16te Monsterstour


von Totte

15.04.2010 Frankfurt am Main, Batschkapp *Ausverkauft*

Ein Song der goldenen Zitronen heißt „Zeitschleifen“. Das ist ein toller Song, der – soweit ich ihn richtig verstehe – Beziehungsquerelen beschreibt. Was zugegebenermaßen nichts mit dem folgenden Bericht zu tun hat, aber der Begriff „Zeitschleifen“ passt just gefühlsmäßig perfekt, denn in einer solchen fühle ich mich gefangen, als um 7 Uhr der Wecker klingelt. Übermüdung galore. Was startet heute? Ach ja, die Tour. Beginnend mit dem Megagalopp von Hamburg nach Frankfurt, den wir zu fünft bestreiten: Claudio, Fred, Pensen, Labörnski et moi. Unterwegs natürlich noch Burger eingesackt und – Achtung Neuerung im Monsterkosmos – Abholung von Timmey.
Timmey ist ein alter Freund der Band, zudem hauptberuflich der Merchandisegod of the universe. Er ist der Bürgermeister von Kartetov und war schon auf vergangenen Konzerten unsere Rettung. Jetzt haben wir Knauser uns endlich überwunden, ihn komplett in unseren Troß zu absorbieren, denn erstens bringt uns das eine immense Arbeitserleichterung, zweitens stellt er eine hervorragende Gesellschaft dar und drittens macht touren mehr Spaß umso mehr Leute mit am Start sind. Welcome on board.
Ach ja, auch an Bord übrigens unsere limitierte Vinylsingle „Nur die Anderen können es besser Vol. 1“
Großschnäuzig haben wir ja angekündigt, sie nur auf dieser Tour zu verkaufen, dann haben wir sie bestellt und im Anschluß mal umgerechnet: Wenn wir – was wir aus Fairnessgründen tun müssen - die Platte über die gesamten Konzerte im Angebot haben wollen, müssen wir uns auf den Verkauf von 30 Exemplaren pro Abend beschränken. Ärgerlich, aber aus Fehlern kann man lernen. Und ob Vinyl überhaupt genügend Abnehmer findet, müssen wir sowieso erst noch rausfinden.
Oho, here is Frankfurt.
Das/der/die Batschkapp ist ein voluminöser Club, der uns immer wieder (naja, zum zweiten Mal) unseres Atems beraubt.
Die Crew ist sehr nett und das Catering exquisit. Nicht minder exquisit wie die Lieder von Sven Panne (sven-panne.de), der uns heute freundlicherweise supportet.
Große Wiedersehensfreude, Rüdi läuft ebenfalls auf, es wird a lot gesmoket und Kaffee getrunken. Und daß sich der Club mit so vielen Menschen extrem gut füllt, macht die Sache auch nicht schlechter.
Wir basteln noch ein wenig an unserer Setliste, beziffern die Singles und checken la sound. Monitormensch Carsten ist klasse und der Check ein Klacks.
19:45 Uhr Sven on stage: Mit seinen skurrilen, gefühlvollen, überhaupt großartigen Texten zum Klavier rockt er Frankfurt und läßt Herzen erweichen. Muis bien, wonderful.
Schon bei Svens Auftritt merken wir, daß wir es heute mit einem absoluten Sahnepublikum zu tun haben: Derart freundlich, konzentriert und offen wie es nur selten spürbar wird. Hoffentlich bleibt das so schön.
Und es bleibt:
20:20 Monstershow.
Was für ein gnadenlos schöner Tourstart! Die Stimmung greift sofort über und erfüllt den Raum mit einer Wahnsinnsatmosphäre. Wir sind schnell gelöst und herrlich albern, glücklicherweise ohne die oftmals damit verbundene Ausuferung.
Man kann das gar nicht beschreiben, ohne einschmeichelnd devot schleimig zu klingen (it sounds cheesy, you mofo!), aber heute ist der Funke sofort da, der den Abend entzündet und die Luft zum klirren bringt.
Gerade bei den ruhigeren Stücken kann man Stecknadeln fallen hören, ohne daß dafür bei den Partysongs Stimmung fehlen würde. Durchdrehen und zuhören, eine teuflisch gute Mixtur!
Es wird sehr viel gelacht, enorm viel mitgemacht und es kann nur einen Grund geben, warum das nicht immer so ist: Denn dann wüsste man solche Abende überhaupt nicht mehr zu schätzen.
Bei Sususu droht Burger der einzigen Dame im Raum, die ihre Arme nicht schwenkt mit Purgatorium und weiteren Folgen, dann aber stellt sich heraus, daß sie aufgrund ihrer Position nicht genau wußte, in welche Richtung sie ihre Arme schwenken muß. Nach kurzer Erläuterung klappt das aber perfekt und das Fegefeuer bleibt ihr erspart. Messianisches Treiben, in der Tat.
In dieser Laune vergeht das Konzert natürlich wie im Flug, vziemlich glücklich verabschieden wir uns unter beiderseitigen Standing Ovations, bevor wir uns an den Merchstand begeben, wo Timmey unter Hochdruck arbeitetund wir noch diverse Gespräche führen.
Auch Andy „Elfmorgen“ ist mit seinem Kumpel vor Ort, immer ein schillerndes Fest, die beiden zu treffen.
Wenig glamourös natürlich der weitere Verlauf des Abends. Bus laden, ins Hotel fahren, Zimmer verteilen.
Aber was soll man sagen? Nach so einem Konzert braucht man keine allürende Rockstarklischeescheiße, zudem hat die Zeitschleife uns alle ganz schön benebelt und mürbe gemacht.
So ist es ein voller Genuß, mit Börnski im Hotelzimmer zu liegen, eine Lustzigarette zu teilen und via Börnskis Handy Harry Potter zu hören. Wenn bloß nicht Rufus Beck immer so blöde Stimmen ausprobieren würde, bei denen man – halb entschlummert – gleich wieder aufschreckt. Doch auch das kann den Erfolg des Abends nicht schmälern. Frankfurt, sprengt die Banken und baut mehr Liveclubs; bei diesem Publikum ist das die Zukunft der Stadt! Sleep tight.


