Tourtagebuch

Kulturwerkstatt, Paderborn

22. Feb. 2010

von Totte

Mal etwas zu Teddypard: Dieser Raubtiger aus Kartetov ist ja unser siebtes Monster. Gestern in Krefeld war er ausnahmseweise mal mirt auf der Bühne. Im Anschluß aber zickte er derart rum, daß wir ihm nun doch wieder den Wachposten im Bus aufdrücken müssen. Dennoch möchten wir hier nochmals auf seine Internetpräsenz: teddypard.de verweisen, denn dort gibt’s schöne Bilder und ein zu füllendes Gästebuch.
Irrsinnigerweise ist gestern Nacht im Hotel wieder ein Bild zu Bruch gegangen, und zwar bei der phantomimischen Nachäffung vergangener Ereignisse in besagter Unterkunft. Das ist so ungeschickt, daß man vom Rockklischee nicht sprechen mag. Es liegt ein Kern der Dekonstruktion in diesen Gemäuern.
Was enorm taugt, ist das Gewinnspielfrühstück in Meerbusch:
Die Meerbuschclique ist uns ja nun schon längere Zeit ans Herz gewachsen, und das Frühstück, das uns dort in illustrer Runde dargereicht wird, der leckersten Sorte. Nur der Zeitdruck treibt uns fort von diesem gemütlichen Platze. Sollte jemand nun bemängeln, ich hätte ruhig etwas ausführlicher darüber berichten können, möchte ich:
1. um Entschuldigung bitten, denn das stimmt,
2. erwähnen, daß ich eben auch kein besonders talentierter Chronist bin, und
3. vor allem auf unseren Podcast besagten Tages verweisen, der in Bildern alles so schön einfängt, daß Worte dagegen nur grau wirken könnten.

Die Fahrt nach Paderborn gestaltet sich.
Irgendwie. Paderborn selbst ist mir vor allem durch den gleichnamigen Song der Abstürzenden Brieftauben bekannt, da jener selbst aber nichts über Paderborn aussagt, weiß ich quasi nichts.
Wir spielen heute nicht im Club, sondern im Bistro, was uns schon vor gewisse Probleme stellt. Denn das Publikum kann uns entweder kaum sehen oder nur mäßig schön hören. Beides ist eher nicht drin.
Die Rauchmelder sollen überdies derart scharf sein, daß sofort die Feuerwehr kommt und 100000 Euro will, wenn man ein Strechholz entzündet (dramatische Überspitzung). Allerdings werden sie scheinbar mit der Zeit nacxhsiuchtiger, denn nach Konzertende dürfen wir plötzlich wieder im Backstage rauchen. Allerdings sind Veranstalter Hendrik und seine Crew wirklich sehr nett, wir kennen uns auch bereits von diversen Ballnächten.
Je nun, denken wir uns, und genießen erstmal Brötchen, Kaffee und Computer. Pensen geht joggen, der Rest rauchen. Lizzy ist omnipräsent und checkt einfach alles direktemang – wie haben wir das bislang hingekriegt?
Auch Amnesty International sind heute erfreulicherweise wieder mit einem Infostand vor Ort, wir können nur immer wieder aufrufen, zu unterstützen, zu unterstützen, zu unterstützen: amnesty.de – bitte checken.
Burger, Rüdi und ich geben noch ein kurzes Interview für die hiesige Unizeitung und verhaspeln uns ziemlich beim Versuch, auf die Frage nach dem Hartz 4-Song kompetent zu wirken. Im Bemühen, nicht allzu blöd zu wirken, kommt ziemlicher Nonsens raus. Was da krudes rausgekommen ist, treibt mir jetzt noch die Schamesröte ins Gesicht.
Dann Soundcheck. Dann Einlaß.
Der Raum füllt sich – allen Montagssorgen zum Trotz – ziemlich gut, zwar können wir die Zuschauerzahl vom letzten Mal nicht toppen, aber zumindest, und außerdem sind wir hier nicht auf einer Rekordfahrt, sondern auf einer Konzerttour.
Da der Backstageraum der Bühne gegenüberliegt, mischen wir uns zu unserem Bombastintro unters Publikum, derweil Pensen im Dukeln auf der Bühne die Stehlampe vermittels Steckdosenbedienung zum rechten Zeitpunkt leuchten läßt.
Konzert hat begonnen:
Wir spielen ein schönes, etwas zügiges erstes Set, denn die Tatsache, daß wir recht tief sitzen, macht uns ein klein wenig nervös. Aber Spaß macht es trotzdem.
Ach ja, wir haben natürlich wieder die Sitzordnung gelost, allerdings haben Rüdi und ich unsere alten Plätze gezogen. Hm, wie gelost, so gesessen.
Die zweite Hälfte des Konzerts gewinnt dann plötzlich enorm an Drive. Das Publikum macht nämlich ziemlich gut mit und wir sehen viele lachende Gesichter, scheinbar spaltet sich die werte Hörerschaft in alte Wegbegleiter und Neuzugänge. Das spornt uns natürlich auch an. Eine akkustische Konstante bildet zudem ein recht trunkener Herr in der ersten Reihe, dem mit grandiosem Timing permanent die Biergläser zerschellen. Plötzlich befällt uns der Albernheitsvirus und Bäche von Lachtränen fließen von der Bühne, machen den Boden glitschig, worauf noch mehr Gläser zerschellen. Es wird unglaubklich lustig. Auf Rüdis Seite befindet sich quasi eine Zuschauerempore mit total feierwilligem Publikum, die interaktiven Teile lassen noch mehr Lachsalven im gesamten Raum hochgehen, Chaos galore. Irgendwo zwische debil und genial. Versehentliches Big Amusement – Großartig!

Völlig aufgedreht und durch stolpern wir schlußendlich von der Bühne, Glückshormone, Prost!
Nach dem Konzert sitzen wir bei Pizza und Salat ein bißchen beisammen, allerdings merken wir so langsam den permanenten Schlafmangel in den Knochen und fahren ins Hotel. Dieses befindet sich in Bad Lippspringe, einen Ort, den ich auch wiederum nur von Stuckrad-Barres Livealbum kenne, womit dem aufmerksamen Leser ein inhaltlicher Bogen aller Tourberichte auffallen müsste.
Die meisten wollen jetzt noch Olympia gucken, aber nicht mit mir: Dusche, Bett und Zigarette sportiven Charakters machen mich herrlich bräsig.
Ich teile mir ein Zimmer mit Urs, der just vom Olympiaschauen zurückkehrt („Gab nur Synchroneistanz, noch blöder als Eiskunstlauf.“) und von Moonraker erzählt, der das Alternativprogramm stellte: James Bond kann alles, sogar innerhalb der Erdatmosphäre schweben und mittels Atarijoystick manuell Raketen zerlasern.
Nicht weniger trashig ist der Film Spiceworld, den wir uns noch zum einschlafen gönnen. Zitat der Nacht kommt von Victoria:
„Das Kind kommt schon nicht von alleine raus, du hast immerhin noch die Strumpfhosen an.“
Damit wäre wohl alles gesagt.

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