19te Clubtour


von Rüdi

04.11.2011 Neustadt/Holstein, Kulturforum

Was ist los mit uns heute?
Wir stellen uns diese Frage zwar mit einem schmunzelnden Lächeln, aber durchaus ein wenig verwundert ob des Grades an Verpeiltheit, mit dem wir heute zu Werke gehen. Da gibt es viele Erklärungsansätze für: Der sympathischste ist vielleicht, daß wir uns lange nicht gesehen haben und die Wiedersehensfreude uns in Bezug auf geistvolle Getränke unvorsichtig werden ließ. Stimmt auch. Wir hatten tatsächlich viel Spaß aneinander im Backstage. Das ist aber keine Seltenheit und normalerweise zünden wir in solchen Fällen besondere Abende an. Aber heute machen wir offenbar nur die Lunte feucht und so warten wir auf der Bühne vergeblich auf das befreiende „Peng“, daß uns endlich wach schüttelt. Es ist eigentlich ein schönes Set mit einigen ungewöhnlichen Perlen, das wir uns für heute ausgedacht haben, aber leider reißt immer wieder der rote Faden, an dem wir uns durchs Programm hangeln können. Wir verstammeln und verstottern unsere Ansagen, vergessen Texte, vergeigen Einsätze, verschlafen Chöre, kämpfen mit technischen Problemen.....alles Dinge, die wir und das Publikum aus der Vergangenheit gut kennen und aus denen man immer noch einen besonders lustigen Abend zaubern kann, wenn wir denn heute auf unserer gewohnten rosa Wolke im siebten Himmel säßen, auf die uns das fehlende „Peng“ heute einfach nicht drauf schießt.
Es kann an vielem liegen. Übermüdung, Überhitzung, Übermotivation – keine Ahnung und bestimmt bei jedem was anderes. Wir haben alle ziemlich viel Lust auf diesen Abend, haben den Club und sein Team lieb gewonnen, freuen uns über die Zuschauer, über die neuen Shirts, über uns, aber wir kriegen dieses gute Gefühl heute einfach nicht auf die Bühne gemeißelt.
Vielleicht jammern wir auf hohem Niveau – nach dem Konzert jedenfalls behaupten alle, mit denen wir reden, daß sie den Abend lustig fanden.
Aber weil Musik für uns Liebe, Leidenschaft und Hingabe sein will, tut es uns immer gleich ein bisschen weh, wenn wir die Nummer nicht zu 100 Prozent bringen. Zumal das wundervolle angereiste Publikum und der sympathische Club verdient hätten, mit uns das perfekte Glück zu teilen.

Andererseits ist ein vertaner Abend auch wiederum was anderes. Denn auch heute liegt das ein und andere Mal Glanz in den Ecken und Kanten. Börnskis „Hochzeitsrede“ ist sicher ein Beispiel dafür, wie Dinge gewinnbringend entgleiten können. Einerseits: Totalausfall des eigentlichen Liedes. Andererseits: Schön, bei dieser Sternstunde von Rettungsversuch dabei gewesen zu sein. In der Unzulänglichkeit liegt eben immer auch ein gewisser Charme und so flüchten wir uns in die Vorstellung, wenigstens ein Bild von einem verpeilten aber vergnügten Haufen abzugeben. Wir wären zwar lieber die Oberchecker, aber lustig ist es allemal und so warten wir auf die nächste Panne, die heute bestimmt nicht lange auf sich warten lässt.

Ah, da ist sie ja! Gitarre geht nicht. Wusst ich’s doch......

Liebe Neustädter!
Es ist uns ein Bedürfnis, uns für die liebevolle Aufnahme im „Kulturforum“ zu bedanken. Wir haben bemerkt, wie der Kühlschrank für uns geschmückt wurde, wie großzügig er gefüllt war, wie lecker, vielseitig und reichhaltig das Essen war und wie hilfsbereit die Crew. Wir haben auf der Toilette gelesen, daß dieser Club händeringend noch ehrenamtliche Mitarbeiter sucht. Wir können uns gut vorstellen, daß man mit diesen Leuten in seiner Freizeit sehr viel Spaß hat und möchten dem ein oder anderen, der vielleicht zu oft Langeweile hat, empfehlen, sich dort zu engagieren.

Und natürlich bedanken wir uns auch bei „The loving balloons“ für den Support und bei dem Neustädter Publikum. Wir fanden euch alle genau so toll, wie wir das an dem Abend auf der Bühne wiederholt betont haben.


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von Rüdi

05.11.2011 Flensburg, Kühlhaus

Liebes Flensburg,

jetzt bin ich doch schon wieder zu spät dran, aber spätabendliche Geburtstagsirritationen haben mich diesen Bericht dann doch wieder aufschieben lassen – es ist halt immer was anderes und weil heute natürlich auch ganz viel ist, werde ich mich in diesem Tagebucheintrag auf die wesentlichen Dinge beschränken, indem ich ein paar wichtige Begriffe kurz erklär:

„Liedfett“

Eine uns sehr ans Herz gewachsene Band aus Hamburg, die nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne einen bleibenden sympathischen Eindruck hinterlässt. Sie zünden sofort den Saal an, wenn sie auftreten, was einerseits an dem liegt, was sie da abliefern, zu einem sehr großen Teil aber auch, wie sie es tun. Diese Band macht einfach höllisch Spaß und wir möchten uns bedanken, daß sie ihren eigentlichen Gig verschoben haben, um uns supporten zu können und die Nacht mit uns in der Künstlerwohnung zum Tag gemacht haben.
Wir wünschen eine volle Bude am 18.11. im „Hummels Eck“ und gratulieren hier schon mal allen, die auf die großartige Idee kommen, dort hin zu gehen!

„Künstlerwohnung“

Besser geht’s nicht! Treppe rauf und Feierabend! Im „Kühlhaus“ ist eine Künstlerwohnung integriert, die auch die „17 Hippies“ in Vollbesetzung beherbergen könnte. Ideal, um nach dem Konzert noch mit anwesenden Freunden eine kleine Sause abzuhalten und sich in den Himmel zu schießen, was uns hier ausgesprochen gut gelungen ist. Man kann aber auch Lieder erfinden, diskutieren, speisen oder auf zahlreichen Couches abliegen. Es ist einer dieser Räume, die man betritt und es rutscht einem automatisch ein „Wow, hier geht ja alles!“ über die Lippen. Und es stand bis gestern eine wunderschöne Lampe drinnen, die man ab sofort bei uns auf der Bühne bewundern kann, weil wir sie mit einem genialen Deal abgeschwatzt haben. Aber dazu später mehr.

