15te Monsters-Tour
von Totte
19.02.2010 Darmstadt, Centralstation
„Kennen Sie die Angst vor dem weißen Blatt Papier?“ fragt der Permanent-Reporter in meinem Schädel.
„Ja.“
Zehn Tage Tour liegen vor uns, (inzwischen fast verlernte) Routineabläufe werden in dieses zehn Tagen unseren Alltag bestimmen: Aufwachen, auschecken, abfahren, ankommen, abrocken. Wir sind die AAAAA’s. Hoffentlich zumindest nicht anonym, denn das ist für Bands eher schlecht.
In den letzten Jahren hab ich viele Vokabeln gelernt: Promo, Soundcheck, Backdrop, Get In, Venue, etc.etc.
Ein wölbendes Wissen, das mir im realen Leben nicht das kleinste bißchen weiterhelfen würde. Ein Grund mehr, weiter in der Monsterparallelwelt zu existieren, oder?
Apropos Promo: Einen kleinen Seitensprung habe ich mir im letzten Jahr erlaubt. Manchmal muß ich eben ausbrechen und das Liedermacherkorsett sprengen, da geht’s mir nicht anders als den Kollegen. Pensen hat Das Pack und ich – neben der Punkballettruppe Muschikoffer nun auch endlich die „Intelligenzia“, eine Band der surrealeren Art. Gerade noch rechtzeitig zur Tour wurde unser zauberhaftes
Album „Der Weg ist zum Ziel, Teil eins: Forschung und Lehre“ fertig, jetzt möchte ich den Kauf jedem anempfehlen.
Ist das jetzt aggressive Werbung? Nö, finde ich und laß die letzten Zeilen stehen.
Wir sind übrigens um 7 Uhr aufgestanden, um jahreszeitlich bedingtem Chaos zu entgehen, jetzt sind wir müde und im Bus.
Urs leiht mir Oliver Schmitts Buch über Punkrock, liest sich toll, dennoch fallen mir die Augen zu. Schlaf, unterbrochen von profilneurotischen Teddypardanfällen, der Kerl ist manchmal einfach zu aufmerksamkeitsheischend.
Weil die Jahreszeit gar kein Bock mehr hat, irgendwem Steine in den Weg zu legen, kommen wir sehr pünktlich an, laden aus und – tusch – welcome Touralltag.
Es gibt allerdings ein Novum diesmal: Wir haben für die Februartour gar ein Tourmanagement, bestehend aus dem sympathischen Damenduo Lizzy und Geli, der Famiglia Koks.
Tourmanagement?
Mhm, coole Sache: Im Grunde bedeutet das: Liebe Monsters. Ihr dürft – was organisatorische Fragen angeht – Euer Hirn quasi ausschalten. Denn Management heißt Kümmerer. Nun möchte ich unsere Leser aber bitten, das nicht mßzuverstehen: Wir sind jetzt kein Superwichtig- Riesentroß, sondern einfach eine angewachsene Reisetruppe. Das ist auch mal schön, womöglich erhöht sich dadurch auch unsere Unterhaltungsthemendichte, was nach über sechs Jahren Busreisen auch ruhig mal passieren kann.
Jedenfalls schön und dahin gehend animierend, daß erste Monstermember gleich „Prost“ denken und sich entspannt zurücklehnen.
Was perfekt zum Toureinstieg ist, ist die Tatsache, daß wir heute (bereits zum zweiten Mal in Darmstadt) kein Monstersolokonzert geben, sondern zusammen mit den hochverehrten Kollegen von Boppin B aufspielen. Diese Rockabillykapelle ist uns in den letzten Jahren enorm ans Herz gewachsen, von niemanden sonst lassen wir uns derart gerne an die Wand spielen, denn Bopppin B sind menschlisch wie musikalisch absolute Spitzenklasse.
Es gibt ja bekanntlich gerade in den Rockabillykreisen viele eher konservative Musikkonsumenten, die mit keinem anderen Genre etwas anfangen mögen, aber bei Boppin B verhält sich das alles ziemlich anders. Es macht einfach Spaß. Zwar spielen wir dadurch heute nur ein verkürztes Set, doch dafür dürfen wir im Anschluß derbsten Rock'n' Roll genießen. Freude.
Groß die Wiedersehensfreude, viele Flaschen werden geöffnet und das Catering ist exquisit. Daß sich zudem noch knapp 600 Menschen einfinden, um die Superdoppelshow zu genießen, kommt da richtig gut.
Ab on stage, Monsterzeit:
Es macht richtig Laune. Der Saal ist riesig aber voll, der Anblick mächtig.
Wir dagegen sind – so empfinde ich das jedenfalls – ziemlich albern und spontan, der Konzertkasper pogt in unseren Hirnen und läßt das Konzert sehr spontan verlaufen. Jeder von uns verspiel sich mal, aber egal, the spirit is here, die Ansagen fliegen uns selbst um die Ohren und Darmstadt macht ordentlich mit. Toll. Einfach toll! Und ein grandioser Einstieg.
Boppin B, die im Anschluß spielen, sind einfach immer Dynamit!
Es wird getanzt, agiert, gerockt, einzig schade das Rauchverbot, denn immer wenn ich im Saal bin, bekomme ich Schmachter, muß dann gefühlte 3000 Treppenstufen zum Backstage hetzen, wo ich dann – sobald angekommen – kein Bock auf Nikotin sondern Konzert kriege. Also wieder zurück und der Kreislauf geht weiter. Gut für die Kondition, schlecht für den Nikotinspiegel.
Nach dem Konzert geht es noch eine Weile weiter, in einem Backstageraum läuft Musik der Kassierer, im anderen werden die Käseplatten verputzt.
Mit Didi tausche ich mich stets gerne über Musik und Bücher aus, diesmal geht’s um „Cor“, die –laut Didi – hervorragend sind. Dabei fällt mir ein, daß ich völlig verschwitzt habe, ihm den Krausserroman „Die kleinen Gärten des Maestro Puccini“ zu empfehlen. Also, wenn Du das liest: Lies das!
Rührungstränen treibt uns die selbstgemachte Teddypard-Grußkarte der beiden zauberhaften Hörerinnen in die Augen, denn die ist derart gut gemacht und nett, daß sie mit Sicherheit auch Photomäßig verewigt wird. Mille Grazie!
Einladen und Aufbruch sind dagegen derart unspektakulär, daß ich mir das spare und mit besten Gefühlen und Vorfreude auf die nächsten Tage mich herzlich grüßend vor Euch verneige;: Darmstadt, let’s meet again, in thunder, lightening and in rain. Hauptsache meeten. Und zwar zusammen mit Boppin B. Nice Night.
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von Totte
20.02.2010 Eschwege, E-Werk *Ausverkauft*
Grönkwömmm!
Als ich das im Stuckrad-Barre Roman „Soloalbum“ gleich auf der ersten Seite las (womöglich wars aber auch Gronwrooom oder so ähnlich), war ich einfach hellauf begeistert. DAS ist mal ein guter Start.
Der Autor selbst gefiel mir allerdings von Buch zu Buch weniger, als er dann tatsächlich in der Autorensickergrube des Axel Springer-Imperiums abtauchte, war die Sache auch erledigt. Aber immerhin: Ein toller Anfang. Das soll ihm mal wer nachmachen.
Zufälligerweise war „Grönkwömm“ das erste, was ich heute dachte, als sich mein Schlafkontingent als aufgebraucht abmeldete und die Lider hochklappten. Grönkwömmm. Einfach: Grönkwömmm! Nicht: Wo bin ich? Nicht: Hurra, we are on tour! Nicht: Die Welt gehört gerettet! Oder: Kaffee jetzt bitte! Oder: Was müffelt hier? Nein.
Grönkwömmm.
Viel mehr kam dann leider auch den Rest des Tages nicht mehr, überhaupt bin ich auf Tour oftmals eher leer bebirnt, die Gedanken wollen nicht so recht und ich dann erstmal auch nicht. Kommt aber alles irgendwann, allein: das mir das keine Sorgen mehr bereitet, beweist ja der erste Gedanke dieses Tages.
