Eselsrock, Wesel
01. Jun. 2019

Tourtagebuch

Eselsrock, Wesel

01. Jun. 2019

von Totte

Na sowas, wie die Zeit verfliegt: Heute vor einem Monat schlossen wir unsere Clubtour standesgemäß im LOGO ab, mit Kater und allem Drum und Dran. Und heute startet unsere Monsters-Festivalsaison. Ich freu mich glatt drauf, obschon ich bereits solo ein paar Festivals abklappern durfte und somit bereits im Modus bin. Aber zu sechst ists immer noch was anderes. Zunächst hab ich aber was zu tun, nämlich ein neues Gitarrenkabel zu kaufen. Vor exakt einem Monat nämlich habe ich mir von Pensen eins geliehen. „Nur fürs Wochenende“, versteht sich. Jetzt braucht er es wieder und ich laufe in die Stadt, zum Musikladen auf der Reeperbahn, denn mit Kabeln kennt sich die Reeperbahn gut aus. Den Hafen lang, durch den alten Elbtunnel, heute ist Samstag und bereits ne Menge los. Die Sonne scheint, ich schwitze wie Terence Hill in den besten Western und fühl' mich enorm sportlich. Allerdings nur bis zur ersten Glasfront, in der ich mein Konterfei bewundern darf. Form, Funktion und Fiktion. Die drei F's, die das Dasein bestimmen. Wir treffen uns am onsterslager, allerdings zunächst nur Fred, Pensen, Börnski et moi, Burger sacken wir unterwegs ein und Rüdi und Werner kommen direkt nach Wesel. Apropos: Ich dachte ja, Wesel sei bei Hamburg um die Ecke. Das stellt mich zwar als geographische Null raus, aber ich nehme an, es hat schlicht damit zu tun, dass ich den alten Reim „Wesel“ „Esel“ mit den Bremer Stadtmusikanten assoziiert habe und hoffe, dass das als Entschuldigung reicht. Denn Wesel wird sich als sehr schön und besuchenswert rausstellen. Später, denn zunächst sitzen wir erstmal einige Stunden im Bus, Fred mit Kaffee und Käsebrötchen, der Rest mit Bifi oder Bier. Wir umfahren blöde Staus, landen in alternatien Staus und unsere Gespräche kreisen um Festivals, Konzerte und die aktuellen Privatsituationen. Zwischendurch gibt es Auszüge des Frische Mische LOGO-Konzerts, ziemlich nice Geschichte. Burger steigt in Garbsen zu und etwa zweineinhalb Stunden später ankern wir beim Eselrock-Festival, wo wir liebevoll empfangen werden und uns gleich ausgehungert über das formidable Buffet hermachen. Meine Gier treibt mich zusätzlich noch zur Würstchenbude, mir giert nach einer Veggiecurry. „Ohne Pommes?“ „Ja ohne“. „Drei Euro.“ „Dann doch mit.“ Gabeltalk am Nachmittag. Die Heideroosjes rocken und Rüdi hebt das Tanzbein gekonnt. Patte ist auch da, das freut uns natürlich. Werner erzählt vom tollen Hotel und ich nehme mir gleich vor, morgen früh dort zu schwimmen, was – Spoileralam!- nix wird, aber der Begriff Kristallschwalldusche“, der im hoteleigenen Werbeheft steht, könnte von Max Goldt himself erfunden worden sein. Zauberhaft.

Unser Bus ist plötzlich entladen, weil soviele HelferInnen spontan Bock drauf hatten, da können wir uns nur verneigen und den Kram auf die Bühne packen, wo uns Bollo den Monitorsound zaubert. Die Kulisse ist beeindruckend und die Sonne strahlt freudvoll. Vorm Konzert gibt es eine Verlosung, die ich aber nicht begreife, ich glaube sogar, dass man nichtmal gewinnen konnte, aber vielleicht sind meine Gewinnspielkenntnisse ähnlich desaströs wie wie meine Geographiekenntnisse.

Das Konzert startet. Heute ohne Intro und auch etwas ohne Plan. Die Setliste stellt sich als semioptimal raus, denn die Verteilung neuer und alter Lieder passt noch nicht so ganz. Ein bekanntes Phänomen, wenn wir kurz vorher Aufnahmetouren gefahren sind, denn dann haben wir zum einen immer sehr viele neue Lieder, und zum anderen kommen die uns aber nicht mehr neu vor, weil wir sie ja gerade auf Tour dauernd gespielt haben. Vor feierndem Festivalpublikum wirkt das dann aber ganz anders als in Clubs vor Menschen, die ausschließlich unseretwegen da sitzen. Auch der Monitorsound macht ein paar Problemchen, die Gitarren hupen plötzlich rum, so dass die ersten Ansagen etwas diffus abgehackt wirken dürften, weil wir gleichzeitig gestikulierend mit Bollo kommunizieren. Aber der Checker kriegts in den Griff und dann gewinnt auch das Konzert an Drive. Wir sehen viele Hände, die mitklatschen und der Platz ist sozusagen gerammelt voll. Toller Anblick, beeindruckend. Es wird nachher bemängelt, dass wir weiter hinten leiser als die Enten waren, die im See quakten, aber das hat sicher mit den Schallschutzverordnungen zu tun, und scheint nicht allzusehr zu stören, denn wir rocken prostend und prustend und sehen diverse Circle Pits, was unsere Herzen wärmt. Das Konzert ist viel zu schnell vorbei, wir verkaufen noch CDS und unsere neuen Festivalshirts, unterhalten uns mit lieben Menschen, dann folgt das übliche Procedere: Essen, essen, essen. Dann etwas Bosse anhören, der mit Megaschlagzeugpodest und sommerlichen Klängen Wesel bezaubert. Aber wir sind auch etwas müde, denn der Tag war lang und morgen geht’s wieder früh raus. Drum fahren wir bereits vor Geisterstunde zum Waldhotel, das derart schmuck und parkbestückt ist, dass ein letztes Feierabendbier in trauter Runde noch drmin sein muss. Wonderful. Wesel, wir danken Dir, Dein Eselrock ist ne dufte Sache. Und wenn wir dürfen, sehen wir uns wieder. Maybe ja auch mal abendfüllend? Wir fänden das knorke.

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