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von Totte

16.04.2010 Gera, Haus der Pioniere *Ausverkauft*

Zimmerteilung mit Familienvätern: Tierisch!
Labörnski ist um acht Uhr wach und will Korrespondenz. Die kann ich ihm nicht gewähren, denn ich bin MÜDE! Börnski zuckt die Achseln und geht baden. Ich entschwinde in einer Traumwolke, die allerdings derart düster ist, daß ich auch lieber aufwache, Kaffee holen gehe und dem Tag aus kleinen Augen mutig entgegenblicke.
Im Bus stellt sich heraus, daß diverse Hälse leicht kratzen. Perfekt zum Tourstart. Rasch etwas Ingwer eingeholt, Kippen aber natürlich auch, Vernunft verpiß dich!
Die Fahrt ist ödse und langwierig, ein Stau stopft den nächsten, zumindest die Sonne scheint. Wir hören das Livealbum von Fettes Brot. Hm, große Band sowieso, kein Zweifel. Aber die Liveinterpretationen ihrer Hits werden im Monsterbus eher skeptisch aufgenommen. Etwas „eierfrei“, wie der Klischeerocker so sagen würde. But anyway, wahrscheinlich täuschen wir uns auch. Mein „Never McDonalds again“-Gelübde wird kurzfritsig interrupiert, denn der Hunger nervt. Prinzipien auch. Ein Veggieburger, Fischmac und zweierlei Soßen bitte!
Mampfend im Wagen, die Soßen kleckern den schönen Walter Moers Roman klebrig. Mir macht die Tatsache ein bißchen Sorgen, daß mir bereits am zweiten Tourtag überhaupt nichts spannendes für den Bericht mehr auffällt, dabei sollten Chronisten doch in der Lage sein, aus jedem Detail einen funkelnden literarischen Diamanten zu formen, damit man in dreißig Jahren den ganzen Klumpatsch durchlesen und sich in die Tasche lügen kann, was für einem aufregendem Livestyle man dereinst gefrönt hat.
Immerhin: Wir kommen an, pünktlich und unfallfrei. Es sind die kleinen Dinge, die viel zu selbstverständlich genommen werden.
Das Haus der Pioniere ist toll und die Crew um Stefan supernett. Wir tummeln uns im Backstageraum, genießen Kaffee und diverse Fritz-Limonaden, Börnski und Pensen simulieren für den airzappenden Fred Fernsehprogramme (laut ihrer Interpretation strahlen 1. Arte nur wild verlangsamt taumelnde Menschen und 2. Sat 1 ausschließlich cowboyeske Schießereien aus), Burger verschanzt sich hinter den Laptop und hat aber die glücklichste Mine im Raum, während Timmey, thebigbossofmerchandise, mit unserem Altfreund J.R. den Merchstand aufbaut.
Übrigens: Heute steht neben ihm ein von sehr netten Damen geführter Infostand, der sich mit der Rettung des Klimas beschäftigt. Tatsächlich ist es nämlich so, daß allen Witzen über das bessere Wetter zum Trotz, die zivilisatorisch entstandenen Schäden ziemlich frappant und die Folgen absolut nicht wünschenswert sind. Es gibt Alternativen und die Mithilfe ist auch nicht uneigennützig. Drum checkt bitte: klimaklicker.de.
Derweil Timmey baut und stapelt, sitzen wir mit Claudio beim Soundcheck, kein leichtes Unterfangen heute, irgendwie funktionieren diverse Kanäle der Anlage nicht, was Claudio schon vielerlei Streßscheißperlen auf die Stirne treibt. Zuletzt müssen wir uns leider dazu durchringen, Banjo und Minikeyboard erstmal undverkabelt zu lassen und bei Benötigung umzustöppseln. Ja, ja Technikscheiß, nicht wahr? Ich versteh davon ja auch nichts.
Soundcheck erledigt, Einlaß kann beginnen.
Der Vorverkauf im Vorfeld war schon atemberaubend, drum haben wir uns heute kurzerhand entschieden, doch auf ein paar Stuhlreihen zu verzichten, damit mehr Menschen Platz finden. Es ist dennoch zuwenig. Schon bald prangt ein „Ausverkauft“-Schild vor der Türe. Uns freut sowas natürlich, denn auch das ist eine Form der Bestätigung, und aufgrund der permanenten Suche nach Bestätigung machen wir Profilneurotiker das ja auch, schätze ich zumindest. Bin ja nicht Freud.
Jetzt ist es aber Zeit zu rocken. Da das Haus der Pioniere eine Sternwarte besitzt, ist der Weg übers Dach hinter die Bühne absolut wundervoll. Zum Intro müssen wir heute den Stecker für die Showlampe selbst betätigen, nervöls aufs rechte Timing hoffend knie ich vor der Steckdose. Die Musik läuft: Bababaaa...BABAAAAA ...dumdumdumdumdumdum ... ba baabaaa (jetztgleichjetztgleich,jetztjetztje) – klick – Musik ist aus. Urplötzlich gestoppt.
Häh?
Etwas ratlos stehen wir hinter der Bühne und kratzen unsere Köpfe, dann beginnt das Intro nochmal von vorn. Jetzt klappt fast alles, sieht man davon ab, daß ich plötzlich die Steckdose nicht mehr finde und die Lampe so ein wenig verspätet erstrahlt. Egal.
Showtime!
Man muß sagen, wir bieten heute nicht gerade unser stärkstes Konzert. Der erste Teil rockt noch hervorragend, daß Rüdis Hocker zerbricht ist ein Spaß für beide Seiten und überhaupt sehen wir viele sehr freundliche Gesichter, die herzlich lachen und gerne mitmachen.
Im zweiten Teil aber schlaffen wir aus unerfindlichen Gründen etwas ab. Das passiert manchmal (zum Glück selten), und zwar ohne daß man es vorausahnen oder erklären könnte. Wir sind alle bei Stimme, die Tour ist noch frisch und eigentlich alles allerbestens. Dennoch fehlt irgendein Funke, der alles anzündet. Etwas erschwert wird es auch durch das zeitraubende Instrumenteumstöppseln an Stellen, was ein paar diffuse Pausen im Set erzwingt, dann reiß auch ausgerechnet im Balladenteil eine Saite meiner Gitarre (immerhin kann ich so Saitenaufziehen on stage üben), hm.
Zum Glück ist das Publikum voll auf unserer Seite, auch wenn wir nicht alle Wünsche spielen konnten (sie sind vorgemerkt für das nächste Konzert in Eurer Region), alle machen mit und so kommt spätestens zum Zugabenteil dann doch wieder die richtige Power auf. Vielen Dank, liebes Geraer Publikum, Ihr habt hervorragend gerockt und das nächste Mal werden wir wieder doppelt und dreifach energiegeladen am Start sein.
Es ist aber auch so, daß man auf der Bühne selbst alles immer dramatischer fokussiert als vor der Bühne, das ist völlig normal, und den zahlreichen Unterhaltungen mit netten Menschen nach dem Konzert (besondere Grüße an unsere Dresdener Frühstücksgang und Lisa, die ihre Schulabschlußparty zu Gunsten der Monsters hat sausen lassen – Wow) ist zu entnehmen, daß unser Entertainmentfaktor nicht wirklich gelitten hat. Klar, onm stage ist wie im Leben: man beobachtet sich selbst viel kritischer als das andere tun. Sollte man ja auch.
Also doch alles ziemlich schön, überhaupt: der Club, die Menschen, die Atmosphäre: schon ganz schön toll. Und die Wunderkerzenaction bei Weltklassemelodie ist wieder atemberaubend gewesen.
Wir bleiben noch ein Weilchen, bevor wir den Bus einladen und zum Hotel abdüsen. Fred, Rüdi und Claudio sind noch los, womöglich ins hierorts vielgelobte „Pegasus“, denn da darf man rauchen und trinken. Ich teile mir wieder ein Zimmer mit Börnski, denn er ist eine Bereicherung. Ebenfalls bereichernd, daß im TV der tolle Film „Shaun of the dead“ läuft, ein moderner Klassiker des Zombiegenres, der jedem Kritiker den Wind aus den Segeln nehmen dürfte. Gera, vielen Dank für Euch und auf bitte bald wieder. Und abschließend mein Tipp an freudige Frühaufsteher auf Reisen: Teilt Eure Zimmer mit Familienvätern. It rules. Tierisch eben.


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von Fred

17.04.2010 Fulda, Kreuz

Hello!

Ein kurzer Nachtrag zu Gera gestern:
(Das Lesen dieses Absatzes sei nur absolut ekel-resitenten Menschen empfohlen)
Ich hatte mit Mol-Tonmeister Claudio noch einen schönen Absturzabend in der (übrigens empfehlenswerten) Geraer Raucherkneipe „Pegasus“ inklusive Absinth und interessanten Tisch-Gesprächen mit Maskenbildnerinnen des örtlichen Theaters, die wir dort kennengelernt haben...
Als wir dann (gegen halb sieben morgens, glaube ich) unser Hotelzimmer bezogen, war Scheiße in unserer Badewanne. Kein Scheiß. Es war tatsächlich Scheiße! Wir vermuten, durch ein verstopftes Rohr wieder zurück durch den Ausguß ind die Wanne gedrückt oder so, es wird sicherlich irgendwas mit Physik zu tun haben...
Ich erwähne das nicht, um etwas lustiges zu schreiben, sondern um zu dokumentieren, dass doch tatsächlich immer wieder Dinge passieren, die man noch nicht erlebt hat.
Und das schreibt hier jemand, der schon seit 20 Jahren auf Tour fährt und viele Hotelzimmer beschlafen hat.
Diese Scheiße-Geschichte toppt allerdings nicht die Nummer, die ich vor einer gefühlten Ewigkeit mit meiner Exband „Norbert und die Feiglinge“ erlebt habe: Seinerzeit betraten wir unsere Hotelzimmer und es waren keine Betten drin! Keine Betten drin!!! Da es mitten in der Nacht und somit kein Hotelpersonal mehr zu erreichen war, verbrachten wir die Nacht also eher ungemütlich auf der milben-verseuchten Auslegeware. Morgens klärte sich das Drama: der Hausmeister hatte die Betten abgeholt, um sie neu zu leimen, hatte diese Information aber unverständlicherweise nicht an die Rezeption weitergegeben...

