Tourtagebuch

Rosenhof, Osnabrück

10. Nov. 2021

von Totte

Oha, Mittwoch again. Heute geht’s auf die zweite Tourrutsche. Um ehrlich zu sein, passt mir das überhaupt nicht, denn meine Nase ist dicht, der Hals tut weh und auch drumrum kneift und zwickt alles. Den gestrigen Tag hab ich es gerade mal zum Kiosk geschafft, um mir Dosenravioli zu besorgen, die ich dann zu den blöden Geschichten von „How I met your Mother“ reingelöffelt habe. Aber für alles auch nur ansatzweise schlaueres fehlte mir die energie. Interessiert wirklich irgendjemanden auf der Welt, wer die Mum von den zwei Gören ist? Und Barney ist für mich eine der hohlsten Comedyfiguren überhaupt, ganz furchtbar. Fast so furchtbar wie ich, denn ich gucke das und reg mich drüber auf, und wer so drauf ist, sollte mal sein Leben tüchtig überdenken. Ich hab dazu aber keine Lust, denn dann würden sich in meinem Kopf glatt unangenehme Fragen formulieren, nach deren Beantwortung ich ziemlich dumm dastehen würde, deshalb schimpf ich stattdessen lieber einfach in die Welt hinaus. AfD-Denke bildlich erklärt. Bitteschön, gern geschehn.

Erwähnte ich bereits, dass es auf zweite Tourrtusche geht? Es geht heute nach Osnabrück, in den schmucken Rosenhof. Fred packt uns um elf Uhr in den Sprinter, und mit uns meine ich Pensen, Jan et moi. Der Rest kommt separat, Urs ist leider diesmal nicht dabei, dafür aber Claudio, den wir ja exakt genauso gern haben. Außerdem ist Lasse ab heute am Start, um uns derbe abzumerchen, das lässt Freude aufkommen. Burger und Rüdi kommen ebenfalls, und komplett ist der Haufen monströser Barden. Ein Cis-Geschiß, ein damisches.

Weil es heute überhaupt keinen Stau gab, stehen wir schon um 14 Uhr im Laden, aber Insa, Farina Christoph und ihr Team sind flexibel und lieb und lassen uns rein, und es gibt schon Kaffee, Tee und Semmeln für uns, sehr nice, das Ganze. Ich schreibe „Semmeln“, um mich auf München morgen einzustimmen. Was wirklich alle im Rosenhof sind: Sehr stolz auf ihren Umbau. „Habt Ihr hier gesehen, wir neu das ist? Erkennt Ihr den Raum wieder? Ist das dort nicht fresh?“ Sie zeigen hierhin und dorthin. Ich nicke zu allen Erläuterungen. Erkenne aber, ehrlich gesagt, überhaupt keinen Unterschied, denn der Rosenhof war schon vorher sehr prachtvoll. Okay, doch, es gibt eine neue Empore im Saal und vor allem eine neue Backstagetoilette. Da muss ich heute oft hin, weil der Tee so treibt, ansonsten sitze ich auf der Couch, trinke ich noch mehr Tee und starre an die Wand. Nix los mit dem Typen. Zum Glück gibt’s gegen 16 Uhr unseren Soundcheck, sonst wäre ich noch festgwachsen. Der Sound gefällt mir gut, danach Nudeln und Tee und Talk mit Lasse, irgendwann mündet es im Traditionssekt zum Konzert und wir entern die Bühne.

Hm, na ja, entern ist vielleicht etwas hoch gegriffen, irgendwie starten wir heute etwas orientierungslos. Rüdi ist nach dem Intro nicht ansatzweise spielbereit, wir andern vermögen die Leere leider auch nicht zu befüllen. Aber wir haben Glück, dass das Publikum so freudig gestimmt ist, da weden Fehler verziehen und trotzdem tierisch gefeiert. Wir mäandern eher durch den Abend, meine Ansagen sind heute größtenteils eine vervefreie Unverschämtheit, ich weiß auch nicht, warum, die Gitarre bei Schönheitsschirurgie spielt drei Nummern zu tief, die Monsterantennen auf der Bühne haben heute gewaltige Empfangsstörungen. Das kann vorkommen und ist insofern nicht so schlimm, weil letztlich ja die Lieder für uns sprechen müssen, und das tun sie auch heute von Moll bis Dur, aber schöner und funkelnder ist es dennoch, wenn auch spontan interaktiv auf der Bühne alles flowt. Heute reibt es sich eher. Aber sehr schönes Highlight dafür Götz Widmann, unser alter Freund und Kollege, der heute hier ist, und als Special Guest mit uns seinen „Eduard der Haschischhund“ und im Zugabenteuil „Ich brauch Personal“ intoniert. Das Publikum ist übrigens ebenfalls ein Highlight, und pogt, schunkelt und leuchtet uns singend durch die Wirren des Abends. Vielen Dank, wenn wir Euch nicht hätten, das wäre ganz schön ärgerlich. Im Foyer nach der Show treffen wir noch viele nette Menschen, darunter auch altbekannte Gesichter, was immer wieder eine Freude ist, denn das ist ein Indiz dafür, dass man nicht alles verkehrt gemacht hat. Leider ist heute keine Zeit für Feierei, wir müssen morgen um sieben Uhr früh im Bus sitzen, um die Horrorstrecke nach München zu bewältigen. Also nur noch einen kurzen Absacker mit der ganzen Monstersclique samt Kumpel Patte vorm Hotel und ein kurzes Erfolgserlebnis durch den Sieg über den Chipsautomaten. Mehr Magie beim nächsten Mal, wir versprechens hoch und heilig. Aber schön wars ja doch ziemlich, das absolut. Und zum Schluss der Ausgehtipp: Götz Widmann am 27.11.21 im Bastard Club zu Osnabrück. Ende meiner geflissentlichen Durchsäge.