Tourtagebuch

Kultursommer am Schlachthof, Lingen

30. Jul. 2021

von Totte

Ich habe wirr geträumt und bin darum arg zerschlagen, als ich aufwache. Neuzuwachs Charly hat zudem ihre fünf Minuten und rast mit irrem Blick durch die Wohnung, um Stoffmäuse, Tapete und Hosenbeine zu zerfetzen. Ich verwerfe meinen Jogginggedanken und verlege mich lieber auf leicht weinerliches Rumjammern ob der Uhrzeit, bevor wir uns ins Auto setzen und Lina mich nach Seesen karrt, wo mich Burger wiederum einsackt. Die drei Stunden Fahrt vergehen im Flug, die Themen kreisen um die Ramonres, Vicki Vomit und Rockbiographien allgemein. Ein Kaffee und ein Eis später verfahren wir uns endlich erstmals, allerdings nur direkt vor der Auffahrt zur Lingener Bühne, weshalb wir immer noch vioel zu früh vor der verinbarten Zeit ankommen. Das Team um Hannes ist aber sehr freundlich und führt uns direkt zum Backstageraum, wo uns gleich Heißgetränke kredenzt werden, während sie schwere Kisten mit tollen Waren die Treppen hochwuchten. Kurz darauf kommen auch Fred und Pensen aus Hamburg an, leider erwartungsgemäß ohne Labörnski, dessen Unpäßlichkeit er schon gestern ankündigte. Gute Besserungswünsche an dieser Stelle. Auch an Werner, der heute eigentlich unseren Sound machen sollte, aber mit einem Ohrenproblem brachliegt. Auf bald, werte Recken, genest rasant. Für Werner springt Schröders-Techniker Kai ein, der monstermäßig debütiert und sich als Glücksgriff herausstellen wird, noch aber ist er nicht da, sondern nur wir, bzw. Fred und ich auch icht mehr, weil wir Rüdi vom Bahnhof abholen fahren. Ich nutze die Zeizt, um rasch unseren traditionellen Konzertstartschaumwein zu kaufen, dann ist auch Rüdi da, stark bepackt und gut gelaunt, und wir heizen wieder zum alten Schlachthof zurück. Gerade passend für den Soundcheck, für den wir uns gemütlich Zeit nehmen können, obschon der Klang schon schnell perlt. Superpünktlich zum Essen sind wir vollklingend, und der sich biegende Tisch macht uns glücklich. Das Caterinmg kommt vom St. Christopherus-Stift, wenn ich mich recht entsinne, und ist bunt und duftend und toll. Schafskäse überbacken, diversteste Salate, eine Soße zum Niederknien, Schnittchen, Kartöffelchen, undundund. Schwer, sich nicht allzu vollzufressen, und dann komatös das Konzert zu verschlafen, Um uns davor zu schützen, flüchten wir die Treppe zum Dach hoch, um dort zu relaxen und ein paar Monsterssachen zu besprechen. Alles sehr entspannt, wobei vielleicht auch die Cuba Libre helfen, die uns das Team liebevoll außer der Reihe mixt. Einzig beunruhigend sind die verschiedenen Wetterprognosen, denn wenn wir Pech haben, wird es uns in den Auftritt regnen. Noch aber scheint die Sonne, Pensen filmt für Insta, Burger macht die Setliste, wir restlichen machen vielleicht auch was. Der Platz vor der Bühne füllt sich beachtlich, die Crew hat hinter der Bühne bereits Biertischgarnituren und Getränke bereitgestellt und wir spazieren freudig, nach dem Traditionssekt, hinter die Bühne, um uns einzumonstern, bevor wir um kurz nach acht auf die Bühne steigen. Das Konzert macht von der ersten Sekunde an wahnsinnig viel Spaß, die Leute sind klasse drauf, wir sind auch nicht übel, und der Draht zwischen uns allen ist sofort hergestellt. Fast ansagenfrei rollen wir durch die ersten Lieder, dann quastschen wir mit den Menschen über Schlauheit, Taschentücher, Trinkspiele an der Ems und Bierholgewohnheiten einzelner Zuhörer*innen, es funkt alles, und dann wird weitergerockt, bis wir eine Stimme auf unseren Monitorboxen hören: Hannes gibt durch, dass ein Gewitter aufzieht, aber er liefert gleich die Lösung und organisiert, dass alle für die angekündigten zwanzig Minuten Regen in der gesichtert gelüfteten Schlachthofhalle alle Unterschlupf finden. Kaum ist alles geklärt, grummelt der Himmel, und perfekt getimed sind etwa zehn Minuten später alle mundgeschützt in der Halle, wo wir uns natürlich nicht lumpen lassen und spontan ein paar Lieder unplugged spielen. Jetzt glüht der Draht, und der Abend wird magisch. Wir spielen Kinder, Kinder, Frösche, Zwerge, Interesse, Morgen kommt sie, Alsterstaat, Nordsee, Hannes bringt immer die neuesten Wetterinfos, Levis-Shirtträger Eike (richtig?) filmt uns und Publikum freundlicherweise, wir filmen natürlich alles auch, alle machen mit, Rüdi rutscht euphorisch die uns als Bühne dienende Skaterampe runter und hoch und runter, zuguterletzt spielen wir sogar noch den Entspannenden Stuhlgang, dann gibt der Regen entnervt auf, die Schlachthofcrew hat die Stühle draußen bereits hochdruckgetrocknet, und wir treffen uns alle draußen wieder, wo wir bis zu den behördlich verordneten Punkt zehn Uhr verstärkt zuende rocken, mit Fels, als Hommage Börnskis Punkermädchen, Cola Korn und vielen weiteren Highlights. Ein verzauberter Abend, der noch lange nachstrahlt.

Nach der Show treffen wir noch viele Menschen beim CD-Verkauf, leider haben wir alle unsere Eddings vergessen, weshalb wir nur dank Leihgaben sehr wenige der vielen gewünschten Autogramme geben können. In Folge laufe ich noch etwas verloren rum, weil ich die Dame suche, die viermal alle CDs gekauft hatte und um Autogramme bat, um ihr wenigstens jetzt noch zumindest meine Unterschrift geben zu können, weil ich zufällig gerade einen der zwei geliehenen Eddings in meinem Besitz habe. Ich finde aber weder sie, noch nachher den Besitzer des Eddings (blau). Vielmals Verzeihung. Die Kneipenvorschläge lieber Menschen zum Weiterfeiern fanden wir auch alle toll, aber irgendwie sind wir heute nach dem Konzert in einer etwas stillen, seligen Stimmung, und setzen uns lieber nochmal zusammen aufs Dach, genießen einen letzten Schluck und blicken optimistisch in die Zukunft. Und das sind Momente, die so selten wie kostbar sind, die hält man besser mal fest. Vielen Dank, liebe Leute, Team, Publikum, Cateringmenschen, Kai, alle zusammen, dafür, dass Ihr heute für uns so gezaubert habt. Wir lieferten gernstens den Soundtrack dazu.