So, nun aber endlich zu Fulda:
Wetter: super! Timmey lenkt den Bus über die verwaiste A4, ich gebe den verkaterten Beifahrer, dennoch raffen wir uns Gesprächen über Motorradfahren und Fahrradfahren auf. Nicht ganz unnteressant!
Nach stressfreier Fahrt checken wir am späten Nachmittag kurz im Hotel ein. Das Hotel ist sehr groß und auf dem Parkplatz parkt ein großer Reisebus, wo „Deutsches Fernseh-Ballett“ draufsteht. Das könnte die hohe Konzentration graziler Menschen erklären, die geschäftig und elegant durch das Foyer wuseln. Wir hingegen schmeißen kurz unsere Taschen auf die Zimmer (es sind auch Betten darin, cool) und fahren zum Kreuz. Betont werden muß die sensationelle Gastfreundschaft dieses Ladens, man fühlt sich willkommen, es wird gelächelt und gespäßelt, auf dem Tisch im zur Backstage umfunktionierten Kneipe steht ein klitzekleines Schildchen, auf dem „Herzlich Willkommen“ zu lesen ist. Mit Herzchen! Ich mag das!
Köchin Petra, ohnehin an Herzlichkeit schwer zu übertreffen, zaubert uns ein Catering hin, dass wir einstimmig zum leckersten aller Zeiten erklären!
Auch das Konzert ist mir eine große Freude. Spontane Interaktionen bei „Türen“ (Auf – Zu – Dreh – Schnee -, sorry, versteht man nur, wenn man dabei war), unfreiwillig-komische Aussetzer bei „Expunker“ aufgrund kaum zu ertragender Mensch-Ausdünstungen (gestern in Gera gab es Gyros mit sehr, sehr vielen Zwiebeln), skurrile Ansagen („Frühling“), ein in meinen Augen sehr gelungener Balladenteil, und –na klar- Mitmach- und Zuhörpublikum deluxe, wow Fulda, you really rock!!! Und soviele von Euch sind da, über 250, irre. Allerbeste Medizin für meinen Körper, Kater weg, Müdigkeit weg. Danke!
Aftershowparty: schön und ausgelassen in der Kreuz-Kneipe, Pensen kickert, Claudio und Timmey machen Billard, Rüdi hat Besuch von seinem Bruder bekommen, usw usw, ich habe mich zu einer Gruppe junger Leute gesetzt, wir reden über Jugendherbergen, Soziologievorlesungen, Festivalbesuche und Kaiserslautern. Nicht nur das beweist, dass solch fröhliches Beisammensein durchaus gehaltvolles zu Tage fördern kann. Als noch eine Runde Schnaps bestellt wird, sagt eine junge Studentin, und sie schickt noch voraus, das sei von Tucholsky:
„Lasst uns das Leben genießen, solange wir es noch nicht begreifen.“


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von Totte

18.04.2010 Nürnberg, Hirsch

Perfekt, die Nasenspülungen haben endlich gewirkt: Der Zinken ist dicht. Schnupfig und mit kratzendem Hals erwache ich und fühle mich eher ziemlich benommen. Ob das mit Nürnberg zusammenhängt? Psychosomatischer Karmakollaps? Fragen über Fragen. Jedes Mal, wenn es nach Nürnberg geht, hab ich was: Heiserkeit, Durchfälle, da bin ich mit einem dicken Schnupfen ja noch recht gut bedient.
Aber ich bin gut gelaunt, der gestrige Abend war ganz zauberhaft und lang genug, um bei der Kaffeebestellung adäquat zerknittert auzszusehen, um rasch versorgt zu werden.
Im Hotelfoyer treffe ich einen ausgeschlafen wirkenden Rüdi, der mich nach logistischem Zeugs fragt. Schon wieder Fragen... Müde zeige ich auf den Kaffee, als könne man darin die Antworten lesen. Manche können das ja. Kaffeesätze sollen wohlklingend und allwissend sein. Ich kann da nichts entziffern, drum erstmal aufs Zimmer, bzw. vors Zimmer, denn ich habe sowohl Handy als auch Schlüssel liegen gelassen und Claudio befindet sich noch im Tiefschlaf. Klopf,klopf, ruf, schrei, scusi Claudio, derart dem Schlaf entrissen zu werden ist aber auch wirklich fies. Gut, daß der Mensch verzeihen kann.
Um zumindest nicht weiter zu nerven, pack ich schnell meinen Krempel zusammen und geh wieder zurück ins Foyer, wo bereits Timmey steht und raucht und auch nicht so recht fassen kann, daß wir immer das Frühstück verpassen. Ist auch bescheuert, statt mal etwas zeitiger aufzustehen und mit Hotelköstlichkeiten verwöhnt zu werden, steht man gleich wieder an einer Raste und kauft überteuerten Scheiß. Klug.
Langsam versammeln sich alle im strahlenden Sonnenschein, dann über Kreuz zur Autobahn und ab in die erste Raste, um überteuerten Scheiß zu kaufen, denn natürlich hat keiner gefrühstückt.
Einen Gast haben wir auch an Bord, glücklicherweise nimmt er kaum Platz ein. Mr. Pipp (myspace.com/mr.pipp), ein quirliger Kerl und Rockfan, reist ein paar Tage mit, bevorzugt, um Teddypard kennenzulernen und etwas Tourbusluft zu schnuppern.
Tedyypard ist zunächst etwas verwirrt, aber rasch beschnuppern die beiden und merken, daß sie über einen ganz ähnlichen Humor verfügen. Ziemlich albern glucksen die beiden im Heck des Wagens, ziemlich bizarr, die beiden. Aber kurzweilig.
Was war auf der Fahrt? Diverse Verfolgungsjagden mit Bussen verfeindeter Bands, Drive By- Angriffe befehdeter Liedermacher und Rauchpausen.
Ah, Nürnberg: Sonnenbestrahlt liegt es da und glänzt für uns. Wir haben dieses schmucke Städtchen nun bereits diverse male bereist und kennen es in fast alle´n Wetterlagen: Schneechaos, im Horrorregen und in totaler lauer Mittelmäßigkeit: Sonnig ist es am schönsten. Vielleicht könnte man da eine Faustregel draus ableiten, bei anderen Orten haben wir nämlich ähnliches beobachten dürfen.
Die nette Crew des Hirsch freut sich auch, befürchtet aber zeitgleich, daß dieser erste Sonnentag hierorts eventuell viele Besucher von einer Innenveranstaltung abhalten könnte. Je nun, kann man nichts machen. Wir machen es uns im Biergarten des Clubs gemütlich und alsbald gibt es das hervorragende Essen, Gemüselasagne, Salate, Fleisch for the other mols undundund.
Da wir ja tatsächlich nicht nur ein Haufen schunkelnder Gitarrenbrüder sondern auch eine Firma sind, steht leider auch eine Arbeitsdiskussion an, manchmal muß eben doch die Pflicht vor die Kür gesetzt werden. So können wir erst spät gebührend unseren Kollegen und heutigen Support Gymmick begrüßen, was aber keine Rückschlüsse auf die Herzlichkeit zulassen sollte.
Tja, das Wetter: Von wegen. Staunend dürfen wir feststellen, daß sich der Laden sehr schnell füllt und mit letztlich 330 Menschen einen neuen Nürnbergrekord für uns aufstellt. Cool!
Wegen Sonntag beginnt der Abend schon recht früh, Gymmick(de) geht on stage und rockt das Haus, wie man es von ihm kennt und bewundert. Groß!
Dann les Monsters.
Die Kulisse ist beeindruckend und überhaupt. Das wird ein sehr, sehr schöner Abend mit einem extrem aufmerksamen Publikum:
Schnell grooven wir uns ein. Was besonders schön ist, sind die spontanen Momente, meines Erachtens sind die das Salz in der Suppe. Erzwingen kann man sie leider nicht, aber nicht heute springt der Funke schnell über. Es wird viel gelacht und wir schießen uns die Bälle zu. Toll!.
Und das Publikum taut enorm schnell auf, der Mitsingpegel steigt permanent, aber auch die ruhigeren Lieder werden konzentriert und bestens aufgenommen.
Es macht wirklich ziemlichen Spaß und geht viel zu schnell vorbei. Zu den Zugaben holen wir nochmal Gymmick für seine bösen Möbelstücke auf die Bühne, grande cinema, dieser Abend.
Das blöde an Spontaneität ist nur, daß sie nacherzählt trocken und doof wirkt, drum verzichte ich auf alle Beispiele und beschränke mich darauf, nocheinmal zu betonen, daß das ein extrem toller Abend für uns war.
Im Anschluß sind wir noch eine kleine Weile vor Ort, treiben uns am Merch und im Biergarten rum, rauchen, unterschreiben, unterhalten und prosten. Sehr entspannte Situation. Rüdi und Gymmick lassen sich zudem nicht lumpen und spielen noch ein kleines unplugged Konzert im Foyer, super Atmosphäre, dies alles. Die Erlanger Superclique ist ebenfalls vor Ort, ebenso wie Thilo vom Kalten Kaffee samt Frendin, ach, man müsste jetzt eigentlich feiern.
Aber die meisten Mols sind doch etwas fertig, mir macht zudem die Nase zu schaffen, also keine Party, sondern doch lieber Hotel. Sorry. Blöd.
Auf dem dem Weg zum Hotel noch ein unnötig angsterfüllter Verkäufer am Aralnachtschalter und der Rest der Nacht ist derart unspektakulär, daß nicht einmal der Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet werden muß, um Stille zu erzeugen. A bientot, wertes Nürnberg, auf gerne bald.


