Tourtagebuch

Londoner, Gotha

30. Apr. 2009

von Totte

In München erwachen: Regnerisch und grau. Ideales Clubwetter sozusagen.
Börnski und ich schaffen es rechtzeitig zum Frühstück, Lachsbrötchen und Käse, etwas für unterwegs, allerdings vertreibt uns die Musik, ausgerechnet „Smooth Operator“ erschallt, jener Song mit dem uns Claudio allabendlich zwecks Soundcheck quält. Wahrscheinlich nicht mal schlecht, der Song, aber irgendwann reichts eben.
Wir entscheiden uns kurzerhand zur Flucht, Kaffee auf dem Zimmer ist eh gemütlicher. Ich gehe vor, Börnski wird indes von einer Hotelbediensteten aufgehalten, die ihn über Rechte und Pflichten der Hotelgäste aufklärt – so polizeiljargonmäßig das klingt, ist es wohl auch gemeint. Doch nachdem sie ihm das Versprechen abgerungen hat, Tassen und Teller wieder zurückzubringen, darf er passieren.
Zum Kaffee gibt’s eine Doku über The Who, zweifellos eine der grandiosesten Bands überhaupt.
Ich gehe duschen, Börnski macht Liegestütze und untermauert dabei die Gesetzmäßigkeit, daß Tüchtigkeit belohnt wird: Er entdeckt in einem Belüftungsloch des Zimmers ein Versteck, in dem zwei Horror- und Pornofilme gelagert sind. Ist es moralisch verwereflich, sich daran zu bereichern?
Ich denke nicht, jedenfalls, nicht, wenn er mir die Filme ausleiht.
Die Fahrt nach Gotha? Regen, Hagel, Sonnenschein. Ein bißchen Stau, keine Kontrollen in Bayern, ach Menschenskind – anstatt mich über Ereignislosigkeit zu ärgern, sollte ich lieber froh sein, daß alles bislang glatt lief. Die nächsten drei Leerzeilen sollen Euch helfen, die Freude mit mir zu teilen.



Jetzt sind wir in Gotha, werde ich gleich wieder via Gästebuch erschlagen, wenn ich schreibe, daß Gotha mir stets wie der kleine Bruder von Erfurt erschien? Wahrscheinlich. Und wahrscheinlich mit Recht, aber this is just a feeling! Apropos Gästebuch: Jemand hat mir da ja schlechte Laune in Fulda unterstellt. Tut mir leid, wenn das den Eindruck gemacht hat, eigentlich ging es mir mitnichten übel, was aber nichts an meinem Versinger ändert. Aber schlecht singen kann ich auch in bester Stimmung, ernsthaft, pas de probleme!
Doch zurück zu Gotha: Der Konzertraum vom „Londoner“ ist ein ehemaliger Kinosaal, sehr traditionell, Chef Alex ist ein Freund der Liedermachingszene und hat uns gar Kühlschrank und Stehlampe auf der Bühne bereitgestellt. Sehr cool. Nicht ganz so cool leider die Anlage:Jetzt bin ich zugegebenermaßen der letzte, der was von Technik und Soundkauderwelsch versteht, allein, Claudio muß drei Mischpulte bedienen, die strateigisch eher semigünstig im Raum verteilt sind, und auch später im Verlaufe des Abends wird er noch mehrere Liter Schweiß verlieren, bei dem Versuch, den Sound qualitativ zu halten.
Dadurch verzögert sich alles etwas, und unser Support (o ja, wir haben auch heute einen Support) „Max Power“ müssen leider ihrerseits schon bei Einlaß klangklären.
Publikumsmäßig sind unsere Erwartungen übrigens ziemlich gering, heute ist schließlich Tanz in den Mai, und wenn in dieser Jahreszeit mal was los ist in Sachen Nachtleben, dann anlässlich des Maitanzes.
Tatsächlich knacken wir noch locker die 100ergrenze, den Club füllt das sehr gut und Max Power spielen gutgelaunt ein Set, daß gebührend gefeiert wird.
Dann aber Monsters:
Also, mal ohne Scherz: Unsere Konzertanfänge haben sich ja nie durch übermäßige Choreoperfektion ausgezeichnet, aber heute geht alles dereart schief, daß uns vor Freude an der eigenen Kartoffeligkeit Tränen vor Lachen die Wangen runterkullern: Erstens klingt Börnskis Handymelodie zum Einzug wundervoll beknackt, dann setzen gleich beim ersten Akkord Rüdis und Freds Mikros und Burgers und meine Gitarren aus, was erstmal Konfusion erzeugt. Der weitere Verlauf des Abends ist damit aber vorgegeben, und, ganz ehrlich, das ist der schlechteste nicht: Es wird ein wundervoll chaotisch behämmertes Konzert, mit einem enorm feierfreudigen Publikum. Der Partypegel erreicht rasch ein hohes Level und kann gehalten werden. Wir kalauern uns wild und wirr durch unser Konzert, das macht eiune Höllenlaune und hat für uns etwas hererlich unverkrampftes, was wir in der letzten Zeit leider ein klein wenig bei uns vermißt hatten.
Heute regiertz die Lockerheit, Liedermaching im Ursprung, wenn ein Song mal nicht ganz klappt, einfach nochmal oder frei durch rocken.
Leuchtend für uns und hoffentlich auch amüsant für das Publikum – wir konnten aber viele lachende Gesichter erblicken und die Mitmachbereitschaft läßt auf einen guten Abend auch für unsere HörerInnen schließen.
Das Konzewrt vergeht wie im Flug, JR und Anja zündeten wieder tolle Flitterbömbchen, die Wunderkerzenwoge war berauschend und wir beendeten glücklich den Abend mit Eschnapur.
Langes Feiern im Anschluß ist heute aber leider nicht drin, wir haben vier Stunden Fahrt nach Hamburg vor uns, morgen steigt da schon nachmittags unser Katerkonzert, es ghibt also viel zu tun.
Und schon wären wir im Präsens:
Es ist jetztt 1:55 Uhr, wir sitzen seit knapp einer Stunde im Bus, haben bereits zwei Tanken geentrert und langsam macht sich Schläfrigkeit breit.
Mir bleibt jetzt nur noch, im Namen der Monsters alle Beteiligten des tollen Abend zu grüßen, von Alex über seine Crew bis zum geneigten Publikum: So schön sind wir schon lange nicht mehr in den Mai getanzt! Au revoir, auf Wiedersehen. Ganz bestimmt. Gute Nacht!

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