20.05.2010 Osnabrück, Maiwoche
von Totte
Erstes Open Air – Festival heuer! Zusammen mit Das Pack im schönen Osnabrück! Müsste eigentlich gut werden, denn dieses Powerpaket verspricht a lot of verve und friendship.
Absolutes Novum für mich: Vor der Abfahrt abgeholt zu werden. Die letzten Tage standen nämlich im Zeichen meines Umzugs, nun blicke ich von einer gemütlichen Dachwohnung auf den Hafen, die Marx Brothers singen via Anlage von der tätowierten Lydia und da klingelt bereits das Handy, die Kollegen warten in front of the house.
Vier Etagen Treppe runter, na ja, eine Wohnung für Durchtrainierte; vielleicht hilfts ja.
Im Tourbus mit an Bord: Fred als Driver, Börnski, Pensen und Packkollege und Freund Flozze. Eine gute Mischung für staufreie Fahrt.
Wie es so charakteristisch für staufreie Fahrten ist, können wir die gesamte Strecke ohne ärgerliche Stop-and Go- Manöver hinter uns bringen, einzig zwei kleinere Rauch- und Kaufpausen spalten die Kilometer. Im Bus die Themen: Osnabrück, Umzüge (und damit verbundene) Kostenängste, la Zukunft, die Gewaltthemen der gewalttätigen Welt am Beispiel der gestrigen Mopo, die Hells Angels in Leipzig und dies, bzw. das.
Die Sonne scheint über Big Osnabrück, nun sind wir da und werden freundlichst empfangen. Obschon wir viel zu früh hier sind (siehe Staufreiheit), geibt es bereits leckere Kaltspeisen und heißen Kaffee. Hm, formidabel!
Wie es weitergeht, wird die näheste Zukunft aller Zukünfte entscheiden, denn ich berichte gerade derart on time, daß bis gerade noch nicht mehr passiert ist als das, was bereits seien Weg in diesen leckeren Bericht gefunden hat. Klar ist bislang nur, daß Merchmeister Timmey, Soundchief Urs und die Monster Burger und Rüdi auch in Kürze eintreffen werden...
Ah, here they are. Sowas von united, nur unser Claudio fehlt heute leider. Aber das ist halt so, wenn sich die Toningenieure abwechseln. Einer fehlt immer.
Timmeys grand dame Sabrina ist aber dafür auch dabei, was stets überaus erfreulich ist.
Wir laden den Bus aus, bauen das Merchandise auf (alle Intelligenzia-Cds vergessen! Sauhaufen!!!) und checken den Sound. Erste Menschen finden sich auf dem großen leeren Platz ein, die Sonne scheint freundlich und das war die zweite Etappe. Es ist jetzt 18:40 Uhr, gleich checkt das Pack den Klang, dann geht’s auch bald los. Bis gleich.
Und da bin ich wieder: 23:07 Uhr im Backstagewohnwagen: In Osnabrück ist man auf der Maiwoche nämlich immer im Trailerstyle untergebracht, was unglaublich cool ist. Rüdi und Fred erzählen just vom Eishockeyspiel Deutschland gegen Schweiz (1:0), was mich persönlich etwa so tangiert, wie ein Monolog über die Aufzucht von Quallen oder Ginstersträuchern.
Drum flugs back to the Ursprungsthema:
Das PACK startet den Event. Und zwar mächtig. Zunächst laufe ich eher desorientiert rum, um ein paar vernünftige Packbilder zu knippsen. Dann aber höre ich genau zu:
Das Pack ist einfach eine famose Rockgruppe! Auf der Bühne stehen dicht beieinander Pensen und Flozze, das Stehschlagzeug ist zauberhaft mit Slips und Glockenrock dekoriert und dann aber Hallo!
Zum mighty Sound des Packrocks füllt sich der Platz stetig und beweist ein weiteres Mal, das hier nicht bloß Musik dargereicht wird, sondern vielmehr ein Trend kreiert wird, eine natürliche Bewegung, die von toleranter „Schnauze voll“ - Attitude nur so strotzt. Was das bedeuten soll? Hier ist Virilität Gebot - konstruktive Destruktion aller gängigen Klischees, und das zu einem Soundtrack, der vor Kompetenz glüht. Die Zündschnur der musikalischen Sprengkapsel „Pack“ brennt und der Knall ist nicht mehr fern. Wer mir Pathos unterstellen will, hat womöglich recht, nichtsdestotrotz kann ich für alle Monsters sprechen, wenn Begeisterung und Freude in kausalen Zusammenhängen mit dem Schweinerock der beiden gennant werden.
Moshende Sphären unterbrochen von dadaistisch virtuosen Ansagen, die viel mehr sind als Comedy, Fragezeichen am Herrenteichswall, die zu Ausrufungszeichen gestreckt werden: Die Wall of Death bei „Alle Menschen tot“ ist exorbitant und der Gebrauch stilistischer Eigenarten mit Hymnenfaktor wird fraglos die Erde erobern.
Die „Slayer“-Rufe bei Heavy Metal Kind werden getragen von Fun, die interaktiven Schnabelmoves bei „Schwach sein“ sind zwar nicht erklärbar aber eine reine Augenweide und der Druck, denn alle Songs der Zwei erzeugen, bläst sogar Glatzenträgern eine headbangende Matte auf die Kopfhaut.
Nach einem neueren Song kommt mir Rüdi kopfschüttelnd entgegen: „Was für ein geiler Scheiß“, sagt er nur, und die Betonung liegt ganz klar auf „geil“. Denn das ist es.
Ich sehe vieleviele lachende Münder, leuchtende Augen und Gliedmaßen in Bewegung, ein sicheres Zeichen dafür, daß ich hier nicht als gekaufter Chronist irgendeinen Quatsch tippe, um Freunden bloß nicht auf den Schlips zu treten, sondern meine ehrliche subjektive Ansicht durch das Publikum stets aufs neue objektiviert sehe: Das Pack ist eine absolut sichere Bank für grandiose Nächte, irgendwo zwischen dem Revoluzzerdrang der Adoleszenz nach erstem Apfelkorn und der aufgeklärten Rebellion gereifter Denkmaschinen mit Frank Zappa Postern an der Toilettentür. Und es ist sehr gut so und absolut richtig . Wer auch nur einen Funken Aufruhr im Hirn hat – und das wünsche ich möglichst allen – der wird auch im Pack zumindest eine respektable Antwort zum smarten Umgang mit Krach, Nonsense und Aussage finden.
Checkt : packrock.de! Denn wer etwas kennt, was sein Leben bereichert, dieses aber nicht weiterreicht, ist ein egoistischer Geizhals, um H. Krausser unzulänglich zu zitieren.
Wie dem auch sei, das Pack heben jeden Laden auf ihre ureigenste Weise aus den Fugen und zurück bleibt ein Fiepen im Ohr und die Gewißheit, das es sich sehr gelohnt hat.
I am definitely a big fan!
Im Anschluß spielen wir, also les Monsters, aber davon soll diesmal jemand anders berichten. Mr. Flozze le Drummer de la paque wird nun berichten, denn das kann er sehr, sehr gut, wie man sich auf deren Homepage stets wieder aufs Neue überzeugen kann (bitte HIER klicken).
Auf bald, Euer Tottovic.
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