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von Totte

19.04.2010 Passau, Zeughaus

Carrambissima!
Ein Bericht, der derart energiegeladen beginnt, läuft Gefahr, an Fahrt zu verlieren. Also Obacht, i’ll give my best:
Wakey, wakey in Nürnberg, ein Einzelzimmer ist gut zur Launeverbesserung. Dummerweise bin ich gestern zu RTL-Beschallung eingeschlafen, jetzt krähen mich unglücklich aggressive Menschen aus sozialen Brennpunkten in die härteste aller Realitäten. RTL berichtet objektiv und fair, gerade so, wie man es vom Helfersender Nr.1 kennt und schätzt. Die römischen Zirkusspiele waren mit Sicherheit ähnlich gestaltet. Heute werden die Gladiatorenkämpfe als Infotainment bezeichnet, der soziale Notstand zur moderaten Spielwiese umfunktioniert. Isn’t it barbaric?
Da steht man dann auch um so lieber aus, um der Haßflut zu entkommen und freut sich darauf, seine Kollegen in die Arme zu schließen.

Wir fahren heute nach Passau, eine wunderschöne Stadt, die Flüssetechnisch geradezu dekadent beschenkt wurde: Donau, Ils und Inn fließen gemächlich umher und die Sonne scheint auf alle. Auch die Stadt an sich ist an Schönheit schwer zu überbieten.

Einziges Monstermanko ist, daß´wir hier noch nie ein Clubkonzert gespielt haben und äußerst berechtigte Sorgen bezüglich der Zuschauerzahl haben müssen. Aber – whatever – letztlich sind wir Liedermaching, warum also immer in Pseudorockstardimensionen denken. Tut uns auch mal gut.

Das Zeughaus, heutiger Austragungsort, ist sehr schön – warum der Passauer Ästhetik ins Handwerk pfuschen? – und die Crew supernett. Im Backstageraum gibt es schmackhafteste Verköstigung und die Laune ist äußerst entspannt. Da kann uns die eher maue Vorverkaufszahl von 23 Tickets auch nicht aus der Bahn werfen. Da zudem der Sommer hier scheinbar etwas früher ausbricht, stellen wir uns eben auf einen sehr gemütlichen Abend in familiärer Atmosphäre ein.

Zuvor aber kurze Pensionsbesichtigung und Stadtbummel. Börnski und ich latschen los und finden die Stadt wundervoll, einzig häßlich die riesige Mall in der Fußgängerzone. Wir spazieren etwas weiter und entscheiden uns kurzfristig für Schuhkauf. Glücklicherweise liegt gleich an der Fußgängerzone eine schmucke Mall, also nichts wie hin, mit Tunelblick an etwa 300 Schuhgeschäften vorbei und rein in den Konsumtempel. Anschließend ein Kaffee in einem Biergärtchen und schon ist es Zeit für den Soundcheck.
Der Soundcheck übrigens verläuft ebenfalls sehr laid back, wer nicht checkt, kickert, liest oder läßt sich die Sonne auf den Bauch scheinen.
Danach leckere Spinatlasagne und Salat und der Dinge harren, die da heute kommen. Bzw. ob sie überhaupt kommen: Letztlich finden gut 50 Monsterinteressierte den Weg ins Zeughaus, aber die haben es in sich:

Unser Konzert wird ziemlich schön. Bei aller Bescheidenheit muß ich zum besseren Verständnis erwähnen, daß wir ja inzwischen einen sehr schmeichelhaften Zulauf bei unseren Konzerten haben, da kommt eine Publikumszahl im mittleren zweistelligen Bereich eher sehr selten vor. Aber gerade solche Abende versprühen einen ganz besonderen Charme, man kann exakt jedem Zuschauer ins Gesicht sehen, man erkennt viel mehr Details als in randgefüllten Clubs und überhaupt. Wir sind in richtig schön alberner Spiellaune. Außerdem kennen viele Menschen heute kaum einen unserer Songs, das erzeugt auch bei ältesten Stücken stets eine ganz andere Art Power. Alles wird dadurch wieder viel textlastiger, denn die Pointen finden so wieder zu ihrer Ursprungsfunktion. Überhaupt, wir reden viel auf der Bühne, sowohl untereinander als auch mit den Leuten, die allesamt aber ebenfalls ordentlich Power haben und enorm bereitwillig mitmachen.

Sehr sehr schön, das alles. Liedermaching in Reinkultur!

Besonders wuchtig kommen heute unsere Konfettibomben zum Schluß, den heute wird damit im Grunde das ganze Publikum zugeschossen. Sieht richtig riesig aus.
Nach dem Konzert sind wir sehr gelöst und weiterhin albern, dafür kehrt aber auch ein Teil der Monsters die Konfettiflut wieder zusammen, um dem Zeughausteam wenigstens etwas unter die Arme zu greifen. Sometimes you got to steig runter from the Olymp, ne pas?
Essen, trinken, reden, wir erfahren, daß Passau in Sachen Livekultur seit jeher ein schwieriges Pflaster ist und wir sehr gerne wiederkommen dürfen. Ja, das wollen wir gerne tun, wir prosten freudig und prusten albern, denn das Konzert hat seine Magie noch nicht verloren.

Wir bleiben noch gerne, Lichtmann Arne besiegt beim kickern alle Monsters absolut vernichtend, führt uns aber als guter Gewinner mit Freundin Lena noch in einen schönen Irish Pub namens Shamrock (was ja jetzt nicht unbedingt der außergewöhnlichste Irish-Pub-Name der Welt ist), wo es noch sehr gemütlich und gediegen wird.

Mit einem Bier für unterwegs endet der Abend erst einige Stunden später bei Zigaretten und kalauernden Wortgefechten auf dem Pensionsvorplatz, eigentlich könnte es noch viel länger dauern, würde nicht die Vernunft immer wieder zischelnd darauf hinweisen, daß es langsam mal Zeit für Tiefschlaf wird. Na gut Vernunft: Bistn Querulant. Aber recht hast du leider trotzdem.
Passau, wir kommen gerne wieder, denn ein Anfang ist gemacht. Arigato und auf bald!


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von Totte

20.04.2010 München, Backstage

Also, dieser Bericht wird ein Wettlauf gegen die Zeit: Der Akku des einzig verfügbaren Laptops ist kurz vor knapp! Sorry, aber zumindest sollen die Berichte ja so aktuell as possible sein, nach sechs Tagen Tour beginnt die Chronik auch – traditionell – ein wenig zu nerven, da die Wiederholungen sich fies ins Auge pressen.
Aber los:
Woke up in Passau, eine zornige Dame brüllt uns aus den Zimmern, wir sind gerädert und zu derlei bürgerlichen Empörungsausbrüchen überhaupt nicht in Stimmung. Hinzu kommt, daß nun doch einige Kollegen ziemlich erkältet sind, was Restenergien und Geduld eh schon ziemlich strapaziert.
Aber egal: Immerhin haben wir so noch einige Zeit für Kaffee an der Inn, wo wir bei Sonnenschein sitzen, es uns gut gehen lassen und Podcast um Podcast drehen. Großer Stimmungsaufheller.
Dann Fahrt nach Munich. Teddypard und Mr. Pipp sind komplett im Off, hängen apathisch in den Seilen und lassen sich auf keinerlei Späße ein. Gott allein weiß, was die beiden die gestrige Nacht getrieben haben.
Ansonsten gibt es zu der Fahrt nur zu sagen, daß etliche Telefonate sich häufen und koordinationstechnisch zu viel ansteht. Da freut man sich um so mehr aufs ankommen. Und schon wären wir da. Im schönen Backstage mit dem wirklich sympathischen Team.
Wir sind tatsächlich aus der Halle ins größere Werk verlegt worden, was größentechnisch natürlich eher Quatsch ist, denn die Halle würde locker auch reichen, nichtsdestotrotz ist aber das Werk als Raum viel schöner und für ein Liedermachingkonzert viel geeigneter. Sehr, sehr cool.
Dann das übliche: Soundcheck, Websurfen, Kaffee und leckere Brezeln, die Tatsache, daß wir gleich in der Clubwohnung nächtigen, gibt gar noch Zeit für ein Nickerchen. Leben im Luxus.
Das Essen ist formidabel und alsbald schlagen auch unsere beiden Supportgranaten Weiherer und Tobias Regner auf. Ein sympathischer Haufen, wir alle, absolut.
Timmey ist fleißig mit Merchaufbau beschäftigt, ich verpenne dafür beinahe meinen Soundcheck. Soviel mal zu den Arbeitsverteilungen auf Tour. Aber ich gelobe Besserung.
Dann Einlaß und große Freude: Der Laden füllt sich mit über 300 Besuchern tierisch gut und beschert uns einen weiteren Tourrekord. Unfaßbar, das wir im Laufe der Zeit soviele offene Ohren finden konnten. Das muß man sich mal vor Augen führen. .
Wir fangen etwas früher an als geplant, denn zwei Supports und dann drei Stunden Monsters ist schon ein hartes Brett für jeden Hörer.
Tobias macht den Anfang und seine stimmungsvollen Songs werden sehr wohlwollend aufgenommen. Sehr schön. (regner-musik.de)
Der Weiherer ist ja vielen sowieso schon auch durch vergangene Monsterskonzerte bekannt und eine Bank wie stets. Absolute Granate, der Maestro des trockenen Humors! (weiherer.com)
Dann Monsterzeit:
Leute, Leute, wie soll ich sagen? Freudentaumel! Das könnte es gut treffen. Das Publikum in München ist einfach irre und unglaublich rockkompatibel. Es wird getanzt, geklatscht und abgegangen, aber auch die ruhigen Stücke werden sehr großartig aufgenommen, fast alle sind leise und lauschen gebannt den zarteren Klängen. Dann wieder Durchdrehen auf beiden Seiten der Bühne. Einfach ein zauberhafter Abend vor grandioser Kulisse.
Mille Grazie Munich, es ist einfach wieder ein Riesenfest mit Euch gewesen, sehr glücklich verabschieden wir uns nach Kartetov unplugged und finden, es ist Zeit, auf den Abend anzustoßen.
Wir finden uns rasch alle am Merchstand wieder, wo wie mit HörerInnen und Bekannten quatschen, prosten und uns einfach noch ein bißchen gehen lassen, schließlich müssen wir heute nirgendwo mehr hin. Neben Schrödersdrummer Sascha sind auch mein Onkel Helmut, eine lustige Abordnung des sehr geschätzten Labertalfestivalteams, Michi Dietmayr und noch viel mehr bekannte Gesichter vor Ort, was eine etwas längere aber sehr kurzweilige Nacht verspricht. Erstaunlich, wo man inzwischen überall Freunde gefunden hat. Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Ich weiß nicht mehr, wie spät eswar, als ich ins Bett fiel, aber ich weiß genau, daß ich das mit einem sehr guten Gefühl getan habe. Bitte bald wieder. München ist gemonstert. Cool! Puh, geschafft, Akku hat gerade noch gehalten.Und ich verspreche, der nächste Bericht über Euch wird wieder viel detaillierter. Auf bald.


