Tourtagebuch

Alte Post, Emden

24. Apr. 2009

von Totte

Sonnenschein begrüßt uns – what a beautiful day!
Fred, der fixe Koffeinjunkie bringt gehaltvolle Heißgetränke aufs Zimmer, der Tag kann beginnen.
Beim Frühstück Versammlung der Monsters und Planung, Planung, Planung: Das – ich nene es jetzt der Vereinfachung so, tatsächlich handelt es sich um diffizielste Technik – Tonbandgerät zum Mitschnitt unserer Konzerte – hat sich erwähntermaßen gestern verfrüht verabschiedet, Ersatz zu finden, ist dringlichster Tagespunkt.
Hier drum Respekt an Claudio und Burger, die das ruhig und souverän klären, wir müssen nur einen kleinen Umweg über Hamburg fahren, schon sind wir im Besitz des begehrten Gerätes.
Die Weiterfahrt verläuft hauptsächlich staufrei, unterbrochen nur von einem Kurzhalt bei Burger King, der Veggie Whopper hat hier nicht mal Käse, besteht ergo aus einem Brötchen, zwei Scheiben Tomate, einem Salatblatt, Majo und Ketchup. Hm.
Emden, da sind wir.
Der Club ist schön, uns wohlbekannt, die Crew sehr nett, die Sonne scheint, der Aufbau rasch erledigt.
Tagestop 2: Sonnenbaden und Besprechung mit den D-Zentral-Filmmenschen, die sich ihrerseits gestewrn noch Gedanken zum Dreh gemacht und uns nach einem Plausch damit aller Sorgen beraubt haben. Formidabel, quasi – wir beginnen unsere Aufgaben zu begreifen, oder, businessfrei gesprochen: Wir haben uns genügend beschnuppert um gemeinsam einander sehr gut zu verstehen. Logischerweise braucht sowas stets ein bißchen, gerade wenn Profifilmer auf klampfende Gurkentruppen treffen.
Gemeinsames Anstoßen, Smalltalks und Rüdirasur, dessen, Rasierererakku leider bereits nach drei geschnittenen Schneisen den Dienst versagen – dank der Post-Crew wird aber rasch Ersatz gefunden.
Tagestop 3: Soundcheck – Mann, das dauert vielleicht! Was für ein Aufriß das manchmal doch ist, gerade rechtzeitig zum Einlaß sind wir fertig, schon steht das Abendessen auf dem Tisch, schmackhaftes vom Bringdienst: Diesmal haben sich erstaunlich viele für Salate entschieden.
Im letzten Jahr fanden gut 70 Menschen den Weg in die alte Post, heuer – tusch – 170! Sowas erstaunt und freut gleichermaßen – da kann einem guten Abend kaum was im Wege stehen.
Ach ja, der Techniker des letzten Jahres ist auch da, er erinnert, daß – entgegen aller physikalischen Gesetze, Rüdi permanent kleine Elektroschläge vom Mikro bekam, dieses Jahr gibt’s dafür gratis eine Theorie: Der Bühnenboden ist teppichbelegt und durch Reibung könnte eben doch der Strom Wege zu den Lippen gefunden haben. Hurra, ein Mythos ist erledigt!
Doch nun back to the Auftritt:
Es wird sehr, sehr cool!
Die Menschen hier haben Lust auf Rock, es wird laut und wild, vielleicht, soviel muß man zugeben, etwas zu laut für sensible Gemüter, da wird letzten endes auch sensible Gemüter sind, auch für uns ein bißchen zu chaotisch, schade ist das immer für den ruhigen Teil, jedoch: ein bißchen müssen wir uns das auch selbst auf die Backe schmieren, schließlich haben wir schon sehr aggressiv gleich zu Beginn die totale Rockshow gefordert. Für die Rocknummern ist das aber auch sehr cool, allein, wir bestehen ja nicht nur aus Krach, sondern auch aus Gefühl.
Der Anblick ist jedenfalls enorm, vielviel Bewegung im Raum, schwenkende Hände, lauteste Chöre, Sitzpogo galore. Pensens Stimme ist leider ein wenig angegriffen, doch tapfer hält er durch und der Abend dauert eine ganze Weile an. Mir reißt eine Saite und das Sususu-Glockenspiel verhaue ich völlig, doch niemand trägts mir nach.
Standing Ovations zum Schluß lassen uns hold erröten, entgegen unserer eigenen Voraussicht, klappt sogar Eschnapur unplugged! Gratias Emden!
Nach dem Konzert dennoch relativ rascher Abbau, denn wir sind ganz schön schlafbemangelt und kaputt, und müssen dringend gen Bettstadt.
Nebenbei berichtet uns die Crew von vielen leeren Schnapsflaschen vorm Laden – hier mal ein kurzer Tipp: Viel Spitrituosen vor einem dreistündigen Liedermacherkonzert sind womöglich die falsche Form Vorbereitung, denn Schnaps hat die Eigenschaft, das Hirn ziemlich rücksichtslos zu plätten – nicht zwangsläufig eine Voraussetzung, um durchzuhalten. Meine Theorie, doch ich glaube, sie stimmt.
Abfahrt zum Hotel, Ankunft am Hotel, nun stellen wir uns noch gerne mal zu blöd zum aufschließen an, irren über den Vorplatz und müssen uns von einer Nachbarin, die uns scheinbar für eine talenmtlose Einbrecherhorde hält, über den richtigen Gebrauch von Schlüsseln aufklären lassen.
Das war dann aber auch die letzte Prüfung der Nacht, wird Zeit zu schlafen.
Gute Nacht, es war schön.

Galerie

Podcast

>