Tourtagebuch

Vier Linden "Goldmucke", Düsseldorf

10. Jul. 2021

von Totte

Besonders gerne am Aufwachen mag ich, wenn ich es genau betrachte, nichts. Trotzdem tu' ich's dauernd. Spricht das in irgendeiner Form gegen mich oder kennt Ihr das von Euch auch? Das würde mich beruhigen. Was manchmal gut am Aufwachen ist, das ist die Zeit danach, zumindest dann, wenn ein Frühstück bereitsteht. Das tut es bei mir dqaheim selten, denn weder Teddypard, noch Fernseher sind besonders hausmüttlerlich zu mir. Hier und heute in Düsseldorf habe ich aber Glück, denn alle im Hotel „Auszeit“ sind so fleißig und freundlich. Also außer mir, versteht sich. Ich bin angekatert und etwas müd', doch bereits am Frühstücktisch lächelt mich Pensen an, und das Brötchen ist knusprig und die sone lacht, dass mir – ach, vergesst das bitte, ich bleibe müd' und verziehe mich rasch wieder aufs Zimmer. Der Rhabarberschnaps und so.

Ab 13 Uhr wird mir aber langweilig und ich tipple ungeduldig mit den Beinen, weil mir nichts besseres einfällt, jedenfalls bis 14 Uhr, da schreib ich in die Monsterswhatsappgruppe, dass ich bored bin und los will. Claudio findet die Idee okay, möchte aber mehr schlendern. Ich willl straight zum Club. Wir schließen gegen 15 Uhr einen Kopromiss, indem wir straight loslaufen und uns dann verschlendern. Zum Glück, denn so bekommen wir dufte Gänsegangs, süße Entenpürzel und somerliche Falter zu sehen. Bei den „Vier Linden“, dem Goldmuckeveranstaltungsort, angekommen, ist Techniker Manuel schon fleißig, Fred bereits vor Ort, und Andre geschäftig. „ihr seid zu früh“ ruft er hinter einem Riesenbesen hervor,das aber so nett, dass wir nicht Reißaus nehmen, soneern uns auf die Bühne zu Manuel setzen und ein bißchen quatschen und gitarre klimpern. Börnski, Pensen, Rüdi und Patte kommen auch, Börnski und ich schraddeln spaßeshalber den Jägermeister im HBF“, und Pensen und Fred üben Laterne und Frösche ein, den – und das ist ein kleiner Wehmutstropfen – Burger kann heute nicht mitmonstern. Die Laune ist dennoch entspannt gut gelaunt, nur die Regenankündigungen für den Abend sind etwas beunruhigend. Dagegen hilft nur brav die Teller leerzuessen, was wir auch tapfer versuchen, vor allem, weil Tini, die Meisterköchin, uns mit tollen Grillspeisen, Salaten und Selfmade-Dips versorgt, dass eine Völlerei unumgänglich ist. Aber deer Strom reißt nicht ab, zur Krönung gibt’s noch selbstgemachte Nußschoko-Plätzchen, irgendwann müssen wir mit gefährlich gewölbten Bäuchen die weiße Fahne hissen, sonst gäbs heute nur Siesta statt Fiesta. Und das wäre schade, denn der Platz füllt sich mit vielen freudigen Menschen, einige davon waren gestern schon da, auch treueste Monstermenschen wie Anne, Tamara, Sandrine, Angela und (Aufzählung stoppt hier aus Gründen der Vergeblichkeit, alle zu nennen), sind heute vor Ort, aber auch so einige erwartungsvolle Neulinge. Noch hält das Wetter, auch um 19:45 Uhr, als wir pünktlich zu Terence Hill-Musik die Bühne enterrn und fast sofort wie ein geöltes Uhrwerk loslegen. Na ja, ein etwas schlecht geöltes Uhrwerk, denn bereits das erste Lied droht zu scheitern, weil Rüdis Gitarrenkabel unterm Stuhl festhängt und ihm so den Zugriff zum Instrument verwehrt. Kurze Entknotung, spontane Dialoge mit dem Publikum, dann geht’s aber auch los und stoppt erst drei Lieder später, weil auf der Bühne etwas Uneinigkeit darüber herrscht, wer jetzt dran ist. Börnski oder ich? Die Setlisten, die wir geschrieben haben, scheinen etwas zu variieren. Kurz gibt es den Plan, Schnickschnackschnuck zu spielen, das scheitert aber daran, dass wir erstens nicht geklärt bekommen, ob wir „Gerade oder Ungerade“ oder „Schere, Stein, Papier“ nehmen sollen, worauf zweitens Fred irgendwas von zusätzlichem „Mr. Spock“ erzählt, weil er anscheinend unlängst eine heiße neue Serie aus dem Underground namens „Big Bang Theory“ entdeckt hat, und irgendwann wird der dialog zu konfus und ich spiele einfach ein Lied. Etwas holperig aber hoffentlich charmant. Außerdem gewinnt die Show kurz darauf wieder schnell an Fahrt, wir spielen vieleviele Lieder, auch zwei von Burger, juxen uns durchs Programm und die Menschen machen wahnsinnig toll mit. Ein Mann steht uns gegenüber auf dem Dach, er heißt Frederik und fotografiert uns, noch gestern half er hier in anderen Eventbereichen, wir winken ihm zu, das Publikum ebenfalls, ein Pärchen beginnt vor der Bühne zu tanzen, und wir pöbeln etwas gegen den Wettergott. Das war vielleicht unklug, denn ausgerechnet bei unserer Ansage für Viva con Agua, platzt der Himmel zornig, und die Wolken fallen in dicken Tropfen auf uns herab. Jetzt wird es total steange und fesrivallike, denn das Publikum teil sich auf in Leute, die sich klugerweise unter die Vordächer des Innenhofs retten und von da weiter zuschauen, und einen Teil Wahnsinniger, die sich mehr oder weniger trotzig in Regencapes werfen und aufspringen und von nun an den Rest des Konzerts wild tanzen. Das reißt auch uns von den Stühlen, und so wird die letzte gute halbe Stunde des Auftritts ein richtiges Rockkonzert der Extraklasse, Bühnenabgang und Aufgang für Zugaben sparen wir uns natürlich und brettern uns stehend, tanzend prostend euphorisch ob des Anblicks bis zum Konzertende. Was für ein Finale, dank Euch duften Leuten.