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von Totte

22.04.2010 Stuttgart, Röhre

Hallo Stuttgart: Wir haben gestern unseren freien Tag hier verbracht. Zu strahlendem Sonnenschein konnte man schön durch die Stadt bummeln und im Park diversen Verhaftungen zu sehen. Drei an der Zahl, wie Pensen und Börnski mir berichten. Was ist denn los? Zahlt Benz Provisionen dafür? Mir ist die Stadt jedenfalls zu gefährlich, beschloß ich und verließ das Hotel nur für Pizzaeinkäufe.
Heute startet unser Tag damit, daß wir einmal quer durch la town düsen, um in ein weiteres Hotel einzuchecken. Kaum geschehen, überwinde ich meine Paranoia und mache mit Bölrnski einen längeren Spaziergang durch die nahegelegene riesige Grünanlage, wundervoll. Wir besteigen deinen Turm mit zauberhaften Ausblick über die gesamte Stadt und laufen über Brücken, beobachten ein Eichhörnchen und genießen den Tag.
Der Taxifahrer, der uns zur Röhre bringt, will mir ein Gespräch über Fußball aufzwingen, was mich auch bei besserem Willen nicht zur Kommunikation motivieren könnte, Fachjargongeschlaucht entsteige ich dem Vehikel und freue mich um so mehr, meine Kollegen vor der Röhre begrüßen zu können. Die reden zwar auch oft über Fußball, erwarten aber keine Teilnahme meinerseits.
Ein kleines bißchen hat sich heute der berüchtigte Tourkoller eingeschlichen, alle sind etwas dünnhäutiger als sonst, das schürt Mißverständnisse am laufenden Band und Diskussionen über iel Quatsch. Ist aber nicht beunruhigend, denn das passiert zwangsläufig auf Tour; man ist frei von Privatleben und immer in Gesellschaft. Dabei fallen einem Eigenheiten anderer auf Dauer immer mehr störend auf und das Übersehen fällt stetig schwerer. Der eine hilft nie beim Laden mit, der nächste hört nie zu, wenn was besprochen wird, der dritte rollt zu oft mit den Augen, ein weiterer ißt nur blöde Brote, während ein anderer gefälligst mal leiser undundund. Tourkoller sind im Grunde eine Art Reinigungsvorgang, um aufgestockte Emotionen loszulassen und anschließend wieder befreit durch die Welt gondeln zu können.
Zudem ist der Tag im Grunde iel zu erfreulich, um sich darüber groß Gedanken machen zu müssen. Auch Nils Heinrich schlägt heute auf, um uns supporttechnisch zu unterstützen, da kommt Freude auf. Großartiger Kollege!
Er berichtet davon, daß die Röhre in naher Zukunft wohl einem absolut überteuertem Bahnprojekt des größenwahnisinnigen Mehdorns weichen muß und darum stets Demonstrationen stattfinden: Unterstützenswert, drum informiert Euch am besten bei Bahn 21.
Wir checken den Sound, sitzen rum, lesen, trinken Kaffee und essen enorm scharfe indische Takeawaygerichte, die die Speiseröhre erbrennen und die Hälse freilegen. Gut bei Erkältung, das ja.
Wetter und Wochentag konnten es auch nicht verhindern, daß wir heute mit 270 Zuschauern einen neuen Stuttgartrekord aufstellen, ein Wahnsinn ist das alles wieder.
Nils wird von Börnski angesagt und entert die Bühne beeindruckend: Im Nu hat er die Leute im GRiff und rockt alles zu Brei. Grandiose Lieder über Essen, Lactoseintoleranz und seine Herkunft lassen lautes Gelächter in der Röhre erschallen. Very wonderful!
Jetzt geht’s los: Wir monstern uns ein und es geht komplett in die Hose. Auweia, wir als abergläubige Traditionsfolger haben nun einen Grund mehr uns Sorgen zu machen.
In der Tat werden wir uns im Laufe des KOnzerts auch etwas häufiger verspielen als gewöhnlich, aber das fällt kaum störend auf. Denn der Abend wird – dem Vorzeichen zum Trotz – ein enorm exquisiter.
Das Publikum ist extrem am Start, beinahe unheimlich gut drauf, spielt unglaublich gut mit und wir sind ab dem ersten Lied in absoluter Bestlaune. Stets erstaunlich, wie weggeblasen jeder Streß und jede Querele sind, sobald wir die Bühne entern.
Das Konzert macht höllischen Spaß und die Balladen erzeugen wahre Gänsehautschichten. Doch besonders abgehmäßig ist Stuttgart eine Bank: Der Club bebt und die Wogen der Sympathie gleiten beinahe sichtbar durch den Raum. Puh, wow!
Wir sind zudem in Quassellaune, lustvoll quatschen wir durchs Programm, eine Wonne sondergleichen.
Leider können wir nicht alle Liedwünsche erfüllen, aber das werden wir definitiv nachholen, versprochen.
Der Pogo ist großartig, das Mitklatschen ohrenbetäubend und die schwenkenden Arme zaubern Glanz in unsere Augen.
Vielen Dank, Stuttgart, das war einfach sehr, sehr toll.
Natürlich bleiben wir nach dem Konzert noch eine Weile am Merchandisestand, unterhalten uns hier und da mit netten Zeitgenossen und genießen unser Dasein als Liedermonster sehr.
Erst beim späteren Einladen des Busses erreichen uns noch leichtere Ausläufer des Tourkoller, denn der eine lädt nie mit ein, der andere hört nie zu, der dritte rollt die Augäpfel und ein anderer soll gefälligst endlich mal aufhören, diese blöden Brote zu essen.
Recht zügig fahren wir zum Hotel, um ja von keiner Polizeistreife angehalten zu werden, denn Stuttgart macht diesbezüglich doch eher paranoid. Sagte ich das schon? Teddypard und Mr. Pipp verprechen aber mit stolzgeschwellter Brust, daß sie den Bus auch gegen Exekutien verteidigen und alle einfach auffressen werden, die sich unbefugt unserem Reisegefährt nähern werden.Ganz glauben können wir das zwar nicht, doch wer weiß? Stille Wesen sind tief oder wie das heißt.
Im Hotel gibt es wohl einige Partyzimmer heute, nichtsdestotrotz verkrümeln Börnski et moi uns recht rasch auf das unsere, essen Kilos an Milky Way und genießen actiongeladene Filme über Mumien und Teufelsbeschwörungen.
Ein perfekter Abschluß eines grandiosen Konzertabends. Vielleicht wenig glamourös, but Glamour ist was für TV-formatierte Kurzzeitstars. Und uns wird’s lange geben, Tourkoller hin oder her. Was bleibt, ist sowieso immer Freude.


