Feierwerk, München
23. Nov. 2018

Tourtagebuch

Feierwerk, München

23. Nov. 2018

von Totte

In einem Tag kann durchaus der Wurm wohnen. Ich wache im Bus auf und weiß gleich, das wird mit mir heute nichts. Ich bin furchtbar schlecht gelaunt, will heim und überlege mir berufliche Alternativen. Fällt mir aber auch nix ein. Damokles' Käsemesser schwankt im Winde und ich leg mich gleich wieder hin. Dabei ist heute hier einfach alles, was den Tag zum Leuchten bringen müsste: Das Organisationsteam um Nils und Michael ist unglaublich gut drauf, sympathisch und vor allem derart kompetent, dass uns die Münder quasi permanent offen stehen bleiben. Das Essen ein Gedicht, so vielseitig und gut, man möchte gar nicht mehr vom Esstisch aufstehen. Sogar eine Torte mit unserem Tourlogo gibt es für uns, das macht uns ganz verlegen. Frische Mische joggen again, Fred macht mit Urs Büroarbeit, Lasse ist eh wieder fleißig, Rüdi verirrt sich laut eigener Aussage beim Tabakkauf, ich krieg hingegen nicht mal ein Buch gelesen. Wie gesagt, Wurmtag...

Soundcheck, Essen, plötzlich sitzen wir alle mal gemeinsam im Backstageraum und keiner guckt aufs Handy. Auch ganz schön, da sollte man doch gleich einen Sekt drauf trinken. Gesagt, getan und dann ist's plötzlich 20 Uhr und die Show kann beginnen. Und was für eine:

Das Feierwerk ist randvoll mit erlauchtem Publikum und es treibt uns in eine enorme Spiellaune. Apropos: Meine Laune hat sich binnen Sekunden gedreht und verklärt. Mit breitem Lächeln tanze und singe ich mit, proste in die Runde und verhau mich ordentlich beim Glockenspiel. Ich spiele heute mal blind bemützt, dann gehörlos, weil mir Burger die Ohren zuhält. Der Raum kocht und das ganze ist ein einziger Rausch. Bayern ist extem talentiert in Sachen Walgesang, übt aber vorsichtshalber das Mitklatschen vorm Mitklatschen, der Pogo ist sehr freundlich und bei SuSuSu ächzt jemand qualvoll unter meinem Körpergewicht. Sorry dafür. Laut Freds Dezibelmessung liegt München jetzt übrigens auf Platz eins.

Urs meint im Nachhinein, die zweite Halbzeit unseres Auftritts sei ihm etwas zerfahren erschienen, das kann ich nach längerem Grübeln auch bejahen, während des Konzerts aber fühle ich mich von einer Energie getragen, die Herzen schmelzen lässt. Besonders schön: Nach dem Konzert verteilen wir die Torte am Merchandisestand. Sie ist sehr lecker und findet reißenden Absatz. Ich treffe noch Adi, eine alte Freundin, die samt Bruder Thomas mitgeschunkelt hat, auch mein Oheim Helmut ist vor Ort, was mich äußerst freut. Ansonsten ist der Backstageraum erstaunlich bandintern, aber es muß ja nicht immer eine Riesenparty im Anschluss stattfinden. So landen wir etwas zeitiger im Bus und können bei belegten Broten und Nüsschen ein wenig wild rumsinnieren. Lasse hat uns für zwei Tage verlassen, er stößt in Frankfurt wieder zu uns, und auch Urs verlässt uns morgen. Sehr schade. Aber noch sitzt er hier in unserer Runde, also genießen wir lieber den Moment und den Nachhall eines euphorischen Münchens: Es war uns ein Fest! Vielen Dank!

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