Tourtagebuch

Groovestation *Ausverkauft*, Dresden

26. Feb. 2010

von Totte

Ein Zimmer mit Börnski zu teilen, ist stets ziemlich komfortabel: Er schnarcht und riecht nicht und macht sich überhaupt nichts draus, wenn man schnarcht und riecht. Da schnarchen und riechen aber wirklich nur temporär zu ertragen sind, wache ich lieber auf und dusche. Zwei Probleme schon um 11 Uhr morgens erledigt, so muß ein Tag beginnen.
Der Himmel über Leipzig ist grau, viel anders ist es auch nicht in Dresden. Immerhin schneefrei, das Wetterchaos hat uns auf dieser Tour wirklich verschont. Geli äußerte vor Abfahrt noch den unbedingten Wunsch, unterwegs bei Mc Donalds zu halten, was natürlich wieder mal nicht klappt. Zwischen Wunsch und dessen Erfüllung liegen bei den Monsters immer Stille-Post-Übermittlungsfehler im sechsstelligen Bereich, so landen wir bei Nordsee, etwa zwei Kilometer vor dem nächsten Mc Donalds. Sie trägt das aber mit Fassung.
Die Groove Station erreichen wir ziemlich zeitig, ganz in Ruhe können wir erstmal Veranstalter und Photograf Stefan Böhler begrüßen, Kaffee trinken und uns umschauen. Der Club ist ziemlich schön und liebevoll eingerichtet, einziges Problem heute: Um 23:30 Uhr beginnt im Keller unter der Bühne eine Disco, die ziemlich laut sein wird. Da die Printmedien das Konzert erst für 21:30 Uhr angekündigt haben, kann man sich leicht ausrechnen, um wieviel Zeit unser Konzert schrumpfen müsste, um vom Prollkrach gänzlich unbehelligt aufspielen zu können. Schweren Herzens entscheiden wir uns für den Kompromiß, bereits um 21 Uhr wie auf den Tickets angekündigt anzufangen und die Pause zu verkürzen. Mehr können wir leider nicht machen.
Immer noch viel Zeit bis zum Konzert. Rüdi und ich gehen Batterien kaufen und uns fällt wieder auf, wie schön Dresden gerade in der Neustadt ist.
Back in da club können wir auch schon Claudio in die Arme schließen, der unsere letzten drei Konzerte technisch betreuen wird. Der smoove Hamburger ist in letzter Zeit tourmäßig ziemlich rumgekommen und weiß spannende Anekdoten aus dem Konzertalltag zu berichten.
Wir hingegen: Äh, mhm, ja wir haben auch schon mal gefeiert.
Der Soundcheck verläuft ziemlich problemlos, dann gehen die Kollegen essen, während ich nochmal etwas im Slash-Buch lese: Kann ja sein, daß die Guns'n'Roses riesig wichtig waren, aber unsere Touren scheinen mir doch viel schöner zu sein. Ich hab jedenfalls noch nie den Wunsch verspürt, per Anwalt mit meinen Mitmusikern zu kommunizieren oder Heroin zu spritzen, nur weil sich der Ablauf etwas verzögert.
Zum Einlaß wird schnell klar: Dresden ist ausverkauft. Gut 300 Menschen kriegen wir in den Raum, dennoch stehen noch etwa 50 Menschen ohne Karte da. So sehr mir das für diese Leute leid tut, so cool ist aber auch die Resonanz, de wir mit Sicherheit nicht zuletzt Stefans Engagement zu verdanken haben.
Die Groove Station ist proppenvoll, gar keine Frage, vor derartiger Kulisse kann man nur adrenalinpegelmäßig high gut gelaunt sein. Um Punkt 21 Uhr gehts los.
Und Dresden zeigt sich mal wieder von seiner allerfeinsten Art. Es ist ein tolles Konzert, voller spontaner Momente, so mag ich es am liebsten. Wir schießen uns die Bälle zu und Dresden macht voll mit!
Burger zerschießt versehentlich Börnskis Moti und stiehlt im so die letzte Strophe, aber das macht kaum was, denn insgesamt verläuft der Abend so rund wie kaum was.
Leider setzt tatsächlich sehr zeitig der Discolärm ein, das wummert von unten und gibt den Takt vor. Möglichst charmant bemühen wir uns, den Krach einzubeziehen, das gelingt hoffentlich ganz gut, das Publikum spielt jedenfalls sehr mit und wir sehen eigentlich nur nette, lachende Gesichter.
Da Kartetov unplugged heute unmöglich zu spielen ist, spinnen wir etwas rum und diskutieren on stage kurz über die Frage, ob das Publikum diesmal vielleicht statt stillem Applaus einfach durchgängig so laut wie möglich sein könnte, wir denken 'Nein', da legen die Leute schon los und es entsteht eine unfaßbare Beatlemania-Situation, die uns total von den Socken haut!
Ab-So-Lut gigantisch!
Dresden, Dresden, wie machst du das immer nur? Was für ein Fest!
Im Anschluß an das Konzert lernen wir tatsächlich noch Teddypards Befreier kennen, naturgemäß extrem nette Menschen namens Chris und Cathrin, denen wir nicht genug danken können. Teddypard selbst ist dadurch etwas von der Rolle, klar, solche Situationen sind ja naturgegeben emotional sehr fordernd, jedenfalls raucht er heute überraschend viel und rappt glasig freestyle am laufenden Band.
Dazu muß man sagen, daß wir heute in einer Künstlerwohnung direkt neben der Groove Station wohnen, wo wir ein Homerecordingstudio aufgebaut haben und die ganze Nacht über ziemlich derbes Zeug aufnehmen. Dazu gibt es Bier, Whiskey und Zigaretten vielerlei Art. Es ist eine zauberhafte Atmosphäre und die zieht sich -wie mir berichtet wurde - bis in die frühen Morgenstunden. Ich für meinen Teil bin um etwa 4 Uhr fertig mit mir und der Welt und muß schlafen gehen. Vom Nebenzimmer dröhnt noch diffusester Klang herüber und wird meine Träume bestimmen. Einfach wundervoll. Pah, Guns'n'Roses: Soviel Spaß wie bei uns, da wirkt das Buch wie ein einziges Trauerspiel. Monstern macht Laune! Fakt!

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