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von Totte

23.04.2010 Bestwig, Fort Fun

Ich mag Etagenbetten. Bizarrerweise helfen sie sehr gut in Sachen Erdung: Die ganze Hotel-Rockstar-Tourklischeessache wird durch ein Etagenbett auf eine ganz normale Klassenfahrt heruntergeschraubt, was uns ziemlich gut tut.
Ziemlich energiegeladen wache ich also auf und hüpfe voller Elan vom Hochbett. Da knacken die Knochen und der Tag beginnt gleich ganz anders. Börnski leidet an einem fiesen Husten, ansonsten scheinen sich alle wieder ein wenig regeneriert zu haben. Meine doofen Nasenspülungen hab ich sowieso längst dran gegeben, statt dessen rauche ich lieber mehr und übe mich in nasenbefreiender Hoffnung.
Heute steht kilometertechnisch eine ziemliche Brecherstrecke an, von Stuttgart ins Herz des Sauerlands. Puh.
Kleinere Staus weiten sich glücklicherweise nicht zu einem alles verschlingenden Großstopp aus, dennoch zieht sich alles.
Wir halten nur kurz zwischendurch zwecks Nikotinzufuhr und hören auf der Fahrt die Live-CD von Dendemann, der wirklich immer wieder beeindruckt.
Das Sauerland ist landschaftlich traumhaft; ständig erwartet man, daß Winnetou gleich über die nächste Hügelkette längsgaloppiert.
Tut er zwar nicht, aber wie auch? Ist ja schließlich alles gesperrt, eine völlig nervende Umleitung klaut uns auch noch die restlichen Minuten. Damned!
Um 19 Uhr ist Einlaß und wir gondeln hier durch die Botanik, unser Navi verabschiedet sich permanent und die Synapsen kochen.
18 Uhr 10, endlich Ankunft.
Wir spielen heute in einem denkbar skurrilen Umfeld, nämlich im Western-Freizeitpark Fort Fun, im Saloon. Ziemlich klasse, ein Kindheitstraum der meisten Männer wird somit für uns wahr, einmal Teil einer Cowboyinszenierung zu sein.
Die Veranstalter Gisbert und David sind sehr nett, ersterer hatte am Vorabend – genau wie mein Vater übrigens – Geburtstag und ist in Feierlaune. Congratulations darum.
Wir laden unter Highspeed aus und checken den Sound. Unglaublich, wir haben im Anschluß sogar noch Zeit, etwas durch die – heute geschlossene – Westernkulisse zu flanieren, im Gefängnis schlafe Saufpappgesellen, wie sie gleich einem Mark Twain Roman entstiegen sein könnten, an den Pissoirs zücken sofort gewaltbereite Kopfgeldjäger den Colt und die Bank rüstet sich auf den nächsten Überfall vor.
19 Uhr Einlaß: Prompt ist die Town von Menschen erfüllt, in der untergehenden Sonne laufen zahllose Greenhorns über die Straße und der Sallon füllt sich rasch.
Wir genießen das leckere Catering, dann aber los.
20:15 Uhr – Unser 300tes Konzert:
Wir werden sehr euphorisch empfangen. Das Sauerländer Publikum ist enorm auf Partymodus eingestellt und spricht ziemlich den geistigen Getränken zu.
Rasch wird das ganze eher zu einer Party, spätestens ab der zweiten Hälfte gibt es dann kaum ein Halten: Wir spielen ein Geburtstagsständchen und von der Theke werden uns gleich sechs Sport gereicht: Sport könnte man quasi als inoffizielles Sauerländer Nationalgetränk bezeichnen. Cola/Korn mit einem Schuß Zitrone und der Fähigkeit, sechs hartgesottene Liedermacher in einen sehr albernen Kicherhaufen zu verwandeln. Bei mir schießt der Drink jedenfalls gleich in die Birne, großartig.
Der Abend bekommt so auf jeden Fall enormen Drive, leider leidet unter der allgemeinen Feierlaune der Balladenteil ziemlich, das ist schade. But anyway, wie der Franzose sich zu sagen weigert, bei den Abgehnummern geht’s dafür dann auch wirklich sehr ab. Der Pogo ist beängstigend wild und alsbald stehen alle vor der Bühne und recken die Hände in den Himmel.
Beim letzten Lied bemerken wir, daß wir die Konfettikanonen vergessen haben, aber Burger legt einen rekordverdächtigen Sprint hin und schafft es, sowohl die Kanonen rechtzeitig an den Start zu bringen, als auch zeitig genug zum Klingeln zu kommen. Wow!

Wir spielen heute ein wenig länger als gewöhnlich, das ist eine ziemlich verrückte – teils an Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“ – erinnernde Stimmung, ziemlich crazy Konzert in knorker Kulisse. Howdy, howdy, howdy!
Nach dem Konzert ist Disco, die 80er sind back und weitere Sports lassen die Köpfe schwirren.
Bryan Adams, Guns n Roses, Simple Minds undundund, das wird man nostalgisch, wenn auch nicht unbedingt schwärmerisch. Aber es wird getanzt im Fort Fun, ausgelassen und lächelnd.
Wir bleiben noch eine ganze Weile im Saloon, tanzen, trinken, reden, lallen.
Ausschließlich letzteres tu ich dann spätnachts im Hotel in trauter Runde mit Timmey und Labörnski.
Worüber wir uns unterhalten haben, weiß ich nicht mehr genau, aber es war alles wahr und schön und das ist doch auch mal was.
Auf die nächsten 300 Gigs – es geht schon weiter.


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von Totte

24.04.2010 Hannover, Faust *ausverkauft*

Kallesomm, Katzong, Kazong – Comicblasenploppend schießen die Tage vorbei. Frankfurt, Gera, Fulda – alles schon ieder so lange her! Und beim Nachlesen der Berichte fallen einem wieder Sachen ein, die aus unerklärlichen Gründen nicht in die Berichte geführt haben:
Verzweifelte Hotelrezeptionistinnen, Pokerspiele in derr Nacht, Aus-wie Einfälle auf diversen Bühnen, eine Wahnsinnswunderkerzenschwenkung in München, Lachanfälle bis zur Maulsperre, heißgeredete Köpfe, rachenverätzende Currygerichte, Teddypards Profilneurosen, Prog, ein Gruselkabinett bizarrer Schönheit.
In Hannover scheint die Sonne und wir sind zu früh da. Macht nichts, Freizeit ist immer schön, vor allem bei diesen Temperaturen.
Pensen geht joggen, Rüdi einchecken, Burger shoppen. Der Rest verteilt sich auf diverse Imbißstationen.
Ich debütiere Vietnamfoodtechnisch. Tolle Erdnußsoße, die leider im Nachinein den Mage auskleistert. Träge schmökere ich in der Juice und erfahre unter anderem, daß diverse HipHopkünstler sich just zu einer Crew namens Shrödaz formiert haben.
Hmm, alles kommt eben in einer Form wieder, könnte das irgendeine philosophische Theorie belegen? Ich hoffe nicht, fürchte aber: ja.
Puh, ist das sommerlich, überzivilisiert wie ich bin, flüchte ich gleich in den Schatten der Faust, wo die nette Crew schon alles vorbereitet und derbstes Catering auffährt. Wow.
Wir bekommen im Vorfeld viel Besuch in den Backstage: Soundmonster Urs samt Freundin, Achim de la Koks, Michaela, Timmeys bessere Hälfte Sabrina und eine Subsoundsabordnung, gemütliche Atmosphäre macht sich breit.
Monsterhörer Svolli bringt überraschend erfreulich, eine alte MAD-Ausgabe vorbei, in der das Thema der längsten Zigarette bereits behandelt wurde.Aber da kann ich ja nichts für, daß mir die MAD-Redakteure eine Idee vorweggenommen habe, die Ausgabe ist ja bestimmt noch aus den 70ern.
Schmökernd back to the backstage.
Ein bißchen müde sind wir ja inzwischen schon, der Touralltag vernebelt auf Dauer die Wahrnehmung. Alles etwas wattiert.
Um Energiereserven freizusetzen, spielen diverse Monsters ein bißchen Fußball vorm Eingang, wo sich bereits früh eine ordentliche Schlange bildet. Ich spaziere etwas rum und unterhalte mich mit einigen Menschen, darunter Tim, der davon erzählt, daß er seine künftige Braut Annika auf einem Monsterskonzert kennengelernt hat. Schon strange, was auf unseren kleinen Ballnächten so passiert. Man bekommt ja nur selten was von Einzelschicksalen mit.
Die 60er Jahre Halle ist sehr rasch sehr voll, Hitze staut sich schnell. Im Getümmel auch viele Bekannte, Konzertjunkie Bibi, die Zwillinge und und und.
Wir beginnen recht zeitig, schließlich ist im Anschluß eine Disco angekündigt.
Ach, Hannover, was soll ich sagen?
Eindrücke über Eindrücke, da stapelt sich alles und sprengt das Hirn: Nach einem noch etwas ruhigeren Anfang schraubt sich die Stimmung im Verlaufe des Abend spiralmäßig nach oben, bis dann zum Ende hin die Dämme brechen. Was für ein Geräuschpegel, was für eine Mitmachaction!
Die Wellen der Sympathie sind fast greifbar, das werden die Hände feucht!
Mit geht das Superlativensuchen inzwischen arg auf den Senkel, aber was heute hier stattfindet ist absolut atemberaubend!
So viele freudige Gesichter, so viele Arme in der Luft, soviel Alles: Hannover, was für a hell of town – Gemeinsam schunkeln wir uns in Exstase, da bleibt die Luft weg und die Augen weiten sich begeistert!
Bitte immer wieder – Ihr seid unfaßbar!
Nach dem Konzert fallen wir uns in die Arme, immer mehr Menschen füllen den Backstageraum, Adri von Muschibock ist da, Flo Ryan ist da, ach, einfach viele nette Menschen.
Es ist sehr schade, daß wir noch in der Nacht gen Hamburg weiterziehen müssen. Aber es kann eben nicht alles perfekt sein. Und wenn der einzige Störfaktor des Abend der ist, daß man sich zu wohl fühlt, um sich lösen zu können, dann spricht das doch enorm für den Abend.
Alles andere ist Luxusgeärgere. Molsein ist wundervoll, den Beweis dafür hat einmal mehr Hannover erbracht. Arigato, mille grazie und merci beaucoup: das war DERBE!


