23.07.2010 München, Tollwood

von Rüdi

 

Um 4.30 Uhr startet in Hamburg das Monsters-Mobil. Das ist natürlich sehr früh, aber nicht übertrieben früh, denn die Fahrt geht heute einmal quer durch Deutschland nach München.
780 Kilometer. Tollwood – Sommerfest. Spielzeit: 19 Uhr.
Den ersten Teil der Strecke müssen Fred und Totte alleine bewältigen, denn die Monsters sind wieder einmal bunt übers Land verteilt. Zuerst wird Burger in Bad Gandersheim eingesammelt, in Würzburg steigen dann Pensen, Timmey und Urs zu, denn „das Pack“ – zurzeit fleißig unterwegs - hat hier gestern ein Konzert gegeben. Wogegen ich dieses Mal allerdings keinen Grund zum Stöhnen habe – ich steige in Berlin einfach in den ICE mit sogar funktionierender Klimaanlage, setze mich in den Speisewagen, schnabuliere eine Kreation des Fernseh - Sternekochs Dingsbums, von dem ich lese, dass er experimentell die verschiedensten kulinarischen Landeseinflüsse zu einer ganz neuartigen Küche vermischt und sich deshalb „Punkrocker“ der Küche nennt. Hmmm......Punkrocker? Vielleicht hätte er sich dann eher Avantgardist nennen sollen, aber die Bezeichnung ist wahrscheinlich schon an einen anderen Fernsehkoch namens Hastenichgesehn vergeben. Dann ist Punkrock jetzt eben experimentell.
In München angekommen warte ich auf Börnski, der in den Morgenstunden noch schnell ein paar Stunden bei der Bank abgerissen hat und kurz nach mir ankommt. Danach geht’s mit dem Taxi aufs Gelände. Weil mir das alles viel zu einfach geht, verliere ich wenigstens mein Handy im Auto doch nicht mal dieser Ärger ist von Dauer, weil Börnski mich anruft – also mein Handy – und das gute Ding keine zwei Minuten später wieder bei mir ist.
Zu Fuß schlendern wir übers Gelände bis zum Andechser-Zelt, wo uns die anderen Monsters erwarten, wiedersehensfreudigerweise sogar ergänzt durch den Weiherer, einen unserer absoluten Lieblinge. Auf der Bühne versucht sich gerade eine Coverband an „TNT“ und das gar nicht mal schlecht. Offenbar war das bereits die Zugabe, denn direkt danach herrscht ein munteres Umbautreiben und die Bühne wird für uns hergerichtet. Also gerade mal Zeit, sich eines dieser berühmten Biere an der Theke zu holen und die notwendigen Fragen zu stellen wie zum Beispiel: Wo sind denn die Toiletten? Extra zu diesem Zweck hat man pfiffigerweise bereits vor vielen Jahren direkt hinter dem Zelt einen Busch wachsen lassen. Toiletten mit Dach befinden sich ein paarhundert Meter weiter weg.
Apropos, Überdachung ist ein gutes Stichwort! Wie viel Schwein kann man eigentlich haben? Da spielen wir Woche für Woche auf den verschiedensten Open Air Festivals und mit einem Mal bricht der Himmel auf und es gießt in Strömen – und wir spielen im Zelt!
Es ist ein wunderschönes Zelt. Ein richtiges Zirkuszelt, nur dass die Zuschauerplätze nicht ringsum sondern in der Manege aufgebaut sind. Ein hübsches Ambiente, für eine Liedermacherband fast schon idealtypisch, allerdings kreiert es ein derartig starkes klangliches Eigenleben, dass Urs eine Menge Können abverlangt wird, um uns wohltuend und verständlich klingen zu lassen. Dazu kommt der Regen, der eine Menge Krach macht, während er auf geschätzt 600 Quadratmeter Zeltplane prasselt.
Aber so spült er uns auch Zuschauer hinein und binnen Minuten ist das Zelt gut gefüllt. Die ersten setzen sich schon vor die Bühne auf den Boden, Soundcheck beendet – dann kann´s ja los gehen.
Wir monstern uns draußen ein.
Platschplatschplatschplatsch Monsters Ohohoho