„Kühlhaus“

Das „Kühlhaus“ ist ein ausgesprochen netter Club, geführt von ausgesprochen netten Leuten
Tolle Bühne, schönes Licht, nette Bar, Rauchercafe, gute Anlage und eine sympathische Crew, die an dem, was sie veranstaltet, selber Freude hat – jedenfalls scheint es uns so. Ein idealer Club für Bands unserer Größenordnung.
Vielen Dank für das leckere warme Essen und die unaufgesetzte, lässige Freundlichkeit mit der uns und unserem Vorprogramm an jeder Stelle des Abends begegnet wurde.

„Programm“

Das Programm ist natürlich die eigentlichste Sache von allen. Bevor man auf Tour fährt, denkt man sich ein Programm aus und wenn man am Ende der Tour immer noch das gleiche Programm spielt, ist es entweder sehr gut oder die Band merkt nichts. Uns ist in Neustadt ein bisschen was aufgefallen und deswegen haben wir für Flensburg die Lieder ein wenig umgestellt und ausgetauscht. Und wir haben das wahrscheinlich ganz gut hingekriegt. Neben bekannten Songs, die man auch „Hits“ nennt, haben wir die eine oder andere Überraschung gepackt, Songs, die wir eigentlich nicht so oft aufführen: „Ich bin nicht frei“, „Weiße Tennissocken“, „Muse“.....ich verrate hier jetzt aber nicht alles.

„Publikum“

Natürlich der Sinn des ganzen. Der wunderschöne Sinn.

Schon bei den ersten Tönen unseres Vorprogramms „Liedfett“ ist der Saal euphorisiert. Als ich durchs Publikum schlender, herrscht um mich herum ein derart antörnendes Gute-Laune-Treiben, daß ich sogar von den Veranstaltern darauf angesprochen werde. Ja, liebe Leute, Ihr macht mit so einem Verhalten eben nicht nur uns Bands glücklich, sondern auch die Clubs. Von euch selbst mal ganz abgesehen. Ihr wart ganz ganz großartig und habt in einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dafür unsere Verneigung und unser Dank, denn jetzt freuen wir uns auf die Tour, die am Freitag startet und bei der uns hoffentlich der ein oder andere Saal begegnet, der ähnlich charmant gefüllt ist, wie der gestern in Flensburg im „Kühlhaus“. Bleibt uns gewogen!

Danke!

Einen hab ich noch: Die Sache mit dem Deal. Der ging so:
Wir kriegen die Lampe und dafür dürfen wir wiederkommen.
Ein ziemlich merkwürdig guter Deal.


Apropos „wiederkommen“:

Ich spiele mit Sven Panne zusammen am 25.11. im „Hummels Eck“, genau eine Woche nachdem „Liedfett“ dort gastieren.

Würd mich freuen!


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von Rüdi

11.11.2011 Krefeld, KuFa

1. Tag

Tourbeginn

Es ist Freitag, der 11.11.11, 11.11 Uhr - und während Teile Deutschlands im Karnevalstaumel versinken und die Standesämter sich vor Eheversprechen nicht mehr retten können, sitzen die meisten Monsters in unserem Mobil und sind auf dem Weg von Hamburg nach Goslar zu Timmey, um dort ihn, Burger und das Merch einzusammeln. Börnski sitzt auf gepackten Koffern noch in seiner Bank und ich im Zug Richtung Krefeld.
Denn obwohl es 876600 Stunden (und zwar genau) dauern wird, bis man wieder einmal ein solches Datum aufschreiben kann, zählt für uns nur, daß es in 8.49 Stunden losgeht mit unserer 19ten Clubtour. Kaum zu glauben. 18 mal schon sind wir kreuz und quer durch Deutschland getuckert, beladen mit Ängsten, Hoffnungen und Glücksgefühlen. So auch heute. Mittlerweile haben wir zwar eine ungefähre Ahnung ob der Zuschauerzahlen, weil wir den Vorverkauf kennen, aber trotzdem ist heute der Tag, an dem die Vorfreude mit der Realität abgeglichen werden muss. Denn es ist durchaus ein schönes Bild, das sich da vor unserem geistigen Auge auftut, denn die Vorverkaufszahlen in Krefeld hören sich recht gut an. Man hat uns sogar in den großen Saal verlegt, der bisher für uns tabu war.

Aber Zahlen sind die eine Sache – wir wissen das ja und viele Menschen machen noch lange kein gutes Konzert oder eine schöne Party. Die Säle brauchen Seele und wir sind gespannt, ob unser aktuelles Programm zünden kann.

Wir diskutieren und feilen immer sehr herum an unserer Setliste. Schöne Lieder stehen da drauf, eine Mischung aus Altem, selten Gehörtem, Neuem und Gewohntem. Aber dieses Lied darf nicht nach jenem kommen und hier fehlt noch ein Kracher und wenn wir die Ballade dort spielen, dann kommt sie nicht richtig zur Geltung und so weiter und so fort. Mit so was verbringen wir die Zeit im Backstage. Pensen zeigt uns seine neue Gitarre und Börnski, der etwas später zu uns stößt, steht ohne seinen Koffer da, weil er im Zug plötzlich vom Bahnhof überrascht wurde und ihn in der Kürze der Zeit nicht wieder finden konnte.

Alles in allem also business as usual.

Marcel kümmert sich derweil mit seinem Team rührend um unser Wohlergehen. Essen, Getränke, Handtücher...“Habt Ihr alles?“ Ja, es fehlt uns an nichts. Die Kufa ist ein toller Club, Claudio richtet die tolle Anlage ein und wir warten auf das tolle Publikum, von dem wir aus der Erfahrung der letzten Konzerte hier ausgehen dürfen. Die Vorfreude wächst.

Und dann ist es 20 Uhr, die „Flipper“-Melodie erschallt und begleitet uns auf die Bühne, wo wir von einem euphorischen Publikum lautstark begrüßt werden. Da liegen sie also schon mal auf der Bühne, die Vorschusslorbeeren und wir sind gespannt, ob wir sie am Ende des Abends dann auch einsammeln dürfen.

Aaaahhh! Tourstart!

