Tourtagebuch

Schlachthof, Wiesbaden

26. Nov. 2009

von Fred

Hotel in Regensburg. Tag 8 von 11. Das Verhältnis Schmutz- zu sauberer Wäsche in meiner Reisetasche hat sich merklich gedreht, doch nach einer kurzen Inventur errechne ich: es ist genug frisches Zeugs bis Montag vorhanden.
Pünktlich um 11 Uhr versammeln wir uns zur Abfahrt. 50 Meter später schon der erste Stopp bei einer Mercedes Vertragswerkstatt, um eine Glühbirne für das linke Abblendlicht unseres Tourbusses zu kaufen. Burger baut die defekte Birne aus (dauert 12 Sekunden) und - kommt erst geschlagene 30 Minuten später mit einer neuen aus dem Laden heraus. Diese Mercedes-Bürokraten wollten den Fahrzeugschein, Burgers Geburtsurkunde und Lebenslauf sehen, bevor sie uns ihr kostbares Ersatzteil aushändigen. Rechnung schreiben, ausdrucken, doppelte Durchschrift, Bescheinigung der Durchschrift des Durchsichtexemplares etc. etc... Mein Gott, gebt uns doch einfach eure Kack-Glühbirne! Burger baut die Birne ein (dauert 12 Sekunden). Mon dieu, Superservice für eilige Kunden, Herr Mercedes.
Später Mittagspause an einem Rasthof. Sensationell beschissene Bratkartoffeln.
Ich bin müde. Im Bus nix neues, außer: Totte liest einen John Sinclair Roman, Rüdi brennt eine CD mit Einlassmusik für heute und die seit 2 Tagen im Bus kursierende Bravo ist mitterweile ausgelesen. Apropos Bravo: Super In&Out Liste. Laut Redaktion des Teenie-Magazins zur Zeit mega-in: Toleranz. Out: Das Reissen von zu dünnen Einkaufstüten. Kein Witz.
Naja.
Gegen 16 Uhr Ankunft am Schlachthof.
Dann der Schock: Eigentlich erfreulich, wird uns doch von der sehr netten Ladencrew verkündet, dass aufgrund des guten Vorverkaufs der kleine Saal zu klein für uns ist und das Konzert darum in den großen verlegt wurde. Eigentlich schön, aber dann: Der Blick in den großen Saal --- ächz --- der ist riiiiiiesengroß. Viiiiel zu groß für unsere kleine Band, die Bühne ist gefühlte 2km hoch und 130 km breit und im Zuschauerraum kann man ohne Probleme mit einem Hubschrauber Loopings fliegen.
MOL Soundchef Claudio ist von der Bühne aus an seinem Mischpult nur mit einem guten Fernglas zu erkennen.
Nun gut, vielleicht übertreibe ich etwas. Ein wenig, ja, stimmt, aber trotzdem.
Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt, wie sich so eine große Halle auf unser Konzert auswirken wird.
Kurz nach 20 Uhr Showtime.
Zu Beginn ist es tatsächlich mehr als ungewöhnlich, dass das Publikum so weit weg sitzt, Nicht nur das, auch die Wege sind länger, der Kühlschrank beispielsweise steht 10 Meter weit weg, hmmja, alles irgendwie komisch. Vor lauter Aufregung zünde ich mir eine Zigarette an, nach 2 Zügen erst fällt mir das Rauchverbot wieder ein und ich drücke sie hektisch aus.
Relativ unbeeindruckt von dem ganzen zeigt sich das Publikum. Von Beginn an prasselt lauter Applaus auf uns ein, wir werden nahezu euphorisch empfangen, was unsere Herzen jubeln und uns die ungewohnte Hallengröße schnell vergessen läßt! Danke, Leute, wirklich, wirklich großartig.
Das Konzert wird in meinen Augen schön. Auch wenn es das achte Konzert in acht Tagen ist, die Müdigkeit ist schnell weggerockt, das Adrenalin pusht, es wird eine rauschende Party mit leuchtenden Momenten. Tatsächlich wird es, obwohl die größte Location der Tour, beim Balladenteil mucksmäuschenstill – grandioso!
Als das Konzert vorbei ist, bin ich erleichtert, dass alles gut geklappt hat. Eine kurze Zigarette, dann ab zum Merchandising, noch ein paar kurze angenehme Gespräche mit ein paar Anhängern, ein Autogramm hier, ein Foto da, puh, fühl mich erschöpft, aber sehr wohl hier im Wiesbadener Schlachthof.
Teddypard (www.teddypard.de) wurde es unterdessen wohl zu dumm, immer nur auf den Tourbus aufpassen zu müssen, hat sich also heimlich in den Club geschlichen und alles ein bißchen abgecheckt. Vielleicht hatte er auch einfach nur Kohldampf und wollte sich am hervorragenden Catering verlustieren... wie auch immer, nun kommen wir wieder in die Backstage, und dann sitzt er da vollgefressen auf der dicksten Couch, neben ihm, noch etwas schüchtern, sein neuer Buddy namens Igli. Was das denn jetzt? Igli taut schnell auf und gesteht, gerne mit uns ein paar Tage auf Tour mitfahren zu wollen... er möchte mal was anderes von der Welt als immer nur Wiesbaden sehen. Na, das kann ja was werden... Fortsetzung folgt in unserem Tourtagebuch und in der Fotogalerie.
Nun, also zu neunt verabschieden wir uns vom Schlachthof und nehmen den kurzen Weg ins Hotel, Burger ist gottseidank nüchtern geblieben und steuert das Gefährt sicher bis auf den Hotelparkplatz, jetzt haben wir auch kein schlechtes Gewissen mehr, Teddypard im Bus zurückzulassen, nun ist er ja nicht mehr allein.
Auf Rüdis und Claudios Zimmer nehmen wir noch einen paar kleinen Absacker, hören noch ein bißchen Musik und dann geht´s zum schlafen ab ins Bett.
Gute Nacht und danke für den schönen Abend, ihr Wiesbadener und Umgebung!
P.S. Apropos Umgebung: nun erst recht können wir es kaum erwarten bis zum Jahre 2010 , wir sind ja z.B. im Februar in Darmstadt und im April in Frankfurt (checkt gern unsere Tourdaten!)

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