Tourtagebuch

Ruhrpott Rodeo, Hünxe

06. Jul. 2019

von Totte

Graues Hamburg, strahlst Du düster. Immer kurz vorm Regenguss. Ich bin seit vier Uhr wach und auf dem Weg zum Monsterslager, wo wir uns heute früh um sieben Uhr treffen. Burger, Börnski, Fred et moi, leider heute kein Pensen, manchmal hängen eben Termine quer und es ist nix dran zu drehen, egal wie stark man es zu vermeiden versucht. Rüdi ist schon gestern zum Ruhrpott Rodeo gereist, um zu Blümchen und Sondaschule zu rocken, und versorgt uns mit bildlichen Eindrücken.

Die Fahrt verläuft extrem entspannt und unspektakulär, thematisch drehen sich die Gespräche weiter um Klima, Klima und Familie, kein Stau hält uns auf und der Himmel klart sich mit jedem Kilometer. Bei Bottrop ists dann spätestens Zeit für kurze Hosen. Einfahrt Ruhrpott Rodeo, hier liegt noch jeder gefühlt im Wachkoma von der gestrigen Sause und alles läuft etwas wie unter Zeitlupe. Thomas Mann ist unser freundlicher Stagemanager und das ist doch mal ein Name. Trotzdem verkneif ich mir irgendwelche Zauberberggags, und begrüße statt dessen lieber die gute restliche Rodeostagecrew und Werner, der heute extra für unseren Supersound anreist, bevor er gleich wieder nach Braunschweig weiterdüsen muss. Wir kümmern uns um Klang und Bierbänke, das Bier organisiert überraschend Kumpel Norman. Merci. Ach ja, apropos Freunde: Patte ist da, und die Sondaschule und Montreal schlagen auch auf,um unserem Bühnenzauber zu lauschen. Das lässt Freude aufkommen.

14 Uhr, es geht los. Der Platz ist wunderbar voll mit klasse Feierwüterichen, Die Sonne scheint und der Mitmachpegel ist brachial. Wir sind in Spiel- aber auch in Quassellaune, und das ist eine gute Mischung heute. Krokodile, Pinguine und Flamingos pogen mit, crowdsurfen und sogar ein spontaner Pogostop funktioniert bravourös. Es ist ein absolutes Fest. Sehr interaktiv und liebevoll.

Durch unser Gequatsche drängt leider etwas die Zeit und wir müssen auf die Songs Jägermeister und Laterne verzichten, aber wir schwören, wir holen das baldmöglichst nach. Und zwar in kompletter Besetzung.

Nach dem Konzert laufen wir wild durchs Gelände, ich treffe und verliere wieder viele gute Leute, zum Beispiel Wolly und Seb, und die Zeit bis zur Abfahrt verfliegt mir zu schnell. Ich entscheide, es Rüdi und Patte gleichzutun, und einfach da zu bleiben. Verabschiedung von Fred, Börnski und Burger und auf geht’s zur nächsten Feier. Aufs Campinggelände darf ich ohne einen besonderen Ausweis leider nicht, aber die Bühnen und der Backstage bieten ja genug Abwechslung. Zwischen viel Pizza und Bier zerkrümeln die Stunden, plötzlich Regen, das ist blöd, es wird rasch kühl, aber Wärme bieten die Sondaschule, das Konzert von Montreal ist dufte, die Kassierer sind weiterhin anbetungswürdig, aber ansonsten fast bis zu Schnöseligkeit reserviert, ich treffe Alex, den Chef des ganzen und Olli von der Band ohne Anspruch und Jörg vom Opern Flair und benehme mich wahrscheinlich wieder ziemlich zoologisch. So ist das mit der Euphorie. Nach den Lokalmatadoren, Hammerhead und Me first and the Gimme Gimmies verlassen mich aber endgültig die Kräfte, ich habe blöderweise auch einen ganzen Haufen toller Leute zu erwähnen vergessen, denen ich das versprochen hatte (Pardon vielmals), aber ich bin voll und gleichzeitig leer, mir ist kalt und ich bin müde. Patte und Rüdi geht’s ähnlich, und wir fahren im Shuttlebus gemeinsam nach Duisburg. Bei einem letzten Döner entzündet sich durch meine Schuld ein etwas blödes Gespräch, das die Stimmung etwas verdunkelt, man könnte es als verbalen Bauchklatscher bezeichnen, ärgerlich und etwas schade, aber auch ein wenig der globalen Grundstimmung geschuldet. Aber ich muss mich sowieso verabschieden, denn mein Zug kommt alsbald. Jedenfalls, bevor er sich doch entscheidet, eine Stunde Verspätung einzuschieben. Also esse ich nochmal Pommes am Bahnhof, diesmal allein und lasse den Abend anschließend nochmal Revue passieren. Ob's schlau war, geblieben zu sein? Man weiß es nicht. Aber Schlauheit ist nicht alles. Und es gab viele dufte Momente heute. Das Ruhrpott Rodeo ist jedenfalls jede Reise wert. Liebe Leute, ich danke von Herzen. Allen, die da mitmachen, organisieren und feiern, den tollen Bands und guten Freunden. Auf hoffentlich bald mal wieder! Oh, der Zoch kütt! Gutnacht!