Es ist in etwa das gleiche Bild, das sich auch vor unserem geistigen Auge auftat: Ein toll gefüllter Saal, Gute-Laune-Gesichter und hier und dort sogar schon eines unserer neuen Shirts, die wir für diese Tour designt haben. Jippie!
Allerdings kommt der Graben der zwischen den Stühlen aus Sicherheitsgründen freigehalten wurde in unseren Wunschträumen nicht vor. Denn solche Gräben bergen die Gefahr, daß Freudentänzer, Kurzsichtige oder weniger Umsichtige sie bevölkern und dem Sitzpublikum die Sicht versperren. Aber jetzt ratet mal, ob am 11.11. in der Karnevalshochburg Krefeld im Laufe des Abends auch nur irgendeiner in den Graben hineinlatscht. Erraten! Nein!
Hier herrscht allerorten Rücksichtnahme und Teamgeist. Die Leute singen lieber Chöre oder erfreuen uns mit albernen Choreographien, die oft von unseren Extraklasse-Fans aus der ersten Reihe angezettelt werden. Sie hüpfen und winken mit uns durch die Nacht, - sogar ein echter Cowboy schwingt bei „Moti“ sein Lasso!, - bis am Ende der Saal verstummt und uns zu „Algerien“ in die Aftershowparty entlässt.

Krefeld, wir danken dir für diese Eröffnung. Wir gehen davon aus, daß dies das bestbesuchte Konzert dieser Tour war, aber wie ich ja schon erwähnte: Zahlen sind nicht alles. Aber Krefeld hat uns seine wunderschöne Seele gezeigt.

Jetzt hoffen wir nur noch, daß alles so schön bleibt, wie es ist.

Danke Kufa! Danke Marcel! Danke Köche, Techniker, Lichtdesigner.....

Das war klasse!

Morgen Wuppertal.


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von Rüdi

12.11.2011 Wuppertal, LCB

2. Tag

Der Tag beginnt mit einer erfreulichen Feststellung: Niemand hat randaliert! Zum ersten Mal – und wir waren schon ein paar mal da – hat dieses Hotel unseren Aufenthalt schadlos überstanden. Keine verbrannte Matratze, kein Glasbruch, keine Kunstzerstörung – nichts. Die Monsters werden langsam lieb oder alt oder vernünftig oder aber der große fette Pechvogel, der sonst auf diesem Hotel sitzt, hat gestern nicht so richtig aufgepasst, als wir eincheckten. Egal, reinen Herzens setzen wir uns ins Monstersmobil und die Reise fort Richtung „Liveclub Barmen“ in Wuppertal.

Wir haben die besten Erinnerungen an diesen Club. Hier haben wir in der engen hitzigen Atmosphäre des Kellerclubs vor einiger Zeit einen Großteil unserer DVD aufgenommen. Ein Highlight! Und deswegen sind wir ein wenig erschreckt, als wir von Tourleiter Timmey erfahren, daß wir heute in den großen Saal umgesiedelt werden sollen. Der Vorverkauf lässt nicht darauf schließen, daß wir heute die Tür in eine neue Dimension aufstoßen und es war doch so schön und kuschelig in dem kleinen Raum. Allerdings ist es auf der anderen Seite auch so, daß diese Enge, die wir so genießen, für das zahlende Publikum oft auch eine ziemliche Belastung bedeutet. Nicht alle können gleich gut sehen, manche sogar fast gar nichts, der Gang zur Bar oder zur Toilette dauert eine anstrengende Viertelstunde, mangels Bewegungsfreiheit schmerzt der Rücken und die Wunderkerze des Nebenmanns fackelt einem die Augenbraue ab. So gesehen, ziehen wir gerne in den größeren Saal.

Im „LCB“ angekommen, werden wir vom Team in Empfang genommen, man zeigt uns den geräumigen und schicken Backstage und die komplizierten Wege, auf denen wir uns immer wieder verirren werden. Im Treppenhaus erschrecken wir uns über ein Plakat, das „Reinhold Beckmann und Band“ ankündigt, aber vielleicht ist das ja auch eine ganz tolle Sache. Nur irgendwie will ich mir einen singenden Beckmann nicht recht vorstellen. Egal...vielleicht geht ihr einfach hin und macht euch ein eigenes Bild, das dann Hand und Fuß hat.

Vor dem Haus stehen schon unsere „Hardcorefans“ Lucia und Theresa, die offenbar für jedes Konzert auf dieser Tour eine Karte gekauft haben und den verpeilten Monsters Rüdi und Börnski Auskunft geben können, wann das Konzert denn überhaupt los geht, indem sie ihren Umschlag mit all den Eintrittskarten zücken, die richtige Karte raussuchen und nachsehen: 20.00 Uhr. Aha! Danke!


20.00 Uhr

Showtime. Was soll ich sagen. Der Saal sieht toll aus! Es sind in etwa so viele Leute da, wie beim letzten Mal, aber jetzt kann jeder gucken und so macht sich auch die Gewissheit breit, daß jeder, der da ist, auch freiwillig da ist und nicht nur deswegen, weil er zwischen seinen Nachbarn festgeklemmt ist und nicht weg kann. Richtig beruhigt sind wir allerdings erst nach der Pause, als wir feststellen, daß die Leute nicht weniger geworden sind, denn jetzt erst scheint das Programm warm gelaufen zu sein. Der erste Teil hatte noch ein paar Ungeschliffenheiten, aber morgen werden wir einfach zwei Songs mit sich selbst vertauschen und dann leuchtet der Diamant von allen Seiten! Wir sind schon ein wenig stolz auf unsere Songauswahl für diese Tour und wir registrieren bei den Konzerten und im Gästebuch, daß sie auch bei unseren Gästen gut ankommt. Zwar fehlt dem einen oder anderen das eine oder andere Lied, wie zum Beispiel „Kleiner Zeh“, aber dann bauen wir es eben schnell noch mit ein – wir sind ja nicht so. Es sind glückliche Stunden, die wir auf der Bühne verbringen. Wir erkennen die Namensschilder aus Brilon wieder und kichern verlegen, wenn unsere Namen hochgehalten werden, erwecken die „nach oben schwingende Saloontür“ wieder zum Leben, wobei das Publikum heute frei ist in seiner Entscheidung, welche Art Geräusch es dabei machen möchte. Bei „Als der Staat gewann“ erfinden wir den konsonantfreien Antwortchor und bei „professionelle Hilfe“ verzichten wir entgegen dem Rat unseres Arztes auf die schützenden Helme. Undundund....
Mit Genugtuung stellen wir fest, daß auch unsere Balladen, die wir dieses mal im Programm verteilt haben, genau so gefeiert werden, wie die Partytracks – es ist eben ein vielseitiges Völkchen am Start und wir wissen das auch immer wieder zu schätzen! Es ist einfach ein Hochgenuss, für solche Menschen spielen zu dürfen, wie ihr es seid. Kein Wunder, daß wir hier eine DVD aufgenommen haben. Und was die Raumgröße angeht: Liebe Wuppertaler und Angereiste! Kein Raum kann so groß sein, daß ihr ihn nicht mit eurer Ausstrahlung mit Wärme füllen könntet! Ehrlich!

