Tourtagebuch

Zakk, Düsseldorf

24. Feb. 2009

von Totte

Langsam wird’s unangenehm, zu berichten. Die diesjährige Februartour steht wirklich unter keinem gesunden Zeichen. Wenn dereinst meine Altvorderen dieser Zeilen gewahr werden sollten: Es ist nicht immer so bei uns!
Warum ich diese Einleitung gewählt habe?
Na ja, gestern war unser Off-Tag, also ein konzertfreier Tag, den wir im malerischen Ort Beetzsee verbracht und einen Monsterkegelabend verbracht haben. Extrem spaßig, leider gab es interne Auflagen, so musste bei jedem Pudel (Ein Wurf, der die Kegel nicht erreicht) ein Schnaps getrunken werden, zudem verpflichtete sich der Pudelkönig dazu, beim nächsten Konzert vor dem Auftritt ein Gedicht zu rezitieren.
Tja, jetzt bin ich Pudelkönig, habe einen dicken Kopf und das Gedicht vor mir.
Die Fahrt nach Düsseldorf – immerhin 500 km – bewältigt Fred souverän, jedenfalls lasse ich mir das erzählen, da ich die Fahrt verpennt habe.
Meine linke Ferse schmerzt ziemlich, weil mich eine Kegelkugel erwischt hat. Scham und Schmerz, diabolische Mischung!
Düsseldorf helau, die Stadt wirkt wie in kollektivem Karnevalskater versumpft zu sein. Paßt ja.
Das Zakk ist ein toller Laden, letztes Mal haben wir im kleinen Raum gespielt, würden wir auch diesmal gerne, doch das Team hat bereits den großen Saal vorbereitet, was uns doch ziemlich verunsichert, denn den vollzubekommen scheint utopisch. Es hilft ja nichts, da müssen wir eben durch.
Wir verbringen unsere Zeit – womit wohl? – Soundcheck, Kaffee, Catering – hervorragende Gemüsetortellini.
Einlaß um 19 Uhr und nun das erstaunliche: Es füllt sich super!
Um 20 Uhr ist der Raum mit gut 250 Leuten perfekt „bestückt“, das ist für uns eine Steigerung von über 100%!
Alles toll, wenn nur nicht das Gedicht...
Na egal, ab auf die Bühne, in erwartungsvolle Gesichter geschaut und für ein großes Fragezeichen im Raum gesorgt: „Ein Fräulein stand am Meere...“ Heine, gute Lyrik, keine Frage, ich verbeuge mich, das Publikum applaudiert höflich, kann aber so richtig mit der Situation nichts anfangen.
Aber danach: Monstershow!
Düsseldorf, oh Düsseldorf, what pleasure! Wie schon in Potsdam wird der Abend für uns so gut wie perfekt! Hier weiß man zu feiern und zuzuhören, es gibt unglaublich viele leuchtende Momente, wir sehen tanzende Grazien, schunkelnde Massen, sitzpogende Wogen! Und alle machen mit!
Auch auf der Bühne ist Interaktion ein großes Thema, Am schönsten sind doch stets die spontanen Momente, die aber wiederzugeben mir unmöglich ist, weil der Abend ein einziger Rausch ist: Ich erinnere mich an Tempogeschenke bei Blasenschwäche, einem Bildband über Thüringen bei Türen von Tim und Essi (werde ich nach Beendigung dieses Berichts genießen), der es wert ist, das Lied zwecks Vorleseminute zu unterbrechen, Burger und Rüdi platonisch knutschend bei Trink dich schön (ohne Zunge), es ist einfach ein höllisch toller Abend.
Kumpel Ecki hat Geburtstag und kriegt ein Lied, ach, der Abend geht viel zu schnell zu ende.
Vielen Dank Düsseldorf! Und Köln! Und überhaupt: Zusammen feiern rettet die Welt! Schluß mit Städterivalitäten. (Außer im Spaß latürnich)
Nach dem Konzert sind wir dennoch eher müde, das große Feiern fällt ausnahmsweise mal flach, denn Schlaf darf nicht unterschätzt werden, also nur noch kurze Smalltalkrunden, bevor wir uns an den Abbau machen und zum Hotel düsen.
Kurzes Intermezzo vor der Hoteltür, kein Portier, keine Schlüssel, doch Börnski checkt die Lage und schon bald darauf fallen die Herren des Ungeheuertrosses glücklich und rechtschaffen erledigt in den Schlummer der Gerechten.
Ich muß jetzt aufhören, denn das Buch wartet. Allen Lesehungrigen sei das „Buch der Lieder“ von Onkel Heine empfohlen, denn das taugt! Eine Kostprobe habt Ihr ja in Düsseldorf bekommen.