Wutzrock, Hamburg
14. Jul. 2017

Tourtagebuch

Wutzrock, Hamburg

14. Jul. 2017

von Rüdi

Heute wird ein spannender Tag. Wir wollen tatsächlich ein kleines Video drehen, nichts mit Selfies und Handys, sondern mit fähigen Jungs, die sich Gedanken gemacht haben und ihren Job beherrschen und Kameras dabei haben, die nicht in die Hosentasche passen. Allerdings auch nichts aufwändiges und überkandideltes – es soll ja zu uns passen. Hamburger Flair einzufangen wäre schön, schließlich sind wir ja im großen und ganzen eine Hamburger Band, auch wenn der Arbeitsweg für mich eine Halbtagesreise ist, die ich heute in einem randvoll mit furchtbar lustigen Schlagerfans besetzten Zug verbringen muss. „Schlagermove“ heißt die Veranstaltung, die heute die Hamburger Innenstadt flutet und aus diesem Grunde fangen wir das berühmte Hamburger Flair doch lieber auf der Veddel ein. Treffpunkt 13 Uhr bei Totte. Denis von Odyssey ist aus Berlin angereist und hat Philip und Victor mitgebracht, die uns kurz ihren Plan vorstellen, wobei wir dankbar zur Kenntnis nehmen, dass es einen gibt. Wir müssen nichts tun, was uns irgendwie wesensfremd wäre, einfach ein bisschen durch die Gegend latschen – fertig. Das kriegen wir hin. Nichts leichter als das.

Drei Stunden später hängen wir ausgepumpt in den Seilen und fragen uns, wie das andere Kollegen machen, die in ihren Videos ja teilweise sogar auch noch tanzen oder andere sportliche und gut aussehende Dinge tun. Respekt. Für uns allerdings reicht Rumlatschen völlig aus. 

Anschließend gibt’s bei Totte zuhause Kaffee und Zigaretten  und wir drehen in seiner Küche noch ein paar Interviews für irgendwas, was drei Buchstaben hat, die ich mir nicht merken konnte, was aber wichtig ist für irgendwas, wovon ich nichts verstehe. Macht aber alles viel Spaß, was zu einem guten Teil an der sehr relaxten und sympathischen Art liegt, die Denis und die beiden Kameraleute Philip und Victor an den Tag legen.

Urs kommt auch dazu, hat den Sprinter dabei, den wir vor allem morgen brauchen werden und mit dem wir am frühen Abend auf das Wutzrock-Gelände fahren, wo wir am späten Abend aufspielen werden. Die Kameracrew ist wieder mit dabei, um noch ein paar ergänzende Bilder einzusammeln, bevor sie dann gegen Ende unseres Konzertes zurück nach Berlin düsen werden. An dieser Stelle schon mal vorab vielen Dank für diesen großartigen Tag und die tolle Arbeit.

Wir essen, klönschnacken mit der Festivalcrew, hören uns Kollegen an (sehr stark: The Hirsch Effekt! ) und lassen uns einregnen bis wir um 22.30 nach einem kurzem Linecheck mit unserem eigenen Konzert zu Werke schreiten.

Es ist recht voll geworden. Einige tausend Leute haben sich auf dem Gelände zusammengefunden, was uns für die Organisatoren freut, die dieses sympathische Umsonst-Festival seit Jahren betreiben, das sich nur über den Getränke- und Essensverkauf finanziert und das sich zudem gegen Faschismus und Sexismus engagiert. Wir waren vor Jahren schon mal hier und freuen uns, wieder eingeladen zu sein.

Wir sind hoch motiviert, haben seit langem kein Open Air-Konzert mehr gespielt und werden auch von Seiten des Publikums vorfreudig empfangen.

Und doch kommen wir ein bisschen holprig rein ins Geschehen. Die erste Rutsche ist von technischen Problemen durchdrungen, bei Pensen reißt die Saite, da komme ich mit meiner Gitarre zu Hilfe geflitzt, die ich ihm stolz zum fliegenden Wechsel anbiete. Er nimmt sie gerne an, hat jetzt aber eine Gitarre in der Hand, die erstens noch ein Kapodaster drauf hat und zweitens nicht angeschlossen ist. Dann kommt Burgers Klampfe. Die allerdings ist ausgeschaltet. Also macht Pensen ein A-Capella draus. Ist lustig und auch ein bisschen typisch für uns, wirkt aber auf den unbedarften Monsters-Neuling nach der virtuosen Band vor uns möglicherweise ein wenig verstörend. Die folgenden drei Minuten verbringe ich übrigens damit, die Bühne nach meinem Kapodaster abzusuchen, das irgendeiner abgemacht hat und irgendwo hingetan hat, während die anderen ein Lied mit eigentlich sechssätzigen Chor singen. Die ganze Sache gipfelt darin, dass ich bei „Scheiss CD“ in der dritten Zeile der zweiten Strophe einen Konsonanten verschlucke und gleichzeitig mit dem kleinen Finger die E-Saite unsauber spiele. Ein Faux-Pas, den wir am Ende des Auftritts wieder gut machen werden, indem wir das Lied wiederholen. So viel zu mir, aber ein ähnliches Lied aus den ersten zehn Minuten kann sicher jeder von uns über sich singen.

Dann aber dreht sich alles zurück zum Guten und unser erstes Open Air des Jahres wird doch noch zu einem gelungenen Spaß. Nach einem 20 minütigem Zugabenblock beenden wir das Konzert zusammen mit dem Publikum in einem gigantischen Chor und alles ist gut.

 

Wir freuen uns auf den Sommer.

 

Vielen Herzlichen Dank an die Crew des Wutzrock. Das ist ein sehr schönes Festival, das Ihr da aus dem Boden gestampft habt und wir hoffen, wieder einmal eingeladen zu werden. An alle Köche, Securities, Ordner, Techniker, Bühnenarbeiter, Hilfen und Organisatoren: Unser Kompliment!

 

Und Danke auch an die Berlin Fraktion. Es war uns ein Fest!

 

 

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