Und um der Freundschaftsseligkeit noch ein kleines Krönchen aufzusetzen, werde ich dann auch noch von unseren beiden Superfans mit einem nachträglichen Geburtstagsgeschenk bedacht und weil ich Superrüdi bin krieg ich alle 48 Kerzen mit einem einzigen Zug ausgeblasen.

Toll was?

Nein, Ihr wart toll!

Glückliche Monsters sagen: „Danke!“

Morgen Osnabrück


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13.11.2011 Osnabrück, Rosenhof

Wir sind erst seit zwei Tagen unterwegs und schon fühlt sich mein Körper an wie Blei. Ich sehe sogar schon Sterne, wenn ich nur treppab gehe. Sie sind zwar wunderschön, aber irgendwie beängstigend. Ich will die wieder weg haben. Vielleicht sollte ich lieber mehr schlafen, als im Partyzimmer bei Claudio und Timmey aus Alkoholmolekülen alternative Lebensmodelle zu basteln. Na, denn lasset dem Vorsatz Taten folgen. Für heute Nacht beantrage ich mal ein Einzelzimmer und schlafe mich einfach aus.

Könnten wir uns übrigens aus Wunschtraummolekülen Clubs basteln, würden die wahrscheinlich so ähnlich aussehen, wie der „Rosenhof“ in Osnabrück. Es würden schon am Nachmittag die ersten Fans davor sitzen, helping hands würden der Band beim Ausladen helfen, im zweigeteilten Backstage würde der Tisch gedeckt sein, Essen würde heranströmen, die Anlage würde Claudio zum schnalzen bringen, der Saal hätte kleine Etagen, die Lichtanlage wäre geschmackvoll, unter der Decke würde ein Kronleuchter hängen und sogar der Merchstand hätte seine eigene Lightshow. Dazu vielleicht noch eine nette Crew, die auch noch richtig Ahnung und Stil hat, bei dem, was sie tut.

„Rosenhof“ eben.

Und ausgerechnet hier haben wir mal wieder ein kleines Experiment geplant: Wir haben auf der Fahrt eine neue Sitzplatzordnung ausgelost. Das machen wir sehr selten, denn wir haben unsere Plätze und unsere Nachbarn lieb, aber es frischt den Touralltag auf und es sorgt für eine völlig neue Wahrnehmung der gleichen Sache. Die Perspektive des Publikums, der Sound, die Interaktionen, die Strahlereinwirkung – alles das ändert sich in einem überraschenden Maße. Zwar sorgt es für Unruhe auf der Bühne, aber auch für Wachheit – so der Plan.
In der ersten Hälfte des Konzerts geht der noch nicht ganz auf. Ein wenig holprig und verschreckt stammeln wir uns durchs Programm, die Lieder sind gut gespielt und gesungen, aber man merkt uns wohl an, daß wir zumindest im Hinterkopf damit beschäftigt sind, unser neues Revier zu erkunden.
Aber nach der Pause – und das geht uns bei dieser Tour schon wiederholt so – kriegt der Abend dann ein ganz neues Gesicht. Viel aufgeweckter, viel aufmerksamer, viel inspirierter.
Also, die Monsters. Das Publikum, das den tollen Club ansehnlich aufgefüllt hat, war eh die ganze Zeit am Start. Aber wir Monsters brauchen heute einen kleinen Tritt und als wir ihn auf unseren Hintern landen spüren, sind wir auch bei der Sache. Und jetzt biegen wir ein in eine wunderschöne Gerade, auf der wir eine gute Zeit lang richtig Gas geben können. Vielleicht ein bisschen zu viel für mich, denn bei „Ich bin nicht frei“ tauchen wieder die kleinen Sternchen auf und weil auf der Bühne kein Wasser zu finden ist, habe ich kurz ein Problem und stammele dehydrierten Kram vor mich hin, aber Pensen rettet mich aus der Not. Mit Bier zwar, aber für die letzten zwei Lieder wird es helfen.

Unser Fazit: Ein munteres Konzert, das jeder von uns unterschiedlich in Erinnerung hat.

Nur in einem sind wir uns einig: Der Club ist toll, das Publikum ist klasse und Tag drei unserer Tour wunderschön.

Danke an alle!

Morgen Gießen und ich geh jetzt schlafen.


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von Rüdi

14.11.2011 Giessen, Jokus

4. Tag

9 Stunden Schlaf. 9 Stunden! Neun!!

Elfengleich hopsen meine 16jährigen Knochen aus dem Bett. Ich frühstücke zehn Eier, dann nehme ich den Tourbus unter den Arm, trage ihn nach Gießen, setze ihn vor dem „Jokus“ ab und sage, während ich kurz meine Knochen strecke, „Ah, geht doch wieder!“

Wir werden heute unsere Kräfte brauchen, denn heute kommt Urs. Mitsamt Partylaune, Partybox und Partyzimmer. Es wird sozusagen eine „Hello and Good bye“-Party geben, denn morgen verlässt Claudio die Tour, dann übernimmt Urs für die folgenden Tage die Arbeit am Pult. Aber heute werden wir wieder einmal die ganze Monstersfamilie zusammen haben und normalerweise wissen wir das auch immer zu feiern.

Den Club erkennen wir daran, daß unsere „Hardcorefans“ schon wieder davor sitzen. Sie sind warm eingemummt und spielen Schiffeversenken oder Würfelwerfen oder Ich sehe was, was du nicht siehst oder... denen fällt schon immer was ein. Trotzdem drücken wir ihnen ein kleines Survivor-Kit in die Hand, weil sie gestern unseren Merchstand bewacht haben. Es gibt Bier und Schokolade.

Wir entladen den Bus, richten uns im Backstage ein, Timmey baut das Merch auf, Claudio macht sich am Pult zu schaffen, Urs fragt uns nach dem bisherigen Tourverlauf aus und unsere Veranstalter David und Lucas organisieren dies und das.

