02.06.2011 Rock am Ring, Ringrockers Warm Up Party
von Rüdi
Es ist Montag Mittag.
Die Zelte werden gerade zusammengepackt, die durchgerockten und stinkenden Klamotten in Rucksäcke verstaut und der ganze Körper wird notgesteuert von Hirnbrei. Kater, morsche Knochen und die Erinnerung an die letzten Tage sind, was am Ende übrig bleibt. Und der Müll. Und die Unlust, jetzt die Rückfahrt zu organisieren. Wie jedes Jahr oder zum ersten Mal. Gigantisch! 150000 Menschen! Man muss das irgendwann im Leben einfach mal erlebt haben! Rock am Ring – die Festivallegende! Wenigstens regnet es nicht. Oder doch?
Keine Ahnung, ich sitze im trockenen ICE und war nicht dabei. Noch nie. Auch dieses Jahr nicht. Aber ein kleines bisschen halt doch, denn die Monsters durften dieses unfassbare Festival auf der „Warm Up-Party“ der „Ringrocker“ eröffnen. Wir konnten also schon rüber riechen. Irgendwo hinter dem Damm da standen die großen Bühnen, auf denen die berühmtesten, lautesten, schnellsten, bösesten und teuersten Bands der Welt spielen! Wir haben den heiligen Boden betreten, wenngleich wir die Messe versäumt haben.
Und das tollste: Wir waren noch nicht mal zufällig da. Nein, richtig offiziell, mit Einladung, Buchung und allem Pipapo! Richtig Gast bei den „Ringrockers“.
Das erste Festival der Saison und dann gleich so was!
Donnerstag, 2. Juni, 16 Uhr:
Die Sonne scheint. Perfekt für ein Festival! Wir treffen uns auf dem Koblenzer Bahnhofsplatz, holen Brötchen, Zigaretten und Urs holt sogar einen Mietwagen, weil er morgen früh berufsbedingt nach Kroatien fliegen muss. Die Laune ist allerseits bestens, ist ja auch klar, wenn man daran denkt, wohin die Reise heute geht. „Rock am Ring“! Seit Jahren das Non plus Ultra in Sachen Riesenfestivals in Deutschland und wir haben in letzter Zeit dieses Gespenst oft durch unseren Kopf geistern lassen. Jeder hatte dabei irgendeine Vorstellung, mancher war sogar schon mal da, aber im Grunde wissen wir nichts und sind gespannt, was das heute wohl wird. Aber eines ist bitte klar: Wir spielen nicht auf dem tatsächlichen„Rock am Ring“ sondern nur in dessen Peripherie, einem Zeltplatz, einer Extrabühne, allerdings einer offiziellen. Und eingeladen haben uns die Ringrocker, die mit ihrer Warm up-Party dieses Happening eröffnen. Man kann also seinen gelungenen Zeltaufbau mit uns feiern, so in etwa ist das wahrscheinlich gedacht.
Aber: Es stehen sehr viele Zelte auf so einer Feier herum........
Mal sehen!
Ich fahre bei Urs mit.
Wir fahren Kolonne, wir und das Monstersmobil, das übrigens von außen betrachtet, ziemlich wichtig aussieht mit seinen getönten Scheiben. Allerdings nicht wichtig genug, um nicht von Polizisten und Ordnungskräften angeschnauzt zu werden, wenn es sich eigenmächtig aus der Schlange entfernt, indem die Insassen beispielsweise Begrenzungshüte von der Straße räumen, weil das Navigationssystem sagt: „Da lang!“
Da hilft dann auch kein Wedeln mit Passierscheinen. Also so wichtig – wie gesagt – dann auch wieder nicht.
Schon so wichtig, dass Angetrunkene an die Scheibe klopfen, um nach Mitfahrgelegenheiten oder kaltem Bier zu fragen, aber nicht so wichtig, um noch beachtet zu werden, nachdem man keines dabei hat.
Urs ist begeistert und neidisch auf die Leute. Er würde sich gerne die drei Tage Party geben, das wäre mal wieder was, sagt er, aber ich weiß nicht so recht. Ich finde es in erster Linie ganz furchtbar heiß und die Wege extrem lang. Aber das scheint hier niemandem etwas auszumachen, denn alle sind sehr vorfreudig gelaunt und selbst die Eschweger Mädels mit ihrem liegengebliebenen Wagen kichern noch fröhlich, während sie auf den Pannendienst warten, der doch bestimmt Stunden brauchen wird, um hier durchzukommen. Egal, so ein Festival hat halt seine eigenen Regeln und eine scheint ganz klar zu lauten: „Locker bleiben!“
Irgendwann haben wir tatsächlich den Ort gefunden, wo heute Abend die Party steigt und wir lernen Thomas kennen, der das alles hier für uns und die anderen tausend organisiert hat. Jasmin zeigt uns den Weg zum Backstage und die Bühne, es ist ein großes Zelt aufgebaut worden und jeder, der schon mal beim „Rock am Ring“ war, wird wissen, daß es natürlich ein sehr großes Zelt ist. Thomas versorgt uns mit Wunschgetränken und Essensbons, gibt ein paar Termine an und ist sowieso eine große Stütze in diesem ganzen Gewusel.
Dann will Burger ein wenig übers Gelände flanieren, aber als er bereits nach wenigen Metern von einem angetrunkenen Mädchen völlig anlasslos eine Ohrfeige kassiert, ist er ziemlich schnell von seinem kleinen Ausflug zurück und verbringt ein paar Minuten verdutzt im Backstage.
Dann gibt es Essen im Restaurant und anschließend soll mit ein paar Leuten gegrillt werden, die ein „Meet and grill“ mit uns gewonnen haben. Aus organisatorischen Gründen wird uns das Grillfleisch dann aber direkt von Thomas auf einem Teller serviert und wir speisen und klönen ein bisschen mit den Gewinnern in der oberen Etage des Zeltes, von wo wir die Massen heranströmen sehen.
Es passen ein paar tausend Menschen in das Zelt, wie viel kann ich schlecht schätzen, aber irgendwann sind tatsächlich so viele Leute da, daß der Eingang dicht gemacht wird. Und pünktlich um 21.30 Uhr beginnen „His statue falls“ das Programm.
Wir beenden unser Meeting, um uns die Band anzuhören, schnuppern schon mal ein wenig Bühnenluft und bestaunen die feierwütige Menge im Zelt.
Eine Stunde noch, dann sind wir dran.
Im Backstage erzählt uns Burger seine Ohrfeigengeschichte, außerdem hat er für uns alle die Setliste auf einen Pappteller geschrieben.
Eine halbe Stunde noch.
Vor dem Backstage parkt ein Lotus.
Viertelstunde
Der Gitarrist von „His statue falls“ steht schweißgebadet in der Umkleide. Es soll höllenheiß sein.
Linecheck.
Hallo „Rock am Ring!“
Wir spielen heute ein eineinhalbstündiges Festivalset. Und vor uns tanzt, hüpft, pogt und walzert die Gemeinde. Hier soll und will gefeiert werden und wir dürfen auf dieser Party unsere Mitmachspielchen treiben. Ich gebe zu, daß wir ein wenig stolz sind, hier sein zu dürfen und wir genießen den Spaß aus vollen Zügen. Das Zelt ist mit uns und sogar draußen auf dem Platz wird noch mitgemacht. Es ist schlichtweg ein Riesenvergnügen und der perfekte Einstieg in die Festival-Saison. Hier freut sich gerade jeder, hier zu sein. Die Zelte stehen, jetzt wird gefeiert!
Danke, liebe Ringrocker, für diese eineinhalb Stunden!!
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