Das Konzert beginnt ein bisschen schleppend, aber im Publikum befinden sich viele monsters-erfahrene Unterstützer, die zum Glück wissen, wie man uns am besten über den Berg hilft. Nämlich durch Mitsingen und Mitmachen und möglichst alberne Turnübungen und so schwappt allmählich die Energie zu uns über. Dabei helfen uns nicht nur die zahlreichen bekannten Gesichter, die wir zum Teil schon lange kennen, wie , zB Mel oder Totte´s Onkel Helmut – so Leute halt, mit denen wir auch gerne backstage unser Bier trinken möchten - auch verschiedene illustre Gestalten bereichern die Show mit ihrer Anwesenheit. Zum Beispiel kommt ein klerikal gewandeter Übervater an der Bühne vorbeigeschlendert, den wir aufgrund seiner heiligen Aura vermutlich irrtümlicherweise für Gott halten. Gott scheint Spaß an uns zu haben und das macht natürlich Mut.
Wir haben aber auch selbst immer mehr Spaß an uns und unseren Zuhörern. Die neue Version von Börnski´s Pazifismusschule klappt prima und ich bin nach wie vor totaler Fan dieses neuen Indianer – Cowboy Dialogs und vielleicht weil ich so begeistert mitmache bekomme ich eine rote Rose geschenkt, die allerdings sofort in die nächste Nummer als Requisite eingebaut wird und anschließend per Luftpost an Pensen weitergereicht wird. Das Mädchen guckt mich dabei zwar etwas säuerlich an, aber ich glaube, sie macht nur Spaß – wir alle machen ja Spaß. Zum Glück haben wir unsere Konfettibomben wieder am Start und so können wir zum Schluß noch unsere Visitenkarte hinterlassen und das Zelt dekorieren, bevor wir uns von der Bühne verabschieden. Herzlichen Dank, liebes Münchner Publikum! Es war uns ein Fest.
Einige ziehen hinterher noch um die Häuser und man wird es ihnen am nächsten Tag auch deutlich ansehen. Als hätte ich seherische Fähigkeiten, entschließe ich mich aber lieber für mein Hotelbett. Es kommt nicht oft vor, dass die Vernunft gewinnt, doch diesen Sieg gönne ich ihr und mir.


Übrigens: „Das Pack“ kommt schon am 9.12. wieder nach München in die Backstage. Mit dabei – haltet euch fest: der flotte Totte und der Weiherer.

Solltet ihr zufällig an diesem Tag in Deutschland sein: Geht da hin!!




PS:

Ich habe versprochen, Euch zu erzählen, was es mit diesem ominösen Buch auf sich hat, das während des Konzerts im Zelt kreiste. Ich war zuerst nicht ausreichend informiert, so dass ich von der Bühne herab dazu nichts sagen wollte. Es waberte der Begriff „Zivilcourage“ durch den Raum und das ist ein zu starker Begriff, um ihn mal eben in einem Tourbericht zu verwursten. Der Begriff wird im Zusammenhang mit toten und lebendigen Helden diskutiert, da gibt es Medaillen und Brandmarkungen, denn wer keine Zivilcourage besitzt, ist natürlich auch schnell ein Feigling. Ich finde es gefährlich, dazu in so einem Konzertbericht mal eben Stellung zu beziehen, wenn man nicht die ganze Geschichte kennt und zwar von allen Seiten.
Indi – so heisst der Mann, um den es in diesem Fall geht - hat etwas sehr Gutes und Richtiges getan, während viele andere entweder weggeschaut haben, oder sich nicht getraut haben, zu helfen. Ich muss das so vage halten. Sagen möchte ich dazu nur: Versucht, gute Menschen mit wachen Augen für andere zu sein. Versucht es – ich versuch es auch.

Interesse ist gut

Wenn mir Indi einen Link schickt, wo man sich genauer über diese Geschichte informieren kann, werde ich ihn sehr gerne hier posten


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