Da es wieder einmal verschiedene Anfangszeiten in den Ankündigungen gab, einigen wir uns auf 20.30 Uhr Spielbeginn.
Wir haben auch heute wieder eine neue Sitzordnung ausgelost. Von links nach rechts gesehen, sitzen wir so: Börnski, Pensen, Totte, Burger, Rüdi, Fred. Die anwesenden Mathematikstudenten könnten jetzt vielleicht glauben, daß wir alle einfach einen Platz nach rechts gerückt sind, außer Burger, weil der an seinem Stuhl klebt, aber nein! Das ist zufällig ausgelost und einzig dem Spaß geschuldet, den wir uns mal gönnen wollen, indem wir den Blickwinkel aufs Publikum wechseln und das Glück mit neuen Nachbarn teilen möchten. Es ist nämlich prompt eine vollkommen neue Wahrnehmung der gleichen Sache, wenn man auch nur einen kleinen Platz weiter rückt. Zum erstem mal kann ich zum Beispiel genau sehen, mit welcher ausgefuchsten Drehbewegung Fred die Flöte in sein Nasenloch bekommt. Und vor mir sitzt Publikum und nicht neben mir. Dafür ein Stück weiter weg. Außerdem funktioniert die Kommunikation auf der Bühne völlig anders, Neuland im Wohnzimmer gewissermaßen. Jetzt wollen wir nämlich auch die Paralleluniversen des Monsterskosmos erforschen und unsere Antennen und Fühler knicken in alle möglichen Richtungen und schnuppern ihr neues Umfeld ab. Sehr spannend das ganze.
In unserer Außenwirkung führt das allerdings dazu, daß wir ein bisschen verhuschter rüberkommen, als uns das unbedingt immer lieb ist. Und logischerweise knallen natürlich auch die Gitarrensaiten in einer ungewohnten Umgebung häufiger durch. Das ist ja logisch und hätte uns eigentlich auch klar sein müssen. So gesehen brechen wir heute alle Rekorde. Aber der Abend ist charmant und die Zuschauer sind gut zu uns und darum spielen wir auch ein gutes Konzert. Keine Sternstunde vielleicht, aber einige Sternminuten sind dabei. Sehr erwähnenswert sind die sympathisch bescheuerten „Saloontür-T-Shirts“, die heute von den Kaiserlauterer Fans erstmals vorgeführt werden. Also ehrlich: Langeweile scheinen die keine zu haben! Wir sind gespannt, was wohl als nächstes kommt, denn sie werden ja jeden Tag da sein.

Kommen wir doch kurz noch mal auf diese Partysache zu sprechen.

Oder lieber doch nicht.

Danke Gießen!

Morgen Kaiserslautern.


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von Rüdi

15.11.2011 Kaiserslautern, Kammgarn

5. Tag

Burger war schon mal mit den „Schröders“ in Kaiserslautern und damals sogar in der „Kammgarn“. Da haben die aber alles richtig gemacht! Denn das „Kammgarn“ ist toll. Wir sind – heute läufts mal so rum – vom großen in den kleinen Saal verlegt worden. Das ist uns sehr recht, denn wie gesagt, waren wir noch niemals hier und deswegen haben wir auch im großen Saal nichts zu suchen. Es ist ein Dienstag in der Fremde und wir hören mit einem beruhigten Gefühl, daß sich trotzdem schon rund 140 Leute angemeldet haben, um uns kennen zu lernen. Vielleicht werden es ja noch mehr, vielleicht hört ja der ein oder andere „Antenne Kaiserslautern“, einen Radiosender, der uns in seine Nachmittagssendung eingeladen hat, um ein bisschen über uns zu erzählen und „Heidi und Seal“ zu spielen. Totte und ich wollen da hin und einen guten Eindruck machen. Wenn aber nicht bald das verdammte Taxi kommt, dann machen wir überhaupt gar keinen Eindruck. Wir sind gerade dabei, uns in worst-case-Szenarien hineinzusteigern, da biegt es um die Ecke. Alles wird gut.
Wir werden von der Moderatorin Sarah in Empfang genommen, die eine tolle Stimme hat und die ziemlich gut so tun kann, als würde sie sich über unser Erscheinen freuen. Derweil sehe ich der Sache ein wenig angstvoll entgegen und bin mit inneren Fragen beschäftigt wie: „Was antworte ich, wenn sie mich fragt, was wir für Musik machen, wer wir sind und warum und überhaupt?“ Ich bin verbal nicht der schnellst treffende und daher beschließe ich für mich folgende Taktik: Ich gebe den mysteriösen Schweiger im Hintergrund und überlasse Totte das Reden. Eine überraschende und vollkommen ungewöhnliche Taktik für eine Radiosendung. Aber ich ziehe es durch.
Dann allerdings – im zweiten Gespräch – bin ich doch dran. Ich nehme all meinen Mut zusammen, will mich gerade zu „Heidi und Seal“ äußern, schließlich hört ja die ganze Welt zu, da klingelt mein Handy und ich verbringe die Ansage damit, mein nervig und immer lauter werdendes Handy aus der Hosentasche zu fischen und die Anruferin wegzudrücken. So schaffe ich es tatsächlich, in der ganzen Sendung lediglich mit einem furchtbaren Klingelton und zweimal Kichern in Erscheinung zu treten. Und einem Lied immerhin.

Auf der Rückfahrt fragt uns dann auch prompt der Taxifahrer, ob wir das eben gewesen seien im Radio. Für den Bruchteil einer Sekunde denke ich: „Wir habens geschafft!“ Jetzt kennt uns jeder. Als wir aus dem Auto steigen, treffen wir vollkommen zufällig Fans. „Tolle Sendung!“ Für einen jetzt schon etwas längeren Bruchteil einer Sekunde denke ich: „Wir habens geschafft!“ Da ich aber nun mal sowieso nicht weiß, wann man es geschafft hat und was denn überhaupt, nehme ich es zumindest als ein kleines Highlight des Tages hin.

Das eigentliche Superlativ des Tages erscheint dann in Form einer „kleinen Pizza“ im „Milano“. Burger wollte eine „große Pizza“ mitgebracht bekommen, aber als wir unsere kleinen Pizzen bekommen, bestellen wir seine eiligst in eine kleine um, weil wir nicht genau wissen, ob wir die große zu sechst getragen kriegen. 40000 Amerikaner leben in Kaiserslautern und wenn die alle big thinken, ist das wahrscheinlich ihr Kult-Italiener. Jedenfalls passt die kleine Pizza weder vollständig auf die Riesenteller noch vollständig in unsere Mägen. Es geht einfach nicht.

Aber wir versuchen es.

Jetzt schlafen!