Nach dem Konzert gibt es wieder den herrlichen Rhabarberschnaps und viele Gespräche und Photos mit freundlichen, fröhlichen und durchnässten Menschen, aber heute feiern wir nicht zu extrem, denn die Wecker klingeln morgen früh.. Mit viel Liebe und Dankbarkeit in den Herzen verabschieden wir uns irgendwann vom tollen Goldmucke-Team in der Hoffnung, uns bald irgendwie wiederzusehen, Fred und ich spazieren zu Fuß zum Hotel, verlaufen uns ein bisschen und landen auf dem Friedhof, aber dafür treffen wir einen Igel und viele Frösche, die gerade auf großer Wanderung sind. Im Aussenbereich des Hotel treffen wir uns alle noch auf ein letztes Getränk in der Raucherlaube, stoßen an und freuen uns. Aber nicht zu heftig, schließlich gibt es „ auch noch Leute, die jetzt schlafen wollen!“, wie uns ein glücklicher Hotelgast gegen 23:30 Uhr vom Fenster her zuruft. Blödmann. Aber recht hat er, und so verschwinden auch wir, einer nach dem anderen, in die Nacht. Also in echt nur in die Hotelzimmer, aber „in die Nacht“ klingt cooler. Oder eben: ins Traumland. Endlich wieder die gute Zeit bis zum Aufwachen. Obschon der Abend ebenfalls ein einziger Traum war. Wachsein hat eben doch zugegebenermaßen seine Vorteile.