Tourtagebuch

Haunerock, Haunetal

16. Jul. 2021

von Totte

Ein neues Weekend, ein neuer Konzertbericht. Fühlt sich an wie Routine. Auch das Aufwachen. Meine Dreams hatten was mit Zähnen, Musik und Staubsaugern zu tun, und ich schätze, Tarantino hätte daraus einen Superfilm gemacht. Endlich mal wieder. Obschon das Quatsch ist, denn gerade sein bislang neuester Film ist dufte. Darüber reden wir Stunden später im Sprinter, Urs, Pensen, Rüdi, Fred und ich, nach zahllosen Staus und anderen Themen, und zwar exakt 45 Sekunden. Viel mehr gibt das Thema einfach nicht her, aber einig sind wir uns alle, dass der Film „Yesterday“ eine ganz groß gescheiterte Umsetzung einer genialen Idee ist. Was wir zu „Joker“, „Independence Day“ und „Titanic 2“ sagen, soll vorerst ein Geheimnis bleiben.

Also: Burger kommt allein, Börnski weil mit Familie im Urlaub, drum reisen die Herren separat an und sind bereits da, als wir endlich das Festival erreichen. Schnelltest hier, Fertigimpfhäme da, alle dürfen letztlich aufs Gelände, wo wir derbe freundlich von der ganzen Crew empfangen werden. Ich lasse jetzt ein paar Namen fallen und weiss zeitglich, dass ich viele vergessen habe, aber nur namentlich, nicht menschlich. Doch wie soll man die Menschen in einem Text erwähnen? Da war eine junge Dame mit Crew-Shirt, die hat superleckeres Gemüse gekocht und angerichtet, den Wirsingsalat musste ich aber aus Kollegialität in Sachen Bühnenarbeit ablehnen, eine andere junge Dame hat uns einen ganzen Haufen Minisektflaschen organisiert und danach auch noch große Buddeln und ich fühlte mich ziemlich divenmäßig, denn soviel Mühe wollten wir nicht verursachen, eine weitere Dame (jung) machte klassse Jägishots nach dem Auftritt, und da waren auch junge Herren vor hinter und auf der Bühne, die werkelten und taten und machten, dass uns die Augen leuchteten, also sagen wir so: Ein unfassbar nettes Team, das uns richtig in Honig tauchte. Und alle jung, jedenfalls aus meiner Perspektive. Jetzt die Namen, stellvertretend für alle: Daniel, Sascha, Hardy, Franzi, Christian.

Zwei Dinge sind an diesem Festival besonders: 1. Das Publikum feiert in Buchten, also gibt es kein großes Miteinander, sondern im Grunde feiern die angereisten Gruppen unter sich. 2. der Backstagebereich ist aufgrund des vortäglichen Regens mit einem Stoff geteppicht, dass man wie auf Watte läuft, und man fühlt sich sofort bekifft. Zudem gibt es Fernseher, die das Bühnengeschehen zeigen, wir erleben also „Kopfecho“ und natürlich die „Rogers“ beim Rocken, während wir Setlisten erstellen und ich gegen Jesse und Inga andauernd beim „Bottlewerfen“ verliere. Eins ist jetzt schon klar, heute wird unser Konzert eher eine Art Partybeschallung, als ein Kleinkunsthappening, denn die Buchtensituation und die Auftrittsuhrzeit lassen im Grunde gar nichts anderes zu.

Unser Soundcheck wird dementsprechend interaktiv, von Dschungelbuch bis Haunetal-Freestyles albern wir rum, bis alles klanglich glänzt, dann wird gemonstert und wir legen offiziell los.Unser Gig wird von allen Monsters im Nachhinein unterschiedlich empfunden. Die einen finden ihn sehr lustig und unterhaltsam, die anderen fürchten, irgendwie versagt zu haben. Ein Kollege moniert im Nachhinein die Setliste, ich moniere replikenhavt dessen Ansagen, aber davon angesehen kriegen wir wahnsinnig viel Lob von allen Seiten hernach, und das ist hoffentlich nicht nur Höflichkeit. Mir gefiel unser Auftritt, denn ich mag stets, wenn wir die klassische Rockidee verlassen und spontan mit den Menschen kommunizieren. Und da gab es dank des „Buchten“-Themas vielerlei Möglichkeiten. Vielleicht sogar zuviel, denn wir verlieren die Zeit etwas aus den Augen, und schaffen nicht mehr, alle geplanten Zugaben zu spielen, bevor ABCD die Bühne entern. Aber egal, es bleibt mir der indruck von schwofenden Buchten, vielen erhobenen Händen und einem sehr fidelen „Tiefkühlpizza“-Chor. Nach dem Konzert müssen wir leider recht rasant zum Hotel, denn die Band hat morgen viel frühzeitiges vor, aber wir sitzen noch auf einen gemeinsamen Drink gemütlich beisammen, bevor sich der Haufen in Wohlgefallen auflöst. Rüdi spielt mir auf seinem Zimmer zuletzt noch Aufnahmen seines kommenden Albums vor, und ich muss schon sagen, dasss das ein wahnwitzig und duftes Album wird. Neid und Freude und Stolz auf den Kerl. Und schöner kann ein Bericht nicht enden. Drum: Ende. Plus Danke.