Ach nee! Konzert! Die ersten Lieder lang schleppen wir die Pizza mit durch unser Programm. Die neue Sitzordnung – wir losen seit ein paar Tagen unsere Platznummern aus – der neue Club, die neue Stadt...wir sind ein bisschen schüchtern heute. Ich sitze im Zentrum auf Burgers Platz und mache mir Gedanken darüber, ob ich jetzt anders agieren muss, als auf meinem Stammplatz ganz außen. Burger dagegen, der immer im optischen Mittelpunkt sitzt, hat heute den Platz hinter der Säule gezogen. Jeder muss erst mal ein bisschen klar kommen und so dauert es ein paar Songs lang, bis wir richtig zu Potte kommen. Sehr erbaulich ist dabei zum Beispiel ein schöner Assi-Chor (im positiven Sinne) wie bei „Als der Staat gewann“. Und es ist auch schön zu sehen, daß die verschiedensten Alterssemester zu unserem Konzert gekommen sind und – a propos – sogar einen Studenten können wir in unseren Reihen begrüßen, der auch selbst erschrickt, als er feststellt, waß er ganz alleine ist. Dazu offenbar viele Erstbesucher, Zugereiste und Festivalgänger. Eine schöne Mischung, für die wir nach der Pause gerne ein bisschen mehr Gas geben wollen.
So geschieht´s.
Ab jetzt erleben wir einen stimmigen Kennenlernabend, der die Herzen der Anwesenden füreinander schlagen lernen lässt. Wir geniessen die erstaunten Gesichter der Neulinge bei der ein oder anderen Zeile, die Choreographien der Insider und die wache Kreativität aller zum Beispiel bei „Moti“. Die Balladen kommen zur Geltung, weil sie in Ruhe gespielt werden können und die offensiveren Lieder werden getanzt und abgefeiert, als wären wir im Stadion. Alles geht. Das Publikum ist zauberhaft, wir sind auch nicht schlecht und der Dienstag ist ein Feiertag.

Wir fühlen uns gut hier. Der Club ist richtig, die Leute sind richtig- hier sind wir richtig. Burger hat vor dem Konzert schon eine Ankündigung gemacht. „Ich war schon häufiger hier und hatte hier immer einen super Abend.“

So auch heute!

Danke „Kammgarn“!

Morgen Stuttgart.


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von Rüdi

16.11.2011 Stuttgart, Röhre

Tag 6

Eigentlich hatten wir schon innerlich Abschied genommen von der „Röhre“. Da sollen demnächst Züge durch den Club fahren, aber bekanntlich stockt „Stuttgart 21“ ja wegen des gesellschaftlichen Widerstands. Also gibt es die „Röhre“ noch und wir wünschen toi toi toi, daß es auch in Zukunft irgendwie weiter gehen kann. Man kann dort nämlich ausgezeichnete Konzerte geben und hören, wie wir aus der Vergangenheit wissen. So wollen wir es auch heute wieder tun. Wir wollen vor dem roten Vorhang sitzen, den Backstage zuqualmen und unsere Hintern in der gebrochenen Klobrille einklemmen – so wie immer! Nichts, verdammt noch mal, soll sich hier ändern!

Außer unserer Sitzordnung.

Wir haben wieder ausgelost, wer heute wo sitzt. Die Reihenfolge ist folgendermaßen und zwar von links nach rechts: Börnski, Pensen, Totte, Rüdi, Fred, Labörnski. Ich zum Beispiel also auf Burgers Platz. Hmm.... Muss ich jetzt auch so eine Rocksau sein, wie der? Das ging doch schon gestern schief. Andererseits gewöhnen wir uns langsam daran, nicht mehr auf unserem Stammplatz zu sitzen und sind nicht mehr ganz so sehr mit diesem Umstand beschäftigt. Wiederum andererseits: Liegt darin nicht gerade der Sinn? Wir wissen es nicht, aber es macht uns auf jeden Fall immer noch Spaß. Es ist, als würde man die Geschehnisse auf der Bühne durch ein anderes Prisma erleben. Es kickt, aber es ist unklar, wie die Wirkung aufs Publikum ist.

Über solche Sachen machen wir uns in der Pause Gedanken. Dazu kommt einer der Veranstalter, dessen Namen ich leider nicht weiß, und bringt ein Tablett voller Schnaps. Einfach so, als eine Idee vom Club, damit es uns gut geht.

Aber es ginge uns auch ohne Schnaps gut. Der Saal ist mit rund 300 Leuten gut gefüllt, das Programm scheint zu begeistern, wir geben ein gutes Konzert, was auch Börnski auffällt und zu du dem laut geäußerten Gedanken verleitet, daß das Konzert deshalb so gut ist, weil sein Mikro teilweise gar nicht eingeschaltet ist, was allerdings nur von der Sache her richtig ist. Dafür darf ich ihm bei „Professionelle Hilfe“ zur Abwechslung mal auf seinen Kopf hauen. Das sind halt auch die Vorteile einer neuen Sitzordnung. Es entstehen ganz neue Möglichkeiten! Heute erfinden wir die „menschliche Pyramide“, einen ganz gefährlichen Stunt, der in den Achzigern schon einmal von einer deutschen Rockband ansatzweise versucht wurde. Aber aus Sicherheitsgründen haben sie es dann wahrscheinlich wieder sein lassen. Aber das ist nur einer von vielen spektakulären Showmomenten, die wir heute abfeuern. Wir hüpfen sogar einmal bei einem Gitarrensolo! So geht’s ab!
Ihr merkt schon an der Berichterstattung, daß ich langsam in meine Rolle als Rocksau reinwachse.

Kein Wunder bei diesem Hexenkessel, der sich da unten vor uns abspielt. Das ganze „Röhre“-Stadion ist ein einziger Gute-Laune-Moshpit, der auf beiden Seiten gleich laut singen kann, gleich gut feiert und gleich gut aussieht, wie wir bei „Marzipan“ rauskriegen.

Danke, Stuttgart, für den tollen Spaß mit euch!

Danke, liebe „Röhre“! Bitte bleib!

Morgen Regensburg


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von Rüdi

17.11.2011 Regensburg, Alte Mälzerei

Tag 7

Zum ersten mal seit Bestehen der Band haben wir uns heute eingesungen, als wir die Bühne betreten. Das macht Spaß, wenn man es in der Gruppe tut. Außerdem lockert es die Stimmbänder und beugt schmerzhaften Stimmbanderkrankungen vor. Pensen hat sich eine Übung zusammenstellen lassen, so eine Art stimmliches Zirkeltraining, um die Doppelbelastung mit „das Pack“ und den Monsters nicht irgendwann mit dem Verlust seiner Stimme bezahlen zu müssen. So eine Art berufliche Unfallversicherung also.
Wir haben auch wirklich das Gefühl, daß das hilft und die Atemwege und die Gesichtsmuskulatur auflockert.
Bei Burger allerdings hilft garnichts mehr. Burger ist krank. Wir schicken ihn zum Arzt, damit er sich irgendwelche Antibiotika holen kann, ein Ärztehaus ist gleich um die Ecke. Außerdem rauchen wir nicht mehr im Backstage, damit es für ihn nicht allzu unerträglich wird.

