Tourtagebuch

Kreuz, Fulda

28. Apr. 2009

von Totte

Starten wir doch heute mal anders:
Große Freude bereitet mir die Erkenntnis, daß die Berichte scheinbar tatsächlich gelesen werden. Auf der Fahrt von Koblenz nach Fulda zeigt mir Burger lachenden Auges einen zornigen Gästebucheintrag, der kompetent und bestimmt mit meinem vermeintlichen Ostfriesland-Vorurteil abrechnet, es gäbe in jener Region keine Tankstellen und Bahnstrecken.
Da hat er/sie natürlich recht, natürlich gibt es Tanken und Bahnen in Ostfriesland, ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, daß es sich bei Ostfriesland um einen absoluten Schmelztiegel beeindruckendster Tankstellenkooperationen und Bahnstreckenverbände handelt: Ostfriesland ist mit Sicherheit der bestvernetzte Landstrich in Sachen Bahn und Benzin. Nur eben auf unserer Strecke war diesbezüglich eben alles mau. Drum Asche auf mein Haupt, hoch lebe Ostfriesland, auch mein Opa mütterlicherseits war begeisterter Ostfrieslandbereisender, alles was ich von Ostfriesland weiß, weiß ich von ihm.
Über diesen Gedanken verpasse ich die ganze Fahrt und jetzt sind wir im Hotel Europa in Fulda angekommen, das Hotel ist schön, gemütlich und im schicken Bürgerlich-Stil, hier werden Fernseher noch vermittels Druckknöpfen bedient.
Retrolook kommt wieder, ich schwöre das!
Jetzt aber Schluß mit derlei Beobachtungen, ab ins Kreuz, heutige Tagungsstätte monströsen Wirkens:
Wow, das Team ist extrem nett, heute zeigt sich Fulda veranstaltungstechnisch von seiner absolut besten Seite: Es gibt als Snack Broccolicremesuppe und Baguette, selbstgebackenen Kuchen mit Schlagsahne, später noch viele weitere Gaumengeiler, hier will man den Backstagebereich gar nicht wieder verlassen. Jener besteht übrigens aus einem abgesperrten Kneipenbereich, sogar ein Kicker steht hier zur freien Benutzung!
Muß aber sein, der Sound will ja nun ebenfalls gecheckt werden. Wäre das mal was, hier von diversen klangbezogenen Schwierigkeiten und deren Meisterung durch Claudio zu berichten? Hm, ein andermal. Soundcheck ende, Einlaß nun:
Über 180 Menschen finden sich heute ein, cool, neuer Rekord in Fulda, mit solchen Nachrichten geht man doch direkt doppelt so gerne auf die Bühne. Wie wir später herausfinden, ist Fulda selbst zahlenmäßig ganz klar unterlegen, aber wen interessiert schon die Herkunft? Nur schlechte Menschen kümmern sich doch um so was (hoffentlich hab ich jetzt nicht wieder was falsches gesagt).
Also Showtime:
Der Anfang besteht heute ungewollterweise aus einer geradezu wundervollen Slapstickeinlage, alle sitzen auf der Bühne, dann brummt aber hier was, dann braucht der nächste was, ein Aufstehen, hinsetzen und Rumgestolpere ist das, bevor wir überhaupt zum ersten Lied kommen – so müssen Anfänge sein; sie lassen Raum nach oben!
Hm, aber: in den letzten Tagen hatten wir hauptsächlich kleine, enge Clubs mit Direktbezug zum Publikum, heute ist die Bühne eher hoch, alles andere deshalb etwas weit weg für unser Empfinden. Zudem hat uns der Offtag wohl etwas lasch gemacht. Um ganz ehrlich, also schmerzhaft ehrlich zu sein, unsere beste Vorstellung ever geben wir heute nicht. Etwas larifari, ein bißchen verhalten, irgendwie geschwächt, um es geradeheraus zu sagen.
Bei „Mücken“ hänge ich zudem noch konstant einen Halbton über den Akkorden, wasolldas???
Dafür rockt aber Börnski souverän durch seine Lieder, nein, eigentlich spielen alle ziemlich tight und fehlerlos, nur wäre eben etwas mehr Druck von unserer Seite besser.
Den liefert glücklicherweise das Publikum, das gehörig Stimmung macht, und spätestens zum Zugabenteil geht dann wieder richtig die Post ab!

Nach dem Konzert sitzen wir noch eine ganze Weile im Backstagebereich, schwören Eide drauf, daß wir das nächste Mal in Fulda wieder voll da sein werden (Schwur) genießen weiterhin das leckere Catering, führen nette Unterhaltungen und die Zeit bis zu Abfahrt vergeht wie im Fluge.
Nebenbei erwähnt noch, daß auch im Hotel noch einige Kollegen samt Konzertbesuchern sehr ausgiebig feierten, lauthals Beatleslieder sangen und zwischendurch mal Stippvisiten in meinem Zimmer machten.
Mir blieb da nur zu hoffen, daß 1. der Ipod-Akku bald erschöpft sein möge und 2. daß ich mein schwarzes Lieblingshemd wieder zurückkriege, welches auf wundersame Weise aus meinem Zimmer verschwunden ist.

Ansonsten: Alles prima in Fulda – wir sehen uns hoffentlich bald again!

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