Big Day Out, Anröchte
05. Aug. 2017

Tourtagebuch

Big Day Out, Anröchte

05. Aug. 2017

von Totte

Aha, soso, acht Uhr morgens. Mein Wecker steht auf zehn. Aber wenn ich wach bin, was soll er weiterschlafen dürfen? Ich schmeiß' ihn aus den Federn und bekomme gleich ein schlechtes Gewissen, drum koche ich uns Kaffee und erfreue mich über unser neues Musikvideo „Scheiß CD“, das wir gestern veröffentlicht haben. Hurra, hurra! Es ist ja außerdem noch unser erstes Musikvideo überhaupt, und zusätzlich ist seit gestern auch noch unser neues Album „für Alle“ vorbestellbar, welches wiederum unser erstes Studioalbum überhaupt ist. Wir wissen ja, wie toll das geworden ist, aber unsere werte Hörerschaft ja schließlich noch keinen Schimmer, weshalb man sehr gespannt sei n kann, wie sie unsere Neuigkeiten auffassen werden. Interessanterweise gibt es bislang fast nur positives Feedback, es scheint, als würde die Frische, die wir Monsters verspüren, via Video bestens transportiert. Na klar, das ist ne neue Sache, aber Angst vor Veränderung erzeugt nur Staub. Und uns kann man doch eh vertrauen, daß das alles smart wird. Alles supercool, sozusagen. Auch Teddypard bekräftigt meine Theorie, beweist das telefonisch anhand von Botanik und kündigt an, demnächst mal wieder ein paar Leute aufzuessen.

Ich gebe ihm noch rasch ein paar AfDler -Adressen für seine Speisekarte, dann muß ich mich auch auf den Weg machen, wir Monsters treffen uns am Veddeler Bahnhof. Rüdi und gute Monstersfreundin Alex sind schon vor Ort, Fred steht samt Bus bereit und Pensen und Börnski reffen auch just ein. Prompt kreisen die Gespräche um Dinge, von denen ich lieber nichts sage, es wäre zu kompromittierend, bzw. zu wenig kompromittierend, um unterhaltsam zu sein. Na gut, es geht um uns und die Welt und uns in der Welt, ums ganz genau zu sagen. Im Bus Setlistengedöns, aber erstmal ohne Ergebnis, weil diverse Monster nicht wissen, was sie für Lieder haben, außerdem läuft plötzlich „Thunder“ von den Dragons im Radio, den Song will Fred hören, um zu wissen, ob wir nicht auch als nächstes Monstersalbum was ähnliches machen können. Wir finden alle „JAAAA!“ und heuern schnell ein paar internationale Producer an, um künftig bloß ohne Gitarren und Texte auskommen zu können. Auch ein paar Sängerinnen buchen wir schnell, dann ist unser Konto erschöpft und wir haben nur noch Geld für vier Dosenbier übrig. Vielleicht hab' ich das auch nur geträumt. In Garbsen steigt Burger zu und auch das ist toll, denn wir sind bandmäßig am liebsten komplett, gerade zu Auftritten. Das hilft dem Gemeinschaftsgefühl. Ach, was ich ganz vergessen habe, im ganzen Popdiskursquatsch weiter oben: wir hören ja auch noch erste Demos vom Pack, die in den letzten Wochen anscheinend sehr fleißig waren. Da denkt man, man hat alles schon gehört, dann kommt wieder was um die Ecke, was einem die Ohren zum freudigen Wedeln bringt. So mutieren wir kurz zum Bus voller Dumbos und fliegen beschwingt über diverse Staus, bevor wir wieder landen, fairerweise auch in einem Stau, denn das gebietet das Gentlemans Agreement, was natürlich blanker Nonsense ist, aber irgendwie auch putzig, oder?

Also, Burger ist just an Bord gekrabbelt, jetzt wird’s doch Zeit, unser neues album nochmal zu hören. Wir schwelgen und singen mit, die sonne scheint aus dem Bus in die Welt, aber die ist abgelenkt durch Regen und Social Media, was wiederum insofern als Vorwurf bigott zu nennen ist, erscheinen doch diese Zeilen ebenfalls dort, um Euch zu unterhalten und auf uns aufmerksam zu machen. Aber es ist letztlich sehr harmlos bigott, drum darf das so bleiben, bis sich irgendwer beschwert.

Hoppla, da sind wir ja schon: Big Day Out, Anröchte! Schon frühzeitig sehen wir fidele Menschen zum Festivalgelände pilgern, allerdings auch, daß sich Wolkenbänke zu formieren beginnen, die den werten Campern Feuchtfrohsinn androhen. Aber Festivalpublikum ist hartgesotten, das läßt sich von ein paar Himmeltricks nicht vom Spaß abbringen.

Wir selbst landen problemlos auf dem Gelände, werden herzlichst empfangen und können auch alsbald Claudio in die Arme schließen, der heute auch für Alligatoah mischt und meistert. Ebenfalls alligatoahtroßmitglied: Trommelgott Onkel, der auch unser Album gottgleich eingegroovt hat, Gold trägt und Gold ist, was Know How und Menschlichkeitsstil betrifft. So schön, das alles, das Essen im Backstage derart lecker, daß man allein dadurch unter Konzertqualitätsdruck gerät, Da trinken wir doch gerne Kaffee, klönen und trotzen den Tropfen. Ja, es ist sehr privilegiert, so als Monsters, aber was sollen wir dagegen tun? Und warum auch? Es gibt nur wenige Dinge bis zum Auftritt zu tun, und die machen Laune, ein bißchen Basketball während eines netten Turnhalleninterviews, mit sympathischen Menschen sprechen, und so weiter.

Dann aber Auftritt: Bestens getränkemäßig versorgt von Julia und Leonie, sowie von Onkel, der supercheckermäßig eine Kiste Bier für uns zur Bühne geschmuggelt hat, betreten wir die Bühne und sind baß erstaunt. Der Platz ist voll! Total. Und die Menschen lächeln uns zu, haben Pappschilder mit anspornenden Sprüchen in den Händen und gehen von der ersten Sekunde an ab. Das treibt uns ebenfalls nach vorn und die erste Hälfte des Konzerts rasen wir durch unsere Songs, man nennt das wohl gemeinhin Symbiose. Dann nehmen wir uns etwas Zeit, um mit den Leuten zu quatschen. Mag sein, daß nicht nur rhetorische Glanzstücke unsee Münder verlassen, aber es macht einfach Laune, und schließlich will man einander auch besser kennenlernen. Dazwischen liebgewonnene Klassiker und neue Perlen, garniert mit Konfetti. So geht die Stunde ratzfatz rum, und ganz erhlich, wir hätten noch länger gekonnt. Vielen, vielen Dank, liebes Big Day Out, das war wunderschön mit Euch. Im Anschluß ans Konzert genießen wir die Supershow von Alligatoah, jeder von woanders, ich zum Beispiel bei zuviel Jägermeister, den Ulli freundlicherweise spendiert hat, im Publikum in echter Euphorie. Ach ja: Beim nächsten Mal spielen wir auch wieder „Frösche“, die Zeit hat leider nicht gereicht. Und „Vampyr“ übe ich, sobald ich wieder daheim bin.

Fazit: Big Day Out ist jede Reise wert, und wenn wir dürfen, kommen wir alsbald wieder. Ihr hoffentlich auch, ja? In diesem Sinne: A bientot, merci und Baiser!

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