Tourtagebuch

Vier Linden "Goldmucke", Düsseldorf

09. Jul. 2021

von Totte

Seit zwei Stunden überlege ich, ob ich weiterträumen soll, denn ich war im Impfzentrum, wo Pete Townsend und John Entwistle mit mir vor Publikum den Fragebogen zu etwaigen Unverträglichkeiten durchgingen. Da ich kurz, nachdem ich tosenden Applaus für eine freche Antwort bekommen hatte, aufgewacht bin, entscheide ich mich nun gegens Weiterschlafen, denn falls ich wieder im gleichen Szenario lande, kann ich die leistung bestimmt nicht mehr toppen. Darum Kaffee und Vollkornbrot mit Veggiewurst und ein bißchen HipHopkram auf Youtube. Die Zeit bis zum Zug vergeht so im Flug, und am HBF treffe ich Fred und Pensen, bestmaskiert und somerfrisch duftend. Das sind die Kollegen bestimmt auch, aber die fahren nicht mit uns, sondern komen aus allen möglichen Ecken zum Konzert. Jenes findet in Düsseldorf statt, zwei Abende Monsters in NRWs Landeshauptstadt, und das alles noach so langer Zeit ohne Livemomenten. Wow, sag' ich da. Obschon die Bahnsteige gerammelt voll sind, scheint der Zug sehr weiträumig besetzbar, und wir finden sogleich zwei Viererplätze mit Tischchen, um die wir uns nichtmal prügeln müssen. Herrlich. Via Monsters-Whatsappgruppe klingelt pünktlich zur Abfahrt die Bitte durch, wir mögen uns doch um eine coole setliste kümmern, was wir natürlich sofort in Angriff nehmen, ab Bremen jedenfalls, denn vorher müssen wir smalltalken. Die Setlist entsteht hernach, nach zahlreichen Zahlendrehern, Irrungen und Wirrungen und wir sind sehr stolz auf uns, ob sie indes gelungen oder überhaupt von unseren abwesenden Kollegen autorisiert worden ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Jetzt nämlich sind wir erst kurz vor Recklinghaausen, Pensen macht Büro, Fred kämpft mit Irvings „Geschichte vom Wassertrinker“ und ich überlege beim Tippen,. Wie ich das permanent in schlimmsten Tonlagen freudig kreischende Kind am besten stummschalten kann, ohne dass es Gemecker mit der Mutti gibt. Glücklicherweise steigen beide in Duisburg aus, dafür kommen Rüdi und Patte dazu, was der Zug mit einer augenblicklichen Verspätung honoriert. In Düsseldorf eine kurze schmauchpause, danach dann zur u-Bahn, wo ein Sheriff hocherfreut bemerkt, dass sich Pensens Mundschutz um etwa anderthalb Millimeter verrutscht hat und fast seine Nasenspitze freigibt. Breitbeinig erklärt er die Rules seiner Stadt, aber sogar ich kann auf ihn hinabschauen, physisch und moralisch. Egal, Ankunft bei Goldmucke und herzlicher Empfang von Andre, Manuel und Frederik, mit letzterem bauen wir Stühle auf, ersterer versorgt uns mit Infos, Drinks und Wichtigbändchen, der mittlere macht den ganzen Technikkram. Claudio ist auch schon da, Burger auch, Börnski kommt mit Faily kurz darauf und alles ist toll. Location sowieso, wunderschön am Park gelegen, Leute, Wetter und auch der Sound, was den ersten Soundcheck seit langer Zeit zu einem kurzweiligen Gejodel werden lässt. Danach gibt’s superbes Curry von Tini, die überdies noch den weltbesten Rhabarberschnaps der Welt kreiert, aber der bringt unsere Köpfe erst nach der Show zum Glühen. Zum Einlaß füllt sich der Platz sehr schnell mit tollen Menschen, darunter auf der einen Seite viele alte Weggefährt*innen wie Jenny, Sandrine, Fredi und ich stoppe die Aufzählung lieber, weil ich sowieso wieder jemanden vergessen werde, auf der anderen Seite aber auch überraschend viele Neulinge. Sehr cool. Sehr uncool der Platzregen um etwa 18:30, der kurzzeitig alles plattmacht, zum Glück stoppt er kurz vor Konzertstart und lässt uns dann in Ruhe. Das Konzert selbst wird eine einzige Riesenfreude, es macht so viel Laune, dass wir ungestüm durch die ieder preschen und nach einer guten Stunde fast unser gsesamtes Set durchgesungen haben. Also spontan noch eine Extrarutsche Lieder, Rüdi glänzt mit einem neuen Hit, Fred als Fussballflötenschlumpf, es gibt ein bißchen BAP für Düsseldorf und Freestyle von Pinky Brohm. Ein Rausch der Freude, der auch nach dem Konzert nicht abreisst, denn da mutiert Fred zum Super-DJ und die Feier geht weiter. Wir trinken begeistert den oben erwähnten Schnaps, der noch viel besser als unsere Lieder ist, stoßen hier an, prosten da und erst zu sehr später Stunde geht’s zu Fuß durch den Park zum Hotel, wo wir noch kurz beisammen sitzen, bevor sich die einen ins Bett verabschieden und andere in die Stadt weiterdüsen, um frittierte Pizza zu essen. Ich mache schnell ein Photo von uns und gehe Rüdi danach ein bißchen mit Autotunerap via Handy auf den Zeiger, aber er nimmts gelassen. Düsseldorf, Goldmucke, das war eine berauschende Ballnacht. Vielen Dank. Gutnacht.