Grönkwömmm.
Dann aber doch: Kaffee.
Munter hüpfe ich elfengleich zum Frühstücksbuffet und organisiere eine Kanne schwarzen Goldes (ja, ja, eigentlich Öl – verschont mich mit Besserwisserei, es ist gerade mal 9:35 Uhr) und schnelle back to the hotelroom.
Fred ist ebenfalls erwacht und schaut irgendwas mit Olympia, bestimmt gut, bestimmt spannend, ich seh da nur Leute auf Holzkram rutschen. Warum geht mir bloß jeder Sportivgedanke ab? Das Leben wäre sicher komplett besser und diskussionsgefüllter, würde ich ebenfalls von Fußball, Tennis, Olympia gebannt. Statt dessen: Einstürzende Neubauten, Knut Hamsun und Bunuel. Worüber soll man sich da unterhalten.
Das ist wohl auch der Grund, warum ich immer wieder mal für einen Misantrophen gehalten werde. Son Quatsch – i like people, nur diesen Smalltalk hab ich einfach nicht drauf. Da läuft in meinem Hirn dann stets nur Grönkwömmm.
Glücklicherweise verfüge ich über tolerante Bandkollegen, die mir meine Launen verzeihen, mein Sportdesinteresse nachsehen und mich allen Widrigkeiten zum Trotz in den Bus lassen.
Da muß ich auch mit, denn die Strecke: Darmstadt – Eschwege, ist zu Fuß nicht zu machen.
Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist in Darmstadt der Schnee geschmolzen, rechtzeitig nach Pensens „lange Unterhosen“-Kauf. Die lohnen aber wieder etwas weiter weg, es wird kühler und die Laugenbrezel an der Raste ist groß, salzig und unknusprig. Dafür knuspert wenigstens der Kaffee.
Das Buch von Oliver Schmitt (Anarchoshnitzel schrieen sie) ist toll und läßt die Strecke schmelzen wie die Sonne Darmstädter Schnee.
Ankunft in Eschwege, und was Eschwege uns bedeutet, kann man in den vielen Open Flair-Berichten lesen, die unsere Tagebuchseiten füllen.
Herzlichst werden wir von der Crew um Markus Stolle empfangen, geschätze Gesichter allerorten. Lizzy und Geli sind bereits tourmanagementmäßig voll am Start und das Catering ist lecker und opulent.
Wir machen das, was Monster so auf Tour machen: Ausladen, soundchecken, rauchen und essen. Laptops hochklappen, Kram gucken, Gitarre spielen, dumpf in die Gegend starren und so weiter. Zeit ist kostenlos.
Auch Achim Chef der KOKSanostra ist da und gut gelaunt, wenn auch wieder energetisch, daß die Funken sprühen. What a power der Mann hat...
Gleich neben dem E-Werk, unserem Auftrittsort, ist ein riesiges Zelt aufgebaut, wo heute vor über 6000 Menschen die Schlagerpeitsche rausgeholt wird. Live dabei: Jürgen Drews und der
Wendler. Gruselige Zombiegeschichte, wie ich finde. Manchmal bin ich nämlich geschmackssicher.
Ach, sollen sich doch die Untoten da stapeln, unser EWvent ist was für Kopf wie Seele und außerdem – und so stolz darf man schon mal sein – ausverkauft. Und zwar mit netten Menschen, lächelnden Menschen, einfach Lieblingspublikum.
Und was für einen Empfang diese Menschen uns bereiten, da stockt der Atem.
Ein irrer Anblick und ein ohrenbetäubender Begrüßungsjubel macht uns den Einstieg so leicht, daß wir allesamt auf Milch schwimmen.
Dieses Konzert wird ein exorbitant schönes. Da macht es auch nicht soviel, daß der Balladenteil es anfänglich etwas schwer hat, viele kennen uns eben nur vom Open Flair, wo wir bislang ausschließlich
Partyprogramm spielten. Vielleicht ändern wir das ja mal.
Bei den lauten Nummern wird auf jeden Fall enorm mitgemacht, mitgelacht aber auch, denn wir sind heute wieder ziemlich spontanausfallsmäßig unterwegs.
Es gibt so viele Kleinigkeiten, die passieren und uns die Lachtränen in die Augen treiben, ein Fest: Obs nun wilde Wortgefechte auf beiden Seiten der Bühne sind oder spontane Umreimereien, die Hörerinnen hier sind voll am Start und lassen das E-Werk leuchten!
So verfliegt die Zeit und plötzlich sind wir durch und noch gar nicht müde.
Sehr gerne geben wir all unsere Zugaben und noch mehr, dafür kriegen wir aber auch – in Reminiszenz an unseren Open Flair Stromausfall, den kompletten Herzblatthubschrauber vom Publikum accapella gesungen, bevor wir uns sehr gerührt und begeistert mit Kartetov verabschieden. Natürlich nur von der Bühne, rasch mischen wir uns unter das Publikum, wo noch diverse nette Unterhaltungen auf uns warten, diverse Prostereien und Lächelaustäusche.
Ein wunderschöner Abend, einfach mhmmm.
Da mich aber eine miese Müdigkeit überkommt, muß ich leider die Möglichkeit, noch in einer Raucherkneipe weiterzufeiern, ausschlagen und fahre mit Burger zum Hotel.
Gut zu wissen, daß meine Kollegen mehr Sportsgeist an den Tag legen und mit Sicherheit noch just – während ich diesen Bericht schreibe – im „Hemingway“ die Gläser klirren lassen.
Eins ist versprochen: beim nächsten Mal mach ich mit! Denn Eschwege ist Homezone und zuhause ists am schönsten.
Grönkwömmm...
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von Totte
21.02.2010 Krefeld, Kufa *Ausverkauft*
Wenn ich Kaffee will, will ich Kaffee! Da bin ich eisern! Ich will nicht von Prinzipien reden, das wäre wohl ganz schön übertrieben, ich meine, ich rede hier nur von Koffeinzufuhr. „Prinzipien!“ rufe ich laut heraus, „Pah!“
Eigentlich rufe ich in Wirklichkeit überhaupt nichts, weil: Ich will Kaffee!
Warum sollte ich da rufen? Ich lauf lieber rasch zum Hotelfrühstück, denn auf Tour ist die Welt ja gezuckert und alles immer vorrätig.
Der Hotelmensch ist sehr zuvorkommend, japsend deute ich auf die Thermoskanne und hechele: „Da da bitte. Fürs Zimmer,“, setze ich noch nach, da ich gerne im Bett koffeiniere, „okay?“
Aber ja, lächelt der Mann und verschwindet für eine kurze Weile, bevor er mit einer Minimalkanne der Sorte „Draußen nur Kännchen“ zurückkehrt.
Fassungslos schaue ich ihn an, die große Thermoskanne in der Hand.
„Ach die wollen Sie?“ fragt – nun seinerseits fassungslos – der nette Mann.
Soviel Fassungslosigkeit am Morgen macht mich fassungslos, ich verweigere jeden weiteren Dialog und entschwinde von mir selbst peinlich berührt gen Zimmer.
So – Interruptus: Obige Zeilen sollten mal den geistigfen Umnachtungszustand nach einem Konzert um 3 Uhr morgens verdeutlichen, wenn man allen Widrigkeiten zum Trotz versucht, schnell noch einen witzigen Bericht zu schreiben, bevor die Augen komplett zufallen: Kaffee, Kaffee, Kaffee.
But weiter im Text:
Wir fahren nach Krefeld.
Die eigentlich moderate Strecke von etwa 250 Kilometern zieht sich derart ewig, daß ich mir von den Rastentoilettengutscheinen ein komplettes Neon-Magazin kaufen kann. Die Themen sind komplex und die Stuhlgangprovision locker wert.
Weniger wertvoll die Inhalte der BILD am Sonntag: Einer aß den Killerkäse, Semmelrogge fährt bekifft Auro, Westerwelle ist böse und Bill Kaulitz neu bühnenbekleidet. Ein DSDS-Star zeigt seine Suizidnarben (auf dem Photo nicht zu erkennen), eine mir nicht näher bekannte Dame ihre Oberweite (auf dem Photo gut zu erkennen).
