Tourtagebuch

Pumpe, Kiel

23. Apr. 2009

von Totte

Somit wäre die Tour dann auch just gestartet!
Meine Wenigkeit hat allerdings heute eine eher ungünstige Anreiseposition, denn gestern wurde mein geschätzter Vater 60, was ausgiebig bei Spargel und anderen Köstlichkeiten gefeiert wurde. So schön das auch war, heute ärgerts mich etwas, denn nun habe ich eine Strecke von etwa 600 Kilometern zu bewältigen. Immerhin per Zug, da kann ich mir die Zeit mit Lektüre vertreiben. Die Bücher der Stunde:
Franzens Biographie „Die Unruhezone“ und Kraussers „Melodien“ – herade letzeres bereits zum dritten Mal und stets wieder Begeisterungssturm erzeugend. By the way: Die Welt liest zu wenig! Mag polemisch anmuten, ist aber Fakt! Wortschätze gehören erweitert, nicht geschrumpft, wir befinden uns eh auf dem direkten Weg in Richtung Orwells Neusprech, viel weniger darfs dann auch nicht mehr werden, sonst wird Konversation sich künftig nur noch auf Gegrunze beschränken. Alte Perlen gehören wieder ausgegraben: Obacht, wohlfeil, sucht mal selber: Wäre doch schön, wenn der Jugendslang der Zukunft gerade aus derartigen Begriffen bestehen würde, oder? Egal, genug des Pathos...

Umsteigen in Hamburg, Ankunft in Kiel, ahoi werte Pumpe!
Ein toller Club, in dem bereits die Kollegen Burger, Fred und Rüdi sitzen und sich mit den D-Zentral-Filmern Andi, Uwe, Kathrin und Simon besprechen, denn auf dieser Tour schneiden wir wieder ein paar Konzerte für die DVD mit und dasoll schließlich alles stimmen.
Claudio nimmt zusätzlich zum Mischerjob noch die Tonspuren auf, also Doppelbelastung galore für ihn.
Wie sollte es anders sein? Bald sind wir komplett, Börnski kommt von l’arbeit, Pensen von den letzten Aufnahmen für die Pack-Platte, es wird soundgecheckt und im Grunde wäre alles rasch erledigt, würde nicht ausgerechnet jetzt der Computer für den Tonmitschnitt den Geist aufgeben. Armer Claudio, er kommt heute gar nicht zur Ruhe, er macht und tut, abere der Computer macht ausgleichend gar nix. Dennoch muß man an dieser Stelle mal erwähnen, wie extrem cool die Pumpe-Crew ist, denn hilfsbereit wie es nur sehr selten vorkommt, fährt einer des Teams extra nach Hause, um eine benötigte Graphikkarte aus eigenen Beständen zu holen. Zweitrangig, daß der Fehler leider auch dadurch nicht behoben konnte, in erster Linie ist das einfach unglaublich, daß man uns hier so uneigennützig unter die Arme greift.
Unglaublichj auch die Gnocchi, die echte Gaumengeiler darstellen – lecker!

Wer kommt denn da? Oho, Katze Klose himself, der kongeniale Liedermachinggrenzensprenger, der heute netterweise unser Vorprogramm übernimmt.

Und da wollen wir auch mal einsetzen: Um etwa 20:30 Uhr legt Katze los, präsentiert seine Evergreens Russland, Afrika und weitere Glanzstücke verquerer Kompositionen. Das Publikum ist verwirrt but sehr angetan, und so soll es auch sein.
Danach dann Monstertourstart:
Kiel ist absolut anwesend über 220 Menschen begleiten uns bei unserer Kielpremiere – das macht Spaß und beeindruckt!
Mit viel spontanem Elan legen wir los und spielen uns durch ein enorm langes, hoffentlich abwechslungsreiches Set – Altes wie Neues, laut wie leise, ernst bis debil!
Vielleicht lassen uns die Kameras etwas âusschweifender selbstdarstellerisch werden, als wir Profilneurotiker es eh schon halten würden, aber man will ja der Nachwelt sein bestes Bild hinterlassen – und wenn es bloß ein paar Vierzeiler und Zoten sind.
Das Publikum macht enorm gut mit – absolut dufter Tourstart in Kiel!
Unsere Pause dehnt sich zugegebenermaßen etwas über Gebühr aus, doch das liegt weniger an unserer Divenhaftigkeit als vielmehr daran, daß Claudio bis zuletzt versucht, den Computer zu reanimieren. Erfolglos weiterhin, doch das Bildmaterial aus Kiel ist dafür sicher um so schöner – vielleicht untertiteln wir einfach diverse Stellen für die DVD, okay?
Meinen größten Respekt aber ans Publikum, dessen Durchhaltevermögen exorbitant grandios ist, stundenlanges mitmachen und konzentriertes Zuhören – das schafft nicht jeder! Ich mit Sicherheit nicht!
Gar standing Ovations zum Schluß – wow! Einfach wow!

Nach dem Konzert geht dennoch alles recht schnell, ein paar letzte Drinks, dann Abbau, Abfahrt und ins Hotel Wiking, wo Fred und ich noch das Vergnügen haben, den Schluß von „Die neun Pforten“ zu sehen und zu Klangvervollständigung Pensen, Katze und Börnski aus dem Nebenzimmer hören zu können, was zwar einerseits dem Film etwas das mysteriöse raubt, dafür aber nach einer Menge Spaß klingt. Ich denke, die anderen Hotelgäste könnten das bezeugen, würde man sie fragen.

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