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von Totte

30.04.2010 Hamburg, LOGO *Ausverkauft*

Hmmm, Logokonzerte!
Man kann sagen, und zwar ohne dass die Nase wächst: Das LOGO ist unsere Heimstadt. Schon vor Monsterzeiten wurden hier Liedermachings supportet und gefördert und so ist besagtes Etablissement nicht unwesentlich am Gedeihen der Monsters mitverantwortlich.
Man kann sich ausmallen, wie herzlich der Empfang auf beiden Seiten stets verläuft.
Wir treffen uns um 17 Uhr im Club, le Crew ist natürlich schon vor Ort und in familiärer Atmosphäre laufen Aufbau und Soundcheck wie von alleine.
Dazu gibt es Kaffee und für einige Kollegen erste Whiskey-Cola Mischungen, vieleviele Zigaretten und Begrüßungen befreundeter Menschen allerorten: Sven Panne ist da, Urban Majik Johnson/LOGO-Companero Krissinger, Eberhard the big Don of da club natürlich, Pack-Flozze samt sympathischem Anhang – schon im Vorfeld ein Fest.
Das Konzert ist ziemlich ausverkauft, so füllt es sich ziemlich raschstens, auch unter unserem Publikum enorm viele Freunde und Bekannte, das könnte eine schöne Party geben.
Darauf haben wir auch Bock und zack! 21:15 Monstershow!

Als besonders gelungen empfinde ich unseren Start, denn apres Intro ist erstmal nichts, weil wir vergessen haben, unsere Gitarren wieder einzustöppseln. Sowas passiert nur, wenn man ausreichend Zeit hatte, alles zu checken. Drum plädiere ich für das künstliche Herbeizaubern von Stresssituationen aus Zeitnot, dann funktioniert nämlich alles besser.
So aber – und das sollte auch nicht unerwähnt bleiben – bekommt der Auftritt gleich eine hübsch verplante Spontannote, die über den gesamten Abend anhält.
I like it!
Und der Abend wird ziemlich wundervoll für uns:
Hamburg ist und bleibt eben unsere Geburtsstadt und das grandiose Publikum ist ein extrem förderungstüchtiges für ihr Monsterbaby. Allein der Vergleich klingt nicht annähernd so gut, wie es sich anfühlt, in diese glücklich mitmachende Menge lauter lauter Menschen zu schauen und ein Kribbeln in der gesamten Blutbahn zu empfinden, wenn derart ordentlich mitgefeiert wird!
Wir haben einige Songs ausgepackt, die wir die ganze Tour nicht gespielt haben, so rollt auch unsere Setlist heute ziemlich außerhalb der gewohnten Bahn, was das Spontaneitätsemfinden noch steigert. Einfach tierisch toll!
Denm Zugabenteil erweitern wir heute noch kurzfristig um ausgewählte Songs unserer Vinylsingle premieremäßig zu präsentieren, wow, die sind ja wirklich gut!
Da steigt die Laune immer weiter und immer wenn man Superlativen braucht, sind alle schon im Text verbraten worden!
Was soll ich sagen? Ihr wart dabei. Hats Euch gefallen? Uns auf jeden Fall! Es wird im Anschluß noch eine ganze Weile weitergefeiert, das LOGO kennt keine Rauskehrmentalität, ziemlich gut, denn sonst sind ja immer alle schon weg, wenn wir unsere Freizeit mit ihnen teilen wollen.
Butt his weekend is LOGO Monsterbastion! Und so soll es bitte auch bleiben! Traditionen können rulen, wenn sie Sinn ergeben!
Und Hamburg, Monsters und Maibeginn machen Sinn! Definitiv.

P.S. Ich weiß, der Bericht ist kurz. Aber sagte njcht schon D.H. Lawrence seinerzeit: „ Die Tiefe der Gefühle in wenigen Worten vermitteln zu können, ist eine Gabe Tottes.“? Ich glaube nicht. Aber nett wärs schon von ihm gewesen.
P.P.S. Wir haben ja das Rockspektakel beworben, denn da spielen die Monsters auch. Was wir vergessen haben, ist: Das Pack wird am gleichen Tag ebenfalls die Rathausbühne stürmen! Kommt also alle früh genug, das wird eine grande Party!


