Tourtagebuch

Musa, Göttingen

19. Nov. 2009

von Totte

Es ist wahrscheinlich nicht gut, an Omen zu glauben. Bzw., man sollte nur guten Omen vertrauen. Gerade zum richtigen Tourstart – und das wäre heute – kann es nämlich immens verunsichern, wenn man einem latenten Aberglauben frönt: Jetzt habe ich mir die „Dorfpunks“-DVD gekauft, um mich vor der Abfahrt noch gemütlich in wilde Wallungen zu schauen, und nun streikt der blöde Silberling!
„Das kann ja was werden“, denke ich verärgert, „wenn jetzt schon nichts klappt!“ Inwiefern ein Film mit unserer Konzertreise überhaupt in Zusammenhang stehen sollte und was das Schicksal DAMIT nun schon wieder sagen will, weiß ich aber auch keine Antwort. Omen eben...
Was soll ich groß zum Ablauf des Tages beschreiben?
Die Hamburger-Molfraktion trifft sich in der Flottbekvilla, wir beladen den Bus, trinken ein paar Kaffee und düsen los.
Die Reisezeit vertreiben wir uns mit den Einlaß-Musik-CDs, die jeder von uns zu kompilieren die Aufgabe hatte: Pensens CD bietet eine eher Hiphop- und metallastige Mischung, während Börnskis Album mehr in die Richtung Laid back geht. Sehr schön.
Rüdi werden wir direkt im Club treffen, Urs und Burger springen unterwegs auf.
Ankunft in Göttingen, wir werden sehr herzlich von der Musa-Crew empfangen, sind aber so ausgehungert, daß wir relativ unsmoove gleich in den Backstageraum einfliegen, um uns an den zahlreichen Leckerbissen schadlos zu halten. Backstageräume sind toll!
Wir sind wieder komplett, große Freude kommt auf, als denn auch der Wohnraumheldentroß einläuft – Wohnraumheldenbegegnungen sind stets ein Stimmungsaufheller galore.
Kurze Setlistenbesprechungen, diverse Biere bei diversen Kollegen, mehr Kaffee, viel Wasser und Nikotin sowieso, der Raum wird langsam zur Räucherkammer. Zwar mache ich mir –als Quartalshypochonder – wieder mal enorme Sorgen um Stimme, Hals und Leben, rauche aber natürlich selber wie bekloppt mit.
Was total erfreulich ist, ist die Vorverkaufszahl: Sowieso lassen die Zahlen dieser Tour uns jetzt schon freudig erröten, womit wir das verdient haben? Keine Ahnung. Aber schon ein tolles Gefühl.
Soundcheck, Soundcheck, alles gut. Urs zaubert einen wahrlich zauberhaften Klang in den Raum.
Zum Drumherum gibt’s aber eigentlich auch nicht mehr zu sagen, drum kommen wir doch gleich zum Konzert:

Über 300 Menschen haben den Weg hierhin gefunden und die sind in Laune:

Die Wohnraumhelden (.de) eröffnen und machen gleich die Sache klar: Frenetische Appläuse und laute Chöre zu den wonderful bizarren Songs des Dynamic Duos, lassen den Saal erbeben. Großes Kino!

Dann Monsters:
Wire kann man das beschreiben? Tierisch! Einfach grandios! Man sollte zum Tourstart mit Superlativen vorsichtig sein, sonst glaubt einem irgendwann keiner mehr. Aber es ist eben einfach grandios heute: Göttingen ist extrem am Start und wir sind auch ordentlich in Spiellaune! Meine Wenigkeit zwar today etwas unsouverän, aber das machen die fünfd Kollegen locker wett!
Und vom Publikum kommt derartig vciel Power, das man gar nicht anders kann, als mit ewinem breiten Grinsen mitzuschwingen, in der Woge aus freundlicher Atmosphäre. Daß dann beim Balladenteil dann auch tatsächlich fast ale komplett still sind, lässt unseren Respekt nur noch steigen. Wahnsinn.
Gernstens geben wir Zugaben, heute natürlich auch mit eiunem kurzen Wohnraumhelden-Intermezzo, zudem noch – Premiere – mit einem weiteren Teil der Algerien-Reihe. Da wir das Lied noch nie geprobt haben, heute äußerst zittrig, unbeholfen und mit Textzetteln in den Händen. Aber es macht einfach Spaß!
Sehr glücklich fallen wir uns im Anschluß an den gelungenen Abend in die Arme, dann wird natürlich noch eine Weile weitergefeiert.

Der Weg ins Hotel ist schlußendlich auch kein Problem, problematisch wird’s indes, das dritte Zimmer dem dritten Hotel-Schlüssel zuzuordnen, denn dem fehlt jegliche Nummerierung: Große Geister könnten nun sagen: Checkt doch einfach die Nachbarzimmer auf Zugehörigkeit. Tun wir, leider aber werden Bands scheinbar gerne so untergbebracht, daß die Zimmer möglichst weit auseinmander liegen, wohl, um etwaigen Klischees von Hardrockchaos entgegenzuwirken.
So laufen Fred und ich die Korridore hilflos entlang, probieren die Schlüssel aus, bemerken aber alsbald, daß wir so nicht weiterkommen.
Also zur (nicht besetzten) Rezeption, dort gibt’s zumindest eine Notfalltelefonnummer. Die zuständige Dame ist auch sehr nett, kann uns aber zunächst auch nur anraten, diverse Zimmer in Bandnachbarschaft zu testen.
Also back to the rooms, wo sich auch urplötzlich eine Tür öffnet. Leider nicht durch den Schlüssel, sondern durch einen übermüdeten Hotelgast, der recht eindrücklich davor warnt, es weiterhin bei ihm zu versuchen, denn sonst gäbs richtig auf die Fresse. Da ich von Natur aus ein ängstlicher Mensch bin, erspare ich mir Bemerkungen über seinen unmodischen Pyjama und flüchte lieber schnell. Nochmal die Notfallfrau angerufen (wie das klingt: Notfallfrau), und endlich gibt’s einen guten Tipp: Den Schlüsselautomaten vor dem Hotel: Bei Eingabe eines Passwortes kriegt man einen neuen Schlüssel zugeteilt.
Somit hat auch diese schillernde Anekdote ein glückliches Ende gefunden, und ich weiß endlich, wofür das schlechte Omen stand: Puh, hätte schlimmer kommen können. the tour has started...

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