Klar, das man nach diesem Informationsflow bei Ankunft völlig meschugge dem Bus entsteigt.
Hallo Kufa: Das Team um Marcel ist uns bekannt und supernett, Lizzy und Geli haben vor Ort schon wieder organisiert, Tourmanagement ist super!
Wie müde verdrehen eigentlich die zwei Leser der Berichte inzwischen die Augen, wenn ich erneut die Phase zwischen Ankunft und Abrock beschreibe? Käsebrötchen, Soundcheck, Zigaretten und Warten?
Dazu mal eine Frage: Wenn Ihr ganz tief in Euch reinhorcht: Jeder Job hat doch seine Pausen, und die werden doch mit Sicherheit auch nach sehr routinierten Mustern verlaufen, d’accord?
Eben.
Ach ja, es ist übrigens auch heute ausverkauft – wie cool fühlt sich das an? Ziemlich, um ehrlich zu sein...
Der Club füllt sich drum recht schnell und die Euphorie ist schnell hörbar.
Was dann aber kommt, toppt die Vorfreude:
Die Kufa bebt schon bei den ersten Tönen. Und es wird noch besser.
Heute haben wir aus Spaß mal unsere Sitzordnung neu gelost, das wirkt stets Wunder, wenn man mal ein Konzert vom nicht angestammten Platz genießen kann, die Rourtine ist dann komplett ausgelöscht. Wir sind richtig gut gelaunt und klopfen uns die Ansagen nur so um die Ohren, das Publikum ist ein Hammer und Teddypard ist heute ebenfalls on stage (allerdings nicht so ganz sein Ding, wie er uns später mit müden Raubtieraugen gesteht). Das erste Set vergeht absolut zeitraffergemäß.
Eine kleine Neuerung hat sich auch heute eingeschlichen, wir spielen den Pianisten meiner Band Intelligenzia, was mich im Vorfeld extrem nervös gemacht hat, denn es ist ein Lied der spezielleren Sorte. Macht aber tatsächlich richtig Spaß. Premiere geglückt.
Heute ist Fred der Freestyleking, er dichtet eine Spontanstrophe zu Selbstvertrauen und – ach, mein Herz glüht.
Schrob ich doch gestern von Eschwege als Homezone, merke ich immer wieder, daß wir inzwischen über soviele Heimaten verfügen, da können sich lokalpatriotische Tellerrandducker mal eine Scheibe von abschneiden. Es ist ein herrliches Miteinander. Punkt!
Die Meerbuschergang beschenkt uns mit einem wunderschönen Bild, die Leute lächeln und der Gesangespegel ist ohrenbetäubend.
Grandioser Abend, dem wieder mal die Worte von allein vor Verblüffung ausgehen. Immer diese Superlativen! Warum seid Ihr bloß so spitze, Ihr MonsterhörerInnen? Da müssen die Berichte ja geheuchelt werden, doch ich schwöre: Wir finden Euch wirklich so wundervoll – man muß Axiome aussprechen, wenn man sie erkannt hat!
Wir bekommen heute die längsten Wunderkerzen der Welt zu sehen, einen Sitzpogo, der sich gewaschen hat und spielen uns gegenseitig die Bälle zu. Perfekt, möchte ich sagen. 1000 mal Dankeschön!
Leider schaffen wir es nicht mehr, dem, Geburtstagskind Kerstin (Happy Birthday an dieser Stelle) ein Ständchen zu singen, denn sie hat erst nach Mitternacht Geburtstag, und da sind wir schon im Getümmel, im Backstage und an der Bar. Überallk Musik: Im Raum, in der Luft, in den Herzen. Und nochmal: Musik.
Der Abend dauert noch eine ganze Weile an, dann ruft das Garden-Hotel, ein Ort mit Monstervetgangenheit: Hier haben wir tatsächlich diverse Male Rocknrollklischees im Miniformat leben lassen. Meist versehentlich, aber es gibt eben Karmastätten, deren Aura sich von Jahr zu Jahr fortsetzt. Beim letzten Mal musste Burgers Haftpflicht das Karmakonto ausgleichen. Hoffen wir auf Besserung.
Auf dem Weg zum Hotel weiter ausgelassene Stimmung: Den Bus laden wir so bescheuert wie lange nicht mehr, im Bus rezipieren Teile von uns permanent steigernd und sehr nervbelastend eine schöne Satzkonstruktion, die geschrieben nicht die Hälfte der Wirkung erzielen könnte, im Hotel wieder die heftigste Fahrstuhlsituation der Welt: Ein Klaustrophenkasten, der uns in Zweierpacks erstmal in den zehnten Stock gondeln muß, bevor wir an der Rezeption von der sehr netten Nachtportiersdame in einen noch kleineren Fahrstuhl geführt werden, der uns wiederum in den achten Stock und somit zu den Zimmern führt: Oh, die sind ja renoviert...
... Forstetzung folgt bestimmt!
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von Totte
22.02.2010 Paderborn, Kulturwerkstatt
Mal etwas zu Teddypard: Dieser Raubtiger aus Kartetov ist ja unser siebtes Monster. Gestern in Krefeld war er ausnahmseweise mal mirt auf der Bühne. Im Anschluß aber zickte er derart rum, daß wir ihm nun doch wieder den Wachposten im Bus aufdrücken müssen. Dennoch möchten wir hier nochmals auf seine Internetpräsenz: teddypard.de verweisen, denn dort gibt’s schöne Bilder und ein zu füllendes Gästebuch.
Irrsinnigerweise ist gestern Nacht im Hotel wieder ein Bild zu Bruch gegangen, und zwar bei der phantomimischen Nachäffung vergangener Ereignisse in besagter Unterkunft. Das ist so ungeschickt, daß man vom Rockklischee nicht sprechen mag. Es liegt ein Kern der Dekonstruktion in diesen Gemäuern.
Was enorm taugt, ist das Gewinnspielfrühstück in Meerbusch:
Die Meerbuschclique ist uns ja nun schon längere Zeit ans Herz gewachsen, und das Frühstück, das uns dort in illustrer Runde dargereicht wird, der leckersten Sorte. Nur der Zeitdruck treibt uns fort von diesem gemütlichen Platze. Sollte jemand nun bemängeln, ich hätte ruhig etwas ausführlicher darüber berichten können, möchte ich:
1. um Entschuldigung bitten, denn das stimmt,
2. erwähnen, daß ich eben auch kein besonders talentierter Chronist bin, und
3. vor allem auf unseren Podcast besagten Tages verweisen, der in Bildern alles so schön einfängt, daß Worte dagegen nur grau wirken könnten.
Die Fahrt nach Paderborn gestaltet sich.
Irgendwie. Paderborn selbst ist mir vor allem durch den gleichnamigen Song der Abstürzenden Brieftauben bekannt, da jener selbst aber nichts über Paderborn aussagt, weiß ich quasi nichts.
Wir spielen heute nicht im Club, sondern im Bistro, was uns schon vor gewisse Probleme stellt. Denn das Publikum kann uns entweder kaum sehen oder nur mäßig schön hören. Beides ist eher nicht drin.
Die Rauchmelder sollen überdies derart scharf sein, daß sofort die Feuerwehr kommt und 100000 Euro will, wenn man ein Strechholz entzündet (dramatische Überspitzung). Allerdings werden sie scheinbar mit der Zeit nacxhsiuchtiger, denn nach Konzertende dürfen wir plötzlich wieder im Backstage rauchen. Allerdings sind Veranstalter Hendrik und seine Crew wirklich sehr nett, wir kennen uns auch bereits von diversen Ballnächten.
Je nun, denken wir uns, und genießen erstmal Brötchen, Kaffee und Computer. Pensen geht joggen, der Rest rauchen. Lizzy ist omnipräsent und checkt einfach alles direktemang – wie haben wir das bislang hingekriegt?
Auch Amnesty International sind heute erfreulicherweise wieder mit einem Infostand vor Ort, wir können nur immer wieder aufrufen, zu unterstützen, zu unterstützen, zu unterstützen: amnesty.de – bitte checken.
