Tourtagebuch

Tufa, Trier

28. Feb. 2009

von Totte

Jetzt sitze ich also in meinem ehemaligen Kinderzimmer bei meinen Eltern und versuche, den gestrigen Tourtag in den langsamsten Computer der Welt zu tippen.
Welch Koinzidenz, denn auch Trier verbinde ich mit meiner Kindheit. Mein Onkel Helmut studierte dort Graphik und ich besuchte ihn damals – eine Weltreise, wie mir schien.
Da aber Kindheitserinnerungen gealterter Pseudobarden megaeklig sind, schalte ich den Flugskompensator ein und befinde mich auf der Fahrt nach Trier mit dem coolen Monsterclan am 28.02.09.
Wow, was für eine Fahrt, Fred steuert uns vorbei an Asteroiden, feindlichen Ufos und zielsicher gen Sonne.
Die scheint nämlich wieder, bestimmt wegen Rüdis Frühlingslied. Danke Rüdi.
Weil wir an jeder Raste halten um Bonbonscheiß zu kaufen, kommen wir verspätet in der Tufa an, begrüßen kurz das freundliche Team und sputen uns mit Aufbau, Soundcheck und interner Besprechung – ach, Besprechungen, der Monsters liebstes Hobby!
Pensens Stimme geht es wieder besser, Börnskis Hals dafür schlechter. Neben unserer eher mäßig gesunden Lebensweise auf Tour, vermute ich einen Grund in der Saunalauft des gestrigen Backstageraums, die uns allen die Hälse verdickt hat – außer Pensen, für den das scheinbar erholsam war.
Der Soundcheck verläuft rege albern, Tourabschlußkonzerte haben immer eine anarchistische Note.
Rüdi und ich beklagen unsere fastfoodbegründete Schlappheit während der Tour – Sport tut not, um im April wieder sündigen zu können.
Trier ist eine Unistadt, jetzt kann man darüber spekulieren, ob es ratsam ist, während der Semesterferien zu konzertieren, ein bißchen bange macht das schon, vor allem, weil der Club bis kurz vor acht Uhr eher mau gefüllt bleibt.
Egal, letztes Mal einmonstern und ab dafür: 20:20 Uhr – Rockzeit!
Tatsächlich haben sich doch noch in letzter Minute zahllose Menschen eingefunden, exakt 200, wie wir im Nachhinein erfahren – da kommt die Spielfreude ganz von alleine.
Im Gegensatz zum gestrigen Konzert sind wir heute wieder um einiges spontaner, was aber auch daran liegt, daß wir es hier im Saal eher mit einer familiären Kleinkunstatmosphäre zu tun haben, denn einem Rockevent. Auch der oben erwähnte Tourschlußanarchismus trägt dazu bei, es gibt viele leuchtende Momente – Börnski mimt den beleidigten Pfeifboykottierer, verläßt die Bühne und hinterläßt fünf verdutzte Monster, kommt aber dank des rufenden Publikums erfrischt zurück – meine Theorie ist ja, daß er einfach pinkeln musste – alles sehr schön.
Pensen zerlegt das Glockenspiel derart vehement, daß sich gar der Klöppel in seine Bestandteile auflöst und Fed läuft immer wieder ins Publikum, um mitzutanzen. Im Balladenteil, dem sehr aufmerksam gelauscht wird, öffne ich ein Bier so, daß es mich total vollsifft und ich aussehe, als hätte ichs nicht mehr zur Toilette geschafft, dafür ergeben sich aber auch einige schmucke Freestyles und bei den lauten Liedern zum Ende hin, zeigt Trier, daß es sehr wohl auch rocken kann! Pogo, Mitklatschwellen, standing Ovations, wir sind wirklich von Glück gesegnet, so ein nettes Publikum zu haben!
Gernstens geben wir Zugaben, ein David hat Geburtstag, natürlich kriegt er auch ein Ständchen – die Prostrufe des Publikums sind enorm!
Trier ist eben nicht nur eine sehr altehrwürdige Stadt, sondern auch a town of Monstersrock! Arigato dafür!
Nach dem Konzert dann irgendwann auch Abschied voneinander: Rüdi und ich bleiben noch in Trier, die Herren Kollegen fahren schon nach Hamburg – eine Wahnsinnsstrecke. Erik von der Tufa schießt freundlicherweise noch ein paar Tourschlußbilder von uns, dann geleitet er uns Trierübernachte - nach inniger Umarmung und Verabschiedung der Monsters voneinander - gar noch zum Hotel und empfiehlt uns eine Raucherkneipe. Die nehmen wir gerne, sie heißt Simplicissimus, und ähnlich dem Stile jenes Eulenspiegelverschnitts aus dem dreißigjährigen Krieg, sinnieren Rüdi und ich noch bei einer Handvoll Bier und Tequila über unsere kleine Kapelle: Augenzwinkernd und sehr liebevoll. Denn wir sind beide überzeugte Monstersfans. So unbescheiden das klingen mag.
Die Apriltour kann kommen, wir wären dann soweit.

Galerie