Tourtagebuch

Circus Maximus **AUSVERKAUFT**, Koblenz

26. Apr. 2009

von Totte

So, wo wären wir? Ach ja in Wuppertal. Das war sehr schön, gestern: Im Anschluß an das Konzert feierten die Kollegen, Börnski, Rüdi, Pensen, Fred und Claudio noch ausgiebigst im Hotel, genossen die Rohmixe des kommenden Pack-Albums, Supertramp und das nicht unbedingt leise – laut Fred, mit dem ich das Zimmer teile, haben gleich zwei Hotelgäste unabhängig voneinander ihren Unbill darüber vorgetragen. Jetzt ist ihm ein wenig mulmig ob etwaiger böser Blicke am Frühstücksbüffet, nichtsdestotrotz macht er sich auf den Weg, um dort Kaffee für uns zu besorgen.
Ich dusche und erfahre bei seiner Rückkehr, daß –im Gegenteil – alle da unten unglaublich freundlich gewesen seien. Na denn, ab runter.
Zwar ist die offizielle Zeit für Frühstück vorbei, aber wir werden empfangen wie Lieblingsgäste, Spiegel-und Rühreier für uns gebraten und wow! Was für ein Unterschied zu den meisten Hotelbetrieben.
Beim Essen treffen wir noch andere Hamburger Gäste, denen der Name unserer Combo durchaus ein Begriff ist, gut fürs Ego, der Tag wird was!
Wird er auch:
Zunächst geht’s erstmal zwecks DVD-Materialsammlung auf eine Wuppertaler Kirmes, die ist einfach derart retro abgewrackt, daß man hin und hergerissen ist, zwischen Sorge um die Schaustellerbranche und nostalgischsten Erinnerungen aus Kindertagen.
Es wird geschossen, Dosen werden umgeworfen, Pommes gegessen, Karussel gefahren und Autoscooter geschrotet – nach etwa 20 Minuten sind wir durch. Tolle Sache, Glück auf, liebe Schausteller!

Nun aber nach Koblenz: Die Fahrt ist ziemlich ereignislos, Pasqualini foltert und mordet Menschen zwecks tonaler Experimente, aber nur im Roman „Melodien“. Ansonsten war aber eben nichts los auf der Fahrt.

Weil wir recht früh dran sind, steuern wir zunächst das Hotel an, welches uns vom Koblenzveranstalter empfohlen wurde und das uns auch für den morgigen Tag als Offdayschlafplatz dienen soll.
Würde mal sagen: Glükstreffer, die zweite!
Das Hotel ist einfach wundervoll, südländisches Ambiente allerorten, großräumige Zimmer, ein bißchen Hundertwasser hier, etwas Spanien dort – wirklich für einen Kurzurlaub geeignet.
Ich Volldepp allerdings bade direkt, was mich im Anschluß derart müde macht, daß ich kaum mehr auf die Beine komme. Muß aber, schließlich gilt es schon alsbald, zum Circus Maximus zu fahren.
Hier schöne Überraschung Teil drei: Die beiden Meerbuscher (sie nennen sich „Der“ und „the“ Meerbuscher), zwei sympathische Hörer, sind ebenfalls bereits vor Ort, und zwar samt Wohnmobil, welches ein riesiges Sitzpogo-Logo ziert. Sieht beeindruckend aus, wer meint es denn so gut mit uns?
Bestimmt folgen bald Bilder davon, Ehrenwort!
Die M;aximus-Crew ist ebenfalls enorm nett, wir laden aus, bauen auf, checken ... ach, jetzt reichts mal mit Detailversessenheit, es ist nichts außergewöhnliches passiert, Routine auf Tour, Wiederholungen zuhauf!
Das Essen: Grandios – die einen Riesenburger, Steak und Pommes, die anderen frischeste Gourmetsalate!
Burger kränkelt etwas darmtechnisch, Pensen kann medikamententechnisch aushelfen, hat dafür aber immer noch Stimmprobleme.
Stimmungshellend da nicht nur für ihn, daß wir es tatsächlich schaffen, mit gut 140 Zuschauern unseren neuen Koblenzrekord aufzustellen, da der Raum –teilbestuhlt natürlich – damit auch sehr voll ist, entscheiden wir zusammen mit unserem Veranstalter, daß das auch ausreicht- Ausverkauft. Puh, cool!

Wie das Konzert war?

Absolut witzig. Wieder können wir uns darüber freuen, daß unser Publikum aus so netten Menschen besteht, die tolerant rockbereit sind, beim Balladenteil ist es wunderschön still, einer ist etwas zu laut, mit einem leisen Publikums-„Pssst“ angemahnt und flüstert tatsächlich „Tschuldigung“ – alles völlig aggressionsfrei gut gelaunt. Das bekomme ich anbei mit: Ist das nicht der Hammer? Freundlicheres Rockpublikum geht einfach nicht, und das es ein Rockpublikum ist, zeigt sich beim Mitsingen, Mitpogen, mitklatschen – mitmachen eben!

Es gibt viel spontanes, von uns inszenierte Monitorausfälle (was für unseren Tonchecker Claudio allerdings eher wohl nicht so lustig war – sorry), Gerede und Geproste, aber wie gesagt – spontan! Why repeat this? Mein Hirn ist Schweizer Käse und alle Details, die so einen Abend eben ausmachen, lesen sich in der Nachbereitung viel zu zäh, um deren tatsächlichen Leuchtgehalt gerecht zu werden.

Was definitiv bleibt, ist ein sehr gutes Gefühl, Koblenz hat wundervoll gerockt und wir kommen alsbald wieder – auch wenn zugegebenermaßen die meisten gar nicht aus Koblenz waren. Aber das wird auch noch.
Nach dem Konzert ist alles wie meist: Gute Gespräche mit nicht minder guten Menschen, anstoßen, rauchen, Gemeinschaft genießen. Nicht exzessiv, obschon ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau eruieren kann, denn es ist gerade mal 1.09 Uhr, gleiche Nacht und ich schreibe den Bericht jetzt, weil wir morgen einen Offtag haben und ich die Sonne (so sie rauskommt) genießen will.
Ich hoffe sehr, daß darunter nicht die Qualität gelitten hat, denn er ist mit sehr viel echter Zuneigung an den Tag und das Konzert geschrieben. Falls aber doch: Beim nächsten Mal wird er wieder genauer – und ein nächstes Mal, wie oben bereits gesprochen, gibt’s hundertprozentig!

Gute Nacht!

P.S. An den Meerbuscher hier noch wie versprochen la Buchtipp: Jan Off, 200 Gramm Punkrock! (Originaltitel: Vorkriegsjugend) Lohnt sich sehr.

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