Kultur auf den Halligen, Hallig Langeness
14. Jun. 2019

Tourtagebuch

Kultur auf den Halligen, Hallig Langeness

14. Jun. 2019

von der flotte Kapitän

Normalerweise ist das Problem bei den Tourberichten, dass sich die Tagesabläufe stets so ähneln, dass man kaum noch neue Details beschreiben kann. Heute ist aber alles anders, denn wir fahren auf die Hallig Langeness. Punkt 12 Uhr treffen wir uns an sonnigem Tage beim Monsterslager, und auch hier eine Premiere: Wir sind schon komplett. Wir sechs beim Lager zur Abfahrt ist – soweit wir uns erinnern - noch nie vorgekommen, seit 16 Jahren nicht. Aber Rüdi hat mich berseits gestern besucht und auch Burger war in Sachen Photokarriere schon gestern in Hamburg. Die Stimmung ist gut und es gibt Bier und Wassermelone. Wer leider noch fehlt, ist Claudio, der noch in den Verspätungstentakeln des mighty Bahnkraken festhängt. Wir düsen zum HBF und kreiseln über den Parkplatz, bis wir den großen Tonmann einsammeln können, der gleich zu CL-Photo mutiert und fortan dufte Bilder unserer Ein Tagesreise schießt. Ansonsten drehen sich die Gespräche im Bus hauptsächlich um geniale Drummer und Alligatoah bei Rock am/Rock im und meistens beide Themen in Verbindung miteinander.

Wir kommen beim Hafen an und werden auf zweierlei Art begrüßt: 1. Unsere Spezialfähre strahlt auf einer Leuchttafeln. 2. Der Himmel zieht sich binnen Sekunden zu, die Temperatur kühlt um gefühlte zehn Grad ab und es gießt plötzlich aus vollen Rohren. Wir fahren zur Mole vor und diskutieren, ob Nordlichter jetzt rausgehen oder im trockenheitshalber im Bus warten. Rüdi findet als einziger, dass ersteres gilt und geht raus, aber er ist ja eigentlich ein Südgewächs, Und ich als Rheinländer halte mich da eh raus.

Veranstalter Malte und sein „Kulturaufdenhalligen.com“-Team kommt an und eine freudig nordische Begrüßung folgt. Prompt stoppt der Regen und die Wolken verziehen sich langsam und kommen auch den ganzen Resttag nimmermehr zurück. In strahlender Sonne packen wir uns und unsere Klampfen auf die MS Seeadler, begrüßen Team und unsere Gäste, die heute mit uns zusammen zum Konzert schippern werden und erwähnen auch besonders gern das Trio „Die Andersons“, die heute auf dem Schiff ein Livekonzert der Extraklasse abliefern werden. Auf zwei Ebenen erhöht sich gleich der Partymodus. Auf dem oberen Deck rocken die Andersons und schrauben den Mitsingpegel in höchste Lüfte, auf dem hinteren kleineren Deck finden prächtige Smalltalks statt, und wir lernen viele der Konzertbesucher kennen. In allen Altersgruppen aus allen Regionen und allesamt sehr gut drauf und mui sympathico, was wahrscheinlich gar nix heißt, aber „sehr sympathisch“ in irgendeiner cooleren Sprache heißen sollte.Von Regensburg bis gleich bei Niebüll um die Ecke, der Seeadler verbindet. Getrunken wird auf allen Decks und wir sehen viele Robben, die sich auf Sandbänken aalen und manchmal frech blinzelnd hinter uns her schwimmen. Mein Herz geht auf.

Da heute Niedrigwasser ist, dauert die Fahrt allerdings etwas länger und wir geraten etwas unter Zeitdruck. Kaum angedockt an Langeness, werden wir und Gitarren auf einen Treckeranhänger geladen und zur Warf Hilligenley getuckert, wo alles schon für den Soundcheck vorbereitet ist. Im Backstage tolle Schnittchen und viele Drinks, bei Gasthof selbst Grill und Büffet. Ach,und auch meine Eltern, die echte Langeneßconnaisseure sind und gerade eine Woche hier verbringen. Dass macht mich natürlich etwas nervöser, denn man wird ja sofort wieder emotional vom lässigen Rockstar zum pubertierenden Sohn, aber dagegen hilft ein Soundcheck mit Superclaudio sowie ein Sekt zum Konzertstart.

Bis dahin haben wir sogar noch kurz Zeit, um auf dem Deich den Wahnsinnsausblick auf den strahlenden Himmel über funkelndem Meer zu genießen und uns der Täuschung hinzugeben, die Welt wäre in Ordnung.

Dann aber Showtime: Um neun Uhr werden wir von Malte anmoderiert, worauf unser Intro starten sollte, was es aber leider aus bis jetzt ungeklärte Gründen nicht tut.Also egal und ab auf die Bühne und dieser Start wird auch unser Konzert bestimmen. Es wird sehr launig und mit vielen spontanen Ausfällen in alle Richtungen. Dialoge mit dem Publikum, seltsame Ausführungen über Showeffekte, Blindanzählungen für Sichtsoli, plötzliche Medleys von Schlagern und vor allem viel Mitklatschen und Singen. Das Publikum ist super, aber natürlich auch etwas vom langen Tag geschafft, dafür aber herzlich lachen, freudig prostend und kratzt doch immer wieder Restenergien für saftigen Pogo oder „Happy Birthday“-Gesänge für Hannah zusammen. Kommt, trinkt mit uns und schunkelt zur Laterne. Da das Meer für Musik auch keine Extrawürste brät, muss sich die Fähre allerdings an eine strikte Abfahrtszeit halten, sonst würden alle Reisenden feststecken. Darum haben wir auf eine Pause verzichtet und dennoch viel zu viele Lieder in die Setliste gepackt. Wir merken, dass wir nicht fertig werden, bevor Abfahrt ist, drum entscheiden wir spontan,unser Publikum mit Gitarren zur MS Seeadler zu begleiten und das wird ein magischer Weg. 4 Meter, Marzipan, Ruhe und Gemütlichkeit, Gute Nacht Freunde, Über den Wolken und noch einige Lieder mehr schallen über die Hallig, die Sonne ist fast untergegangen, aber ein Restleuchten ist noch da, während schließlich das Schiff nach vielen Umarmungen ablegt und wir uns alle euphorisch gerührt ein letztes Mal zuwinken. Da unser Claudio mitgefahren ist, hörten wir, dass die Rückfahrt ebenfallssehr schön war, wir indes gehen in nun fast gespentischer Stille zur Hilligenley zurück, wo wir noch eine ganze Weile mit meinen Eltern, Freundin Else samt Freunden und einigen LangenesserInnen und Gästen Rotwein aus Bierhumpen genießen, reden und schlußendlich doch wieder auf das mondbeschienene Meer blicken. Rüdi zupft sanfte Töne und das Wasser spielt Jazzrhythmen dazu. Das war ein Erlebnis und wir danken allen, allen, die mitgemacht haben. Unserem Publikum, der Seeadlercrew und dem gesamten Kulturaufdenhalligen-Team. Der Hallig sowieso.

Was für ein Tag. Wasser marsch.

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