Rocco del Schlacko, Püttlingen
12. Aug. 2017

Tourtagebuch

Rocco del Schlacko, Püttlingen

12. Aug. 2017

von Rüdi

Regen, Regen, Regen. Die Welt versinkt im Matsch. Gestern haben wir zum Teil als Einzelkünstler auf dem Open Flair gespielt, wo wir uns mal wieder als Fans gegenseitig zuhören konnten, ein lustiges Erlebnis, das wir seit 14 Jahren nicht mehr hatten. Ein toller Abend – Open Flair halt – aber eben auch Regen, Regen, Regen. Zeitgleich säuft ein paar Hundert Kilometer weiter entfernt die Ponyhofbühne beim Rocco del Schlacko ab, wo wir tags drauf, also heute, den Samstag einläuten sollen. Das wissen wir aber natürlich nicht und dank der fleißigen Helfer und schwerem Gerät wird auch alles gut, aber der Regen macht langsam allen zu schaffen. Totte hat die letzten zwei Nächte im Zelt – äh Matsch – geschlafen und sieht aus wie ein feuchtes Wollknäuel und ich habe zwar im Hotel genächtigt, allerdings den Vorteil dadurch ausgeglichen, dass ich nur Schlappen dabei habe und mein Cappy als einzigen Regenschutz. Ist doch Sommer, dachte ich.

Fred kam extra aus Hamburg angefahren, um uns abzuholen und so sitzen wir seit den frühen Morgenstunden im Sprinter und gurken Richtung Rocco del Schlacko in die nächste Matschepatsche.

Alles ganz schön knapp und sogar knapper als wir denken, denn unser Auftritt ist nicht nur früh, sondern sogar eine halbe Stunde früher als wir dachten. Dazu kommt eine Feuerwehrübung, die uns den Weg versperrt, was allerdings erstens gut und richtig ist und zweitens Börnski zu uns führt, der lustigerweise mit seiner Familie im Auto direkt hinter uns im Stau steht.

Hektisches Ankommen. Umladen. Umparken. Noch mal Umparken. Shuttle zur Ponyhofbühne.

Soundcheck mit Claudio, der zwar eigentlich mit Alligatoah unterwegs ist, aber uns seit gestern nach Kräften zur Seite steht. Dazu Monitormann Jannik und Bühnenchef Holger. Und staunen über die Verhältnisse. Matsch, so weit das Auge sieht. Doch genug von der Orga, kommen wir nun zur Orgie.

Sicherlich ein paar tausend Leute haben sich eingefunden, um mit uns eine Show der Superlative zu feiern, wobei sich das Publikum heute ganz klar für die Superlative zuständig fühlt. Wir sehen nie gesehene Dinge: Einen Surfer, der auf einem Surfer surft, eine Menschenpyramide und sogar einen Viererturm (!!!!)! Und hat etwa schon mal jemand Batman eine Zwergenchoreographie tanzen sehen? Ich nicht. Wir bewundern den Straßenschwimmer von Püttlingen und unzählige Surfer, die alle liebevoll von der Security über das Geländer gehievt werden. Es ist so viel zu bestaunen, dass ich gar nicht so genau weiß, was wir eigentlich tun, aber wir tun es offensichtlich zur Freude dieses ausgeschlafenen Völkchens, das sich sogar für uns frühmittags in den Matsch setzt, als könnte es hinterher noch Klamotten wechseln. Unfassbar, das alles! Nach 100 Minuten verlassen wir ziemlich geflasht die Bühne und unser Applaus fürs Publikum kommt von ganzen Herzen. Das war wirklich beeindruckend! Ihr seid toll! Danke!

 

Überhaupt laufen hier viele Supertypen rum. Im Cateringbereich treffen wir gleich den nächsten.

Ich weiß seinen Namen leider nicht, aber unter Kollegen ist er eine Legende. Irgendjemand nannte ihn Samson und so heißt er zwar nicht, aber es gefällt mir so gut, dass ich ihn hier auch so nennen möchte. Samson kann Rücken einknacksen. Ich kenne ihn vom letzten Mal und lege mich sofort zu ihm auf die Bank. Dann macht es ein paarmal Knall und ich bin geheilt. Juppheidi – morgen kauf ich mir ne Hüpfburg!

Danach wollen alle anderen auch und kommen saltoschlagend aus der Praxis.

Sensationell. Essen auch sensationell. Totte vergreift sich vor lauter Freude bei der Spaghettisoße und isst aus Versehen Fleisch. Er ist aber total begeistert, wie man so eine leckere vegane Soße hinbekommen kann und nimmt die später eintretende Magenrevolte genauso in Kauf wie die hämischen Spöttereien selbstgefälliger Carnivoren.

Alte Bekannte und Freunde gesellen sich zu uns oder wir gesellen uns zu ihnen, Chris von Sondaschule ist als Festivalbesucher hier, Onkel als Schlagzeuger von Alligatoah, aber die meisten kenne ich nur so vom Sehen und weiß auch nicht genau, wer das ist.

Nach dem Essen gehen wir alle zu „Großstadgeflüster“, wo wir eine Stunde lang unsere neuen Rücken ausprobieren. Danach ein bisschen Plauderei im Backstage. Wir lernen Oli alias Jonny Bockmist und Mikro von „Die abstürzenden Brieftauben“ kennen, die nach uns die Bühne bepunkt haben und sitzen mit Kollegen und Familien zusammen und alles ist so saugemütlich hier im Regen, dass Fred die Abfahrt um eine Stunde nach hinten verschiebt, obwohl er von der ganzen Fahrerei ziemlich im Eimer ist. Aber es ist doch so schön!

Und als es dann wirklich los gehen soll zum Hotel, finde ich es einfach zu schön und beschließe, mit Familie Labinski noch das „Alligatoah“ Konzert anzugucken und dann sehen wir mal, wie man mich noch in die überfüllte Urlaubskutsche gestopft kriegt.

 

 

 

 

 

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