Tourtagebuch

E-Werk, Erlangen

24. Nov. 2009

von Totte

Ausgeschlafen. AUSGESCHLAFEN!!! What a novum! Auf Tour ist man eigentlich immer zu früh unterwegs, denn Hotels sind prinzipiell nachtarbeiterunfreundlich, man kommt um 3 uhr morgens ins Zimmer, kann aufgrund Adrenalinpegelüberhöhung nicht schlafen und wird an den Pranger gestellt, wenn man nicht allerspätestens um 12 Uhr Mittags alle Spuren seiner Existenz beseitigt hat.
Jetzt wo ich das schreibe, denke ich allerdings selber: „Hm, 3 Uhr bis 12 Uhr Zeit. Das geht doch eigentlich.“
Trotzdem werden es irgendwie nie mehr als 4 Stunden netto – entweder läuft der Fernseher zu laut weiter oder man liegt verarbeitungsmäßig zu lange wach oder dies oder musste unbedingt doch erst noch schnell feiern gehen oderoderoder...
Ist ja auch egal, denn – wie gesagt – heute: AUSGESCHLAFEN!
Meine Nase ist leider recht dicht, dabei habe ich es für diese Tour mit vielen Nasenspülungen, Ingwer und Vitaminen probiert, gute Prophylaxe zu betreiben. Wahrscheinlich hat die Vitamindosis meinen Körper verwirrt.
Die Laune aber ist allgemein sehr gut, was mit Sicherheit auch auf Teddypard zurückzuführen ist, der den Bus stets bewacht und jedwede Schlechtlaunefront mit süffisanten Grinsen, Breakdanceeinlagen und Pantomimenspökes rasch vertreibt. So sind Rocker: Kaum ist ein flauschiges ^Maskottchen an Bord, verwandeln sie sich in betört grinsende Softies. We like it.
Die Fahrt nach Erlangen ist derart unspektakulär, da gönne ich mir doch gerne den Luxus und überspringe sie ganz.
Das E-Werk in Erlangen haben wir schon diesen Sommer besucht, wir wissen also schon im Voraus, daß wir doret sehr nett empfangen werden. Und so ist es auch: Das Team um Stefan ist sehr sympathisch und rührend um unser Wohl bemüht. Leckere Aufschnittplatten, Kaffee und Salzgebäck lassen die Zeit bis zum Soundcheck fix vergehen, in der Zwischenzeit dürfen wir noch schöne Interviews mit zwei Radiosendern führen; die machen Spaß und der Soundcheck gute Laune.
Was sehr heftig ist: Zum Konzert haben sich heute über 400 Menschen entschlossen, mitzufeiern. Das ist ein prima Anblick und erstaunt uns baff!
21 Uhr Showtime:
Leider sind wir heute – aus welchen Gründen auch immer – etwas zu verpeilt: Vielleicht liegt es daran, daß wir nun schon das sechste Konzert in Folge spielen, aber wir sind alle etwas unkonzentriert und eine Spur zu albern. Sowas kommt mal vor, das ist zwar unprofessionell aber wir sind eben nur Monster. Da setzt die Disziplin leider manchmal etwas aus.
Es ist aber keineswegs so, daß wir lustlos oder abwesend wären, im Gegenteil, Ursprung unserer Albernheit sind vielmehr trügerische Sicherheitsgefühle, Spaß und ausgeglichenes Schlafdefizit.
Manchmal passiert es auf der Bühne, daß die Anspannung vorangegangener Tage sich plötzlich mit einem Knall entlädt:
Das zeigt sich dann in –für Außenbetrachter völlig unverständliche – Insiderwitzen, die sich die sechs Protagonisten um die Ohren hauen, worauf sie gleich in teenagerartige Kicherorgien verfallen.
Glücklicherweise ist das Erlangener Publikum extrem nachsichtig und zeigt sich seinerseits von einer höchst respektablen professionellen Seite; es macht mit und klatscht, lacht und singt aus vollen Kehlen.
Zum Zugabenteil dann ein Wahnsinsanblick: Durch die großzügige Bestuhlung ist fast jeder im Saal in der Lage, euphorisch am Sitzpogo teilzunehmen – ein irrer Anblick. Auch die Konfettigranaten sehen heute durch die Höhe der Halle sehr beeindruckend aus.
So können wir uns nach den Zugaben allen selbstgestellten Widrigkeiten zum Trotz dennoch gut gelaunt in die Arme fallen, wobei wir uns schwören, beim nächsten Auftritt in Erlangen wieder etwas konzentrierter an den Abend heranzugehen.
Wir bleiben noch eine ganze Weile vor Ort, unterhalten uns mit netten HörerInnen und besprechen den Abend zuguterletzt noch einmal im Backstageraum.
Große Rührung kommt auf, als wir einen Brief vom Veranstalter Stefan gereicht bekommen, indem er sich für den Abend bedankt und seine verfrühte Abreise entschuldigt. Das war noch nie da und ist eine wirklich supernette Geste.
Jetzt wird es aber auch für uns Zeit, die Koffer zu packen und nach Regensburg zu reisen, wo wir morgen aufspielen wollen.
Logistisch sehr geschickt ist dabei, daß auch unser Hotel für heute dort steht. Denn für uns bedeutet das: Kein frühes Auschecken, keine lange Anfahrt, sondern: AUSSCHLAFEN! Luxusleben pur. Erlangen, wir danken Dir (und Umgebung) – bitte sehr gerne wieder! Ihr wart heldenhaft! Und wir werden alles geben, Ehrenwort!

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