Riders Cafe, Lübeck
10. Nov. 2018

Tourtagebuch

Riders Cafe, Lübeck

10. Nov. 2018

von Totte

Ein leichter Kater ist nicht von der Hand zu weisen. Der Splitter im der Fußsohle ist leider auch nicht über Nacht weggewandert. Da hilft wohl nur Zeit. Aber die Laune ist bestens, aus Trotz und überhaupt. Beim Frühstück gibt’s dunkle Brötchen, hot Kaffee und diverse Kleinsprechunterhaltungen mit den Kollegen. Alles sehr unaufgeregt, ein bißchen müde, aber insgesamt very harmonisch.

Das Wetter graut so vor sich hin, wir fahren jetzt erstmal Burger zur Autovermietung, denn er muss heute Nacht noch weiter in Sachen Globetrotting. Ich bekomme mit, dass es sich um ein sehr schnelles cooles Auto handelt, aber ich konnte mir nicht mal die Farbe merken. Rüdi fährt mit ihm, wir restlichen tuckern eher gemächlich nach Lübeck.

Im Riders Cafe haben schon im ersten Jahr unseres Bestehens gespielt und schon davor waren wir oft dort, mit den Schröders und gehörig Standgas. Es gibt viele Erlebnisse, einige im Nebel, andere leuchtend wie Sternchen, und Kai Uwe, der Chef vom ganzen, ist ein derber Typ. Er scheint auch überhaupt nicht zu altern, wie wir feststellen, als wir im Laden angekommen sind und uns in die Arme schließen. Ein wundervolles uffet ist bereits angerichtet, der Kaffee glüht und wir haben einander viel zu erzählen. So auch die Waschmaschine im Backstage, die lauter als ein „Manowar“-Konzert ist, glücklicherweise aber auch melodischer. Frische Mische haben irgendwie ein Kreativhochleistungswochenende und kreieren am laufenden and Hits. Ich kann dafür Burger davor retten, von einem Spiegel erschlagen zu werden. Frische Mische machen auch daraus natürlich einen Hit. Ich habe hauptsächlich mit der Superscharf-Pizza der gestrigen Nacht zu kämpfen, derweil Rüdi sein neues Effektboard via Bühnenanlage testet. Tolle Sounds sind zu hören, und uns komt die Idee, dass wir Monsters mal eine Obskur-Tour machen könnten, schließlich machen wir alle ja auch noch Sachen außerhalb der Liedermacherzone. Wir werden sehen...

Fred, Burger, Rüdi und ich haben das Vergnügen, mit Kai Uwe einen kleinen Interviewfilm zu drehen, erfreulicherweise wird das eher eine lockere Unterhaltung, sowas vmacht immer Spass. Sobald es online ist, geben wir Bescheid.

Das Abendessen ist gigantisch, der Soundtrack dazu auch: Dendemann hat neue Hits rausgehauen, eloquent, eigen, hervorragend. Sogar mit einem Zitronen-Zitat. Ich bin Fan. War ich aber vorher auch schon.

Pünktlich um 20 Uhr geht’s los. Das Riders Cafe ist sehr gut gefüllt, und zwar mit Partymenschen höchster Güte. Natürlich sind auch langjährige Freunde da, Mone, Julia, Vicki, letztere sogar in Cheerleaderkostüm, dass sie präsentiert, indem sie uns Schnäpse auf die Bühne bringt. Mich durchzuckt dabei ein schlechtes Gewissen, denn just fällt mir ein, daß ich ihr ja versprochen hatte, den Cheerliedersong zu spielen. Ich kann nicht eine Zeile auswändig, geschweige denn die Akkorde. Verdammt. Und in der erste Reihe Ehepaar Obermüller, die ich eigentlich auf die Gästeliste schreiben wollte..Mann! Demenztag!

Aber jetzt erst mal zum Konzert, weg von meinen Unzulänglichkeiten: Es wird ein herrlich verquatschtes Konzert, etwas unkontrolliert, aber nict zu sehr. Drive entsteht immer wieder, dazwischen aber eben spontane Geschichten, die uns Grinsen in die Gesichter zaubern. Ich kann die jetzt gar nicht nacherzählen, aber es geht viel um blaues Licht, wiedererlebte Bühnentraumata, Cowboys im Cafe, spontane Schalalapassagen bei Türen, eine Cheerliederentschuldigungsstrophe bei 4 Meter und überhaupt: Eine dufte Party ist das ganze. Rüdi tritt erst seinen Drink um, dann, als ich ihm einen neuen einschütte, meinen. So ist das eben, wird man 15.

Glockenspile gibt’s heute mit T-Shirt überm Kopf, bzw. auf der Empore, der Strassenschwimmer wird von mal zu Mal magischer, und der Abend hätte gern noch länger dauern dürfen. Aber irgendwann muss man ja auch gehen. Vor allem, um am Thresen mit lieben Menschen weiterzutrinken, Sambuca, Jägermeister, hoppla, jetzt dreht sich aber alles. Also ein Lübeck traditional. Allerdings nicht ganz so lang, wie in den Jahren davor, denn wir fahren noch Nachts heim, und erst zuhause angekommen, beginnt der Splitter wieder zu nerven. Aber nicht genügend, um das selige Lächeln aus meinem Gesicht zu wischen, während ich den Abend im Kopf nochmal Revue passieren lasse. Es ist ein ehrliches, fröhliches, zugegeben auch etwas besoffen-dümmliches Lächeln. Aber es ist echt. Dank Euch allen. Ich verneige mich! Auf hoffentlich bald wieder! Zum Beispiel am 28.12. bei den Waltons im Riders?

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