Burger, Rüdi und ich geben noch ein kurzes Interview für die hiesige Unizeitung und verhaspeln uns ziemlich beim Versuch, auf die Frage nach dem Hartz 4-Song kompetent zu wirken. Im Bemühen, nicht allzu blöd zu wirken, kommt ziemlicher Nonsens raus. Was da krudes rausgekommen ist, treibt mir jetzt noch die Schamesröte ins Gesicht.
Dann Soundcheck. Dann Einlaß.
Der Raum füllt sich – allen Montagssorgen zum Trotz – ziemlich gut, zwar können wir die Zuschauerzahl vom letzten Mal nicht toppen, aber zumindest, und außerdem sind wir hier nicht auf einer Rekordfahrt, sondern auf einer Konzerttour.
Da der Backstageraum der Bühne gegenüberliegt, mischen wir uns zu unserem Bombastintro unters Publikum, derweil Pensen im Dukeln auf der Bühne die Stehlampe vermittels Steckdosenbedienung zum rechten Zeitpunkt leuchten läßt.
Konzert hat begonnen:
Wir spielen ein schönes, etwas zügiges erstes Set, denn die Tatsache, daß wir recht tief sitzen, macht uns ein klein wenig nervös. Aber Spaß macht es trotzdem.
Ach ja, wir haben natürlich wieder die Sitzordnung gelost, allerdings haben Rüdi und ich unsere alten Plätze gezogen. Hm, wie gelost, so gesessen.
Die zweite Hälfte des Konzerts gewinnt dann plötzlich enorm an Drive. Das Publikum macht nämlich ziemlich gut mit und wir sehen viele lachende Gesichter, scheinbar spaltet sich die werte Hörerschaft in alte Wegbegleiter und Neuzugänge. Das spornt uns natürlich auch an. Eine akkustische Konstante bildet zudem ein recht trunkener Herr in der ersten Reihe, dem mit grandiosem Timing permanent die Biergläser zerschellen. Plötzlich befällt uns der Albernheitsvirus und Bäche von Lachtränen fließen von der Bühne, machen den Boden glitschig, worauf noch mehr Gläser zerschellen. Es wird unglaubklich lustig. Auf Rüdis Seite befindet sich quasi eine Zuschauerempore mit total feierwilligem Publikum, die interaktiven Teile lassen noch mehr Lachsalven im gesamten Raum hochgehen, Chaos galore. Irgendwo zwische debil und genial. Versehentliches Big Amusement – Großartig!
Völlig aufgedreht und durch stolpern wir schlußendlich von der Bühne, Glückshormone, Prost!
Nach dem Konzert sitzen wir bei Pizza und Salat ein bißchen beisammen, allerdings merken wir so langsam den permanenten Schlafmangel in den Knochen und fahren ins Hotel. Dieses befindet sich in Bad Lippspringe, einen Ort, den ich auch wiederum nur von Stuckrad-Barres Livealbum kenne, womit dem aufmerksamen Leser ein inhaltlicher Bogen aller Tourberichte auffallen müsste.
Die meisten wollen jetzt noch Olympia gucken, aber nicht mit mir: Dusche, Bett und Zigarette sportiven Charakters machen mich herrlich bräsig.
Ich teile mir ein Zimmer mit Urs, der just vom Olympiaschauen zurückkehrt („Gab nur Synchroneistanz, noch blöder als Eiskunstlauf.“) und von Moonraker erzählt, der das Alternativprogramm stellte: James Bond kann alles, sogar innerhalb der Erdatmosphäre schweben und mittels Atarijoystick manuell Raketen zerlasern.
Nicht weniger trashig ist der Film Spiceworld, den wir uns noch zum einschlafen gönnen. Zitat der Nacht kommt von Victoria:
„Das Kind kommt schon nicht von alleine raus, du hast immerhin noch die Strumpfhosen an.“
Damit wäre wohl alles gesagt.
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von Fred
23.02.2010 Marburg, KFZ *Ausverkauft*
Guten Morgen, Paderborn!
Das war jetzt meine vierte Tour-Nacht. Die bislang kürzeste. Zur Zeit teile ich mir mit Rüdi ein Doppelzimmer, weil wir beide begeisterte Olympia-Nacht-Gucker sind: Ski Alpin, Biathlon, Bobfahren gucken, wenn man nach dem Konzert ins Hotel kommt und dann dabei sanft einschlafen – super!
Dieses Mal gab es leider nur total ödes Curling, unterbrochen von Eistanz (uff), trotzdem blieben wir noch recht lange wach, weil Urs und Pensen noch auf ein kleines Nachttrünkchen vorbeigeschneit sind, nun ja...
Seit 10 Uhr morgens nun terrorisiert uns die Hotel-Reinigungsfachkraft mit unnachgiebigem gegen die Tür pochen, schließlich kapitulieren wir, hastig in die Kleider geworfen, Dusche fällt aus, und meine geliebte Morgenzigarette rauche ich draußen im Nieselregen und werde dabei noch von zwei zwar lieben, aber sehr nassen Hunden belästigt.
Das führt bei mir zu einem kurzzeitigen Tourkoller, der aber gottseidank von meinen Reisemitstreitern mit bemerkenswerter Gelassenheit hingenommen wird. Dafür nochmal danke an dieser Stelle, Jungs.
Ab on the road. Es hat alles ein Gutes, denn weil wir dieses „Wir hassen alle unsere Gäste“-Hotel so überstürzt verlassen mußten, haben wir auf der anderen Seite wieder mehr Zeit für Marburg.
Hach, Marburg.
Auf der Fahrt durch das verregnete Hessen schwelgen wir in seligen Erinnerungen, denn nun schon das fünfte Mal kommen wir hierher, unsere Auftritts-Historie verzeichnet zwei Konzerte auf dem Uni-Sommerfest (eines davon ultra-schlecht, das zweite ziemlich gut) und zwei sehr schöne Clubkonzerte im KFZ, und nun sind wir wieder da. Herrlich – Vorfreude!
Zwei Stunden im Hotel gechillt, geduscht, und dann Treffen im Foyer zur Abfahrt in den Club, da macht die Kunde die Runde, das Konzert sei heute abend ausverkauft. Oh mein Gott, ist das so? Trotz Semesterferien? Unglaublich....
Wir erreichen das KFZ und werden gewohnt warmherzig empfangen, tolles Catering, sympathische Crew, heißer Kaffee, lecker Süßkram, und zack, zack, aufgebaut, Soundcheck, alles wie immer, naja, fast, denn heute hat Burger zusammen mit der Hauscrew einen Bühnen-Killer-Kühlschrank mit grünem Neonlicht und Nebelmaschine gebastelt. Jeder, der während der Show was aus dem Ding holt, wird grün angestrahlt und mit Rauchschwaden eingehüllt. Krass.
Konzert. Yeah! Marburg ist ein Quell sympathischer Menschen, schön und laut, knallvolle Hütte, auch die Monsters glühen voller Spielfreude, es gibt viele schöne Momente, geselliges Singen und allerhand spontane Ansagen. Besonders heute aber ist zu erwähnen, dass erstens Pensen heute erstmals seinen Song „Woman Man“ im Monsters-Kontext vorträgt, sehr schön und überraschend, und das wir zweitens den bislang schönsten Balladenteil dieser Februartour erleben dürfen. Es ist beim ruhigen Teil so dermaßen leise im Auditorium, man hätte die berüchtigte Stecknadel fallen hören können, absolut gigantisch und gänsehauterzeugend. Brrrrrr! Marburg, what a crowd, danke!
Der Tag begann ganz furchtbar (Hotel), und nun sitzen wir selig nach dem Konzert noch bei Bier und Zigarette zusammen. Es ist alles schön und perfekt. Leider fällt mir die Glut der Zigarette in meinen Kragen rein. Das brennt ganz furchtbar auf der Haut, meine Verrenkungen müssen sehr komisch ausgesehen haben. Egal.
