Tourtagebuch

Sputnikhalle, Münster

27. Nov. 2009

von Totte

Aber hallo: Wir sind jetzt schon neun Tage unterwegs, drum könnte man ruhig mal eine kleine Zwischenbilanz ziehen:
Der Verbrauch an Ingwer liegt nun bei der dritten Knolle, zwei Dosen Ipalad, die Ginsengkapseln gehen aus und auch die Meersalznasenspülungsvorräte neigen sich auch dem Ende. Und was zum Teufel hat das noch mit Rockenroll zu tun? Hm. Immerhin halten dafür noch alle Stimmen und kein Monster musste bislang krankheitsbedingt aussetzen. Toi,toi,toi.
In dem luxuriösen Hotel in Wiesbaden genießen wir den morgendlichen Kaffee, Fred schreibt fleißig den Tourbericht, während ich verzweifelt versuche, meine nostalgische Begeisterung für John Sinclair beizubehalten. Gestern habe ich mir einen Sammelband gekauft, „Mallmanns letzte Fälle“, und jetzt quäle ich mich damit rum: Sowas blödes, da läuft gerade mal ein Vampir durch den Schwarzwald und Sinclair kriegt es nicht auf die Reihe. Wieso holt der Trottel nicht endlich sein Superkreuz raus und macht dem Spuk ein Ende? Seite um Seite um Seite informiert er den Leser, daß Vampire echt gefährlich sind, macht aber nix, um dem Bösen Einhalt zu gebieten. In meiner Tasche liegt ein angelesener Nabokov und verhöhnt mich ob meiner Lektüre. Schnauze Vladimir!
Auweia, das wars dann mit Mallmanns irdischem Leben und nun müssen wir auch los.
Im Bus geht gleich der Trubel los:
Es gibt viel zu tun in Sachen Teddypard. Die Homepage will weiter gestaltet werden. Burger macht das ganze sehr gut, es beginnt ein reger Datenaustausch, diuverse Diskussionen um gestalterische Details, allein Teddypard himself sitzt in aller Ruhe inmitten des Chaos und fordert nur gelegentliche Kraulmassagen. Neugefährten Igli wird die Sache irgendwann zu dumm, und an einem McDonalds verabschiedet er sich, um mit einer Kleinfamilie neue Gefilde abseits des Rockbusiness zu erkunden. Bye,bye, Igli!
Stau, Schlaf, Kippenmpausen im Regen und Ankunft – ja, ich weiß, Wiederholungen pflasterten seinen Weg. Fanta 4-Smudo behauptete ja dereinst in einem Interview, auf Tour sei das Konzert die einzige Konstante. In welcher Welt lebt der denn eigentlich? Müssen die nicht auf Tour: In den Bus (na gut bei ihnen: Nightliner)steigen, losfahren, soundchecken, spielen? Na bestimmt: Konstante über Konstante...
Aah, die Sputnikhalle: Klasse Rockerladen, ein sehr cooler Laden mit einem netten Team. Nur etwas zugig im Backstagebereich, aber dem wird rasch mittels Gasheizung (nee, so einer überdimensionierten Gasflasche und Brenner und dann wird’s schnell heiß, wie heißen die DInger denn?) Abhilfe geschaffen, innerhalb von Sekunden ist es molligst warm.
Die Laune im Monstertroß ist übrigens die gesamte Tour über extrem gut, schon lange haben wir nicht mehr eine derartig harmonische Tour gehabt. Es wird viel gelacht und wenig diskutiert. Und wenn, dann nur über schöne Dinge, so zum Beispiel die Setliste, die wir noch ein kleines bißchen umgestalten. Dann Soundcheck und Einlaß.
Etwas ärgerlich die Sache mit der Rockabillydisco im Anschluß: Durch leicht ungünstigen Informationsflow sind heute die zwei Termine Monsters und Disco zusammengefallen, unds wir müssen mit dem Clubteam einen Notfallplan erstellen, denn ursprünglich war geplant, daß die Monsters bis 11 spielen und im Anschluß gepflegt die Discogäste Einlaß erhalten. Das geht natürlich überhaupt nicht, denn unser Konzert beschneiden wäre unserem Publikum gegenüber unfair. Glücklicherweise kommt uns die Crew der Sputnikhalle entgegen, dafür kürzen wir die Pause ein bißchen.
Einlaß: Also diese Tour hat es echt in sich. 340 Menschen haben Laune auf uns, darunter auch wieder die Zwillingscrew und les Meerbuscher, von denen einer heute gar sein 25tes Molkonzert feiert: Gratulation! Ebenfalls Gratulation an Martin und Jan Niklas, die heute Geburtstag feiern.
Auch Amnesty International haben heute wieder einen Stand bei uns, bitte checkt amnest-international.de und helft, denn die tun Gutes und brauchen jeder Form der Unterstützung!
21 Uhr: Monstertime!
Zugegeben, ich habe in der ersten Hälfte des Konzerts ein bißchen Probleme, mich einzugrooven, denn heute ist alles ein bißchen unruhiger als gewohnt. Wir verwöhnten Bengels sind eben sehr aufmerksames Publikum gewöhnt und zumindest ich werde schnell nervös, wenns mal etwas unkonzentrierter wird. Aber man sollte nie vergessen, daß wir heute: 1. in einem großen Club, 2. an einem Freitag Abend und 3. vor Leuten spielen, die uns hauptsächlich von Festivals kennen und gar nicht genau um unsere ruhigeren Nuancen wissen können. Es ist also noch Aufbauarbeit vonnöten. Und vor allem: Ab der zweiten Hälfte bin ich dann doch vollend angekommen und registriere auch die vielen lachenden Gesichter. Und es wird noch besser: Entgegen meinem Geunke schafft es fast die gesamte Halle, beim Balladenteil zuzuhören, das ist derart unfaßbar, daß ich alles zurücknehme und sofort darauf bestehe, daß es sich beim Münsteraner Publikum um ein extrem tolles Publikum handelt!
Und der Mitsing- und Abgehpegel bei den Partyliedern ist exorbitant großartig!
Sogar die Unplugged-Zugabe ganz zum Schluß bekommen wir noch hin, trotz nun einströmender Rockabillydiscobesucher, die naturgemäß wenig Interesse an Liedermachern haben.
Absolut von Herzen kommendes Mille Grazie an Münster!
Nun ist aber Disco, Claudio, Rüdi und Börnski wollen da mittun, ich trinke ein schnelles Bier mit den sympathischen Konzertbesuchern Lars, Basti und Sven, denen ich vor unserer Abfahrt noch empfehle, was ich auch den geneigten Lesern dieser Zeilen empfehlen möchte: Diesen Montag, am 30.11. spielen die tollen Ohrbooten zusammen mit Pensens Zweitband Das Pack in der Sputnikhalle – hingehen lohnt auf jeden Fall!
Jetzt aber erstmal abdüsen, ein kurzer Stopp beim DönerKing, und rein ins Hotel, das definitiv Jugendherbergsflair besitzt, samt Etagentoilette und Dusche. Auf geschätzten vier Quadrartmetern sitzen wir noch gemütlich beisammen und lauschen Tom Waits – die Welt ist riesig und unser Kosmos schön! Arigato und gute Nacht!
Ach so, P.S. checkt mal www.teddypard.de

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