Trebur Open Air, Trebur
29. Jul. 2017

Tourtagebuch

Trebur Open Air, Trebur

29. Jul. 2017

von Rüdi

Der Tag

 

Das Trebur Open Air ist eine überaus liebenswerte Veranstaltung. Nicht allzu groß, aber ein tolles Line Up und das schon seit vielen Jahren. In diesem Jahr wird der 25. Geburtstag gefeiert und wir sind wieder einmal mit eingeladen. Burger allerdings kann aus familiären Gründen leider nicht dabei sein und auch Urs und Claudio sind heute anderweitig vergeben, so daß wir tatsächlich mit fünf Mann komplett sind. Wir können uns nicht erinnern, jemals in so kleiner Zahl unterwegs gewesen zu sein. Irgendwann Sylvester in Braunschweig, meint Fred – jedenfalls ein ungewohntes Gefühl. Wir sitzen im Backstage und schwelgen in Erinnerung. Hier hab ich zum Beispiel seinerzeit bei einem „Großstadtgeflüster“ – Konzert meine Pogoentjungferung erlebt, nur eines von vielen Beispielen nostalgischer Gedankenwanderung. Es ist drückend heiß und schwül und die Kollegen waren schon im anliegenden Freibad schwimmen, aber die Abhilfe ist nur von kurzer Dauer. Irgendwie so wenig in die Sonne wie möglich ist die Devise des Tages. Und ab und zu ein Radler.

Vor uns spielen „The other animals“, eine australische Psychodelic-Band, mit der wir hinterher noch in unserem Zelt zusammen rumhängen und der man mit Begriffen wie „oberaffentittengeil“ viel Freude machen kann.

Und während die „Killerpilze“ auf der gegenüberliegenden Bühne spielen, verrichten wir unter der humorvollen und kompetenten Anleitung von den beiden Tontechnikern Ulf und Benni einen ausgesprochen lässigen und zügigen Soundcheck, sodass wir hinterher sogar noch Zeit für ein kleines Interview haben.

Hier ist vielleicht der richtige Zeitpunkt, um mal wieder ein Wort des Dankes an die ausgesprochen hilfsbereite und engagierte Festivalcrew zu richten, egal an welcher Stelle sie arbeiten und ob sie nun Benni, Ulf, Koala, Joest oder Stefan heißen – hier arbeiten nur entspannte Supertypen. Es ist das pure Vergnügen!

 

Der Auftritt

 

Unser Auftritt beginnt um 18.55 Uhr und dauert 75 beschwingte Minuten. Und er ist wirklich sehr sehr witzig. Ich kann mich an kein Konzert erinnern, an dem ich so viel Fußball gespielt hätte. Und ich kann mich an kein Konzert erinnern, an dem gleich zwei neue Superhits entstanden sind. Sie heißen „Da ist ein Ball!“ und „Wo ist der Ball?“. Und außerdem kann ich mich an kein Konzert erinnern, an dem sich die Security so unermüdlich nach immer mehr und immer größer werdenden Bällen bückt, nur um das Spielchen am laufen zu lassen. Zwischendurch müssen natürlich auch noch Crowdsurfer aus der Menge gepult und vorsichtig und liebevoll im Graben abgesetzt werden. Und alles grundsätzlich mit einem Lächeln im Gesicht. Herrlich. Ich will, dass das Leben, die Welt und der Sinn von allem ein Festival ist.

Dazwischen gibt es einen Spanischkurs, reichlich Bewegungstherapie, Circlepit, Konfettiregen, Bierverkostung und – ach ja, Musik.

 

Die Nacht

 

Das war schön! Mit diesem Gedanken reiten wir irgendwann am nicht allzu späten Abend beseelten Herzens vom Hof. Die Hitze hat uns durchgekocht, die Anreise war lang und anstrengend, der Schlaf kam gestern zu kurz und weitere Getränke würden uns auch nicht mehr weiterbringen. Außerdem geht es morgen in aller Frühe wieder auf die Straße. Unser Hotel ist in Rüsselsheim, stellt bequemste Betten bereit, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Einen Biergarten direkt vor der Eingangstür.....

 

Im Laufe der Biergartenparty lernen wir zwei amerikanische Soldaten kennen, die sich auf einen nächtlichen Clubbesuch vorbereiten. Clubbesuch? Das ist doch was für Börnski und Rüdi. Und tatsächlich steigen wir gegen eins mit den beiden in ein Taxi und landen in einem Club namens „Wintergarten“ und hier wird es echt skurill. Ich tippe auf rund 400 Gäste. Alle extrem schick und gepflegt und gut aussehend und Börnski und ich sind ausnahmslos die einzigen beiden weißen Männer. Wir kapieren nicht so ganz genau, wo wir hier sind, aber es ist toll und auch wenn wir hier schon allein unserer Kleidung wegen wie Fremdkörper wirken und auch sonst durchaus auffallen, behandeln uns alle äußerst respektvoll und höflich. Auf zwei Dancefloors wird ausnahmslos schwarze Musik gespielt und weil Mitmachen immer die beste Integrationsmethode ist, gehe ich erstmal auf die Tanzfläche, um eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen. Hoppla, jetzt komm ich! Und wie ich so begeistert vor mich hin steppe, springt plötzlich der gesamte Ballroom in die Luft, dreht sich und steht mir gegenüber. Scheisse!!!! Ich bin mitten in einem Formationstanz gelandet. Wie in einer Slapstickkomödie. Ich versuche, möglichst unauffällig aus dieser peinlichen Situation herauszukommen, was allerdings in meinem Fall schwierig ist, weil siehe oben.

Allerdings sind hier alle viel zu entspannt und mit besserem beschäftigt, als dass solche Szenen zu einer Szene werden könnten. Ich glaube sogar, dass wir gemocht werden, weil wir so dabei sind und dass man sich auf dem Tanzboden von Börnski und mir noch was abgucken kann, das ist ja wohl eh klar.

 

Ich glaube, es ist sechs, als wir im Hotel ankommen. In zwei Stunden ist Abfahrt. Oh, mein Gott. War das geil!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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