Tourtagebuch

Reload Festival, Sulingen

24. Aug. 2019

von Totte

4:00 Uhr früh, der Wecker klingelt. „Schnauze!“ ruf ich, und „Fick dich!“ Dann entschuldige ich mich, denn so cholerisch ich bin, so höflich bin ich nun mal auch. Und letztlich kann ja der Wecker nix dafür, dass ich ihn auf vier Uhr gestellt hab. Dass da ausgerechnet Chers „Believe“ aud dem eingestellten Rqdiosender läuft, ist allerdings schon hart. Welcher Mensch erträgt das denn um vier Uhr morgens? Andererseits: wer erträgt das zu irgendeiner Uhrzeit? Egal, hilft alles nichts, ich muß duschen, Zähneputzen und los. Wir spielen heute auf dem Reload Festival in Sulingen, im Zelt um zehn Uhr morgens. Frühschoppenrock. Zehn Uhr morgens? Ich glaube, so früh haben wir noch nie aufgespielt, und wir sind inzwischens nun wirklich Frühspielprofis. Via Whatsapp posten wir uns gegenseitig Morgenmuffelbilder, dann lauf ich los, über Btücken und Pfade eine gute Stunde bis zum Monsterslager. Toller Sonnenaufgang hier. Ich hole mir noch eien Kaffee, da biegt auch schon der Bus ein. Urs und Börnski sind an Bord, Fred sacken wir später ein, Pensen und Burger komen separat angereist. Rüdi ist schon seit gestern da, er hat in unserer Backstagegaredrobe geschlafen und alle Bändchen, Ausweise und Essensmarken organisiert. Nur Schlaf gabs wohl wenig, denn die Sache mit Musik ist: Sie ist selten still.

Die Fahrt an sich ist sehr unspektakulär, ein Toilettengang das größte Abenteuer, drum lieber flugs zur Ankunft, Monstersbegrüßung, Soundcheck. Das Zelt ist sehr groß, ganz hinten frühstückt die Crew des Reloads, es duftet nach Rührei, und wir bauen Tische auf die Bühne, um etwas höher sitzen zu können. Weniger wegen Profilneuros, sondern hauptsächlich, um später fürs Publikum sichtbar zu sein. Das hilft oft. Die ersten Leute sind bereits beim Soundcheck da und schon in Feierlaune, und wir fragen uns, woher die alle ire energie nehmen? Es ist morgens halb zehn in Deutschland und wir knoppern uns einen ab. Jetzt schon schön. Börnski und ich holen einen Kasten Bier, singen tralala und prosten allen zu. Das zelt füllt sich rasant. Was ist denn jetzt los? Viertel vor zehn, und Heavy Metal People sind voll im Modus. Genial. Schnelles einmonstern, dann endlich wieder auf die Bühne. Zum letzten Mal in dieser Festivalsaison. Und es wird groß. Eine unglaubliche Stimmung direkt vom ersten Sog an, die Menschen sind wach, voll da und voller elan. Das spornt auch uns natürlich an, und wir schmettern unsere Lieder voller Inbrunst ins Zelt. Es wird gesungen, getanzt, erste Circle Pits entstehen, es wird im sitzen gepogt und im Stehen mitgeklatscht, es macht eine Höllenlaune. Vor Begeisterung verdrehen wir Songs in der Reihenfolge, packen spontan noch ein Lied drauf, schenken Bier aus und hüpfen auf den Biertischen. Absolut großartig. Die leute lachen und lächeln und sind mit uns, und in absoluter Harmonie springen wir nach dem letzten Song von der Bühne, verkaufen Merchandise direkt aus dem Graben und stoßen mit lieben Leuten an. Toller Festivalabschluß.

Um 13 Uhr haben wir noch eine Signierviertelstunde am EMP-Stand, wo sich auch wieder tolle Menschen einfinden, eher zum Smalltalk, als für Unterschriften, aber das passt uns gut ins Konzept. Autogrammstunden sind doch eher was für Stars, nicht für Monsters, die ja sowieso überall greifbar sind.

Im Backstagebereich gebe ich noch ein launiges Interview zum Thema „Wie rede ich möglichst silbenreich möglichst inhaltsfrei.“ und begrüße Sebi von Massendefekt, wobei ich blöderweiswe verpasse, mit ihm anzustoßen, weil wir schon bald wieder losfahren müssen. Aber das holen wir nach, versprochen. Der Bus rollt schon beinahe, Rüdi und ich sprinen auf, bis zum nächsten Bahnhof, von wo wir zwei dann ins Sauerland fahren. Eine unglaublich spannende Odyssee wird das, aber da das nichts mehr mit den Monsters zu tun hat, schweige ich nun darüber und verweise stattdessen nochmal aufs Reload-Festival. Voller Dank und Wärme. Ihr wart derbe! Arigato und auf bald!