Es ist spät geworden, Teile der Band verabschieden sich noch mit ein paar Monsters-Hörern ins Marburger Nachtleben, ich bin mit Rüdi auf unserem Olympia-Doppel-Zimmer angekommen und gleich wird Eishockey angepfiffen. Das erste Bully kriegen wir noch mit, dann fallen sofort die Augen zu.
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von Totte
24.02.2010 Berlin, SO 36
Achgottachgottachgott: Was ist denn da passiert? Kaum wollte ich gestern Nacht mein Kopf ins Kissen betten, schleuderten heftige Niesattacken meinen Schädel gen Himmel. Plötzlich war die Nase dicht! Und das mir Hypochonder, der ich doch täglich meine Nase aus Gründen der Prophylaxe spüle, um allen Atemwegsverstopfungen zu entgehen!
Meine Freundin meint es auch sicher nur fürsorglich, als sie am Telefon statt „hallo“ gleich: „Oh, du klingst gar nicht gut!“ sagt, aber das haut bei mir natürlich in die falsche Kerbe – jetzt ist mal wieder leichte Panik angesagt!
Ich kaue jetzt pausenlos Ipalad, Börnski verabreicht mir Thymiankapseln („Echt gut, der erste Rülpser schmeckt voll nach Pizza!“), rauchen tu ich dennoch. Die Psyche will ja auch massiert werden.
Wir fahren durch eine Landschaft, die sich nicht entscheiden kann, obs jetzt schneit oder sonnig strahlt.
Pensen lieh mir die Slash-Autobiographie, die beste Buslektüre ist. Darüberhinaus ist sie allerdings eher nicht zu gebrauchen, but anyway.
Teddypard vernichtet in einem Randaleanfall Freds halben Tourbericht, der ist eher weniger amused, ein Hin- und Her im Busfond ist das, ach je.
Diverse Zigarettenpausen auf derr Fahrt nach Berlin, meine Nase befreit sich langsam etwas, sonst ist überhaupt nichts passiert.
Ein Roadmovie der realistischen Sorte: Man fährt und kommt an. Sonst nüschte.
In Berlin angekommen, betrete ich zum ersten Mal die ehrwürdigen Hallen des SO 36, ein Schuppen mit Vergangenheit. Im Grunde ein Tempel des Punk, kulturell jedenfalls definitiv nicht wegzudenken aus der Berliner Musikkultur. Durch dämliche Anwohnerbeschwerden aber steht der Club zur Zeit gerade vor dem Problem, eventuell seine Pforten schließen zu müssen. Was ist das für eine Welt, in der Denunziantentum gefördert und autonome Kunst derart gegängelt wird? Haben die Stadtoberhäupter denn überhaupt kein Interesse mehr daran, ihre Stadtbilder möglichst interessant und attraktiv zu gestalten? Ein Jammer, ob Gentrefizierung oder Privatisierung des öffentlichen Raums, ich versteh das alles nicht. Wem soll das langfristig nützen?
Der Club ist groß und lang, das Team sehr nett und der Weg zum Backstagebereich irre: Über Schallschutztüren, die sich per Knopfdruck öffnen lassen geht’s über eine Außentreppe in die Zimmer, wow, „Cleveland“ ruf ich da und hoffe, Ihr versteht.
Auch Amnesty ist heute wieder vor Ort, ich verweise immer wieder gerne auf deren Seite, denn Unterstützung ist vonnöten: amnesty.de
Während der soundgecheckt wird und der Merch aufgebaut, lese ich weiter im Slashbuch und komme zum Schluß, daß das nicht gerade meine Idealvorstellung von Lebensplanung wäre. Hardrockstar? Nö, lieber nicht.
Dabei kann man sich schon ein wenig rockstarmäßig fühlen, wenn man die Menge Menschen sieht, die es heute hierher geschafft haben: Rund 500 Menschen füllen den Club mehr als anständig, wowwowwow!
Jetzt bin ich doch nervös!
Es geht los!
Menschenskind, ist das ein Empfang! Berlin ist ne Wucht, um mal ein schönes Retrowort zu verwenden!
Wir sehen in so viele freundliche Gesichter, daß die Augen jucken!
Nur schon beim zweiten Song streikt kurz der Strom, jetzt müssen wir improvisieren und spielen eratmal einen Song komplett unplugged, was die Leute dankenswerterweise voll mitmachen, danach dann verstärkt weiter. Ich muß gestehen, daß ich in der ersten Hälfte des Konzerts noch nicht so richtig angekommen bin, was aber nicht am Publikum liegt, denn das macht hervorragend mit. Manchmal muß man sich einfach etwas länger eingrooven.
Und ab der zweiten Hälfte wird es dann unfaßbar schön. Wunderkerzen, Schunkeln, mitsingen, stillhalten und mitklatschen: Berlin ist umschaltefähig, Grandios!
Zum Zugabenteil gibt’s dann wirklich kaum noch ein Halten, mit Standing Ovations werden wir herzerweichend verabschiedet, das war toll! Und auch noch im SO 36, viel cooler kann man sich kaum fühlen.
Im Backstageraum tummeln sich viele nette Menschen, in der Halle aber auch, ich springe wild hin und her und habe viele – wenn auch kurze, so doch sehr nette Gespräche, darüber verpasse ich völlig das Busladen, doch man ist nachsichtig mit mir.
Eigentlich wollte ich mich heute möglichst früh schlafen legen, aber spontan finden sich noch Lizzy, Geli, Urs und Börnski bei mir ein und der Abend wird noch ziemlich ausgedehnt. Auf sehr unterhaltsame Art, möchte ich hinzufügen. King Size Cigarettes maches mich überaus albern und die Dialoge sind zwischen debil und genial einzugrenzen. Es ist dann doch 5 Uhr, bis ich in den Schlaf finde. Vorsichtig lege ich den Kopf ins Kissen, in ängstlicher Erwartung einer neuen Niesattacke. Doch nichts dergleichen: Was bleibt ist Wohlgefallen. Ja, das ist die Berliner Luft (Luft, Luft)!
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von Totte
25.02.2010 Leipzig, Moritzbastei *Ausverkauft*
Berlin ist in heute in strahlenden Sonnenschein getaucht: Schön, schön, schön. Ein klein wenig hirnverdumpft bin ich durchaus, das Telefoninterview, das ich zu zu führen habe, wird dadurch leider nicht gerade unterhaltsamer:
Ja, wir sind eine Liedermacherband, nein, wir wechseln unsere Besetzung nicht, ja, klar streiten wir uns auch auf Tour.
Ich brauche Kaffee. Wieder mal. Der aufmerksamen Hörerschaft dürften die – nur in Nuancen unterschiedlichen – Wiederholungen langsam ebenso auf den Zeiger gehen wie mir. Was folgt, ist: Die Berichte werden kürzer und öder und dabei macht alles in der Realität noch ziemlichen Spaß.
Die Autofahrt glänzt vor allem durch einen Veggie Whopper, daran kann man den Zerschossenheitsgrad der Band recht gut abmessen.
Keine Musik im Bus, kaum Gespräche, dafür aber diverse Kippenpausen.
In Leipzig haben wir tatsächlich über ein Jahr nicht mehr gespiewlt, unbegreiflich, wenn man bedenkt, daß die Konzerte dort immer schon exorbitant schön waren.
Die Moritzbastei ist ein labyrinthenes Gezwirbel, unser Verantwortlicher vor Ort Sebastian sehr nett, und wir guter Dinge. Nur der Soundcheck zieht sich heute in die Länge, zudem spielt auch noch unser Freund und Kollege Bruno Kolterer (mostupsetman.de) auf, was natürlich noch mehr Zeit in Anspruch nimmt.
Aber dafür schön, Bruno ist ein supernetter Typ mit tollen Liedern, zudem gibt es aufgrund des eher schwer nachvollziehbaren Vorbestellungssystems der Moritzbastei erhebliche Koordinationsschwierigkeiten an der Kasse. Viele Menschen müssen warten, was uns leid tut.
Tatsächlich ist dann der Club wieder ausverkauft, coole Tour, diese!
Bruno startet und ernet sehr verdienten Applaus, seine Songs zwischen Chansons und Rock stoßen auf offene Ohren.
