12.02.2010 Rostock, Mau Club

von Totte

 

Es geht also wieder auf Tour. Wenn ich unsere Berichte chronologisch verfolge, bemerke ich, dass die meisten Touren mit dem Satz: „Es geht wieder auf Tour“ beginnen. Logisch. Flickwerk, Klassiker, normal eben. Was soll man auch sonst schreiben?
Maybe: Wow, wow, wow, endlich startet der Tourbus zur besten Kaffeefahrt, die man sich vorszustellen vermag! Les Monsters, dieser wundervolle Haufen melodiöser Egozentriker, findet sie nach langer Pause erneut zusammen, um wild die Welt zu bereisen, musikgastronomische Experimente zu starten und sich den blauen Planeten bunt zu spielen!
Besser?
Eben.
Drum: Es geht also wieder auf Tour.
Als Auftakt spielen wir heute in Rostock, erstmalig im Mau-Club, von dem wir schon viel Gutes gehört haben.
Weniger gut sind die Nachrichten bezüglich des Wetters: Schnee, Snow, harte Sache.
Nun bin ich ja prinzipiell ein Freund des Winters (der Computer schrob soeben „Winzers“, bin ich aber auch Freund von), dieses Gejammer über den bösen, kalten Winter kann ich ebenso wenig teilen wie die hippe Klimawandelpropaganda, ich stapfe gern durch den Schnee und suche identische Flocken. Ein kurzweiliges Vergnügen ohne Erfolgschancen, so was ist mir stets sympathisch!
Rein eigennützig und tourbezogen betrachtet, ist dieses Schneechaos allerdings ziemlicher Mist. Wer geht denn bei diesem Frost vor die Tür? Also außer uns, denn wir sitzen im Bus und fahren und landen glücklicherweise erst kurz vor der Ausfahrt nach Rostock im Stau. Dafür aber recht lange. Burger mißbraucht Teddypard als Kopfkissen und trägt zur Strafe nach dem Schlaf einige Biß- und Kratzwunden im Gesicht. Wer legt sich denn auch auf ein Raubtier?
Im Bus selbst darf heute geraucht werden, denn Monsterprinzipien wechseln schnell und das passt. Prinzipien töten eh nur die Möglichkeiten.
Wir hören Foo Fighters, fahren im Schritttempo und – Zack – Nu’ simmer da!
Der Mau Club ist ein töfter Rockschuppen gleich am Rostocker Hafen, beeindruckend liegt am Kai gegenüber der riesige Hoteldampfer „Georg Büchner“, der allein für den Namen schon eine gesonderte Lobeserwähnung verdient. Einen Tadel bekommt er indes dafür, dass wir da heute nicht schlafen dürfen, obschon – laut den Freunden und heutigen Spontanmonstermerchandisedamen Sarah und Birgit, alle Zimmer leer sind. Schade.
Wir sind übrigens viel zu früh dran, aber freundlicherweise wird uns dennoch der Einlaß in den Club gewährt, wo wir recht rasch den Sound checken und die restliche Zeit bis zum Konzert mit Zigaretten, Wasser und Käsebrötchen verbringen. Zudem die bange Frage: Wer soll es bei dem Schnee heute hierher schaffen? Zwar lief der Vorverkauf sehr gut, doch ich persönlich würde mich heute nicht freiwillig ins Auto setzen, um sechs Liedermachern beim klampfen zuzuhören, Karte hin oder her! So hören wir zum Einlaß auch von eingeschneiten Daheimgebliebenen und erwarten lieber nicht zuviel. Daß der Raum sich dennoch ziemlich stattlich füllt, macht uns froh.

Überhaupt: Was sich hier heute für ein großartiges Publikum eingefunden hat, ist absoluter Wahnsinn! Das zeigt sich ziemlich rasch – eigentlich bereits im Vorfeld, denn wir bekommen von der Prignitz-Clique (laut den Kollegen) schmackhafteste Mettstullen und Eukalyptusbonbons geschenkt - wir haben wirklich sehr sympathische Hörer.
Und das Konzert selbst wird ein grandioser Tourstart und macht viel Lust auf mehr! Ein Woge der Sympathie weht uns entgegen und der Mitmachpegel ist enorm. Da macht es auch nichts, dass wir uns alle – tourentwöhnt, wie wir sind – hier und da verspielen, versingen und ein wenig hampelig wurschteln. Es macht höllischen Spaß und nur zu gerne erweitern wir kurzfristig unser Set um gewünschte Lieder, sparsam sollen andere sein, heute rules Musikdekadenz. Libertins united eben! Rüdi spielt bei Schönheitschirugie aus Gründen der Kazooabwesenheit ein Klorollensolo, mich hält es kaum noch auf dem Stuhl. Ein großer Spaß!
Leider ist nach Kartetov dann irgendwann auch Schluß und der Saal leert sich zügig.
Doch auch wir sind ziemlich erledigt, denn der Tag war für alle lang und die Nacht wird erwartungsgemäß eher kurz.
Also Abschied nach dem Genuß leckerer Brokkoliaufläufe (Die Currywurst der Studikneipen – Max Goldt) und Abfahrt durch Rostockseiswüste: Das Hotel zu finden ist um einiges lichter, als einen adäquaten Parkplatz zu frequentieren, Menschenskind, ist das alle rutschig. Aber Burger ist kompetent und wir kommen heil an. Hoffen wir, dass das unserem Publikum micht minder glücklich erging!
Laut Aussagen diverser Einwohner soll es sich bei diesem Winter übrigens hierorts um den heftigsten seit 1979 handeln. Und wir waren da und survivten. Und zwar mit ordentlich Laune. Auf bitte bald wieder. Gratias!


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