18.06.2011 Münster, Hafenfest
von Rüdi
Das Leben hat sich verändert in den letzten Wochen und Monaten, wenn ich mal von mir ausgehen darf. Ich war nach der Monsters-April-Tour noch solo und mit Sven Panne unterwegs und danach habe ich tatsächlich mal ein paar Tage in meinem neuen alten Zuhause verbracht. Ich lebe jetzt am Bodensee. Ich habe mir vorgenommen, gesünder zu leben, denn der Husten geht einfach nicht mehr weg, dafür meldet sich ständig die Pumpe, wenn ich das Stockwerk wechsele und dazu das dauernde Sodbrennen und......
Liebe Angehörige: Kein Grund zur Sorge!
Ich wollte nur mal kurz anmerken, daß ich mir vorgenommen habe, gesünder zu leben und das, was ich mir vorgenommen habe, zur Abwechslung auch mal in die Tat umzusetzen.
Also habe ich mir heute morgen meine Joggingschuhe angeschnürt und bin los. So richtig pensenmäßig – der macht so was nämlich auch. Hepp, hepp, hepp – am See entlang! Kam mir ziemlich toll vor dabei, bis mir mein Fuß meldete, daß er gleich nicht mehr will. „Ach, Quatsch, Fuß! Komm mach weiter, das macht doch Spaß!“
„Du bist nicht Rocky Balboa!“- sagte er und mit einem Knall meldete er sich vom Geschehen ab.
Ich bin dann im strömenden Regen zurück nach Hause gehumpelt – gerade fand ich den Regen noch ziemlich rocky-balboa-mäßig, jetzt aber nur noch doof nass!
Immer wird man ausgebremst!
Dann jogge ich eben nicht, hör auf mit der Selters Sauferei und fahre nach Münster, um mir mit den Monsters heute mal wieder so richtig einen zu verpassen! Timmey hatte gestern Geburtstag, vielleicht kann man da ja noch eine kleine Party nachzünden.
So viel zu mir und meinem Schicksal. Was machen denn die anderen so?
Die „anderen“ haben zum Beispiel heute keinen Bus. Weil der ja auf der „Rock am Ring“-Rutsche kaputt gegangen ist, wie niemand wissen kann, der dieses Tourtagebuch liest, weil ich ja nichts darüber geschrieben habe. Trotzdem: Das Monstersmobil ist kaputt und die Vermietfirma hat keinen Ersatz und wie die anderen jetzt alle mitsamt dem Merch und den Gitarren nach Münster kommen wollen, ist mir völlig unklar, während ich in meinem Edel-ICE sitze und ein paar „Dr. House“-Folgen gucke und dabei auf meinem ach so wehen Fuß rumdrücke.
Und wir sind immer noch nicht beim Hauptproblem!
Sehr verehrte Leserschaft, wir präsentieren Ihnen das Hauptproblem:
Wir haben heute keinen Techniker!
Klingt nicht schlimm? Oh doch, wenn man unsere beiden Techniker kennt, weiß man: das ist schlimm! Denn wir haben in den letzten Jahren nicht nur ihre Gesellschaft zu schätzen gelernt, sondern auch ihr Zauberhändchen in Soundangelegenheiten. Aber zum Glück müssen wir sie ja nur heute ausnahmsweise missen und mit Hoppi, der lustigerweise sogar der Lehrer von Urs war, haben wir spontane Hilfe bekommen. Also dürfen wir ruhig guter Dinge sein.
Mein Zug fährt auf die Minute pünktlich im Hauptbahnhof zu Münster ein, ich nehme mir ein Taxi wie ein Großer und lasse mich auf das Gelände chauffieren. Das heißt: Ich würde gerne.
Weil mich das Gehen schmerzt und ich schweres Gepäck habe. Und sowieso doch zur Bühne muss, weil ich ja der Rüdi von den Monsters bin.
Wir erreichen die Absperrung vom Gelände, ich kurbel das Fenster herunter (70er-Jahre-Mercedes) und zwitscher in den süßesten Flötentönen mein Begehr der Security entgegen.
„Entschuldigung, ich habe eine Fußverletzung und kann nicht richtig gehen. Ich muss aber zur Bühne, wir spielen um 21 Uhr und ich werde zum Soundcheck erwartet. Dürfen wir vielleicht passieren?“
„Moment, ich rufe die Einsatzleitung an!“
Zum Glück oder Pech ist das Walkie-Talkie sehr laut eingestellt und so höre ich die Antwort selber:
„Fußkrank sind die alle und immer! Der soll aussteigen und laufen!“
Herzlichen Dank für die Erdung!
