Tourtagebuch

Matrix **Ausverkauft**, Bochum

28. Nov. 2009

von Totte

Auf dem Hotelflur klassenausflugmäßiger Trubel: Alle wollen duschen, but there’s only one shower at the floor. Klug wie ich bin, habe ich das gestern bereits erledigt, gegen morgendlichen Harndrang hilft das aber nicht. Leider ist die Toilette im Duschzimmer integriert. So schreeibe ich recht druckvoll zunächst den Tourbericht, bevor die innere Freiheit wieder lachen kann.
Jetzt ist’s auch schon Aufbruchszeit.
Wir verlassen Münster in Richtung Bochum, etwa 70 Kilometer, also wenn während der Fahrt irgendwas passiert ist, ich habs verpennt. Ich verpenne sowieso auf dieser Tour eine Menge, wher kommt das? Und ist das der Bandchronik nicht ziemlich abträglich, wenn der Schreiber ständig döst? Jein.
Denn die Fahrten sind meist folgendermaßen gefüllt: Fred und Claudio wechseln sich beim fahren ab, auf dem Beifahrersitz sitzt Rüdi, weshalb er – aufgrund akkustisch ungünstiger Bauweise des Sprinters – von etwaigen Gesprächen auf den Rücksitzen nie was mitbekommt. Wäre aber auch nicht notwendig, denn auf den hinteren Sitzbänken verbringen die Restmonster ihre Zeit eher lautlos mit Laptopkram, Hörspielen via Kopfhörer, Schlaf und Lektüre zweifelhafter Hefte wie der Bravo oder John Sinclair. Letzterer hat immerhin just gegen einen bösen Vampir gewonnen. Etrwas Leben in die Bude bringt zumindest Teddypard, der inzwischen auch leicht profilneurotische Züge erkennen läßt; er tollt über die Rückbank, übt trockentrommeln ohne Musik und will permanent gekrault werden. Zudem erhebt er aufgrund jüngster Webpräsenz inzwischen immer öfter Anspruch auf die Laptops, und das, obwohl er gar keine Finger zum tippen hat.
Wir sind früh in Bochum, also erstmal ins Hotel. Dieses ist riesig und sehr edel, ich genehmige mir gleich ein langes Bad, um dem Tourschmodder Herr zu werden. Meine Zahnbürste löst sich leider beim putzen auf, gerade so entkomme ich dem Erstickungstod durch die Borsten, dennoch: Ich brauche Zahnhygiene.
Ein paar Einkäufe also im nahegelegenen Kaufland (Zahnbürste, Ingwer, Käsebrötchen), dann wieder ins Hotel, ein Kaffee auf dem Zimmer und Abfahrt zum Club.

Der/die Matrix ist ein verwinkelter Discoladen mit zwei Räumen, hier ein kleiner Schock: Wir sollen im kleinen Saal spielen, der Schwierigkeiten haben wird, 200 Menschen mit Bühnensichtgarantie aufzunehmen. Dabei ist der Vorverkauf schon bei 210 Karten. Wir überlegen hin und her, diskutieren und überlegen weiter. Der große Saal ist leider discomäßig verbucht, glücklicherweise ist die uns betreuende Crew sehr entgegenkommend, also entscheiden wir uns, die Bühne vermittels Bühnenelemente zu erhöhen und auch Barhocker zu benutzen, um auch weiter hinten gesehen werden zu können, zugleich werden wir nicht mehr als 250 Leute in den Club lassen, denn etwaige Nachzügler völlig ohne vorherige Info vor einem Ausverkauft-Schild stehen zu lassen, wäre enorm unsozial.
Inzwischen drängt auch die Zeit, um 19 Uhr ist Einlaß, bis 23:30 müssen wir mit unserem Programm wegen der Disco durch sein. Die Wohnraumhelden, die uns heute als Support die Ehre geben wollten, stecken zudem noch hoffnungslos im Stau, das wird leider nichts mehr.
Soundcheck im Speedgewand, essen und abwarten:
Im Grunde sind das alles heute eher schlechte Voraussetzungen einen guten Monsterabend, aber da haben wir unsere Rechnung ohne den Ruhrpott gemacht:
Heute erleben wir einen der schönsten Abende der gesamten Tour, so mein Empfinden und am Strahlken der Kollegen kann ich erahnen, daß es ihnen ganz ähnlich geht.
Das Publikum – darunter auch viele Freunde und Bekannte – gehen sowas von ab, daß der ganze Raum strahlt.
Und auch wir sind vom ersten Moment an in absoluter Spiellaune: Es wird viel interagiert, gelacht, funkelnde Momente gibt es en masse, der Mitsingpegel ist ohrenbetäubend und Schunkeln und Pogo lassen den Raum beben.
Auch der ruhige Teil funktioniert hervorragend, trotz beginnenden Discolärms im Nebensaal.

Völlig euphorisiert beenden wir das Konzert mit der gesamten Zugabenrutsche, sogar Kartetov klappt grandios – Ruhrpott rules eben! 1000 Dank!

Wir tummeln uns auch anschließend noch eine ganze Weile im Club rum, prosten und quatschen mit vielen Menschen, ich gehew mir ein Bier im Backstageraum holen, aber als ich wieder back in da club bin, sind scheinbar alle gegangen.
Ach schade, irgendwie sind nach unseren Konmzerten immer alle schon weg. Glücklicherweise sind aber im Backstagraum selbst noch einige nette Menschen mit Trinklaune, darunter auch die Wohnraumhelden, die es dann zumindest noch hierher geschafft haben.
Schade, daß der Auftritt nicht zustande kam, aber in Bielefeld zum Tourabschluß spielen sie ja auch noch auf. Darüber hinaus sind die beiden auch mehr als angenehme Zeitgenossen, so verwundert es kaum, daß auch im Hotel noch eine ganze Weile weitergefeiert wird.
Ich mache allerdings schon bald schlapp, denn – wie gesagt – ich bin ja immer müde. Hab ich noch was verpaßt? Bestimmt!
Bochum, es war grandios! Auf bald, hoffe ich! Und raumtechnisch werden wir dran arbeiten, versprochen.

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