder im Studio – jedenfalls hatten wir alle eine gute Zeit in den letzten Wochen und deswegen sind wir auch ziemlich entspannt, als wir uns heute endlich wieder sehen. Wir fragen uns „Wie war´s im Urlaub?“ und solche Sachen und erzählen uns ein paar markante Erlebnisse aus der letzten Zeit. Dazu essen wir Filetstreifen und Spätzle mit Sahnesoße, lernen ein paar nette Leute kennen und freuen uns auf die abendliche Party.
Klingt nett? Ist nett. Sehr nett sogar. Wir sind in Ingolstadt, im „Cafe Paradox“ und um uns herum schwirren lauter angenehme Menschen. Einzig Börnski wird noch in der Bahn festgehalten, heute herrscht mal wieder Chaos auf dem Schienennetz und niemand kann voraussagen, wann er wohl ankommen wird. Aber auf gar keinen Fall – das steht schon fest – wird er es pünktlich zum Konzertbeginn schaffen.
Die Wartezeit vertreibt uns „Claudius Konrad“ mit ziemlich sentimentalen Songs aus seiner Feder, ein einheimischer Songschreiber, der sehr gut vom Publikum aufgenommen wird. Aha, das Publikum ist also balladentauglich, klingelt´s bei uns – das ist ein gutes Zeichen! Die Vorfreude steigt.
Rund 70 Personen sind heute bei uns gelandet, angesichts der Umstände – Urlaub, Semesterferien und Ingolstadt-Premiere unsererseits – eine doch erstaunliche Zahl. Aber wie jeder weiß, ist ja eh die Qualität entscheidend und wir haben den Eindruck, daß uns heute ein besonders leuchtender Abend erwartet.
Die Vorfreude steigt weiter.
Es gibt heute keinen Grund für einen hohen Puls, keinen Stress, keinen Ärger, keine Angst vor zufällig herverirrten Saufcliquen oder andererseits einem leeren Saal, kein Getue, kein Testosterongepumpe – heute ist Liedermaching. So nehmen wir es uns jedenfalls vor, als wir die Bühne betreten und beinahe schaffen wir es eigentlich auch. Hier und da rutscht uns zwar ein „SEID IHR ALLE DAAAAA?!“ raus, aber angesichts der Tatsache, daß sich die Antwort mit einmal kurz durchzählen sofort beantworten ließe, kommen solche Stadionallüren heute eben mit einem Augenzwinkern rüber und das intelligente Publikum versteht das auch richtig.
Im übrigen sind natürlich nicht alle da, denn Börnski fehlt noch immer.
Die ersten Lieder des Sets schließen wir seine Lücke, indem wir munter Plätze tauschen, so sitze ich zum Beispiel auch mal neben Burger, aber – man glaubt es kaum – wie schafft der das immer wieder – pünktlich zu seinem ersten Lied steht er plötzlich dann doch auf der Bühne. Juhu, lange nicht gesehen und kurz begrüßt und schon ist er dran, direkt aus dem Taxi ran ans Mikro.
Krrrrzzzzzzzzz.........
Fimriss, Sendestörung.
Während ich dies schreibe, liegt bereits das nächste Konzert in Horb zurück. Also noch mal den Film einlegen, wo waren wir stehen geblieben?
Ach ja! Das Konzert!!
Wie wir da also alle endlich komplett wieder beisammen sitzen, entfaltet sich ein ungewöhnlich entspannter Abend. Zwar ist es drückend schwül im Keller, aber das aufgeweckte Völkchen, das sich hier eingefunden hat, sorgt in jeder Minute dafür, daß hier niemand wegdämmert. Im Gegenteil! Es macht alles heute einen Tick von einem Mü mehr Spaß als sowieso schon, vielleicht gerade weil alles so übersichtlich ist, vielleicht auch, weil wir für unsere Verhältnisse diesen Spaß lange nicht mehr hatten. Unterstützt wird die Stimmung durch Leute wie beispielsweise dem Prada-Tanktop-Glitzergirl aus der ersten Reihe (Den Namen hab ich aus dem Gästebuch geklaut), einer durchorganisierten Wunderkerzenfraktion und vielen vielen freundlichen Gesichtern, sagen wir ruhig: von allen!!
Wir selbst kriegen plötzlich Lust auf selten gehörte Lieder: Raggae, Selbstverständlichkeit, Trallalla, Alphamännchen.....Totte macht gleich ein ganzes Medley aus all den Liedern, die sich gewünscht werden und am Ende stehen wir alle zusammen staunend in unseren durchgeschwitzten Klamotten in der schwülen Hitze und wundern uns, wie ungewöhnlich schön dieser Abend für uns alle war.
Danke an alle – wir wissen das zu schätzen und werden es weiter erzählen: Liebe Kollegen, geht nach Ingolstadt – da wartet ein tolles Publikum auf euch!!! Mit Standing Ovation, Mitsingen, Klappe halten und hübsch aussehen und allem Pipapo!
Danke an und für euch, liebe Ingolstädter!
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