Dann Monsters:
Na gut, die Sache mit der Ouvertüre geht heute etwas in die Hose, das Licht will nicht leuchten, also im Dunkeln auf die Plätze stolpern. Aber was solls.
Das Piublikum ist jedenfalls voll bei der Sache, und der Abend kriegt schnell einen guten Drive. Wir sind durch die Tour inzwischen ziemlich aufeinander eingespielt, was dem Tempo des Konzerts sehr zuträglich ist, vielleicht fehlt es uns heute ein klein wenig an spontanen Ausbrüchen; dennoch: So ein straightes Rockkonzert hat auch wirklich was für sich.
In der ersten Reihe sitzt eine Abordnung junger Männer, die –so euphorisch wie besoffen sind, und dadurch ein bißchen sehr aufgedreht und unruhig sind. Nach deem Auftritt werden die Clubmitarbeiter unter der Bühne vor deren Plätzen ein gigantisches Gläserreservoir vorfinden, aber das verwundert wenig.
Dafür ist aber der Rest des Publikums locker in der Lage, zwischen Totaldurchdrehen und stillem zuhören umzuschalten, so wird der Balladenteil zu einem berauschenden Fest.
Vielen Dank!
Zum Zugabenteil dann standing Ovations und wildes Sitzgepoge, hervorragende Geschichte, absolut.
Was blöd ist, ist vornehmlich die Tatsache, daß auch an dieser Stelle der Berichte alles immer nach Repetition klingt, die Vokabeln ausgetauscht, der Inhalt gleich. Aber nein, wir nutzen kein Textprogramm mit diversen Puzzleteilen, die wir dann zusammensetzen. Alles wird Wort für Wort stets aufs Neue geschrieben, aber in sieben Jahren vor einem fast durch die Bank weg tollen Konzerten muß eben der Eindruck entstehen, hier würde nur mit Copy and Paiste gearbeitet. Kann es ein schöneres Luxusproblem für Musiker geben, als die Not, daß der Begeisterung über alles langsam die Synonyme ausgehen?
Leipzig war einfach wieder toll, und wären wir nichtlangsam etwas unterschlafen, wären wir auch zu gerne der Einladung unseres Leipziger Lieblingsladens „Stoned“ gefolgt, um dort bei Spirituosen und Punkrock den Abend um unbestimmte Zeit auszudehnen.
Aber es wird einfach Zeit, auch mal vernünftig zu sein, und Genesungsruhe einzufordern.
Wir machen noch etwas Merch, unterhalten uns mit netten Menschen (by the way: jetzt kann ich Lochkäsehirn mir endlich den Namen merken, Frances, scusi für meine latent bestehende Vergeßlichkeit), dann Abbau und Fahrt.
Vorher allerdings müssen wir uns noch von Urs verabschieden, der hier sein Tourende hat, da in Hannover eine weitere Verpflichtung tontechnischer Kunst auf ihn wartet. Urs, we miss you jetzt schon! Ein dreifach Tusch auf diesen Helden der Soundwelt! Das meine ich genauso, wie es hier steht. Auf bald.
Ab morgen stößt glücklicherweise Claudio dafür zu uns, der seinerseits ebenso ein heroischer Tonmaestro ist. Am coolsten wäre es sowieso, alle könnten immer dabei sein, denn dann erst wäre der Haufen wirklich komplett. Mit „alle“ meine ich übrigens auch unsere Februartourmanagerinnen Lizzy und Geli, die uns sehr ans Herz gewachsen sind. Die Vorstellung, daß wir das alles ab April wieder selbst werden machen müssen, macht mich jetzt schon ganz grantig. Je größer der Troß, desto lustiger, soviel steht mal fest.
Da im Hotel das Rauchen auf den Zimmern mit Erschießung, wahlweise 50 Euro Strafe belangt wird, finden wir uns noch auf ein letztes Kippchen und Bier in der Hofeinfahrt neben dem Hotel ein, wo wir Tenniegangstamäßig rumlümmeln und in die Überwachungskamera winken, worauf die Gegensprechanlage permanent knacksend seltsame Laute von sich gibt. Obwohl Gangsta, werden wir nicht verhaftet sondern verschwinden unbehelligt in unseren Zimmern, wo ich beim Zähneputzen einen kurzen Panikanfall kriege, weil Börnski den Fernseher angeschaltet und ein Programm mit einem röchelnden Mann erwischt hat, worauf ich das Röcheln ihm zuorne und in Sorge um den Zustand des Haudegens zum Nachschauen m,ehr schlittere als laufe. Puh, der Panik folgt eine erlösende Lachattacke, der wiederum eine Akte X –Folge folgt. Folgenlos, denn wir sind längst entschlafen.
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von Totte
26.02.2010 Dresden, Groovestation *Ausverkauft*
Ein Zimmer mit Börnski zu teilen, ist stets ziemlich komfortabel: Er schnarcht und riecht nicht und macht sich überhaupt nichts draus, wenn man schnarcht und riecht. Da schnarchen und riechen aber wirklich nur temporär zu ertragen sind, wache ich lieber auf und dusche. Zwei Probleme schon um 11 Uhr morgens erledigt, so muß ein Tag beginnen.
Der Himmel über Leipzig ist grau, viel anders ist es auch nicht in Dresden. Immerhin schneefrei, das Wetterchaos hat uns auf dieser Tour wirklich verschont. Geli äußerte vor Abfahrt noch den unbedingten Wunsch, unterwegs bei Mc Donalds zu halten, was natürlich wieder mal nicht klappt. Zwischen Wunsch und dessen Erfüllung liegen bei den Monsters immer Stille-Post-Übermittlungsfehler im sechsstelligen Bereich, so landen wir bei Nordsee, etwa zwei Kilometer vor dem nächsten Mc Donalds. Sie trägt das aber mit Fassung.
Die Groove Station erreichen wir ziemlich zeitig, ganz in Ruhe können wir erstmal Veranstalter und Photograf Stefan Böhler begrüßen, Kaffee trinken und uns umschauen. Der Club ist ziemlich schön und liebevoll eingerichtet, einziges Problem heute: Um 23:30 Uhr beginnt im Keller unter der Bühne eine Disco, die ziemlich laut sein wird. Da die Printmedien das Konzert erst für 21:30 Uhr angekündigt haben, kann man sich leicht ausrechnen, um wieviel Zeit unser Konzert schrumpfen müsste, um vom Prollkrach gänzlich unbehelligt aufspielen zu können. Schweren Herzens entscheiden wir uns für den Kompromiß, bereits um 21 Uhr wie auf den Tickets angekündigt anzufangen und die Pause zu verkürzen. Mehr können wir leider nicht machen.
Immer noch viel Zeit bis zum Konzert. Rüdi und ich gehen Batterien kaufen und uns fällt wieder auf, wie schön Dresden gerade in der Neustadt ist.
Back in da club können wir auch schon Claudio in die Arme schließen, der unsere letzten drei Konzerte technisch betreuen wird. Der smoove Hamburger ist in letzter Zeit tourmäßig ziemlich rumgekommen und weiß spannende Anekdoten aus dem Konzertalltag zu berichten.
Wir hingegen: Äh, mhm, ja wir haben auch schon mal gefeiert.
Der Soundcheck verläuft ziemlich problemlos, dann gehen die Kollegen essen, während ich nochmal etwas im Slash-Buch lese: Kann ja sein, daß die Guns'n'Roses riesig wichtig waren, aber unsere Touren scheinen mir doch viel schöner zu sein. Ich hab jedenfalls noch nie den Wunsch verspürt, per Anwalt mit meinen Mitmusikern zu kommunizieren oder Heroin zu spritzen, nur weil sich der Ablauf etwas verzögert.
Zum Einlaß wird schnell klar: Dresden ist ausverkauft. Gut 300 Menschen kriegen wir in den Raum, dennoch stehen noch etwa 50 Menschen ohne Karte da. So sehr mir das für diese Leute leid tut, so cool ist aber auch die Resonanz, de wir mit Sicherheit nicht zuletzt Stefans Engagement zu verdanken haben.
