Tourtagebuch

Posthalle, Würzburg

26. Feb. 2009

von Totte

Ich rede im Schlaf! Das behauptet zumindest Urs, mit dem ich diese Nacht das Zimmer geteilt habe. Er muß es wissen, denn seine Nacht war aufgrund verdorbener Tankstellensandwiches eher von Schlafmangel gezeichnet. Jetzt ist er bleich und fordert für heute sein verbrieftes Recht auf ein Einzelzimmer ein.
Vorher stellen wir noch fest, daß der Wasserhahn der Badewanne auch nicht mehr geht und der Philadelphiakäse beim Frühstück einen Monat über dem Verfallsdatum liegt. Wir mutmaßen, daß es sich bei diesem Hotel um eine reine Geldwäscherinvestition handelt, denn Gäste sind hier definitiv nicht erwünscht.
Vor der Abfahrt schauen wir noch die DVD von Urs’ andeer Band 4 Lyn – viel erlebt, die Herren, cooler Film.
Jetzt aber ab nach Würzburg – vorher nur noch schnell Glühbirnen für den Tourbus kaufen, wobei mich Burger beeindruckt, dem der Wechsel gar keine Probleme bereitet. Im Grunde sanieren wir unseren Mietbus im Laufe unserer Touren: Beim vorletzten Mal haben wir einen Reifen auf eigene Kosten erneuert – übrigens nicht mal günstig.
Das Hotel in Würzburg liegt am Berg gegenüber der Würzburg und ist – hurra – super: Hotel Wittelsbacher Höh! Ein Gebäude mit liebevoll mittelalterlich hergerichtetem Flair und, endlich, endlich sehr netten Mitarbeitern.
Wir kriegen auf Wunsch leckerste Käseschnitten mit aufs Zimmer, Umbuchung auf Raucherzimmer? Kein Problem. Auschecken erst um 12 Uhr? Kein Problem.
La Paradies!
Fred und ich teilen uns ein Zimmer und verbringen die Zeit bis zur Clubanfahrt mit King of Queens, Tourbericht und Börnski, der sich als fleißiger Filmer entpuppt.
Heute spielen wir in der Posthalle gleich am HBF. Diese Halle ist ungefähr das längste Gebäude der Welt. Jedenfalls für ein Oberdollendorfer Landkind.
Glücklicherweise ist es durch Vorhänge in kleinere Portionen teilbar, wir können mit dem Bus gleich in die Halle vorfahren und ausladen.
Begrüßung mit der sympathischen, rockorientierten Crew, jetzt Catering – sehr lecker, Rüdi hat zudem – er ist vom Hotel aus zum Club gelaufen - Ingwer für Hals und Geschmack gekauft, ich hole noch Ipalad und die Zeit vergeht im Fluge.
Der Regionalsender Touring TV wird heute die ersten Lieder mitfilmen, also liebe WürzburgerInnen: Checkt mal TV Touring, vielleicht ist ja ein Monster drin.
Der Soundcheck gestaltet sich allerdings als eher schwierig, denn erstens sind wir durch die letzten Tage etwas verwöhnt und zweitens ist die Halle auch nicht allzu optimal für Filigransound. Aber Urs ist eben ein Checker, drum klappt alles doch.
20:45 Uhr: Monstershow.
Cool – beim letzten Clubkonzert in Würzburg waren wir mit 90 Zuschauern sehr zufrieden, heute sind es über 230 Menschen! Sieht toll aus.
Heute wird alles aber insgesamt etwas anders als sonst, denn man merkt, daß hier weniger „monstergeschultes“ Publikum vor Ort ist. Aber gar nicht schlecht, denn der Zuhörfaktor ist viel größer als sonst, weil viele Leute viele Lieder noch gar nicht kennen. Klar, wir Weicheier sind immer sofort verwirrt, wenn nicht alles gleich 200% rockt, aber da kann man mal sehen, welchen Emotionsluxus wir zu erleben uns freuen dürfen. So stellen wir uns ziemlich schnell auf den Abend ein und quatschen etwas mehr und es wird einfach super. Und es wäre mehr als ungerecht, zu behaupten, die Posthalle würde nicht abgehen: Der Anblick beim Schunkeln, Mitklatschen und sitzpogen ist der Hammer! Und besonders schön vor allen Dingen die absolute Stille beim ruhigen Teil – Herz berührend, ganz im Ernst.
Gerne spielen wir all unsere Zugaben und das Publikum gibt uns standing Ovations – ach, ist das schön, zu monstern, einfach umwerfend!
Nach dem Konzert sitzen wir noch eine schöne Weile mit netten Menschen zusammen, sind aber doch insgesamt zu schlaff, um noch den lieben Einladungen, weiterzufeiern zu folgen und verabschieden uns herzlich von Posthalle und Menschen. Einzig Börnski will noch Party feiern und bleibt. Der Preis des Partykönigs geht somit an ihn. Wir anderen verschwinden ziemlich schnell auf unsere Zimmer und verbringen die letzten wachen Minuten ganz unglamourös mit dem Film „Green Mile“, der wieder ein Beweis für das Genie Stephen Kings ist. Und wer das bis heute nicht einsehen will, bringt sich um gute Literatur.