Tourtagebuch

Hütte rockt, Georgsmarienhütte

12. Aug. 2021

von Mark Dessat

„Hey, ho, hey, ho, zu Hütte rockt we go...“ tönt es aus dem prall gefüllten Monstersbus, so dass alle anderen Autos auf der Autobahn respektvoll zur Seite ausweichen, um die Monsters nicht i ihrer Mission behindern. So würde ich's zumindest ins Drehbuch schreiben, tatsächlich aber stehen wir kurz hinteer Hamburg für gute zwi Stunden im Superstau, leider aber ohne ottfried Fischer, den Commander und die überschätzte Nervensäge Ralf Richter. Immerhin. Stattdessen füttert uns DJ Labinski, Künstlername geheim, mit Countrymusik und Blues und Rock, verschwindet kurz samt Musik im Graben zur Wassersprengung, und kehrt doppelt gut gelaunt zurück. Wer fehlt, ist urger, der ist nämlich bereits nach Hannover vorgefahren, um sich dort einsacken zu lassen, und dann, und dann, und, Herrgott, ist das uninteressant. Wir lesen ihn letztlich in Garbsen auf, bis dahin aber noch Staustaustau und plötzliche Apres Ski-Hitattacke von Labinski, weil er die Skihalle Bispingen erblickt hat. Wir schlagen ihn freundlich zu Brei und danach ist die autobahn wieder befahrbar, wobei ich den Zusammenhang nicht so recht begreife. Sollte man einfach bei jedem Stau...?... Nein, auf keinen Fall!

Während wir nun so komplett gen Georgsmarienhütte brausen, erhalten wir von Kai, unserem diestourigen Monstermixmaster, infos von der Situation vor Ort. Auf diese Weise erfahren wir auch erst, dass heute alle, alle Festivalteilnehmer getestet werden müssen, samt Crew und Publikum und Papst. Außer Nazis, denn die sind von Natur aus so krank, dass sie gar nicht reindürfen. Heult doch, Nazipack.

Jedenfalls herrscht großes Warten vor dem Testzelt, Kai muss zwei stunden ausharren, alledings auch, weil ihm keiner gesagt hat, dass Künstler und Crew vorgezogen werden. Das ist blöd, scusi, Kai, wir wussten von nichts.

Nach unserer Ankunft, zu der wir von Laura, Jules und allen andeen Hütterocker*innen derbe lieb epfangen werden, feiern wir ein bißchen Testung mit den People ab, und was soll ich sagen? Wir werden alle 100 Jahre alt.

Danach gibt es eine etwas blöde verwecslung, denn Börnski ordert, weil wir seit Stunden ausgehungert auf L'autoroute waren, Brötchen für alle, alledings mit dem Zusatz „Nicht so viel Wurst“, was Burger und dummerweise auch die Cateringfrau als „mit viel Wurst“ übersetzen. Aber da die liebe Dame eine Zaubererin ist, fliegen flugs dufte Käseschrippen zu uns, und wir sind glücklich, wenn wir uns auch ein wenig divenmäüßig fühlen. Pardon.

Die Kindermetalband Heavysaurus rockt gerade die junge Meute, und zwar exorbitant und in den heftigsten Dinokostümen, allerdings auch eine gute halbe Stunde über ihre Zeit hinaus, weshalb unsere Soundcheckzeit sich drastisch verkürzt. Andererseitw haben wir immer noch viel Zeit, also egal. Daniel am Monitor und Kai da draußen drehen uns dufte, dann ist auch beinahe Showtime. Und plötzlich hören wir Monsterschöre und wie aus dem Nichts hat sich eine beeindruckende Menge Partymenschen vor der Bühne eingefunden, und die Show geht gleich metalmäßig braichial gut los. Ob wir gut sind, kann ich nicht sagen, aber die Leute sind irre. Bekannte Gesichter, alte Freun*innen, aber auch viele neue leuchtende Augen erzeugen uns Glücksgefühle, es wir abstandgepogt, geschunkelt, Helikoptermützen und Monstershirts der ersten Generation stechen uns in die Augen. Hawaiihemdengangs tanzen Kalinka, Monsterschöre galore und das längste Bommerlunderlied der Welt lassen Georgsmarienhütte erbeben, dass es eine reine Freude ist. Also: Publikum: Jedes Lob geht an Euch, die Band hat nur Euer Superentertainment musikalisch untermalt. Vielen Dank!

Nach der Show noch Bier und Hallo mit u. a. Tobias und Kumpel, dem Feriendorf … (Herrje, Name vergessen, aber Grüße und Prost), dann übernehmen Protokumpel die Bühne und drehen gehörig auf. Hervorragende Band. Ich verpasse aber dafür wieder mal den Abschlusswhiskey mit dem Hütterocker Iromann (ich nenne Dich so in vollstem Respekt und in größter Begeisterung, beim nächsten Treffen definitiv ein Drink, Eid drauf), weil es mit Nudelauflauf und Veggiewürstchen mit Gemüse in Pfeffersoße ein höllisch leckeres Abendessen gibt, in dessen Folge ich aber nur noch zum Bus rollen und mich ins Hotelbett karren lassen kann. Allerdings dort noch ein kurzes Sektintermezzo mit Labörnski, wir helfen einer Gruppe streunender Sternschnuppenturmsucher*innen nicht weiter, weil wir komplett ahnungslos sind (der Turm ist direkt nebenan, aber das sehen wir erst am Morgen darauf), und ein paar anregende Gesprächsminuten später geht’s auch für uns endlich in die Heia. Auweia, was für ein verbumfeites Berichtende, ohne Rock und viel zu gehetzt, aber leider fährt der Bus gleich los nach Eschwege und ich muss noch aufs Klo, darum nur noch vielen, vielen Dank an Hütte rockt, das Team, das Publikum und die Püllerkenbrauerei. Habeuchalleganzfurchtbarliebsorrymusslostschüß!