Die heutige Sitzplatzverlosung hat folgende Reihenfolge ergeben: Pensen, Rüdi, Burger, Fred, Börnski, Totte

Zum letzten mal auf dieser Tour wollen wir dieses Spielchen treiben. Ab morgen werden wir wieder auf unseren Stammplätzen sitzen, obwohl ich zugeben muss, daß dieser Platz Nr. 2 ein sehr sehr feines und interessantes Örtchen ist, neben meiner Nr. 6 der für mich geeignetste Platz bisher auf der Tour.

Die „Alte Mälzerei“ ist propper gefüllt, die Leute amüsieren sich mit und über uns und wir haben auch heute wieder eine gute Zeit miteinander. Daran ändert auch die Gröltruppe nichts, die unsere Lieder offenbar für Quengelware halten und immer wieder das gleiche Lied fordern, weil sie eben nur dieses kennen. Der große Rest genießt die ausgecheckte Songliste wie einen Viel-Komponenten-Cocktail, der zum Schluss erst seine volle Wirkung entfaltet. Dazu werden heute Geburtstage und Verabschiedungen gefeiert, wie zum Beispiel der von Angelique und die von Ü. (Der Satz stimmt so.) Beide sind tragende Säulen der „Alten Mälzerei“ und wir wünschen beiden weiterhin viel Glück!

Um Mitternacht hat dann auch noch unser Urs Geburtstag! Hoch die Tassen, ab ins Hotel und dann gibt’s noch eine kleine Party!

Liebe Regensburger, die ihr dieses lest: Es ist schlicht unmöglich, jeden Tag auf dieser Tour in neuen Worten zu beschreiben. Die Ereignisse ähneln sich zu sehr und die wirken auf Dauer bei so einer Tour literarisch gesehen ein wenig abstumpfend. Kilometer fressen, Rasten ansteuern, Soundcheck, Warten aufs Publikum, dabei das Catering genießen, dann das Konzert. Wir fühlen uns pudelwohl zurzeit, abgesehen von unseren körperlichen Maladen, die langsam bei dem ein oder anderen ausbrechen. Wir sind immer noch wach bei der Sache und unsere Konzerte sind mittlerweile ziemlich gut eingespielt. Dieses positive Grundgefühl lässt sich nur so lange aufrecht erhalten, wie ihr diesen ganzen Spaß mit uns teilt und wir sind sehr glücklich darüber, wie alles läuft. Viele von euch haben weite Wege in Kauf genommen, manche sitzen stundenlang in der Kälte rum, bevor der Einlass öffnet und dann geht auch noch der ein oder andere sauer ersparte Euro für ein Shirt oder eine CD drauf. Wir wissen das alles so sehr zu schätzen! Danke für diesen Abend! Danke für diese Tour! Danke Schicksal!

Morgen Meiningen


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von Rüdi

18.11.2011 Meiningen, Multihalle

Tag 8

Bastian ist ein Oberchecker.

Da wir heute einige ältere Herrschaften im Publikum erspäht haben, möchte ich kurz erklären, daß ein Oberchecker keinesfalls ein Restaurantfachservicekräftetester ist, sondern jemand, der richtig was drauf hat, bei dem, was er tut. Er bucht die Monsters in eine Riesenhalle, sorgt dann aber auch für so viel Publikum, daß der Saal trotzdem fast schon gemütlich ist. Er lässt vorne eine Bühne in den Saal bauen, füllt hinten den Kühlschrank für uns auf und dazwischen macht er wahrscheinlich Essen oder er organisiert nützliche Dinge. Dabei macht er aber nie den Eindruck, als hätte er irgendeinen Stress und ist jederzeit für einen kleinen Smalltalk zu haben.
Wir kennen Bastian schon aus Wasungen, wo er uns zuletzt veranstaltet hat und halten sehr viel von ihm.

In unserem Tour-Rider steht: Veranstaltungsort: Multihalle

Da denke ich natürlich zuerst an einen kleinen Punkschuppen, der sich „Multihalle“ nennt, um auf witzige Weise zu erkennen zu geben, daß man gar keine Multihalle ist. Aber das hier ist tatsächlich eine Multihalle. Der Backstage ist groß genug, um ein Konzert dort zu geben und zu groß, um einigermaßen wirtschaftlich sinnvoll für einen Tag beheizt zu werden. Wir behelfen uns mit albernen Turnübungen auf Sportmatten und mit draußen rauchen, damit man drinnen merkt, daß es doch relativ warm ist.

Dann wieder einsingen, unsere neueste Entdeckung.

Dann Konzert.

Ich möchte stellvertretend für eine Beschreibung des Abends eine kleine Geschichte erzählen, die mir aufgefallen ist. In der Pause lernen wir eine alte Dame kennen, die plötzlich in unseren Reihen steht und anfängt, von sich zu erzählen. Früher war hier nämlich nichts, wo wir uns befinden, da ist sie auf diesem Hügel im Winter Schlitten gefahren. Heute ist sie 80 Jahre alt und springt bei „Schönheitschirurgie“ mit all den anderen in der Stadthalle herum. Und direkt vor ihr sitzt die wahrscheinlich jüngste Teilnehmerin der Party und auch sie hopst los, voller Agilität und mit freudegeweiteten Augen. Dieses Bild ist für mich das Symbol des Abends. Da ist dann auch die relativ schwierige Akustik des Saals zweitrangig, an der sich Urs heute an seinem Geburtstag abschuften darf. Was für uns zählt, ist die generationenübergreifende Freude, die wir heute miterleben dürfen und die wir sogar anzetteln dürfen und die vielleicht sogar das Motiv für all unser Treiben ist.

Danke Meiningen – Ihr habt verstanden!

Morgen Würzburg.