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von Fred

01.05.2010 Hamburg Katerkonzert, Logo *ausverkauft*

Hamburg – Logo – Katerkonzert, das ist kein Tag wie jeder andere, völlig klar.
Der signifikanteste Unterschied zu anderen Konzerten ist sicherlich die ungewöhnliche Spielzeit, zumindest für Clubgigs. Am hellichten Tag ein Konzert zu beginnen und auch zu beschließen, ist schon krass. Aber es ist nicht nur das. Da für 4 von uns Hamburg gleichzeitig Heimatstadt ist, schläft man nicht im Hotel, sondern zuhause. Der ganze Tourneetrott fällt fast komplett weg, auch dadurch, dass wir gestern abend schon hier gespielt haben. Kein lästiges Gitarre und Kram in Bus packen, logistische Sachen besprechen müssen, irgendwelche Hotels suchen etc, nö, Konzert vorbei, feiern, ins eigene Bett fallen.
Da wir dem Logo freunschaftlich verbunden sind, sind stets feuchtfröhliche Zusammentreffen garantiert, so also auch gestern abend, ich gebe zu, ich habe mich doch recht intensiv dem Trunke hingegeben, und jetzt, 14 Uhr am Samstag, den 1. Mai, bin ich extrem verkatert und es steht das Katerkonzert an. Irgendwie passt das ja.
Wir haben im Vergleich zu gestern fröhlich die Setliste durcheinandergewürfelt, die Hütte ist voll, und wir monstern uns kurz nach 15 Uhr ein. Sogar Tonchef Urs, obwohl heute nicht beschäftigt, weil Tonchef Claudio an den Reglern steht, ist aus rein privaten Gründen (mitfeiern) aus Hannover angereist.
Wir beginnen katermäßig-traditionell mit „Sonntag“, gefolgt vom Schlittschuh-Lied. Mein mit der Nase vollführtes Blockflötenspiel (übrigens inspiriert vom großartigen Film „Dorfpunks“) ist heute ziemlich haarig, weil ich verschnupft bin und ständig Angst habe, dass Schnodder aus dem anderen Nasenloch für alle sichtbar tropfen könnte. Ich bin zudem heute leicht müde, mir ist schwindelig und ich möchte am liebsten sterben.
Wie gute Medizin wirken doch da die Songs meiner Kollegen, lange nicht mehr gehörte zum Beispiel („Wellensittich“, „Jackpot“, „Mona“) oder tatsächlich im Monsters-Kontext noch nie gehörte Lieder („Keine Kritik“) lassen mich innerlich jubeln und dadurch nach außen hoffentlich nicht ganz so zerschreddert erscheinen.
Fast noch bessere Medizin allerdings ist das anwesende Publikum, es wird eine unfassbar schöne Party, es gibt viele leuchtende Momente, die ich gar nicht alle aufzählen kann, zum Beispiel das Pärchen, dass sich bei „Selbstverständlichkeit“ ganz besonders eng umschlingt, der Anblick von Labörnskis Kindern am Bühnenrand zusammen mit Elfmorgen-Andys Tochter, noch nie gesehenes „Sitzraving“, als Totte den Song „Zorniges Lied“ von seiner Intelligenzia CD vorführt, und und und, wie auch immer, ich verspüre den Wunsch, genau dieses Publikum in dieser Konstellation zu kaufen und für alle Katerkonzerte für alle Zeit zu verpflichten.
Es werden Wodka Red Bulls auf die Bühne gereicht, hmmm, die schmecken ja auch schon wieder. Kacke. Die Quittung: während Rüdi „Mona“ spielt, muß ich kurz hinter die Bühne, weil mir schwarz vor Augen wird. Dämlicher Suff, dämliche Zigaretten, und ich bin keine 20 mehr.
Aber es wird wieder besser, die Stimmung trägt mich durch den restlichen Abend, nein Quatsch, Nachmittag natürlich, wir geben alles und das Publikum dankt es mit reichlich Beifall, dem wir wiederum mit langen Zugabe-Rutschen begegnen, geben und nehmen, herrlich.
Aus vorbei. Schön war es! Nach dem Konzert noch viele kleine Unterhaltungen mit netten Menschen, mein Bruder ist beispielsweise zugegen, die komplette Familie Pensen und, wie bereits erwähnt, Familie Labinski, die Meerbuscher sind da, Mone, Rüdi hat überraschenderweise Besuch von seinem damaligen Seed´n´Barley Bandgefährten Uwe bekommen, etc etc, ich habe bestimmt bei der Aufzählung Leute vergessen, sorry dafür, jedenfalls ist es ein feines familiäres Beisammensein, Pensen und Rüdi geben später vor der Logotür noch Kreisler-Perlen zum Besten, letztlich ist es wieder so, wie ein Katernachmittag sein soll, aber für mich ist jetzt Schluß, ich kann nicht mehr, ich muß duschen und ins Bett. Danke für alles, Leute, alle die, die im Logo waren! Augen zu!


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von Rüdi

02.05.2010 Lübeck, Riders Cafe

Ach, wenn doch nur nicht immer alles so schwierig und kompliziert wäre. Und nicht nur das! Heute wird’s schon gleich am Mittag schwierig und kompliziert.
Pünktlich zu früh um 12 Uhr klingelts an der Tür. Heute stehen schon lange geplante Gespräche mit unserer Booking-Agentur an und das ist nicht nur schwierig und kompliziert sondern leider auch sehr wichtig und – viel schlimmer – nicht mehr aufschiebbar. Egal, wie man zu solchen eher trockenen Veranstaltungen steht, mittags nach einem Katerkonzert ist höchstwahrscheinlich zu Recht ein unüblicher Zeitpunkt für so was.
Trotzdem schaffen wir es aber, den Faden nicht zu verlieren und sogar einigermaßen den Überblick zu behalten. Eigentlich sollten natürlich auch Entscheidungen fallen, aber so etwas geht im basisdemokratischen Monstershühnerhaufen natürlich nicht so schnell. Für heute muss ausreichen, dass wir das besprochen haben. Entscheidungen erst, wenn die Kopfschmerzen nachlassen. Das ist zwar sehr verkürzt dargestellt, aber ich bin mir sicher, das euch das nähere nicht besonders interessieren würde.
Aber die Kopfschmerzen sind durchaus erwähnenswert.
Zu allem kommt der Zeitdruck, denn wir müssen bald mal los nach Lübeck, um in unserem heißgeliebten Rider´s Cafe unser Tourabschlusskonzert zu spielen. Und all unsere Sachen sind noch im Logo und müssen erst noch abgeholt und eingepackt werden.
Zum Glück hat Fred aber schon heute morgen den Bus geholt und wir finden in Gestalt von Claudio auch ein fahrtüchtiges Monster, das uns erst dorthin und danach auch gleich weiter nach Lübeck chaufiert.
Im Bus: Besprechung.
Ach wenn doch alles nur nicht immer so komplizert und schwierig wäre.
Lübeck war schon häufiger Schlußpunkt unserer Tourneen. Irgendwie kann man hier – also speziell im Rider´s – besonders gut feiern. Und dann gibt es ja auch noch die alte gute Tradition, die von den Schröders hier erfunden wurde und von uns gerne weitergeführt wird und die heißt: Burger gibt sich die Kante.
Und zuguterletzt gibt es hier immer ein derart phantastisches Essen, das mir jeder Bissen der letzten Jahre in Erinnerung geblieben ist. So ist es auch heute.
Nach dem Soundcheck werden uns von Svenja Gambas aufgetischt, die so lecker sind, dass ich aufpassen muß, dass mir nicht die Freudentränen die Soße verwässern. Sensationell!

Danach eine kurze und für heute letzte Bandbesprechung.

Doch kommen wir zum Konzert!

Natürlich sucht der Chronist immer etwas besonderes, um ein Konzert zu beschreiben. Das fällt in diesem Fall nicht weiter schwer: Irgendwo in der Mitte des ersten Sets kommt für Burger ein Schnapsglastablett auf die Bühne. Da stehen ungefähr 50 Saure drauf. Ich will hier keine Legendenbildung betreiben, aber sehr weit weg von 50 kann die Zahl wirklich nicht sein. Zuerst versteh ich nicht richtig und möchte auch einen haben. Aber die Entschiedenheit, mit der Burger seinen Besitz verteidigt, beeindruckt mich derart, dass ich lieber nicht noch einmal auf so eine dumme Idee komme. Das Tablett ist für Burger allein!
Er wird es alleine trinken, er wird es schaffen. Er wird auch hinterher noch von unserem Tablett nehmen. Aber er wird keinen einzigen Song verkacken. Ich weiß nicht wie, aber Burger steht bis zum Schluß wie eine breite Eins auf der Bühne und wird auch bei der Schlussverbeugung nicht von der Kante fallen. Respekt!
Ganz im Gegenteil: Wir sind heute richtig gut. Schon der Anfang ist noch bekloppter als sonst, wenn wir nach unserem pompösen Bühnenauftritt erstmal mit Sonntag anfangen.
Der Balladenteil, der für uns ja immer so ein etwas wie ein Qualitätssiegel ist, das wir am Schluß draufkleben können oder nicht, ist sogar heute besonders gut.
Totte bringt wieder sein „zorniges Lied“, ich schnuggel – inspiriert von einem Gespräch mit dem Chef des Hauses, Kai – Uwe, „Jazzmusikpublikum“ ins Programm, Börnski ballert unsere Konfettikanonen über der Bühne ab, sodass wir jetzt selbst im Regen stehen....ach, es ist einfach nur herrlich.
Ein würdiger Tourabschluß in genau dem richtigen Club dafür!
Am Ende verbeugen wir uns uns nicht nur vor dem Publikum sondern auch vor dem Club, vor unserem Techniker Claudio, vor unserem Mercher Timmy und ein bisschen auch vor uns selbst. Es war eine schöne aber auch lange Tour und diesen Feierabend haben wir uns mal richtig verdient.
Ziemlich zügig packen wir unseren Bus, denn wir wollen unbedingt in Klein-Flottbek noch ein bisschen zusammen sitzen und die letzten Whiskey-Vorräte killen, bevor sich alles in die verschiedenen Himmelsrichtungen auflöst. Es wird auch unser letzter gemeinsamer Hock in Klein Flottbek sein, da Fred und Totte in den nächsetn Wochen umziehen werden.
Aber wir wollen jetzt nicht auf den letzten Metern gefühlsduselig werden. Hauptsache dieses eine Mal ist noch mal so wie immer.
Am Schluß wünsche ich mir - wie immer – einen Film. Möglichst doof und gut zum Einschlafen soll er sein. Totte findet mit „Freitag der 13te, Teil 8“ genau das richtige. Ich lache mich bei jedem Mord schlapp und kicher mich so langsam in den Schlaf.

Einmal noch werde ich wach, da wecken mich Timmy und Totte und sagen, ich solle im Tourbericht nicht den McGalopp bei den Pferdewochen von McDonald vergessen.
„Pferdewochen? Wir waren heute nicht bei McDonald...!“
Jetzt lachen mich die anderen zurück in den Schlaf.


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