Die Groove Station ist proppenvoll, gar keine Frage, vor derartiger Kulisse kann man nur adrenalinpegelmäßig high gut gelaunt sein. Um Punkt 21 Uhr gehts los.
Und Dresden zeigt sich mal wieder von seiner allerfeinsten Art. Es ist ein tolles Konzert, voller spontaner Momente, so mag ich es am liebsten. Wir schießen uns die Bälle zu und Dresden macht voll mit!
Burger zerschießt versehentlich Börnskis Moti und stiehlt im so die letzte Strophe, aber das macht kaum was, denn insgesamt verläuft der Abend so rund wie kaum was.
Leider setzt tatsächlich sehr zeitig der Discolärm ein, das wummert von unten und gibt den Takt vor. Möglichst charmant bemühen wir uns, den Krach einzubeziehen, das gelingt hoffentlich ganz gut, das Publikum spielt jedenfalls sehr mit und wir sehen eigentlich nur nette, lachende Gesichter.
Da Kartetov unplugged heute unmöglich zu spielen ist, spinnen wir etwas rum und diskutieren on stage kurz über die Frage, ob das Publikum diesmal vielleicht statt stillem Applaus einfach durchgängig so laut wie möglich sein könnte, wir denken 'Nein', da legen die Leute schon los und es entsteht eine unfaßbare Beatlemania-Situation, die uns total von den Socken haut!
Ab-So-Lut gigantisch!
Dresden, Dresden, wie machst du das immer nur? Was für ein Fest!
Im Anschluß an das Konzert lernen wir tatsächlich noch Teddypards Befreier kennen, naturgemäß extrem nette Menschen namens Chris und Cathrin, denen wir nicht genug danken können. Teddypard selbst ist dadurch etwas von der Rolle, klar, solche Situationen sind ja naturgegeben emotional sehr fordernd, jedenfalls raucht er heute überraschend viel und rappt glasig freestyle am laufenden Band.
Dazu muß man sagen, daß wir heute in einer Künstlerwohnung direkt neben der Groove Station wohnen, wo wir ein Homerecordingstudio aufgebaut haben und die ganze Nacht über ziemlich derbes Zeug aufnehmen. Dazu gibt es Bier, Whiskey und Zigaretten vielerlei Art. Es ist eine zauberhafte Atmosphäre und die zieht sich -wie mir berichtet wurde - bis in die frühen Morgenstunden. Ich für meinen Teil bin um etwa 4 Uhr fertig mit mir und der Welt und muß schlafen gehen. Vom Nebenzimmer dröhnt noch diffusester Klang herüber und wird meine Träume bestimmen. Einfach wundervoll. Pah, Guns'n'Roses: Soviel Spaß wie bei uns, da wirkt das Buch wie ein einziges Trauerspiel. Monstern macht Laune! Fakt!
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von Totte
27.02.2010 Plauen, Malzhaus
Die Dresdener Nacht war so lang, daß wir hier mal die Vokalzahl des Wortes “Lang“ um ein paar A’s in Gedanken erweitern können.
Aufnahmesession galore, sozusagen, und ale machten mit. Sogar Teddypard zwiebelte ein paar Zeilen dazu, weshalb er sich heute kaum einkriegt. Kann aber auch am Antilopenbier gelegen haben, ganz schön zerschossen ist der Kerl.
Wir befinden uns jetzt neun Tage auf Tour, meine Reisetasche ist drum vor allem mit Schmutzwäsche angefüllt, unter der sich die letzten sauberen Socken nur schwer finden lassen. Kommunenmäßige Situation in der Künstlerwohnung, i like it. Alles pendelt zwischen entspannt und müde.
Draußen strahlender Sonnenschein, ich gehe Brötchen holen, denn heute findet ein Frühstück unserer Verlosungsaktion statt. Der Gewinner Martin wohnt in einer sehr schönen Altbaufünfer-WG, zwei Mitbewohner sind heute ebenfalls am Start. Tobi und Jenny heißen sie und sind ebenfalls sehr nett. Das Frühstück gestaltet sich enorm gemütlich, schade, daß wir so zeitig aufbrechen müssen, um Plauen zu befahren.
Auf der Fahrt endlich die Slash-Biographie fertig gelesen, na ja, um ehrlich zu sein, ich hätte schon gerade Lust auf „Sweet Child o mine“ und lange Haare. Allerdings ödet mich die permanente Rutscherei zwischen Größenwahn und Pseudobescheidenheit. („Ich brauch nur einen Jack Daniels und meine Gitarre“... „jeden Abend wurde eine Thememnparty gegeben, um Metallica zu imponieren“) doch eher an. Wenn Musiker sich permanent vor Augen halten müssen, wie unfaßbar wichtig sie für die Welt sind, verdrehe ich genervt die Augen, denn so notwendig Musik zur Verschönerung ist, so unbedingt sollte man doch wissen, daß es genügend andere Berufungen gibt, die in ihrer Wichtigkeit das Rumklampfen locker übertreffen.
That’s enough pathos for today.
Im Plauener Malzhaus werden wir vom Team um Ute so freundlich empfangen, wie wir es schon die letzten Male genießen durften, das letztjährige Konzert hier war eines unserer schönsten, und man kann sich Hoffnungen auf Resonanz machen. Tatsächlich lief der Vorverkauf so gut, daß unser Konzert vom Keller in die Galerie verlegt wurde. Hier ist ein gäzlich anderes Ambiente,m während im Keller der Rock dominiert, herrscht hier eher eine konzentrierte Kleinkunstatmosphäre. Warum nicht? Sowas macht immer wieder Laune, wenn man zwischen den Rockevents auch mal wieder mehr Richtung Ursprungsliedermaching geht.
Wir bauen auf und genießen das hervorragende Essen, vegetarische Kohlrouladen, mhmm, allerdings stellt sich dieses Gericht etwas teuflisch hinsichtlich der Bühnensituation dar, denn mein kohlbedingtes Gebölke wird später nur schwer zu vertuschen sein.
Der Club füllt sich mit über 300 Menschen extrem gut, darunter auch viele Menschen, die uns beim Rudolstädter TFF gesehen haben und hier ihre Monsterclubshowpremiere feiern.
Für uns immer eine spannende Sache, Menschen erstmalig zu bespielen. So sehen wir heute im Verlaufe des Abends auch in viele zunächst skeptische Gesichter, die erst nach einer Weile auftauen. Wie es für derartige Räumlichkeiten normal isz, liegt der Mitmachpegel naturgegeben nicht so hoch wie in Rockschuppen, dazu ist dann die Gesamtszenerie zu seriös. Andererseits ist dafür die Aufmerksamkeitspanne ungleich höher, so das gerade ruhige Lieder und Ansagen sehr konzentriert aufgenommen werden. Der Lichtchef heute ist auf Zack und schaltet schnell, so bekommen wir bei Weltklassemelodie eine wunderbare Stimmung mit herzerweichenden Wunderkerzeneinlagen.
Man muß dazu sagen, daß in der Galerie auch eine Empore über den ganzen Raum führt, so daß von allen Seiten auf zwei Ebenen Menschen auf uns schauen. Beeindruckend, allerdings ist die Ebene aufgrund der Rahmenbedingungen im dunkeln, die andere Möglichkeit wäre Neonlicht im Bahnhofsstyle, wir hoffen, Ihr versteht, daß das wirklich nicht schön gewesen wäre. Allein stimmungsmäßig.
Apropos stimmungsmäßig: Die Stimmung ist super, und wir sind ziemlich verdeht unterwegs. Vielerlei Albernheiten, quatschiges Kollegengedisse und launige Ansagen bestimmen den Abend. Es gibt solche Abende, wo das Hirn sich zurückhält und das Sprachzentrum die Oberhand gewinnt. So entstehen spontane Momente, die nicht immer perfekt getimed sind, aber wer eine sterile Programmabspulung erwartet, ist eben besser bei Kabarettisten aufgehoben. Wir waren schon immer Ärztefans und gerade der alberne Umgang mit der Konzertsituation macht uns eben verdammt viel Spaß.