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von Rüdi

19.11.2011 Würzburg, Posthallen

Hab ich gesagt, daß wir gestern in einer Halle gespielt haben? Quatsch! HEUTE spielen wir in einer Halle. Wenn tatsächlich alle Würzburger mal gleichzeitig zu einem Konzert gehen wollen, dann steht hier schon die richtige Halle parat. Damit ist heute allerdings nicht ganz zu rechnen und so stehen wir ziemlich absurd in diesem Riesenbauwerk rum und wissen auch nicht so recht. Dabei kennen wir das ja schon, weil wir heute nicht zum ersten mal da sind. Was soll „Shorty“ nur denken? Shorty? Shorty stand mit einer ungeschützten Klampfe in der Hand vor der Halle rum und entpuppte sich als unser Vorprogramm. Er wurde auf irgendwelchen zufälligen Kanälen von den Taubertal-Organisatoren hier her gebucht und genau hier – in der Posthalle zu Würzburg – gibt der Junge nachher sein ungefähr allererstes Konzert. Au weia! Wie der sich fühlen muss. Ich kann nicht unbedingt behaupten, mich hier auf komplett ungewohntem Terrain zu bewegen, aber auf mich wirkt die überdimensionale Halle durchaus einschüchternd und hier würde ich mein erstes Konzert nicht geben wollen. Der erwartete Zuschauerstrom ist allerdings noch nicht überdimensional und weil man hier Zwischenwände ziehen kann, wird alles versucht, die Räumlichkeiten einigermaßen gemütlich zu gestalten. Und um „Shorty“ muss man sich keine Sorgen machen, wie sich bald heraus stellt, denn er fühlt sich auf der Bühne anscheinend ziemlich wohl und macht überhaupt keinen ängstlichen Eindruck.

Da sieht es bei uns Monsters schon ein wenig anders aus.

Als wir unser Konzert beginnen, übernehmen wir einen gut gefüllten Saal, die Trennwände wurden vernünftig gezogen. Alle sind voller Vorfreude – es scheint ein Publikum zu sein, daß uns bisher eher von Festivals kennt, wahrscheinlich Taubertal, und das sich auf Party eingerichtet hat. Das ist kein Fehler! Es ist nur so, daß wir während unseres Auftritts die ganze Zeit auf eine hitzige Partymeute gucken, von der wir akustisch aber nur sehr wenig mitkriegen. Vielleicht ist die Halle zu hoch, oder die Bühne oder die Leute sind zu weit weg oder die Trennwände schlucken alles weg – keine Ahnung. Es ist jedenfalls, als würden wir in eine klangsaugende Breimasse singen – ein merkwürdiges Gefühl, das wahrscheinlich nur im Vergleich entstehen kann. Jedenfalls sitzen wir prompt wieder verunsichert auf der Bühne rum und die Fühler sind ausgefahren und auf Fehlersuche und irgendwie wirken wir fahrig. Sag ich. Andere Monsters haben einen ganz anderen Eindruck. Und so erleben wir wieder mal ein Konzert, daß hinterher jeder anders beurteilen wird, weil sich jeder gerade anders fühlt. Der eine kommt langsam in die Tour rein und läuft warm, der andere leidet an Übermüdung oder an einer aufkeimenden Grippe, den nächsten beschäftigt Heimweh oder Fernweh, die halbe Band ist mittlerweile rachenkrank und die andere Hälfte hat bestimmt andere Sorgen. Das ist normal und unser Publikum hat es bisher noch immer geschafft, uns auf die Hauptsache aufmerksam zu machen – auf sich! Und so ist es auch heute. Wir kommen ein bisschen später rein, aber am Ende ist auch das neunte Konzert in Folge ein wunderschönes geworden mit seinen eigenen spezifischen Highlights.
Wenn uns das Schicksal morgen nicht noch ein Schnippchen schlägt, war das eine sehr schöne Tour, unsere neunzehnte!

Morgen Hildesheim.


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von Rüdi

20.11.2011 Hildesheim, Vier Linden

Tourabschluss


Das „Vier Linden“ in Hildesheim wurde 1948 im Jugendstil aufgebaut, um in den tristen Nachkriegsjahren an die Goldenen 20er Jahre zu erinnern und so einen gefühlten Anker für die ausgehende Gesellschaft anzubieten. Ziel war damals, einen Veranstaltungsort zu gründen für Musik, Theater, Kabarett, Tanzabende etc.

Da sind wir hier ja richtig! Der creme-rot gehaltene Ballsaal winkt uns förmlich zu: „Nehmt mich!“ scheint er zu sagen. Eine sehr stilvolle Kulisse – ansonsten – in der wir heute unseren Tourabschluss begehen dürfen.

Vorher noch kurz eine lange Besprechung mit unserer K.O.K.S – Agentur über unsere Zukunftspläne, dann die letzten Stimmbandreste zusammengesammelt, noch ein Schlückchen auf den Tourabschluss - „Schön war´s jetzt schon!“- eingemonstert und los in den letzten gemeinsamen Spaß für die nächsten 5 Monate. Die einen hüpfen, die anderen schleppen sich auf die Bühne. Lautes „Hallo!“ allerseits und „Seid ihr bereit?“ und dann beginnt zum zehnten mal auf dieser Tour das Programm und heute wird es gefeiert, als dürften wir die Lieder so nie wieder spielen. Dazu ein Publikum, das heute in machen Sparten award-würdig ist. „Bestes Lichtermeer“ zum Beispiel. Oder „Bester Agro-chor“. Wir dürfen auf fremde Köpfe hauen, uns über zahlreiche Albernheiten und Zwischenrufe freuen, Verwandte und Freunde erspähen und in all dem Huhu noch mal unsere schönen Lieder singen. Melancholische Momente wechseln sich ab mit dem Gefühl, morgen sowieso keine Stimme mehr gehabt zu haben. Das klassische Dilemma: Ich hab genug, aber könnt noch.
Ist das heute das beste Konzert der Tour? Oder Krefeld? Oder doch Regensburg? Alles möglich, klar ist nur, daß sich dieses Konzert sehr gut anfühlt und wir eine wunderschöne Abschiedsparty mit genau den richtigen Leuten feiern. Wir sind ohne Ausfälle durchgekommen. Die Tour war erfolgreich. Und schön dazu.
Und so stehen wir am Schluss des Abends dankbar auf der Bühne und möchten den Monsterskosmos umarmen, den wir jetzt für eine Weile verlassen, um im April mit neuen Liedern und neuer Kraft hoffentlich all das wieder erleben zu dürfen, was wir in den letzten Tagen hatten. In der Zwischenzeit werden wir uns unseren Familien widmen, mit unseren anderen Bands auf Tour fahren, Songs schreiben, urlauben und arbeiten gehen, jeder was anderes.

Unser besonderer Dank gilt unserer phantastischen Crew: Timmey, Urs und Claudio, ohne die wir nie wieder sein wollen!
Dazu unseren Veranstaltern, die uns zusammen mit ihren Mitarbeitern überall warmherzig aufgenommen, vorzüglich bekocht und weich gebettet haben.
Und all den Besuchern, die zu uns gekommen sind, ganz vorneweg unseren Hardcorefans, die sogar bei jedem einzelnen Konzert da waren.
Und unserer Agentur, die uns zu so tollen Orten geführt hat.

Hab ich jemanden vergessen? Macht man das so?

Nur, wenn es ein Bedürfnis ist.

Danke Welt!

Morgen schlafen.


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