Tourtagebuch

Frannz Club *AUSVERKAUFT*, Berlin

13. Nov. 2009

von Totte

Berlin ist ja verdammt groß!
Denke ich, als ich vor dem Fenster von Pensens gemütlicher Hauptstadt-WG stehe und auf die bedrängten Straßen starre: Soviel zugleich, könnte die Formel lauten. Ähnlich just die Formel für Monsters: Schon gestern sind Pensen et moi hierher gedüst, um ein Interview für Radio Eins zu geben, wo wir gar Skunk Anansie an den Mikros ablösten (vor deren Sängerin ich mich immer ein wenig gefürchtet habe – aber sie guckt gar icht so böse, wie ich das via Videos stets zu erkennen glaubte, sondern sehr nett. Mehr weiß ich seitdem allerdings auch nicht über Skunk Anansie), auch im weiteren Verlauf des Abends, den wir mit dem Herrn Noodt des fabelhaften Orchesters Ohrbooten, bei Gerstentrunk und langen Zigaretten gemütlich verbrachren, kreiste das Gespräch stets um die anstehende Monsterstour, die heute in Berlin startet: Die letzten Tage haben wir – neben allen möglichen Querelen wegen unserer DVD – mit dem Vorspielen und üben neuer Stücke verbracht, denn wir wollen schließlich nicht unsere eigene Coverband werden. Dennoch das latente Gefühl, zuwenig geprobt zu haben. Von daher läßt uns die Vorstellung, in wenigen Stunden unsicher auf der Bühne des ausverkauften Frannz Clubs zu stehen, etwas erblassen.
Also Gitarre raus, spielen, Gitarre weglegen, auf die Uhr gucken und sehen: es wird Zeit, zum Club zu laufen. Der Weg beträgt etwa 300 Meter und schon sehr rasch können wir Fred und Urs in die Arme schließen, die den Bus hierher verfrachtet haben, Börnski, Rüdi und Burger kommen alle separat per Bahnverkehr, also erstmal rein in den Laden, die sehr netten Menschen von Trinity Booking und dvom Frannz Club begrüßen, den Bus ausladen und Kaffee und tolles Nußgebäck genießen.
Derbe schön ist auch die Tatsache, daß wir alsbald komplettiert den Backstageraum vollqualmen können, ein herzliches Wiedersehen und alle haben die Hosen voll vor Aufregung.
Die können wir dann aber durch zwei schöne Interviews vertreiben – ich merke just, wie aufschneiderisch der Bericht bislang klingt: Radio, Skunk Anansie, Ausverkauft, Interviews, igitt, ich weiß. Gemeint ist es aber ganz anders: Es knallen zur Zeit soviele Eindrücke auf uns ein, daß wir noch gar nicht recht Luft rauslassen konnten. Die muß aber raus, wegen Co2-Gehalt.
Wir bemerken natürlich, daß sich die ganze Bandsache entwickelt, und hängen ziemlich zwischen der Sorge, allem gerecht zu werden und der Tatsache, dabei aber eben doch eigentlich eine trinkfreudige Gurkentruppe zu sein. Es wird spannend. Heute haben wir neben unserem Merchtisch auch einen Tisch von Amnesty International, denn das ist eine sehr wichtige Organisation und wir weisen hier nochmal darauf hin, das die jede unterstützung gebrauchen können, drum: amnesty-international.de
Wir erfahren zudem, das für heute ab 23 Uhr eine Disco geplant ist, was uns leider dazu nötigt, sehr zeitig anzufangen, um unser gesamtes Programm überhaupt spielen zu können.
Doch scheinbar ist der Berliner ein pünktlicher Menschenschlag, denn schon kurz vor acht Uhr ist der saal sehr voll mit netten Leuten. Darunter auch viele Freunde, Noodt samt Freundin, Ex-Schrödersbackiner Ortwin, the incredible 5Bugs-Drummer, Franco, Uta, Björn uns wie sie alle heißen: da wir nur gute Menschen als Freunde haben, schreiben sie Individualität groß und bestehen auf eigene Namen. Das ist vernünftig, führt aber leider auch dazu, daß vollständige Auflistungen (und die hätten sie verdient) unmöglich sind. Scusi vielmals.
20 Uhr Start: Wir: oweh,oweh,oweh.
Das Licht geht aus und los geht’s:
Ach ja! DARUM macht man das ganze je so gerne: Der Flash, zusammen auuf der Bühne zu sitzen und mit möglichst vielen Menschen Liederfeiern zu zelebrieren, hat uns sofort wieder.
Klar hetzen wir etwas holperig durchs Set, die Songumstellungen bringen eben Neuland mit sich, doch Berlin gibt uns Energie und es glänzen unsere Augen. Die neuen Lieder kommen wirklich gut an, vor allem uns macht es einen höllischen Spaß, diese zu zelebrieren wie sonst was. Ein einfach wunderschöner Einstand, und gerade unsere Schmalspur-Konfettidekoration läßt uns über unsere ganz eigene Art der Minimalrockshow vor Lachen auf den Boden plumpsen.
Es ist richtig gut. Urs kritisiert im Anschluß zurecht, das wir beinahe schon zu routiniert gewirkt hätten. Hm, kann tatsächlich sein. Fakt aber, daß das daran lag, daß wir einfach sehr aufgeregt und unsicher waren, ob alles klappt , ob die neuen Lieder ankommen, wir sie halbwegs fehlerfrei hinbekommen und überhaupt : Tourauftakt ist immer adrenalinoverdose. Vielleicht waren wir deshalb nicht ganz so gelöst, wie es wünschenswert wäre. Aber das kann unsere Laune nicht trüben, denn Berlin war eine Bank.
Nach dem Konzert dann kaum noch halten: Eine Monstersdelegation fährt relativ zügig zum Weddinger Superladen: bei Ernst, wo, wie ich hörte, die Getränke vorwiegend aus den zutaten Whiskey-Cola bestanden und bis in die frühen Morgenstunden serviert wurden, Pensen und ich bleiben gleich in der Frannzschen Disco und verbringen sehr nette Stunden mit Bier, Freunden, neuen Bekannten und Minimalelectroklängen. Hier nochmals viielen Dank an die Frannz Club-Crew, die nicht mal genervt mit den Augen rollte, weil wir einfach nicht wegzubekommen waren.
Es ist etwa 6:30 Uhr, als dann endlich absolut Ende ist, und wir gehen noch Halloumi (schreibt man das so? Wird demnächst gegengecheckt) frühstücken, bevor wir endlich zumindest schon mal in Bettnähe landen, um ein letztes Zigarettchen zu genießen.
Was für ein Abend! Was für eine Nacht! Vielen Dank für diesen schönen Tourauftakt!
Hab ich noch was vergessen? Ganz bestimmt. Aber entschuldigend verweise ich nochmals auf die allgegenwärtige Formel: Zuviel zugleich = Monsterversum. (glückselig seufz*)