04.09.2011 Pforzheim, Easy am Hang
von Rüdi
Das „Easy am Hang“ - Festival trägt genau den richtigen Namen. Als ich am frühen Abend zum ersten Mal die Wiese betrete, ist mir sofort klar, daß dieses kleine schnuckelige Festival ziemlich genau mein Ding ist. Es ist nicht unbedingt der Teufel los zu dieser Uhrzeit, aber es herrscht eine spürbar angenehme Atmosphäre, egal wo es einen auf diesem Gelände hin verschlägt. Ich treffe die Monsters, die auch erst vor einer knappen Stunde mit dem Monstersmobil aus Hamburg gekommen sind, wie sie mit Bekannten und Fans auf der Wiese rumhängen, bei Timmey am Merchstand sitzen oder hinter der Bühne ihre Siebensachen organisieren, wie das bei Pensen der Fall ist, der gleich mit „das Pack“ seinen Auftritt hat. Nirgends herrscht Stress oder Anspannung, das ist nach einer so weiten Anreise durchaus ungewöhnlich. Liegt aber ganz klar an besagter Atmosphäre. Es kreist dazu eine Geschichte umher von zwei Personen, die eine aus Berlin, die andere aus dem tiefsten Süden, die sich noch nie gesehen haben, sich wahrscheinlich bisher nur aus dem Netz kennen und die sich hier verabredet haben und seit zwei Tagen eine gemeinsame und ganz sicher glückliche Zeit verbringen. Diese Wiese führt zusammen, schweißt zusammen und feiert zusammen. Die Geschichte kommt mir allerdings bekannt vor, denn auch wir Monsters kommen ja von beiden Enden der Republik hier zusammen und haben eine gute Zeit. Allerdings sind wir heute nicht ganz komplett: Burger kann aus privaten Gründen nicht dabei sein und wenn jetzt jemand einen Schreck bekommen sollte, weil er vielleicht den letzten Tagebuchbericht schon gelesen hat und sich langsam Sorgen macht: Er ist gesund und wird beim nächsten Mal wieder dabei sein! Versprochen!
Zurück zur Wiese: Zwischen Ball spielenden Kindern, sich sonnenden Eltern und lieben Onkelz erleben wir einen ausnehmend entspannten Vorabend bei strahlendem Sonnenschein und selbst die 'Wall of death', die 'das Pack' anzettelt, mutet heute eher wie ein Streichelkurs an. Die Veranstalter sind glücklich und zufrieden, was wir ihnen von Herzen gönnen, weil sie allesamt sehr sympathische Menschen sind, aber nebenbei bemerkt: Lumpen organisieren auch keine Umsonst-Festivals. Dieser schöne Tag kostet nämlich keinen einzigen Cent, man muss nur hinfinden, sich unters Wiesenvolk mischen und geniessen.
Besonders Jens, den wir schon länger kennen, macht uns viel Freude, wie er glücksstrahlend und stets im jeweils passenden Band-Shirt übers Gelände schneftert und gute Dinge tut.
Jetzt gerade trägt er ein 'Monsters'-Shirt, also sind wir wohl gleich dran. Auf der Bühne spielen 'Rasga Rasga' die letzten Töne ihrer tollen Show - und wir nehmen zum Einstimmen schon mal erste Drinks zu uns, während wir ihrer ziemlich kernigen Polka lauschen.
Showtime!
Wir werden heute musikalisch angesagt, der Umbau geht rasch von statten und schon sitzen wir auf der Bühne und dürfen für dieses großartige, familiäre Fest den Abschluss machen. Wir vermissen Burger, der sich hier bestimmt auch wohl gefühlt hätte und von dem wir wissen, daß er gerade an uns denkt - ach, Harmonie aller Orten .
Apropos Harmonie: Meine Gitarre stimmt nicht mehr. Ich bin ziemlich nervös, habe beim Soundcheck alle möglichen Varianten ausprobiert, die mir eingefallen sind, aber - sie stimmt nicht mehr. Ich bin kein Purist, aber so wie die nicht stimmt, ist es dann auch für Punkrock zu viel. Scheiße - da muss ich mich drum kümmern. Aber heute muss ich dann wohl noch mal mit einer mittelmäßig klingenden Klampfe auftreten......
Dafür klingt die Wiese gut!
Schon bei 'Marzipan' merken wir, dass das Wiesenvolk ausnehmend guter Dinge zu sein scheint. Da muss man nicht mehr viel vormachen oder anheizen, alle sind voll am Start. Ich kann mich zum Beispiel nicht daran erinnern, bei 'Heidi und Seal' jemals einen so lauten Chor gehört zu haben. Aber vielleicht wollen die Leute ja auch nur gegen die schiefe Gitarre ansingen.....
Wie der ganze Abend war, so ist auch das Konzert: Entspannt, lustig, 'harmonisch'...........gut!
Wir haben die ganze Zeit das Gefühl, gerade mit genau den richtigen Leuten zusammen zu sein. Jens steht neben der Bühne und wischt sich die Freudentränen aus dem Gesicht und die Festivalianer tun alles, um ihm neue Freudentränen in die Augen zu treiben.
Es ist ein emotionaler Genuss, hier heute spielen zu dürfen. Die weite Anfahrt hat sich gelohnt, keine Frage: jederzeit wieder. Und wir möchten eigentlich gar nicht so gerne aufhören, aber die Behörden haben eine strikte Einhaltung der Nachtruhe verordnet und um nichts in der Welt sollte man diesem Festival irgendwelche Steine in den Weg rollen. Ganz im Gegenteil: Jederzeit wieder!!
Also schließen wir diesen Abend pünktlich, umarmen unsere kleine Welt und sagen: 'Danke! Das hat Spaß gemacht!'
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