Live Music Hall, Köln
24. Nov. 2018

Tourtagebuch

Live Music Hall, Köln

24. Nov. 2018

von Totte

Ach, Köln: Du hat uns schon in seltsamsten Farben begrüßt. Aber dieses verregnete Braungrau ist doch wirklich nix, das musst Du selbst zugeben. Ich wache auf, schau aus der Koje und will nur noch weiterschlafen. Das plätschert und pieselt da draußen und reicht nicht mal für einen echten Regentag. Eher so ein Sonntagswetter, wenn der Samstag schon scheiße war. Hilft ja nichts, es ist Zeit, aufzustehn. Das denkt auch mein Vater, der just jetzt anklingelt, mir bestes für die Tour wünscht und es schafft, das wie ein elterliches Verhör klingen zu lassen. Jedenfalls in meinen müden Ohren, wie ich da in Unterhosen im Bus sitze, mit vollgefüllter Blase und Kaffeeschmachter. Ich liebe meine Familie sehr, alleine Timingmäßig sind wir alle überarbeitungswürdig. Er gibt mir noch den Rat, unsere Tourberichte besser auf Tippfehler zu untersuchen und ich verspreche ihm das hoch und heilik.

Ab in die Live Music Hall, wo es noch nach Friday Night Party duftet und alle bereits rege beschäftigt sind. Ich werde absolut herzlich von der Crew des Tages empfangen, die bereits ein großes Büffet aufgefahren hat, mit Süppchen und Donuts und allem Pipapo. Ein Wahnsinn, dieses Tourlife.

Da Urs ja leider weg ist, ist Fred nun der Tourleiter und schon enorm beschäftigt, ich weniger, aber immerhin kann ich ja mittels Touberichterstellung so tun, als sei ich im Stress. Für etwa zwanzig Minuten, dann herrscht wieder Leere in Raum und Zeit. Ich fülle sie durch einen Spaziergang und das in die Arme schließen von Werner, unserem alten Compadre, der die nächsten zwei Tage unseren Sound zaubern wird. Bezüglich seiner Fragen zu Monitoren und Technik, kann ich ihm leider gar nicht helfen. Dennoch: Alles wird, die Bühne steht, der Sound glänzt und auch Anke, die für Lasse an der Merchfront eingesprungen ist, ist absolu t sympathisch und kompetent. Cool.

Das Abendessen besteht für mich aus Spinatstrudel und mundet tierisch, danach ists schon Zeit für den Startsekt, denn heute gilt es, militärisch präzise zu arbeiten. Aufgrund nachfolgender Disko müssen wir um 19 Uhr beginnen und um 22 Uhr die Satge bereits verlasssen haben. Rockbusiness ist höllisch.

Um 18:59 Uhr startet das Intro, wir entern die Stage und blicken auf ein volles Haus voll feierwütiger Rheinländer. Da wollen wir gerne mittun. Etwas erschwert wird es in den ersten Minuten dadurch, dass wir uns nicht so ganz auf die Hallengröße eingestellt haben, denn da klingt alles etwas anders als in den kuscheligen Clubs der letzten Tage. Dann aber zündet der Abend und füllt sich beständig mit Highlights: Börnski soll sich ausziehen, so Publikumswunsch, Rüdi findet, alle sind zu gut drauf und zaubert sie betroffen. Es wird gedauertrauert aber auch gepogt, die per Poster gwünschte Kabelstory wird erzählt (kleiner Ruhrpottrodeo-Insider), Walgesänge durchgezogen und das Glockenspiel malträtiert, während die Blockflöte magisch trällert. Aus Vier Meter wird schlußendlich ein Rammsteinhybrid, aber Köln ist tolerant und feiert auch die seltsamsten Aussetzer unsererseits. Das Konzert fühlt sich viel zu kurz an, aber wir haben alles durchgezogen. Und am 07.12. spielt Rüdi wieder mit Sven Panne bei Euch. Geht hin.

 

Nach dem Konzert ist alles etwas hektisch, denn zwischen Abbau und Klogang gilt es, viele Freunde und Verwandte in den Backstage zu schleifen, um zumindest ein gemeinsames Bierchen zu trinken. Bruder Christian, Sabrina, sowie die Intelligenzia Partner Hanno und Wolly finde ich, Jenny leider nicht mehr, obschon ich ihr das versprochen hatte. Wir holen das in Essen wieder nach.

Der Raum ist voll, viele Menschen, gute Leute, aber so wenig Zeit. Ich entscheide kurzerhand, heute in Köln zu nächtigen, und über die Hängenden Gärten landen wir natürlich noch im Low Budget. Neu ist aber, dass ich ständig zur Pizzeria gegenüber laufe, um mir kleine Vierkäsepizzen einzuverleiben. Hervorragende Nacht, hervorragende Pizza, nur der nächste Tag wird sich rächen.

 

 

 

 

 

 

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