30.07.2009 Lippstadt, Rathausplatz-Festival

von Rüdi

 

Lippstadt

Lippstadt, wo issn das? Es gibt Orte in Deutschland, die jeder kennt, aber wenn man auf ner Karte mit dem Finger draufzeigen sollte, würde man um mehrere hundert Kilometern dran vorbei schrammen.
Lippstadt ist so ein Ort. Noch ist Lippstadt so ein Ort.

Wir treffen uns 15.30 in Hannover Hauptbahnhof. Burger und ich sind mit der Bahn angereist. Claudio hat den Rest der Monsters mit dem Bus hergefahren, Stimmung an Bord ist gut, alle einsteigen, wo ist Lippstadt. Der Navi weiß bescheid.
Jedenfalls eine ganze Weile. Eine gesperrte Brücke verwirrt das gute Gerät allerdings derart, dass es alle weitere Hilfe verweigert und uns partout über diese Brücke schicken will. Also fragen wir uns eben durch, ein fast schon ausgestorbener Kommunikationsritus auf deutschen Straßen.
Wir erreichen den Rathausplatz von Lippstadt so pünktlich, dass wir noch locker unsere Essensmarken in sehr leckere Spießbratenbrötchen eintauschen können, bevor wir soundchecken.
Gegenüber der Bühne sind zwei offene Zelte aufgebaut, falls es regnen sollte und tatsächlich waren die letzten Tage wettermäßig so unsicher, dass wir das erst mal für eine gute Idee halten.
Die ersten Gäste finden sich ein, sogar ein paar Monsters-Shirts.
Aber ob das heute voll wird? Ich tippe auf 200 Leute. Irgendwie hab ich kein gutes Gefühl bei der Sache hier.
Ups, schon acht Uhr! Eiinmonstern. Los.

Das Konzert beginnt etwas zaghaft. Zwar ist der Platz jetzt doch gut gefüllt, aber die Zelte erweisen sich jetzt ein bißchen als Stimmungsbremse. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass wir die Leute nur bis zur Zeltkante kriegen, dahinter wird’s schwierig. Ich habe auch den Eindruck, dass wir selbst nicht richtig gut sind und ich habe sowieso den Eindruck, dass bei meiner Wenigkeit heut schon erst recht nichts zusammengeht. Jedes Lied eine Zitterpartie, Texthänger, bloß keine Ansagen, die gehen garantiert schief. Im Publikum sehen viele aus wie Fragezeichen auf Ausflug.
Da wir heute zwei Sets a eine Stunde spielen, haben wir in der Pause die Gelegenheit, der Sache etwas auf den Grund zu gehen. Die meisten teilen meine Einschätzung aber gar nicht und ich beschließe, dass meine gewonnenen Eindrücke einfach falsch sind und wir grade ein gutes Konzert geben.
Prompt sieht die zweite Stunde ganz anders aus und wir erleben einen Abend zum mit der Zunge schnalzen. Wirklich. Wundevoll gelaunte Fans, liebe bekannte Gesichter und jede Menge Freudestrunkene. Es gibt auch was zu feiern: Ein Ingo hat heute den Kfz-Meister bestanden und eine Sabrina hat heute Geburtstag. Natürlich gibt’s dafür jeweils ein Ständchen.
Jetzt hat alles Charme – vielleicht war das vorher auch schon so, aber jetzt erkenne ich es.

Nach unseren Zugaben kommt dann auch Dete, der Veranstalter auf uns zu und sagt, dass wir ruhig noch einen drauflegen können. Wir einigen uns auf „Morgens um acht“, auf gar keinen Fall wird es „Eschnapur“ geben, zu viele Menschen, viel zu laut, viel zu unruhig, viel zu viel Alkohol im Spiel.
Also auf geht’s: Ein Lied noch.

Aber erst mal wünschen sich ein paar Fans „Bühnensüchtig“. Das freut einen natürlich immer, wenn ein konkretes und dazu auch eher seltenes Lied gewünscht wird, allerdings ist es meist so, dass wir aufgrund Zeitmangels bei Festivals kaum Wünsche erfüllen können. Heute aber.......
Heute aber könnte man sogar noch „Eschnapur“ unplugged versuchen. Und siehe da, es gelingt tatsächlich. Für zwei Minuten ist auf dem Platz wirklich Ruhe und alle alle machen mit. Das gibt’s doch gar nicht. Lippstadt!!

Nach dem Konzert sitzen wir backstage und plötzlich bekommen wir Besuch von einer Clique ziemlich süsser junger Mädels. Natürlich hat da um 12 auch eine Geburtstag, natürlich brauchen die auch ein Ständchen, natürlich machen wir das.
Mittlerweile hat auch das kleine Teufelchen in meinem Ohr Platz genommen und brüllt: Saufen, saufen!! Da erfahre ich von einem kleinen Raucherclub namens Wohnzimmer nicht weit von hier und so begeben sich die müden Monsters mit dem Bus ins Hotel, während die auch müden aber unvernünftigen Monsters sich im kleinen Pulk Richtung „Wohnzimmer“ aufmachen. Zum Glück gehöre ich neben Fred und Börnski zu dieser Gruppe und so kann ich noch kurz von diesem wirklich ausgesprochen netten kleinen Club berichten.
In aller diskreter Kürze möchte ich nur die Hauptingredienzen der Nacht nennen:
Viele, sehr viele Drinks, viele, sehr viele Gitarren, dazu jede Menge Gitarristen, eine Orgel, eine Trompete (oder Horn?), zu wildem Treiben entschlossene Partygäste und ein Wirt namens Uli, der alles super findet, was wir machen.
Eine explosive Mischung, mit der wir bis in die frühen Morgenstunden rumzündeln. Vielleicht hat Fred ja die ein oder andere Begebenheit in seinem Podcast verewigt, guckt doch mal nach. Wenn, dann kann es eigentlich nur sehr sehr lustig sein.

Lippstadt? Wir sagen danke! An alle Organisatoren des Festivals und an alle Mitwirkenden: Danke!
Diese Stadt hat sich in unser Gedächtnis gebrannt.


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