Linie 73 (ausverkauft), Olsberg-Bigge
25. Nov. 2018

Tourtagebuch

Linie 73 (ausverkauft), Olsberg-Bigge

25. Nov. 2018

von Totte

Es ist kurz vor elf Uhr und ich wache ausnahmsweise mal nicht in meiner Buskoje auf, sondern in der Wohnung von Intelligenzia-Kollege Hanno, wo mich bereits Romeo und Juliet, die beiden Coolcats auffordernd angucken. Entweder soll ich gefälligst Essen rausrücken oder zumindest die Dusche anschmeißen, denn die beiden fahren enorm auf fließendes Wasser ab. Ich entschließe mich für letzteres, denn erstens miefe ich und zweitens ist mir mein gestriges Pizzainferno etwas auf den Magen geschlagen. Überhaupt: Essen, Trinken, insbesondere Alkohol verarbeite ich auf dieser Tour viel schlechter als sonst, und ich bin sonst schon nicht so der toughe Typ. Ist es das Alter? Ist es überhaupt von Interesse? Vielleicht ist es doch spannender, erzähle ich von Romeo und Juliet, er black Tiger, sie getigerte Lady. Beide schön, smart und nur bedingt begeisterungsfähig, geht es um mich. Nachts cool, da beißt Romeo gern auf Fingern rum, am nächsten Morgen will er davon jedoch nichts mehr wissen. Sie wiederum akzeptiert zwar meine Versuche, sie mittels Stoffmaus zum Spielen zu bringen, lässt aber keinen Zweifel daran, dass sie es auch ein wenig erbärmlich von mir findet.

Im Hause Kahl rührt sich sonst noch nichts, ich muss aber los, denn der Zug wartet nicht. Spaziergang durch Köln Süd, die "juice2 kaufn und Dendemann-Interview lesen, ab in den Train und direkt einschlafen. Um 15:30 Uhr komme ich im schönen Olsberg an, ein angenehmer Spaziergang führt mich durch die prächtige Sauerlandschaft. Oder heißt es Sauerlandlandschaft? Egal: prächtig.

Prächtig auch der Club heute, das „Linie 73“ liegt ebenfalls an einem Bahnhof , dem von Bigge, ein wenig Kurortflair weht hier die Hauptstraße entlang und das ist schon alles sehr toll: Gisbert und David, alte Sauerländer recken, mit denen wir schon einige Abende gestemmt haben, sind in unserer Totensonntag-Not, als Gera kurzfristig alles abblasen musste, beherzt eingesprungen und ziehen jetzt hier ein Ding durch, dass die Herzen ganz weich werden. Der Club? Traum! Das Team? Traumhaft! Das Essen: Kulinarischer Overkill-Gaumengeiler! Noch etwas mehr Pracht gefällig? Bitteschön: Wir kriegen alle leckere Kekse, die mit unseren eingenen Namen gebacken wurden. Duftend und schmackhhaft, in klasse Verpackung. Sekt zur Einstimmung? Bitteschön, hier Deluxegläser für den vollendeten Genuß. Es ist ein Wahnsinn. Auch ein Wahnsinn, dass in derart kurzer Vorbereitungszeit noch der Club tatsächlich ausverkauft sein wird.

Dementsprechend voll ist der Raum auch, als wir pünktlich um 19 Uhr loslegen, stets wegen Totensonntag auf den kulturellen Background verweisen, aber schon nach zwei Liedern merken: Hier ist eher ein zweiter Samstagabend angesagt. Der Pegel im Raum nicht gering, Stimmung kocht, Gläser werden gehoben, es wird gepogt, gesungen, mitgeklatscht. Es ist hot, wirklich hot. Ich sehe einige bekannte Gesichter, aber auch viele Leute, die heute wohl eher gekommen sind, weil überhaupt was los ist. Und bei denen erkenne ich oft, wie die Pointen ganz frisch zünden und die Mundwinkel Stück für Stück nach oben gehen.

Ach mensch, besonders cool: Soelve unser God of Autobahn, macht heute erfreulicherweise das Merchandise einfach mal für uns mit. Gehts noch familiärer?

Ich selbst bin in der ersten Hälfte allerdings noch nicht ganz auf der Spur, glücklicherweise kriege ich mich schnell ein und dann zündet alles auch ohne blöde Moderationsverhaspler. Der Dezibelmesser dreht bei Fred am Rad, die Weltklassemelodie klingt heute fast erkennbar, wir trinken einen Rotweinshot in Ermangelung von Schnaps, und das ist alles eine Sause.

Pensen reißt kurz vorm letzten Stück die A-Seite, für Unkundige: die ist sehr wichtig, die A-Seite. (Sonst hieße sie ja B-Seite....), was das nächste Stück zu einem sehr interessantem Sound verhilft, mir gefällt das total gut, dem Publikum aber auch. Ein bißchen holperig beenden wir schließlich den Auftritt, schweißnass aber glücklich und trinken noch so einiges mit netten Menschen hier. Dann essen wir nochmal, weils so lecker ist. Dann sind wir bis zum Platzen randgefüllt. Dann geht bei mir nichts mehr und ich leg mich schlafen, während die Kollegen noch ein wenig im Bus sitzen und Musik hören und den Abend ausklingen lassen. Sehr schade nur, daß uns morgen Werner wieder verlässt, denn es ist immer schade, wenn einer die Gruppe verlässt. Schön dafür, dass dann Lasse und Claudio wieder zu uns stoßen. Tourlife ist wie Life allgemein: Ein Hin und her. Und heute waren wir absolut hingerissen von den ganzen Sauerländer Rabauken, ihrer Herzlichkeit und dem Riesenspass, den sie uns hingezaubert haben. Und wir kommen gerne wieder her. Sehr gern. Es blüht viel Dank in uns.

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