Ich humpel also zu Bühne zwei und da sitzen sie auch schon die Herren Kollegen! Freudiges Wiedersehen und hocherfreutes Kennenlernen von Hoppi, der cool aussieht, sehr nett zu sein scheint und den wir – jetzt fällt´s mir wieder ein – natürlich aus dem Musikzentrum Hannover schon kennen, weil er da den Monitorsound für uns gebastelt hat.
Ach guck mal! Und die Wohnraumhelden sind auch da! Kaum zu übersehen in ihrem schrillen Bühnenoutfit, aber genau das ist mir wohl passiert, als ich aus dem Taxi ausgestiegen bin...
Burger trägt seit neuestem eine Brille. Eine ziemlich große Brille. Ich würde von so einem Gestell wahrscheinlich Rückenschmerzen kriegen. Außerdem ist Burger Fan von „Kapelle Petra“, die gerade spielen und ein sehr smartes und unterhaltsames Programm haben. Zum Schluss kriegt Burger sogar einen Gastauftritt, indem er bei der Schlussnummer die Showtrompete spielen darf. Lustig, nett, kurzweilig, die Jungs. Sehr nettes Kennenlernerlebnis.
Dann wir.
Unser erstes Konzert unter freiem Himmel in diesem Jahr. Wir sehen einige bekannte Gesichter auf dem Platz, ein paar Shirts von uns oder befreundeten Bands, Kinder, Regenschirme, viele Leute insgesamt. Von irgendwo erschallt ein „Monsters“-Chor, im Hintergrund hört man die Band von Bühne drei, vor uns verkaufen „Kapelle Petra“ noch ein paar Shirts und über den Bierständen beugt sich ein Regenbogen.
Schön, was? Genau!
Los geht’s!
Ein schönes Set hat Burger da zusammengestellt. „Marzipan“ – so beginnt der Spaß, den wir in den folgenden zwei Stunden haben werden, das Münsteraner Publikum ist lautstark, wie wir aber auch schon von der Novembertour wissen. Es sind übrigens viele wieder gekommen, wie sich herausstellt und so erklären sich viele Dinge von selbst, was letztendlich bei „Schönheitschirurgie“ darin gipfelt, daß sich der ganze Platz von selber setzt, ohne daß Burger dazu irgendwas sagen müsste.
Bei „Superkackwurst“ wird Börnski in Klopapier gewickelt, Nachschub wird uns vom Publikum in ausreichender Menge auf die Bühne geworfen. Ich mache mir ein bisschen Sorgen um die armen Menschen, die gleich auf den Toiletten hoffentlich den Klopapiermangel rechtzeitig bemerken.
„Weltklassemelodie“ mit totalem Blindflugsolo von Pensen und „Sabine“ mit wildem Pogo in den ersten Reihen, so daß Börnski – hellsichtig und wach – eine kleine Freundin von uns aus der pogenden Menge rettet, indem er sie über das Absperrgitter hebt und im Graben absetzt. Eine absolut notwendige Maßnahme, das wäre sonst schief gegangen, da bin ich mir sicher!!
Regen bricht aus und verschwindet wieder –auch da kann man getrost von Glück sprechen, Hoppi macht einen tollen Job und auch wir sind mit Spaß bei der Sache. Ein schönes langes Festivalkonzert, daß um 23 Uhr allerdings pünktlich zu Ende sein muß, so sind die behördlichen Auflagen. Sehr lange hören wir noch den „Monsters“- und „Zugabe“-Chören im Backstage zu, aber wir dürfen einfach nicht weiter spielen, sorry liebes Münster. Und Danke für den tollen Auftritt bei euch. Das hat Spaß gemacht!
Anschließend bewundern wir noch Timmeys Geburtstags-Gabentisch, köpfen ein Bier und dann gibt’s noch ne kleine Stubensause bei ihm auf dem Zimmer. Hoppi ist dabei und die Wohnraumhelden kommen noch rum und alles Chaos endet in Wohlgefallen.
Danke Münster, Danke Veranstalter, Danke Hoppi, Danke Timmey-Beschenker, Danke Wetter!
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