Eine ernste Ansage gibt es aber auch, auf die wir hier noich einmal verweisen möchten. Sachsen plant Kürzungen in Sachen Jugendarbeit, ein Beispiel, das Schule machen könnte, wenn man nichts dagegen unternimmt. Definitiv schlimm und nicht tolerierbar. Gerade Jugendarbeit muß enorm gestützt werden, wie bitteschön soll denn sonst überhaupt ein sozial funktionstüchtiges Netz für die Zukunft gewoben werden können. Die Möglichkeit, sich darüber zu informieren und dagegen zu protestieren gibt es auf: jugendring-sachsen.de Bitte macht mit!
Mit hats leider inzwischen meinen linken Zeigefinger komplett aufgerissen, was bei meiner Spieltechnik so wenig verwunderlich wie aber auch sehr problematisch ist. Eher halbkraftmäßig schlag ich aufs Holz und verwechsel dabei die Strophen bei Zwerge. Aber das ist wirklich nur ein Miniproblem, denn das Konzert macht furchtbar viel Spaß und wir lachen derartig viel, daß uns die Tränen aus den Augen kullern.
Das Publikum ist sehr down mit uns und wir bejommen gar Standing Ovations zum Ende. Eher nervig nur der Herr, der sich vor die erste Reihe stellt und allen hinter ihm die Sicht raubt. Er gebärdet sich platzhirschmäßig unangenehm und läßt sich weder durch freundliches Bitten noch von Beschwerden der Menschen hinter ihm dazu bewegen, sich auf den freien Stuhl zu setzen, der gleich neben ihm steht. Derart unsoziales Verhalten nervt und Fred geht letztlich die Hutschnur hoch. Ich schreibe das hier, um das kurze Verbalgerangel für alle zu erklären, die sich womöglich gewundert haben, was denn da vor dem letzten Lied diskutiert wurde.
Das kann unser Glück nicht trüben. Diese Tour ist toll, dieser Abend ist toll, Monster sein ist ein Wahnsinnsprivileg. Das Makzhaus ist toll und wir kommen sehr gerne wieder!
Nach dem Konzert sitzen wir noch in trauter Runde mit den Dresdener Frühstücksgewinnern, die wir kurzerhand heute nach Plauen eingeladen haben, und rauchen um die Wette. Wer gewonnen hat, weiß ich nicht, ich weiß nur, daß wir Monsters uns später im Mc Donalds einfinden und mit unseren epischen Bestellungen die arme Bedienung wohl ganz schön genervt haben. Das wäre dann wohl unsere Art von Rockklischee-Fete. Ein Fischmac mit Barbecuesoße.
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von Totte
28.02.2010 Braunschweig, Meiers Music Hall *Ausverkauft*
Also, unser letzter Tourtag: Wir sitzen, während ich das hier schreibe, im Bus und fahren gerade nach Braunschweig. Der Himmel bewölkt sich zunehmends, es läuft das Hörbuch von Heinz Strunks grandiosem Roman „Fleckenteufel“. Auch eine BRAVO ist an Bord, wir lesen von Modekollektionen neunjähriger Geschwister 14 jähriger Schauspielerinnen, den Hoffnungen, durch Tampons ausreichend verhütet zu haben und psychotischen Ausrutschern sweeter Boys im Popbiz.
In meinen Berichten – so dringt es mir zu Ohren – häufen sich die Flüchtigkeitsfehler. Das stimmt und ist ärgerlich und irgendwann werde ich auch mal die Korrekturlesungen in Angriff nehmen. Aber ich bitte um Nachsicht, denn das Tagebuch wird hauptsächlich unter erheblichem Zeitdruck im Bus getippt und jede Kurve und jedes Schlagloch bergen große Gefahr. Betractet es am besten aus Kerouacs Sichtweise, der die Meinung vertrat, Erlebnisse kompetent in Worte zu fassen gehe nur, indem man ohne Lektorat oder Nachbearbeitung jedwedes Geschehen gleich aufschreibt.
Sympathisch.
In etwa einer halben Stunde werden wir in der Meiers Music Hall ankommen, einer für unsere Bedürfnisse nur semioptimale Halle, die es Band wie Publikum räumlich eher nicht so leicht macht, konzentrierte Ruhe aufkommen zu lassen. Wir werden sehen...
Die Zeit bis dahin möchte ich aber noch nutzen, etwas über unser – für diese Tour – angewachsenes Kollektiv zu erzählen:
Neben den Monsters und unseren Tonchiefs im Wechsel Urs und Claudio sind diesmal –ich erwähnte sie bereits diverse Male – Lizzy und Geli in der Aufgabe als Tourmanagerinnen mit am Start. Eifrig fuhren sie im Open Flair Mobil vor, um vielerlei Alltagsorganisationskram für uns zu erledigen. Ein Tourmanagement ist in etwa so zu verstehen, daß es uns vor vielerlei Unbill, Diskussionen und Widrigkeiten verschont, ein Strategiepuffer der bequemsten Art. Plötzlich müssen wir nicht mehr selbst rausfinden, wo wir wann sein müssen, ob und welche Interviews wo anstehen, wann es was zu essen gibt, wie der Vorverkauf lief, wo das Hotel steht, wer die Hotelschlüssel holt undundund. Ein unglaublicher Luxus, der noch dadurch verstärkt wurde, daß die beiden Damen überaus charmant, witzig und akiv waren und auch menschlich bestens in unsere laute Männergruppe passten. Es ist schon jetzt klar, daß wir sie auf den kommenden Touren wieder arg missen werden und das nicht nur, weil wir so faul sind und am liebsten immer den ganzen Orgaschrott von uns wegschieben würden.
Da wir erstens schofelige Monsters sind und zweitens noch diese Nacht weiter nach Hamburg fahren müssen, fällt leider eine schöne gemeinsame Abschlußparty aus, unter anderem auch deshalb haben wir natürlich völlig verschwitzt, ein wirklich anständiges Tourabschlußgeschenk für die beiden zu besorgen, wie sie es verdient hätten.
Das ist absoluter Mist, doch wir hoffen, daß wir einen zünftigen Partyabend möglichst bald nachholen können und verbleiben mit viel Dank für Eure extrem knorke Arbeit und Euer Dabeisein insgesamt in unseren Ungeheuerherzen. Ein sechsfacher Tusch und eine virtuelle Umarmung für Euch darum an dieser Stelle!
Nun verabschiede ich mich erstmal, denn gleich steht Braunschweig an, danach wird dann weitergetippt. Höchstwahrscheinlich noch nachts im Bus, Ihr könnt Euch also auf einen ganzen Haufen Rechtschreibfehler einstellen. Bis später.
Tja, Leute, und das wars:
Wir haben jetzt 1:47 Uhr und fahren justamente vom Parkplatz der Meier Music Hall ab. Hamburg wartet.
Ich bin trunken. Trunken, weil ich natürlich tourabschlußmäßig einige Biere inhaliert habe. Trunken aber auch, weil dieser Abend so unfaßbar war! Glückstrunkenheit galore.
Das Konzert war unglaublich schön, das volle Programm über; obs nun Simon und Jan als absolut gerechtfertigt gefeierter Supportact waren (checkt bitte myspace.com/simonundjan), obs das definitiv grandiose Publikum war, welches derart tight war, locker zwischen Totalabgehn und still sein zu switchen, der traumhafte Balladenteil, die nette Crew des Abends, die Wunderkerzenexplosion bei Weltklassemelodie, der Spaß im Backstage mit den zahlreichen Freunden und Verwandten (quantitativ nicht aufzählbar), ich könnte ewig weiter aufzählen. Der Abend war einfach wunderschön!
Liebe Monstermenschen: Claudio, Urs, Achim KOKSleone, Rosi, Lizzy, Geli & Teddypard: Man muß Euch herzen. Immer und immer wieder!
Genau wie all die tollen VeranstalterInnen, HelferInnen und vor allem das Publikum: Wer Euch hat, kann froh sein.
Diese Tour war wieder der Hammer. Unglaublich, daß wir immer wieder in diesen Genuß kommen dürfen. Ein Luxus, dessen man sich stets bewußt sein sollte!
Und das sind wir ... der April kann kommen, die Monsters sind ready!
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